+Kurz rausgehackt: April 2017

Nu Wave of Belgian Noise Rock: Hübsches Add-on zum Belgien-Artikel auf bandcamp daily, diese Gitarrenwellen haben sie übersehen, dabei plongt das Ganze ziemlich mächtig: typischer musikalisch hochqualitativer Weirdo-Sound aus dem westlichen Nachbarland – das Live-Video zu „Paperguts“ von Crowd of Chairs aus Ghent. //RRRhund\

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Düsseldorf Achtziger Total-Flash-Back: Das Hamburger Label Bureau–B nimmt sich die feine Stadt am Rhein im retrospektiven Kö-freien und weitgehend kosmisch-krautlosen Zeitsprung vor. Veröffentlicht wurden die 13 raren Tonerzeugnisse auf der „Sammlung (Elektronische Kassettenmusik, Düsseldorf 1982​–1989)“ einst von Kassetten-Labels. Kreiert von popfrei-denkenden Vertretern ihrer damaligen avantgardistischen Parallelwelt-Szene. Zu nennen seien dann in diesem Zusammenhang: Konrad Kraft, Deux Balaines Blanches, Ettlinger, Mentocome, Frigorex, Dino Oon, Pfad Der Tugend, Kurzschluss, Wooden Barrows, Le Petit Mort, Strafe Für Rebellion, Maria Zerfall, und ADD. Beispiele: Pfad der Tugend ist eher im lieblicheren tonalen „Einklang“ mit sich. Viele heulende Wölfe umrunden dagegen ein groteskes „the cash box is empty“ (Strafe Für Rebellion – „Boston“). Eine bemerkenswerte Sammlung. Ich mag Düsseldorf, heute, gestern. /K

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Alternative/Post Punk Gospel/Dystopian Soul: In ihrem aktuellen Video zum Titeltrack vom neuen Album „The Underside of Power“ (23.6., Matador) präsentieren sich Algiers aus Atlanta im Kontext von Jahrzehnten linker emanzipatorischer Protestkultur. Und das ist bei der Band ja auch authentisch wie programmatisch. Auf dem Produzentenstuhl saß diesmal übrigens Adrian Utley (Portishead). Das ändert aber im Grunde nichts an der Kraft dieser Formation; die haben was zu sagen – and it shows. //RRRhund\

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Lesestoff: bandcamp daily, der gut gemachte Blog des beliebten Musikportals hat sich eines unserer Lieblingsthemen angenommen – die aktuelle belgische Undergroundszene. „The New Weird Belgium.“ //RRRhund\

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Semi Electronic Post Punk/Nu Kraut: Ihren Elektro-Pop-Trip wieder ziemlich hinter sich gelassen hat die dänische Formation Kriget, die sich mit ihrem aktuellen Video „Choke and feed“ in den Bereich der okkulten Geheimbünde begibt. Musikalisch gesehen gibt’s einen tribalartigen Krautrock-Beat auf die Ohren, der erst gegen Ende frei nach vorne prescht. Die Harmonien sind eher düster, auch das Arrangement ist vom 90er Dark Alternative inspiriert und kommt spröde, kantig, Post-punkig daher. Das Ergebnis wirkt dank moderner Elektronikelemente und Produktionsmethoden dennoch nicht retro, sondern frisch: guter Track. //RRRhund\

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Geniales Cover: Boy Division sind eine Hamburger Kult-Coverband, die seit vielen Jahren Indieklassiker mit ihrem Band-typischen LoFi-Garagen-Sound zum Besten geben. Die Ruhrpottpunks von Oiro haben jetzt die witzige Idee umgesetzt, für die Boy Division-Version von „Mad World“ das Originalvideo von Tears for Fears nachzustellen. Genial, akutes Goldigkeitsverbot! //RRRhund\

