+Kurz rausgehackt: April 2016

Alternative Rock/Post HC/Noise Rock: „Outer Heaven“, der gerade bei Carpark Records erschienene, zweite Longplayer der Kanadier Greys ist stilistisch deutlich breiter aufgestellt als der Erstling. Neben den üblichen, nach vorne preschenden Noiseattacken finden sich auch melodische Post HC-Elemente, Abteilung frühe 90er. Gute Single: „No Star“. //RRRhund\

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Black Metal home recording/Drone/Experimental: Diesmal nicht All diese Gewalt! Hinter dem Pseudonym Obstler steckt Max Rieger von Die Nerven, der nach eigenem Bekunden zuhause ein paar Wochen ohne Netz auskommen musste. In dieser Zeit hat er mit „Heil Luzifer“ mal kurz eine spaßige, experimentell-dronige Black Metal-EP zusammengeschraubt, die nur so rauscht … Lieblings-Songtitel: „I Went To Scandinavia Once And I Liked It.“ //RRRhund\

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Alternative Rock: „Below“, die aktuelle Single von der neuen White Lung-Platte „Paradise“ (Domino, 6.5.), ist für die Bandverhältnisse eher zurückhaltend im Midtempo- und Alternative Rock-Sektor angesiedelt und musikalisch von einem Easy-Going-Sommervibe getragen – Ohrwurmqualitäten inklusive. Daran ändern auch die im Video als Marilyn Monroe posierenden, zunehmend Verzweifelten nichts – Mish Way im Glam-Outfit hatten wir glaube ich auch noch nicht …. //RRRhund\

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Post Punk/Psych: Viet Cong aus Kanada heißen ab sofort Preoccupations – und sonst ändert sich hoffentlich nicht viel. Das gilt vor allem für die enormen Livequalitäten des kanadischen Quartetts. Die Band ist im Sommer unter neuem Namen bei einigen Terminen in Europa auf der Bühne zu sehen, allerdings ist im süddeutschen Raum mal wieder nichts zu holen. Als kleine Entschädigung hier eine fantastische Liveversion von „Death“ vom selbstbetitelten, ersten Album – die Studioversion war im letzten Jahr auch häufig in RRR-Sets zu finden. //RRRhund\

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Indie Rock/90s Alternative/Garage Pop/Songs: Auf die Scheibe freue ich mich schon seit dem Groningen-Besuch im Januar – aber genau jetzt ist die richtige Jahreszeit für die Veröffentlichung. Die Debüt-EP der sympathischen Slow Worries aus Amsterdam ist gerade erschienen (bei Graanrepubliek Records/Adagio830/Contraszt Records) und bietet wunderschönen 90er Garagen Pop mit starkem Songwriting – zum Verlieben. //RRRhund\

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Experimental/Post Punk/Dub: Hui, Überraschung! Raime, die heimlichen Stars des Londoner Kultlabels Blackest Ever Black haben ihren zweiten Longplayer fertiggestellt („Tooth“, BEB, 10.6.) und präsentieren mit „Dead Heat“ die erste Hörprobe. Wie immer minimalistisch, bissig, pitch-black und rasiermesserscharf auf dem Punkt. Die Scheibe ist ab sofort in der Preorderphase. //RRRhund\

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Indie/Dream Pop: Lief vor zwei Monaten schon mal bei RRRsoundZ Februar, jetzt gibt’s auch ein Video. „Chlorine“, die aktuelle Single der italienischen Dream Popper Birthh ist eine weibliche Antwort auf „Spanish Sahara“ von den Foals (auf „Born in the Woods“, im März bei We Were Never Being Boring-Kollektiv erschienen). „You’re not wanted here.“ //RRRhund\

