+Kurz rausgehackt: Dezember 2019

Digitale Mixtapes: Groschi, der Betreiber von 12XU, dem wichtigsten deutschen Musikblog für undergroundiges Gitarriges, also (Garagen) Punk, Post Punk, Hardcore, Noise Rock, aber auch Power Pop und No Wave, hat gerade einen ganzen Sack Mixtapes mit frischem Sound auf Mixcloud hochgeladen. Hier die A-Seite der Verspannungskassette #2, Softcore-Edition, für den entspannten Einstieg. Härteres Zeug gibt’s auf der Verspannungskassette #3, Rot; Power Pop und ähnlich Eingängiges auf der gelben Entspannungskassette #1, Gelb, zu hören. Insgesamt mehr als 220 Minuten neue Musik, lauter cooles Zeug aus Groschis Bandcamp-Filterblase. Das nenne ich mal ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Das 12XU Posting zu den Tapes inklusive Tracklists. Groschis Seite bei archive.org. //RRRhund\

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Experimental Mash-up: Irgendwann werden in der Radiosendung auch noch ungewöhnliche Mash-ups zum Thema. Diesen Geniestreich werde ich dann aber wahrscheinlich nicht spielen: Der YouTube-User Louis Scheuer – offensichtlich ein Mensch mit großem assoziativen Vermögen – kam bereits 2015 auf die geniale Idee, aus „Mars“ von John Coltrane und „Rabbit’s revenge“ von Sunn O))) eine Track zu machen. Die monolithische Präsenz der Drone-Könige und das brennende Herz der Jazz-Legende ergänzen sich zu einem wahren musikalischen Feuerwerk. Brillant! //RRRhund\

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Experimental/Modern Classical/Musique Concrète: Der Altmeister. Steve Stapleton hat mit seinem langjährigen, legendären Experimentalprojekt Nurse With Wound unangekündigt ein neues Album namens „Parade“ rausgehauen, das – typisch NWW – komplett out of the box läuft. Eine assoziative, surreale Klangcollage, die in einem alptraumhaften, rauschhaften Fluss Elemente aus Neoklassik, Musique Concrète und Post Industrial vermengt; uns mitten in eine Parade aus der Vorhölle führt und mit stetigem Unbehagen konstant hinter den Vorhang des pompösen Scheins schauen lässt. Resümee: Der Mann arbeitet einfach auf einem anderen Level als die meisten seiner Zeitgenossen. Seriously recommended. //RRRhund\

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Electronic/Bass CrossoverAmbient Groove/Post Dub: Das französische Elektronik-Duo 2Kilos & More hat im Februar mit „Exempt“ ein neues Album am Start (12.2., ant-zen). Séverine Krouch (Electronik, Gitarre) und Hugues Villette (Elektronik, Drums) haben dafür wieder auf hochkarätige Gastmusiker zurückgegriffen. Auf dem Album zeichnet der Produzent Def für die Bassspuren aus dem MS10-Keyboard verantwortlich, bei der Hörprobe „Decibels“ ist es der markante, dunkle Sprechgesang des Produzenten Black Sifichi, der entscheidend den Charakter des Tracks bestimmt. Stilistisch arbeitet das Duo in einem verträumten Feld zwischen ambientesken Post Rave, Trip Hop und Dub-Spurelementen. Das Ergebnis ist hypnotische, lucide Bass-Musik mit vielerlei Berührungspunkten zu anderen Elektronik-Genres. //RRRhund\

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Psych Rock/Shoegaze: Das Bostoner Quartett Magic Shoppe hatte ich bis jetzt auch noch nicht auf dem Schirm, dabei ist die shoegazige Psych Rock-Band bereits seit fast 10 Jahren am Start, und hat in dieser Zeit vier Longplayer veröffentlicht. Der neueste heißt „Circles“ (in Europa bei Cardinal Fuzz erschienen) und überzeugt nicht nur durch das überragende Coverdesign, sondern auch durch massive Gitarrenwände und einen dunklen, magnetischen Gesamtsound. Hier das Video zum monumental-instrumentalen Album Opener „Trystan everglades“. Die Band ist im Februar in Europa auf Tour und schaut auch in der Region vorbei (14.2., Karlsruhe, P8). FFO Spaceman 3, härtere Shoegaze-Klassiker //RRRhund\