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Nu Wave/Nu Kraut: Geniales neues The KVB-Video zu „Night games“ vom aktuellen Album „Of Desire“, das Under the Skin-inspirierte Nacht-Cruising-Szenen auf ein älteres, langzähniges Genre bürstet. //RRRhund\

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Nu Old Kraut: Die Krautrock-Ikonen faUSt haben tatsächlich demnächst ein neues Album am Start („Fresh Air“, 5.5., bureau b). Genauso überraschend ist, dass „Lights flickr“, die erste Single, richtig Feuer im Arsch hat. Gutes Video auch. Quality, baby. //RRRhund\

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Mixtape/Mexican Experimental Scene of the early 80s: Alessandro Adriani, der Labelchef von Mannequin Records und selbst begnadeter Elektroniker, hat für Radio Cómeme in Berlin ein Mixtape zusammengestellt, das die mexikanische Experimentalszene der frühen 80er featured. Amazing stuff: „El Diablo En El Cuerpo“. //RRRhund\

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Sludge/Doom/Drone: „The feet are to remain unnamed.“ Eine der heftigsten Kapellen der britischen Sludge-Szene sind gerade Khünnt, die in bester Tradition der düster-experimentellen Noise Rock-Szene agieren. Hier das konsumfreundliche 3-Minuten-Video zum Track „Failures“, der sich im Original über 40 Minuten ganz langsam aber gleichsam unaufhaltsam entfaltet. Würde ich mir live glatt anschauen, also bitte einmal ab über den Teich. FFO Sunn O))), Swans und dem ganzen Sludge-Universum. //RRRhund\

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+Belgisch/Congolesischer BLAST FROM THE PAST: Das künstlerisch-wärmende Gegengewicht zum ziemlich kühlen Post-Oster-Sonntag und gleichzeitig ein feiner Groove Tipp zwischen Präteritum und ja, durchaus, Futur. Afrikanischer Percussionism in Liaison mit Synth-Something-Electronics – läßt sich ganz exquisit in die Ohren eintüten. Das feine Label Music from Memory widmet sich in einem Mini-Album Denis Mpunga und Paul–K (aka Patrick Stas) und bringt eine Synthese einiger in den Jahren 1980 bis 1984 entstandener Stücke des Duos aus Liège. Hörprobe: „Criola“. Ich bin (ganz ohne crispy Strauss) jetzt ein gutes Stückchen glücklicher. Très bien aussi. /K

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Alternative Rock/Noise Rock: Huch, Gitarren! Huch, Rock! 😀 Christian Fitness ist das Soloprojekt des walisischen Langzeitaktiven Andrew Falkous – die Rede ist natürlich vom Future of the Left- und McClusky-Sänger. Das neueste, in kürzester Zeit im Studio zusammengehackte Album „Slap Bass Hunks“ (bereits das dritte in zwei Jahren) kommt mitreißend und erfrischend daher – ist im Ergebnis tatsächlich deutlich besser als die letzte Future of the Left, die mich letztlich eher kalt gelassen hat. Dabei arbeitet Falkous durchaus mit den gleichen Ingridenzien wie sein Hauptprojekt: meist kurze Songs, straighte, batschende Beats, furchteinflößende Bässe, catchy Noise-Gitarren-Riffs und die üblichen fiesen Texte. Aber irgendwie regiert hier sprühende Kreativität und beißender Humor, die Songs steuern direkt auf einen zu und fangen einen ein, es passt schlicht alles zusammen: tolle Platte. //RRRhund\

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Psych Rock/Space Rock: Nach dem Motto „Oberspacer unter sich“. Als die chilenische Psych Rock-Band Föllakzoid auf den legendären Jason Pierce AKA J. Spaceman von Spacemen 3 und Spiritualized traf, stellte man schnell fest, dass verwandte Seelen verwandte Musik machen, und das auch gerne zusammen – welch Wunder. Also haben sich die Jungs kurzerhand zwei Nummern der Südamerikaner vorgenommen und live im Studio neu eingespielt. Das Ergebnis der Kollaboration ist jetzt gerade unter dem Titel „London Sessions“ bei Sacred Bones Records erschienen. //RRRhund\