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Electronic/Nu Kraut/Nu Wave/Düsseldorf: Das Düsseldorfer Duo Die Wilde Jagd widmet sich in einer modern-nu wavigen, elektronischen Spielart der Kraut-Tradition der eigenen Heimatstadt. Das Video zu „Wah Wah Wallenstein“ (vom letztjährigen, selbstbetitelten Debütalbum bei Bureau B) kommt in trippigem Rot-Grün, die Musik pluckert hypnotisierend zwischen Kraftwerk, Neu! und anderen Epigonen der Elektronik-Stadt am Rhein. Im Mai ist die Formation im Mainzer Club Schon schön live zu besichtigen (17.5.) //RRRhund\

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Yak

Indie Rock/Garage: Eine der kraftvollsten britischen Bands aus dem klassischen Garagen Indie-Sektor sind für mich derzeit Yak. Neuestes Video: „Harbour the feeling“. //RRRhund\

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Cover: Hui! Was eine Version, was ein Video – die Flaming Lips haben sich Bowies „Space Oddity“ vorgenommen. //RRRhund\

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Soundtrack adaption/Experimental/Lynchism: Xiu Xiu waren am vergangenen Montag im Komma in Esslingen zu Gast, um ihre Interpretation von Angelo Badalamentis „Twin Peaks“-Serienmusik zum Besten zu geben – die musikalische Performance war herausragend … und passend zu den psychosexuellen Topoi auch auf der subliminalen Ebene sehr intensiv. Die Tracks wurde übrigens auch auf Tonträger gebannt und sind zum Record Store Day 2016 bei Bella Union erschienen. Da die erste Auflage ruckzuck ausverkauft war, wurde bereits eine nicht limitierte Nachpressung angekündigt. Hier das psychedelische Video zu „Nightsea wind“ und „Into the night“. //RRRhund\

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Idiosynkratischer Zucker-Pop, II: Noise-freie US-West-Coast, die sich voll und ganz dem leicht nostalgischen Synthuniversum widmet. Puzzle ist Fletcher Shears, der uns zusammen mit seinem Zwillings-Bruder in der Hauptinkarnation The Garden schon öfter und auch live erfreut hat. Ein Erdbeer-Eis kommt mittags niemals alleine. \K

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Idiosynkratischer Zucker-Pop: Noise-freies Synthie-Belgien, das sich in einer eigenen Zone zwischen den 80ern, 90ern und der Gegenwart bewegt. Hong Kong Dong wurde so circa 2008 vom Geschwisterpaar Sarah Yu Zeebroek und Boris Zeebroek ins Leben gerufen. Später kam noch Geoffrey Burton an der Gitarre dazu. Das süße Stück ist der erste Release aus der neuen EP „Dreaming in Paradise“ und ganz fabelhaft für einen spontanen Disco-Breakdown mit Erdbeer-Eis und Kopfnicken in der Frühlingsmittagssonne. Das überaus schöne Cover-Artwork stammt von Sarah selbst. \K

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Post HC/Grunge/Indie Rock: Yung, die Dänen aus Aarhus, hatten wir im Zuge der ersten EP und der selbstveröffentlichten Scheibe aus Dänemark ja schon einige Male gefeatured. Im Juni steht jetzt der erste international vertriebene Longplayer an („A Youthful Dream“, 10.6., Fat Possum Records). Auch die neueste Hörprobe „Uncombed hair“ deutet darauf hin, dass die ganz kantigen Punkausbrüche mittlerweile etwas zugunsten von mehr Wärme im Arrangement und Voluminösität im Sound geschliffen wurden. Still nice (no but …) //RRRhund\

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Avant Punk/Post Punk/Noise Punk: Spray Paint – das waren die noisigen Post Punker aus Austin, die letztes Jahr bereits zwei ziemlich gute Langspieler verbraten haben – haben schon wieder ein neues Album in der Vorbereitungsschleife („Feel The Clamps“, 3.6., Goner Records). Bei Soundcloud gibt’s mit „Burn Barrel“ gerade die erste Hörprobe, die wieder mit großartigen dissonanten Gitarrensounds glänzt. Die können scheinbar nichts falsch machen. //RRRhund\