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Electronic/Slolectro: Das Madrider Electro-Label Rotten City Records hat seinem Ruf als einer der besten Vertreter des langsamen, psychedelischen Electro-Sounds in Europa – ich nenne es gerne Slolectro – mit der neuen Compilation „Rotten Citizens Vol​.​ 3 Remixes“ mal wieder alle Ehre gemacht. Von EBM-inspirierten Edits wie dem Two Mamarrachos-Remix von Roe Deers’ „Hunting“ oder dem Russian Girls-Remix von Thomass Jacksons „Copacabana’s Magic“ bis hin zu kühl schimmernden Leftfield-Clubsound (zum Beispiel der Cabaret Nocturne-Remix von D.Y.O.R.s „Devil’s Way“) oder gläsern-finsteren New Beat-Modernisierungen mit Carpenter-Vibe (der WLDV-Remix von JackWasFasters „Massolit“) – mal wieder eine Knallernummer nach der anderen. //RRRhund\

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Organ Post Punk/Post Goth/Minimal Industrial: „Ein kalter Traum voller Unsicherheit und Brüche“, so beschreibt die Band das Projekt. Nicht nur Anna von Hausswolff nutzt Orgeln mit großem Effekt im Rahmen experimenteller Rockmusik. Auch New War, eine Post Punk-Supergroup aus dem australischen Melbourne, hat auf der neuen Scheibe „Trouble in the Air“ solch ein monumentales Tasteninstrument, nämlich die Melbourne Town Hall Grand Organ, eingesetzt. Die Band besteht aus ehemaligen Mitgliedern von Bird Blobs, Limit of Shunt, Remake/Remodel, Sir und Shoplifting und ist bereits seit Ende der 00er Jahre aktiv. Als Auftragsarbeit für die Stadt Melbourne hat das Quartett vor zwei Jahren einen Liedzyklus für Elektronik, Bass, Orgel und Gesang komponiert und dann im Oktober 2017 live in der Melbourne Town Hall aufgeführt und aufgenommen. Eine psychedelische, eine intime Klangwelt mit stetigem, Kraut-inspiriertem Groove, mit teils noisigen, dunkel-droneig drückenden Orgelflächen und kaltem Frauengesang: der Album Opener „Bang on“. FFO Swans, Anna von Hausswolff. //RRRhund\

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French Synth Pop: „Die kühle Distanz einer Aschenputtel, die mitten im Schlamm tanzt“, sagt das Label. Heieiei, der Charme der westlichen Nachbarn mal wieder. Das bretonische Label Distag Records serviert uns mit „Nous avons joué tous les deux“ von Poupard eine galante Version französischen LoFi-Synth-Pops, bei der uns die Protagonistin von Pling-Pling-Sounds unterlegt skandalöse Texte ins Ohr … spricht. Müsst ihr noch mehr wissen? //RRRhund\

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Sci-Fi Post Punk/Garage/Strange Wave: Als ob Pris, die Replikantin aus Blade Runner, eine Band gegründet hätte, um den Voight-Kampff-Test zu bestehen. Die Beschreibung auf der bandcamp-Seite von Drunken Sailor Records war einfach zu gut, um sie nicht zu klauen. Neues aus der Szene von Cleveland: The Mind sind eine recht neue Band mit Mitgliedern von den Homostupids, Dry-Rot, Uranium Orchard und den Pleasure Leftists, kurzum aus dem Dunstkreis des Cold Vomit Labels, und präsentieren auf ihrem Debüt-Album „Edge of the Planet“ (seit September bei Drunken Sailor Records draußen) spannenden, schrägen, Garagen Rock-inspirierten Sci-Fi Post Punk mit viel Mut zum Experiment, der durch den klaren Gesang von Pleasure Leftists-Sängerin Haley Morris einen genialen Kontrast in sich trägt. Beim Album Opener „Blah na nothin“ meine ich in der Gitarrenlinie sogar den Einfluss der Art-punkigen US-Legenden MX-80 (Sound) zu erkennen. Eine spannende, rohe Platte, die mich für Vieles entschädigt, das die recht glatte letzte Pleasure Leftists-Scheibe zu wünschen übrig ließ. //RRRhund\