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Alternative/Dub Noir: Faszinierende Veröffentlichung aus dem Lustmord-Universum – „In Dub“ von Dread (gerade bei ant-zen erschienen) schafft in etwa das für das Dub-Genre, was Bohren & the Club of Gore aus Jazz-Artefakten im Noir-Bereich entstehen lassen: ein hochatmosphärisches, pechschwarzes Kleinod, dass das Ausgangsgenre nur als Plattform für ein ungewöhnliches Stilexperiment nutzt. Im Fall von Lustmord & Kollegen entsteht dabei etwas minimalistisch Groovendes und zugleich Lichtschluckendes – musikalische Antimaterie. Klingt manchmal ein bisschen wie Raime auf dem Massive Attack-Trip. Oder wie der House of Card-Soundtrack im Setting von Kingston. Und manchmal sogar noch besser, nämlich dann, wenn ein großartiger Morricone-Vibe mit ins Spiel kommt. Irre gute Scheibe. //RRRhund\

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Crossover Everything/Experimental Metal: Kinder, was ein Festtag – eine neue Igorrr-Platte namens „Savage Sinusoid“ (16.6., Metal Blade Records) ist im Anmarsch. Als Vorab-Leckerli gibt es Teil 1 eines spannenden Making of-Videos, das auf YouTube steht – allerlei aberwitzig gute Musiker, die an einem irrwitzig guten, durchgeknallten Album arbeiten. Also alles wie immer in der verrückten Welt von Gau­tier Serre. //RRRhund\

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Experimental/Amorphe Psychedelic-Klangcollagen: Wer erinnert sich noch an Broadcast? Die Spätbesetzung der Band war von ein paar Jahren im Rahmen der Schillertage im Nationaltheater zu begutachten und hat dabei sowohl musikalisch als auch visuell überzeugt. Mittlerweile haben James Cargill, Roj Stevens und Julian House (The Focus Group) mit Children Of Alice ein neues Projekt am Start, das mehr im experimentellen Feld der verzaubernden Soundscapes angesiedelt ist. Bei Warp ist im Februar das Debütalbum erschienen, das vier Tracks kompiliert, die seit 2013 als Teil des Folklore-Tapes-Kollektivs entstanden sind. Der Name des Projekts ist als Reminiszenz an die verstorbene Broadcast-Sängerin Trish Keenan gewählt, für die „Alice im Wunderland“ eine wichtige Inspirationsquelle war. Und so klingt das Ganze dann auch: Psychedelisch verschwurbelt – etwa so, als ob Broadcast ohne Rhythmussektion eine Zeitmaschine bestiegen hätten, um beim BBC Radiophonic Workshop der 60er Jahre auf Pilzen intensiv im Studio zu experimentieren. Und yep, die Pilze waren überdosiert. Leider steht kein kompletter Track von der Platte zum Streamen online, also muss die mit kleinen Vintage-Filmloops wunderschön gestaltete Website mit einem Ausschnitt vom ersten Track als Eindruck herhalten. //RRRhund\

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Elektronik-Existenzialismus: Der Schwede Jonas Rönnberg aka Varg nimmt uns mit seinem sehr interessanten Album „The Nordic Flora Series Pt 3, Gore-Tex City“ zusammen mit diversen Kooperationskünstlern (u.a. Drew McDowall & Alessandro Cortini) auf eine explorative und ziemlich bewölkte Reise durch diverse (Coil-artige?) Audio-Fragmente der Moderne. Räumliche Akzente von tiefen Synths, pulsierendem Tech und kosmischer Musik vereinen sich mit Streichern und Klavier. Auf einigen Stücken teils auch mit sanft-verschleppten Pop-Vocals (Blue Line (112 Rådhuset) mit AnnaMelina) und kompletten Sprechpassagen (Forever 21 / Valium mit Chloe Wise). Ausnahmslos Qualität, die Grenzen (Tech meets Rap in Form von Yung Lean) mühelos überschreitet. Released auf Northern Electronics. /K