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Post Punk/Semi Electronic/Experimental Cold Pop: Bei Soundcloud gibt’s drei Tracks von der neuen Suuns-Scheibe „Hold/Still“ (15.4., Secretely Canadian). Und wow, was eine Platte … Am 5. Juni ist die Band dann live auf dem Maifeld Derby 2016 zu begutachten. //RRRhund\

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Post Punk/Nu Wave: das neue Video zum Eagulls-Track „Skipping“ vom zweiten Album „Ullages“ (13.5., Partisan Records). //RRRhund\

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Electronic/Experimental/Industrial/Goth disco: Sean Halpin aus Providence, Rhode Island, ist mit seinem Soloprojekt Craow zwar schon seit einigen Jahren in der U.S.-Underground-Tape-Szene zugange, ist so aber natürlich nur einem sehr beschränkten Personenkreis aufgefallen. Das dürfte sich nun aber ein kleines bisschen ändern: Beim gerade zurecht recht angesagten Noise- und Industriallabel Nostilevo aus L.A. ist jüngst das Longplayer-Debüt von Craow (s/t, Vinyl oder digital via bandcamp) erschienen, das mit einer gelungenen und frisch klingenden Mischung aus rhythmusbetonten Industrialsounds, Goth-Disco-Elementen und Elektronikexperimenten daherkommt, in die ab und an eine verfremdete Gitarre eingebaut wird. Demnächst bestimmt in der dunklen Krachdisco Ihres Vertrauens zu hören: das EBM-inspirierte „L.A.“ //RRRhund\

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Nu Kraut/Motoric Beats/Pyschospheric Drone: Avoid Avoid sind eine relativ neue neuseeländische Band aus dem Flying Nun Records-Universum, die mit „Particle & Wave“ gerade ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Keyboarderin/Sängerin Sonya Waters (Ex-Fang, Ex-White Swan Black Swan), Gitarrist Stephen Reay und Drummer Brendan Moran (beide Ex-The Subliminals) sind aber sehr erfahrenes Bodenpersonal und so wundert es nicht, dass gleich der Erstling des „Psychopheric Drone“-Trios mit starkem Material und meisterlichem Klangbild daherkommt. Als Rückgrad dienen die stoisch treibenden, toll groovenden Motorik-Beats und die Bass-Sequenzen aus dem Keyboard; darüber tragen dann die monoton-dronige Gitarre und der leidenschaftlich-entrückte Gesang zum hypnotisierenden Psych-Gesamtbild bei. Gute Nummer und demnächst in meiner Nu Kraut-Sektion zu betanzen: „Drones“. //RRRhund\

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Industrial Techno/EBM: Blush Response haben mittlerweile mit „Reshaper“ (bei Ant-Zen) ihre neue Scheibe am Start, die sowohl aggressive EBM-Banger im Früh 90er-Stil als auch harte, hypnotische Tribal-Techno-Nummern wie „Transcendence“ zu bieten hat. //RRRhund\

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Post Punk/Doors cover: Die Doors einmal quer durch die Post Punk-Nölmaschine geschoben ;D – „Touch me“ in der Fassung von Institute aus Austin ist auf „Todo Muere Volume 5“, der jährlichen Compilation von Sacred Bones Records zu finden, die jeweils zum Record Store Day erscheint. Die Band ist im Juni auch zum ersten Mal auf Tour in Europa – ich weiß angesichts der Tourdate-Staffelung bloß nicht, ob ich mich darüber freuen kann: der Westen, Süden, Südwesten Deutschlands kriegt mal wieder rein gar nichts ab. Bleibt also Basel oder Antwerpen. //RRRhund\