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Post Punk/Indie Rock: Anton Spetze, Gitarrist und einer der beiden Sänger der schwedischen Post Punk-Band Holograms, hat unter dem Namen Pleroma (nicht mehr der gleichnamigen Schweizer Band verwechseln) sein Soloprojekt gestartet, das stilistisch mit schwelgerisch-feurigem Post Punk daherkommt und dabei an Bands wie Gun Club oder Birthday Party erinnert. Die erste EP heißt „Vitriol“ und ist Ende November beim schwedischen Label Push My Buttons erschienen. Hier der sehr gelungene Titeltrack. //RRRhund\

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Esoteric Experimental Pop/Industrial Folk: Großstadt-Elfen auf geheimen Psychedelika feiern mit thelemischen Ritualen die Wintersonnenwende. Falls die Reaktion jetzt ein „Bitte … was?“ ist: saugt euch gerne ein eigenes Bild zu dem Zeug aus dem Hirn. Diese vier surrealen Tracks kommen meiner Idee von stimmungsvoller Weihnachtsmusik jedenfalls ziemlich nahe. Die Rede ist von der ätherischen Kollaboration der New Yorker Experimentalkünstlerinnen Eartheater und Leya. Gespenstischer, ungeheuer atmosphärischer Industrial Folk mit absichtsvoll verstimmter Harfe, geloopter elektrischer Violine und dem ätherisch-außerirdischen Gesang von Eartheater schießen euch in fremde Dimensionen. Magnetisches, schräges Zeug, perfekte Wintermusik („Angel Lust“ ist gerade bei PAN erschienen). /RRRhund\

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Drone/Ambient: Als geübter Musikhörer weiß man oft schon nach ein paar Sekunden, ob einen eine Veröffentlichung einfangen wird oder nicht. Drone-Platten haben oft eine andere Taktung, verändern das Zeitempfinden, also dauert der Vorgang ein paar Sekunden länger, funktioniert aber letztlich ähnlich. Bei „Dream Character“, dem neuen Album von Matt Jencik für Hands in the Dark, wusste ich nach etwa 30 Sekunden, dass ich mich in diese Platte verlieben werde. Der Produzent aus Chicago hat diesmal eine Vierspurmaschine, digitale Aufnahmemethoden, Sampling aber auch Instrumente wie Gitarre, Bass, Orgel und Synthesizer genutzt und dann alles meisterhaft zu einem rauschhaften Gesamtsound vermischt und prozessiert. Musik, auf die man sich komplett einlassen muss, die dann aber auch einges bietet. Jencik serviert dichte, zutiefst psychedelische Drone-Flächen voller Klarheit, nimmt den Hörer mit auf eine Reise ins eigene Innenleben, die je nach individuellen Empfinden und Zustand in Gefühlszustände der Entspannung und Befreiung aber auch der Beklemmung, Depression oder Verzweiflung münden können – eine musikalische Projektionsfläche des eigenen psychischen Zustands. Was die Klangwelt angeht, mag man das alles schon mal gehört haben, wenn aber auch nur selten so gut. Der Effekt beim Hörer ist jedoch einzigartig. //RRRhund\

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Electronic/Trip Hop/Dark Ambient/Post Punk/Soundtrack-like: Als ob man HTRK ins Bristol der 90er Jahre versetzt hätte. Unter dem Namen Lucid Dreams hat die UVB76-Crew, haben also Jason Luxton, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Overlook, und seine Freunde Dean Warburton, Joe Theobald und Manuela Marchis, auf dem eigenen Label Stone Tapes mächtig das Tempo rausgenommen und setzen auf eine im Raum treibende, tief melancholische Atmosphäre. Verhallte Dub-Sounds treffen auf devitalisierte Slo Mo-Hip Hop-Beats und Dark Ambient-inspirierte Soundscapes, die jedem Film-Soundtrack Ehre machen würden. Ein traumwandlerisches Album aus der Zwischenwelt des Halbschlafs – aus einem Guss, mit einem Sound. //RRRhund\