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Experimental/Ambient/Piano: Ryuichi Sakamoto ist in Europa den Meisten weniger durch sein Wirken im Yellow Magic Orchestra als durch seine Kollaborationen mit David Sylvian und Alva Noto bekannt. Ende April veröffentlicht der legendäre japanische Pianist, Keyboarder und Komponist sein neues Album „async“ (28.4., Milan Records), das sowohl medidativ anmutende Klavierstücke als auch die aus den letzten Schaffensjahren gewohnten Experimente zwischen Dekonstruktivismus und Musique Concrète enthalten wird. Um die Albumtracks anzuteasern wurde eine ganze Reihe schöner Schwarz-Weiß-Kurzfilme gedreht, die jetzt kompiliert auf vimeo zu bewundern sind. Beim Thump gibt’s jetzt das komplette neue Album im Stream – zum durchhören. Eine gute Nacht wünscht der //RRRhund\

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Industrial+EBM Techno/Goth Remix: Völlig aus den Augen verloren hatte ich die in Berlin lebende, australische Goth-/Post Punk-Formation Ascetic: nach dem etwas enttäuschenden ersten Album „Self Initiation“ (von 2013), das die Intensität der Liveperformances nicht wirklich wiedergeben konnte. Die Band quasi innerlich abgehakt. Zu früh wie sich jetzt herausstellt. Dadurch ist mir entgangen, dass bereits Ende 2015 mit „Everything is becoming“ ein sehr gelungenes, zweites Album erschienen ist, das den heißen Atem der Undergroundszene des Wahlwohnortes atmet – deutlich dichter, moderner und abwechslungsreicher klingt als der Erstling. Noch viel besser funktioniert dieser neue Vibe auf der Remix-EP, die vor kurzem vom Berliner Label Instruments of Discipline veröffentlicht wurde: Die Kreuzung mit der dunklen Berliner Techno-Szene funktioniert prächtig, inbesondere die Ancient Methods-Version von „Utterings“ ist ein richtiger Tanzflächenfüller mit hohem Wiedererkennungswert. Und damit auch bei mir demnächst im Set. //RRRhund\

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Electronic/Semi-EBM Acid: Josh Cheon von Dark Entries Records aus San Francisco hat gerade mit „A Tape“ eine bereits vergriffene Kassetten-Veröffentlichung der deutschen Produzentin Helena Hauff zum ersten Mal auf Vinyl verewigt – eine Traum-Kombo. Die entsprechend den hohen Standards des renommierten New Wave- und Elektronik-Labels perfekt gemasterte Doppel-12″ enthält Tracks und Fragmente aus den Jahren 2013 bis 2016. Acid, Electro, EBM in ungeschliffen: „btdr1123“. //RRRhund\

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Industrial/Post Industrial: Die Underground-Legende Drew McDowell (Coil, Psychic TV) bewegt sich wieder auf Solopfaden – zwei Jahre nach Veröffentlichung des ersten Soloalbums („Collapse“) erscheint Ende Mai bei Dais Records mit „Unnatural Channel“ das Zweitwerk. Selbstverständlich kein Easy Listening-Sound sondern in bester Industrial-Tradition: die erste Hörprobe, der zweite Teil des Titeltracks. //RRRhund\