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Post Punk/Death Rock/Noise Rock: Meine Güte, was eine Platte, und der Groschi von 12XU hat sie mal wieder zuerst gefunden – so ziemlich die einzige Scheibe aus dem Post Punk-Sektor in den letzten Monaten, die auf Anhieb meinen Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen ließ, ist letztens bei Arrowhawk Records erschienen. „Swarm“, der neue Longplayer des New Yorker Trios Bambara, ist eine perfekte Mischung aus morbider Atmosphäre, unbändiger Kraft und tollem Songwriting. Wie die Traumverknüpfung von sexy-sumpfigen Birthday Party, giftigen-noisigen Swans und der atmosphärisch fließenden Energie von Iceage – das Ganze produziert von Ben Greenberg, der sich in den letzten Monaten zu so etwas wie dem Steve Albini der New Yorker Post Punk-Szene entwickelt hat. Hier „An Ill Son“. //RRRhund\

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Alternative/Electronica/Dark Psych: Anders Trentemøller ist nicht nur als Remix-Künstler, Produzent und mit seiner eigenen Musik weiterhin ebenso hyperaktiv wie erfolgreich sondern hat mit In my Room! mittlerweile auch ein eigenes Label gegründet. Neueste Veröffentlichung ist die „Small Disasters“ EP (12″ Vinyl oder digital) von TOM And His Computer. Hinter diesem Namen steckt der befreundete Kopenhagener DJ und Produzent Thomas Bertelsen, der auf dem Kurzspieler eine Mischung aus Goth-inspirierter, moderner Electronica, LoFi-Gitarren und cinematographischen Soundscapes präsentiert, die in ihrer atmosphärischen Sinnlichkeit eher für die Couch als den Dancefloor gedacht ist – übrigens ganz ähnlich wie die Langspieler des Meisters selbst. Hier das Video zu „La Fontaine“ mit einem individuellen Rundgang durch New York. Auf bandcamp gibt’s die komplette EP zum Durchhören. //RRRhund\

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Organic Techno/Motoric Beats/Experimental Dub: Nisennenmondai ist rein weibliches, klassisch besetztes Trio aus Tokio (Sayaka Himeno – Schlagzeug, Yuri Zaikawa – Bass, und Masako Takada – Gitarre), das sich seit 1999 der Instrumentalmusik verschrieben hat. Lagen die Einflüsse anfänglich noch im klassischen No Wave-, Noise- und Avantgarde-Bereich (Sonic Youth, DNA, This Heat und Konsorten), haben sich die Drei über die Jahre einen rhythmisch strukturierten, hypnotischen Minimalismus erarbeitet, der unter dem Schlagwort „Organic Techno“ – also mit echten Instrumenten gespielter Live-Techno – gefasst wird. Nach einer Zusammenarbeit mit dem Elektronik-Produzenten Shackleton im vergangenen Jahr, die bereits für einiges Aufsehen gesorgt hatte, hat die japanische Band mit „#‎N‬/A“ (= Nisennenmondai + Adrian Sherwood) nun ein neues Studioalbum am Start, bei dem deren episch-motorische Jams durch das Mischpult des legendären Dub-Produzenten gefiltert wurden: Herausgekommen ist dabei ein hoch interessanter, formal strenger Experimental-Techno mit abgefahrenen Dub-Soundelementen. Erschienen ist die Scheibe natürlich bei On-U Sound – hier ein Originaltrack vom neuen Album, ein Remix sowie ein fantastischer Livetrack, der das ganze Potenzial der Kombination zeigt. Hier außerdem eine Liveversion von „B2“ von der Vorgängerscheibe „N“. sowie ein komplettes Boiler-Room-Liveset vom Mai 2015. FFO Factory Floor, neuere Chris & Cosey, Experimental Dub-Aficionados. //RRRhund\

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Indie/Nu Wave/Shoegaze: Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass „Of Desire“ (bei Invada Records erschienen), die neue Platte des britischen Nu Wave-Duos The KVB sehr gelungen ist? Hier das starke „Never enough“ … //RRRhund\

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Bo.Ningen_Cigale


Alternative Rock/Psych Rock/Jam Rock/Nu Kraut: Live-Leckerbissen aus dem Pariser Club La Cigale – ein komplettes Konzert der in England residierenden, japanischen Formation Bo Ningen, die gerade mit den Savages auf Europa-Tour war. //RRRhund\

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