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Post Hardcore/Math Rock/Crazy Prog: Kleiner Nachtrag zu gestern. Ich stand in der Zwischenzeit in nettem Kontakt zu R6 Implant-Drummer Juan O. Conner, und es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass er auch das Rhythmus-Powerpaket des Math Rock-Trios Yowie ist, das ebenfalls aus St. Louis stammt, und seit 2001 drei Alben beim renommierten Label Skin Graft Records veröffentlicht hat. Die aktuellste Scheibe heißt „Synchromysticism“ und stammt von 2017. Irrer, abgedrehter Math Rock mit konstant fließenden Rhythmuswechseln und unendlichen atonalen Verwicklungen kurzum: mit musikalischem Wahnsinn am Fließband, der aus eurem Hirn eine immer schneller rotierende Schneckennudel macht. Hier der Album Closer „The reason your house is haunted can be found on this microfiche“ in der Livefassung. Das aktuelle Album findet ihr hier. //RRRhund\

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Post Hardcore/Math Rock/Prog Crossover: Ob man wohl ein Implantat braucht, um so Zeug so gut spielen zu können? Die Jungs von The R6 Implant geben auf ihrem bandcamp-Account zwar die Antarktis als Residenz an, stammen aber wohl tatsächlich aus St. Louis im Osten von Missouri (an der Grenze zu Illinois). Auf dem selbstbetitelten Longplayer-Debüt liefert das Post Hardcore-Quartett aus dem Mittleren Westen kraftvolle, präzise vorgetragene Math Rock-Songs mit den Genre-üblichen, krummen Taktzahlen. Die komplexen Arrangements mit Metal- und Old School-Crossover-Referenzen grooven auffällig rund, werden mit großer musikalischer Kompetenz umgesetzt. In der Vorgehensweise eher direkt und punkig als postmodern und verkopft, erinnert die Band in ihren groovigen Segmenten manchmal für ein paar Sekunden an eine harte, abgedrehtere Fassung von Primus, um im nächsten Moment die Kraft der kanadischen Helden No Means No (der Gesang!) oder eine Band aus dem Mike Patton-Universum in Erinnerung zu rufen. Ihr seht schon: eine Killerscheibe mit nur den besten Reminiszensen. Wie kriege ich die CD nur mit bezahlbarem Porto über den großen Teich? //RRRhund\

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Indie Rock: Ein Problem, mit dem sich die wenigsten von uns herumschlagen müssen. Im witzigen Video zu „Brother, you’re not my brother“ beschäftigen sich Mint Mind mit aufdringlichen Pseudo-Freunden, die in der Kneipe einen auf alten Kumpel machen, eine nicht vorhandene Intimität suggerieren und dabei schnell persönliche Grenzen überschreiten. Mint Mind ist das Indie Rock-Nebenprojekt des Tocotronic-Gitarristen Rick McPhail [auch das Mastermind hinter der Prog-Formation Glacier (of Maine)], das im Januar bereits sein zweites Album „Thoughtsicels“ via The Upper Room/Broken Silence beröffentlich hat, und mit dem Video die neueste Auskopplung präsentiert. FFO frühe Screaming Trees in der SST-Phase, Mudhoney, Pixies, Pavement, Love and Rockets, Dinosaur Jr. Nice tune. //RRRhund\

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Indie Rock/Psych Fusion: Imp of Perverse ist das Soloprojekt von Sean Lochridge aus Austin. So bunt wie die Bandszene der texanischen Kulturmetropole ist, so farbenfroh kommt auch der Stil des Einzelkämpfers her: Die aktuelle Single „Despair puff“ ist vom entspannten, filigranen Indie-Rock der 90er Jahre inspiriert und paart Psychedelic-, Shoegaze- und Fusionelemente. FFO Yo La Tengo, of Montreal. //RRRhund\

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Indie Rock/Slowcore: Da hat The Flenser wieder einen guten Riecher bewiesen. Neu im Roster des Labels aus San Francisco sind die wunderbaren Sprain, die ebendort im Frühjahr ihren Debüt-Longplayer veröffentlichen werden. Das Quartett aus Los Angeles um Alex Kent and April Gerloff existiert seit 2018 und verwebt in seinen warmen Slowcore-Kompositionen Frustration und Melancholie zu kleinen Songperlen. Dabei greift die Band nur sehr selten, aber dafür umso effektvoller zur kleinen Noise Rock-Keule. Hier die ausgesprochen gelungene erste EP von 2018, die einfach sehr schön geworden ist, und vermutlich zum Signing bei Flenser geführt hat. FFO Unwound, Duster, Slint //RRRhund\