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Experimental/Loopy Solo Guitar/Tidal Minimalism: Kaum einer hat den Sound der Swans in den letzten Jahren so geprägt wie das langjährige Bandmitglied Norman Westberg. Weniger bekannt aber gleichsam faszinierend sind die Soloarbeiten des Gitarristen aus Detroit, die weniger auf die niederwalzende Kraft des Krachs als auf die psychedelische Sogwirkung des Minimalismus‘ setzen. Prozessierte Gitarrenloops türmen sich mit einer besonderen, texturalen Sensibilität wellenartig übereinander, fallen ineinander … erzeugen ständig neue Formen in Westbergs Klangozean. Die Rede ist von „Jasper sits out“, dem Titeltrack der aktuellen Veröffentlichung, die bei Lawrence Englischs Label Room 40 erschienen ist. Stuff for deep listening. Und auch sehr schön. //RRRhund\

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Electro/Electro Funk/Nu Wave: Die in Berlin lebende Exil-Heidelbergerin Waynette mischt gerade die Dancefloors der Hauptstadt mit ihrem Debüt auf („Eraser on the Dancefloor“, bei Supply Records erschienen). Die begabte Produzentin serviert beim Titeltrack ungewöhnlich frisch klingenden und nebenbei gesprochen auch herausragend produzierten Sound zwischen Electro, Nu Wave und Funk. //RRRhund\

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Alternative/Nu Wave: Die Tour zur neuen Trentemøller-Scheibe „Fixion“ ist gerade zu Ende gegangen – Electronic Beats war so nett, drei Tracks der Berlin-Show in stylischem Schwarz-Weiß zu dokumentieren: „Never fade“, „Complicated“ und „River in me“. //RRRhund\

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Alternative: Ein bisschen wie eine David Bowie-Nummer mit einem minimalistisch operierenden Stevie Wonder an den Keyboards. Dank funky Clavinet-Sounds transportiert „Grifting“, die neue Single der Kanadier Timber Timbre, ordentlich 70er-Vibes. Das Video ist eine rauschig schwarz-weiße Tarot-Annäherung (zu finden auf „Sincerely, Future Pollution“, gerade bei City Slang erschienen). Schnufte. //RRRhund\

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Indie/Lo-Fi Indie Folk: Mal was aus dem klassischen Indie-Sektor weil soooooo gut geeignet für den Frühsommer. Emperor X ist das Pseudonym, unter dem der in Berlin lebende Songwriter C. R. Matheny aufnimmt, auftritt und veröffentlicht. Am 5. Mai hat der Mann mit „Oversleepers International“ sein neues Album am Start, und wenn alle Nummern so gut sind wie die Perle „€30,000“ frage ich mich, warum der Timo Kumpf den noch nicht für Maifeld Derby gebucht hat. Wahrscheinlich weil Matheny demnächst gefühlte 2000 Tourdates in den US of A hat, die sich mit dem Termin des Festivals schneiden. 😉 Geilo. //RRRhund\

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Experimental/Magischer Surrealismus: In einem ganz eigenen, verschrobenen Paralleluniversum existieren Diamantener Oberhof. Das Duo mit dem merkwürdigen Namen – eine Kollaboration der keineswegs viel bekannteren Solokünstler Baldruin und Brannten Schnüre – klingt auf seinem Debütalbum von 2015 manchmal wie eine etwas hobbithafte, deutschsprachige Fassung des Dark Folk-Universums von Current 93, dann wieder dadahaft entrückt wie Der Plan. Nur bedingt taugliche Beschreibungsversuche für eine sehr, sehr eigene Klang- und Vorstellungswelt, der sich Vrystaete – das Experimental-Sublabel des holländischen Underground-Elektrolabels Enfant Terrible, das an dieser Stelle auch bereits einige Mal aufgetaucht ist – angenommen hat. Verstrahlter Sound für Freunde des Ungewöhnlichen. //RRRhund\

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Griechischer Underground II/Dirty Electronics/Industrial Techno: Etwa so düster gehts auch bei DJ Loser zu. Allerdings denkt der griechische Deejay und Produzent bei seinen magnetisch-dreckigen Produktionen deutlich mehr an den Dancefloor. Den Industrial- und Dark Techno-Dancefloor wohlgemerkt. Nachzuhören ist das Ganze auf dem Tape, das letztens beim Glasgower Label Clandestine Records erschienen ist. //RRRhund\

