+Go March: Minimal Post Rock mit Kraut-DNA

Auf dem diesjährigen The Great Escape-Festival im lebendigen, südenglischen Seebad Brighton gab es wie jedes Jahr innerhalb von nur drei Tagen Hunderte von Bands in jeweils 30-minütigen Livesets zu begutachten. Wie immer bei solchen Showcase-Festivals sind im Vorfeld umfangreiche Scoutingarbeiten vonnöten, um potenziell lohnenswerte Kandidaten für Konzertbesuche auszuloten – und dennoch hinterlassen nur die wenigsten Bands, die man auf dem Festival für neue Musik zu sehen und hören kriegt auch einen bleibenden Eindruck.


„Rise“


Als seltener Glückstreffer mit stilistischer Identität, eigenständiger musikalischer Vision und handwerklicher Klasse erweist sich am Samstagnachmittag das relativ neue belgische Trio Go March, das sein zweites Festivalset im Patterns-Club zum Besten gibt. Philipp Weies (Gitarre), Hans De Prins (Synthis/Keyboards) und Antoni Foscez (Schlagzeug) präsentieren dabei einige Tracks vom Ende 2015 erschienenen Debütalbum der Instrumentalband aus Antwerpen (s/t, Unday Records/N.E.W.S.), das eine perfekte, minimalistische Synthese aus klassischer Düsseldorf-Elektronik, Kraut-, Post Rock- und Math Rock-Elementen bietet.


„The White Lodge“


Die Synthesizer von De Prins erinnern streckenweise an Kraftwerk, setzen das Bass-Fundament und begeben sich immer wieder in Dialoge mit den Gitarren von Weies, die zwischen abgespaceten Krautphrasierungen und Post Rock-Flächen meandern. Das aufmerksamkeitsstarke Rückgrat der Band bildet die hochpräzise groovende Schlagzeugarbeit von Foscez, die entweder durch minimalistische Math Rock-Präzision glänzt oder mit der motorischen Kraft von Neu! oder Maserati daherkommt. Repetition ist das Stilmittel der Wahl, der rote Faden, der den Hörer in die Musik saugt, in einen akkustischen Tunnel schickt. Auf eine musikalische Reise mit der Band, die nie langweilig wird, weil die Arrangements immer wieder Überraschungen zu bieten haben. Die Produktion der Platte hat der deutsche Gitarrist Philipp Weies übrigens selbst erledigt und sich dabei von der Soundidee zeitgenössischer Elektronik beeinflussen lassen – das Ineinandergreifen der Elemente ist wichtiger als jeder einzelne Sound für sich. Und: weniger ist mehr, der konzeptionelle Minimalismus bietet den Musikern Raum für intuitive Spontaneität.


„Lighthouse“


Live ist der Band anzumerken, dass das Material ursprünglich in Jam Sessions, durch die gute Chemie der Musiker untereinander, entstanden war – das Zusammenspiel wirkt kraftvoll und voller Frische, ist zugleich handwerklich perfekt und organisch ineinandergreifend: das Klangbild für ein Trio bei aller Transparenz enorm vielschichtig. Echte Ausnahmemusiker mit Herz und Verstand, vor allem aber mit einer gemeinsamen musikalischen Idee. Nach einer halben Stunde ist die Show im gut gefüllten Patterns dann bereits zu Ende. Ein kurzes Bedauern, ein inneres Nachklingen. Und man wünscht sich sehr viel mehr, hofft, gerade nur die Anfänge einer großen Band miterlebt zu haben.

 



///Links

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Go March bei discogs
Go March – Online-Shop
Unday Records

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