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Cyberwave/Futurist Hardstep: Das meiste Zeug aus dem modernen Vaporwave-Bereich halte ich ja ehrlich gesagt für kalten, nichtssagenden Mist, der an der Oberfläche bleibt – Hipster-Fahrstuhl-Musik der 2010er Jahre. Aber mit Alex aus Edinburgh hat sich ein wohltuendes Gegenbeispiel aufgetan, weil hier anstatt in kitschige Plastikklänge Zeit in Sounddesign sowie clever eingesetzte, stilistische Aufspreizungen investiert wurde. „Surging chaos“, die instrumentale Vorabsingle zum Album „Blood City“ (rotes Vinyl ab 7.2.) ist jedenfalls ein mächtig vorwärts stapfender Cyberwave-Track im Halftime-Tempo, ein Monster mit ultrafetten futuristischen Sounds sowie Dubstep- und EDM-Einsprengseln geworden. Bin mal gespannt, ob der Rest vom Album da mithalten kann. //RRRhund\

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Alternative Rock/Pop Punk: Coole neue Band aus der italienischen Diaspora von London – The Kanz können was wie die erste Single beweist. „Carpe Diem“ ist ein energiegeladenes Stück Alternative Rock im Stile der End-90er, das sein dynamisch-komplexes Arrangement mit Leichtfüßigkeit verarbeitet und dabei virtuos zwischen Theatermusik-Elementen und Pop Punk-Brett changiert. Im Video posiert die Band als Gangster-Pokerrunde, die versucht, einen Gast auszunehmen … doch am Ende kommt alles ganz anders als geplant. Gute Nummer. //RRRhund\

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Experimental/Soundtrack: So manch einer hat schon das goldene Zeitalter der Soundtracks ausgerufen. Einen Mangel an herausragenden Fimmusik-Konzeptarbeiten gibt es in den letzten Jahren jedenfalls nicht zu beklagen – man denke nur an Mica Levis herausragende Arbeit zu „Under the Skin“. Neuestes Beispiel sind die Kompositionen, die der Elektronik-Produzent Matthew Barnes AKA Forest Swords für Liam Youngs Drohnen-Kunstwerk „The Machine Air“ (Vinyl oder digital, bei Dense Truth erschienen) entwickelt hat. Luftige Synth-Flächen und samtige Streicher treffen in den dichten Kompositionen auf dissonante Elektronikelemente und sorgen so für einen spannenden Kontrast. Man könnte sagen: In Töne gegossene Cyberpunk-Klaustrophobie. Jetzt will ich den Film unbedingt sehen, um das Gesamterlebnis zu haben. //RRRhund\

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Experimental/Post Rock: Spannendes aus Mexico City. Amor Muere heißt dieses ungewöhnliche Experimental-Quartett aus der mexikanischen Millionenmetropole und veröffentlicht Anfang nächsten Jahres mit „A Time to Love and A Time to Die“ sein Debüt-Album bei Umor Rex. Violine, Cello, Synthies und Tape-Manipulationen bestimmen die subtil ausgearbeiteten Kontraste im Klangbild der Vorabsingle „Can we provoke reciprocal reaction“, die mit synkopierter, aufgelöster Rhythmik, gezupten Streichinstrumenten und ätherischen Stimmflächen daherkommt. Die Kompositionen des Albums sind aus Improvisationen bei Livekonzerten des Projekts entstanden, und diesen luftig-improvisierten Charakter hört man auch schon bei der Vorabsingle. Einfache Melodien, die aus Schlafliedern für Kinder stammen könnten, trefen auf erhabene Post Rock-Arrangements, die von den anarchisch eingefügten, elektronischen Elementen kontrastiert werden. Was auf dem Papier schwierig scheint, ergibt hier aber eine stimmige Mischung. //RRRhund\

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Electronic/Darkgaze/Post Industrial: Sphärisch-elektronischer Darkgaze-Sound trifft auf massiv verhallte Noise-Elemente und sorgt so für subtil brodelnde, psychedelische Klangbäder, in die sich der Hörer nur zu gerne hineinlegt. Dementsprechend ist der Gesang auch tief in die Produktion eingebettet und wird Teil der großen Fläche. Nach vier EPs hat Lunacy, das Soloprojekt eines Produzenten aus Pennsylvania, mit „Age of Truth“ Ende November seinen Debüt-Longplayer bei Third Coming Records veröffentlicht. Hier das stimmige Video zu „Perception“. Wunderbar. //RRRhund\