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Griechischer Underground I/Dark Techno/Post Industrial/Ambient: Restive Plaggona ist das Soloprojekt des Griechen Dimitris Doukas, der auf Korfu produziert, erst seit etwa zwei Jahren publiziert und trotzdem schon eine ganze Latte an hochqualitativen Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Die neueste Veröffentlichung heißt „Orders Rejected“ und ist gerade beim russischen Label NEN Records erschienen: Ambient-Melancholie trifft auf pulsierende industrielle Klangflächen und Düster-Techno. In bestechender Qualität: die Ambient-Sachen mit subtiler Sensibilität, die rhythmischen Tracks mit Kälte und Härte. Das Ganze mit der Atmosphäre einer Cyberpunk-Dystopie in Cinemascope – meine Experimental-Entdeckung des Monats. //RRRhund\

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Post Punk/Catchy Indie Rock: „Immer zu“, die ziemlich gute, aktuelle Single von INVSN, wird auf dem neuen Album („The Beautiful Stories“, 10.6., Dine Alone Records) der schwedischen Postpunks um Sara Almgren (Masshysteri, Noise Conspiracy) und Dennis Lyxzen (Refused, Noise Conspiracy) zu finden sein. //RRRhund\

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Elektronische Ruhe und emotionale Atemlosigkeit: Nach dem letzten fabulösen Album-Output „Love Means Taking Action“ hier nun Neues aus dem Hause Loke Rahbek in seiner Inkarnation als Croatian Amor. Digitale Sets von Chor- und Instrumentalklängen fügen sich zu sehr modernistischen Synth-Szenarien zusammen – vielleicht entfernt erinnernd an Fatima al Qadiri, aber ohne deren Brutalismus. Das Ganze wird zerschnitten von impulsartig aufwallenden Geräuschzyklen. Auch Asiatisches geistert durch „Sky Walkers“. Dazwischen immer wieder der komplexe, vielfache Einsatz von Stops. Das ist mal komplettes Innehalten. Oder es sind emotionsweckende Atempausen mit einem Sample eines tiefatmenden Läufers (auf der Flucht?). One life ends, another begins. Schönes Release. /K

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Noise Rock: Mit einem Vintage-Science-Fiction-Video kommt „Night wire“, der Titeltrack vom zweiten Yass-Album daher (gerade bei X-Mist erschienen). Und auch musikalisch wird der wuchtige, halbelektronische Noiserock-Sound des Schwarzwälder Duos durch spaceige Elemente ergänzt. Macht also ordentlich bämmm und fliegt gleichzeitig gut weg. Wieder klasse. //RRRhund\

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Indie Rock: Dinosaur Jr., Lemonheads – wer Bock auf den songorientierten, amerikanischen Herzschmerz-Indie Rock-Sound der End-80er hat, ist bei der neuen Scheibe der Australier TV Haze genau richtig. Klasse Songs, warme Schrabbelgitarren, und dieser Pre-Grunge-Vibe: „Under the couch“. („Scrap Museum“, 7.4., Poison City) //RRRhund\

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Psych Rock: Die Fuzz Club Sessions des renommierten englischen Psych-Labels mal wieder in Geschmacksrichtung „extra lecker“ – die US-Formation The Entrance Band stellt sich mit einer genialen Analog-Session vor … „Seedless easy peeler“. //RRRhund\

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Dark Electronics/Instrumental/Breakbeat: Neues Video von Love Cult – „Oversharing“ kommt mit 150 BPM, einem leichten Drum & Bass-Vibe sowie einem Video mit Tänzerin Alexandra Demkina daher und ist gemäß dem russischen Duo dazu geeignet, im Matsch zu tanzen oder in der Öffentlichkeit Rotz und Wasser zu heulen. //RRRhund\

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