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Electro/Synth Wave/Martial Pop: Paris bei Nacht ist hier keine klassisch romantische Geschichte. Eine moderne Electro-Variante des klassisch-minimalistischen Synth Wave-Sounds hat der bisher völlig unbekannte, französische Produzent Larme Blanche mit seiner Single „Paris La nuit“ für uns im Gepäck. Der ultramagnetische Track ist auf dem Debüt-Longplayer „Demain Est Mort“ zu finden, der im Januar bei Unknown Pleasures Records in Paris erscheint. Ein echter Hit für schwarze Tanzflächen. //RRRhund\.

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Psych Rock/Proto Punk/Dark: Mit einigen neuen Fuzz Club-Veröffentlichungen, mit einigen neu gesignten Bands konnte ich in den letzten Jahren nicht mehr viel anfangen. Das liegt natürlich auch daran, dass sich in den vergangenen acht Jahren so etwas wie ein klar wahrnehmbarer Labelsound etabliert hat, an dem man sich nach und nach satt gehört hat. So kommt es, dass die ersten Eindrücke, die man von einer neuen Platte gewinnt, oft nicht mehr so frisch und spannend sind – Stichwort „Déjà-Écouté-Effekt“. Vermutlich ein unvermeidlicher Vorgang, wenn sich ein Label etabliert hat und auch für einen bestimmten Sound steht. Und dann kommt auf einmal mit „Evil in your eyes“, der ersten Single vom zweiten Las Cobras-Album „Selva“ (11.1.), wieder so ein Song um die Ecke, der alles beinhaltet, was man am Sound des Londoner Kult-Psych-Labels schon immer geschätzt hat. Polternde Drums, droneig-düstere Psych Gitarren, beschwörende Vocals, dichte Atmosphäre – Leandro Rebellato und Sofía Aguerre servieren einen magischer Cocktail aus Darkgaze- und Proto-Punk-Elementen, der mich sofort in Klang einspinnt und verführt. Einfach top. //RRRhund\

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Noise Rock/Experimental Hardcore: „Branca hoes hardcore“, lautet das Motto der Jungs, und das passt auch recht gut. Atonale Gitarrenwände im Stil des New Yorker Komponisten treffen auf DIY-Noise Rock-Mentalität sowie die Brutalität der frühen Swans und feiern ein brachiales Fest. Die Youff of today kommt aus Gent, und Gent hatten wir schon lange nicht mehr. Das Quartett aus der heimlichen, belgischen Underground-Metropole ist mit seinem derben, experimentellen Sound auf dem aktuellen Longplayer „20/20 Hindsight“ bei den renommierten Labels Thrill Jockey und Skingraft Records gelandet, und das sagt schon eine Menge aus. Scheppert und lässt das Hirn dabei in fremdartigen Frequenzen schwingen. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post Hardcore: „Get my mind right“ (bei Run for Cover draußen) ist die aktuelle Single von Fiddlehead aus Boston. Das Quintett liefert perfekt temperierten Emo-Post-Hardcore im Stil der 90er Jahre mit dem dazu passenden Songwriting. Mag ich. //RRRhund\

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Electronic/Dark/Live Set: Ende November fand das Ombra Festival statt, das von Oraculo Records in Barcelona veranstaltet wird und dieses Mal in einem irren Line-up etliche Künstler versammelt hatte, die im Rahmen dunkler elektronischer Musik gerade Rang und Namen haben und spannend sind. Das Operator-Radio war ebenfalls vor Ort, hat etliche Live-Shows dokumentiert und wird diese in den nächsten Tagen nach und nach auf seinem YouTube-Kanal präsentieren. Bereits zu sehen ist das energische Live-Set, dass der in Berlin lebende australische DJ und Produzent Kristian Bahoudian, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Kris Baha, abgeliefert hat. Fette Klänge zwischen EBM, Synth Wave, New Beat und dem Industrial Techno der Berliner Schule. //RRRhund\

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Post Punk/Dark Alternative: Die italienische Post Punk-Band Kill Your Boyfriend beschäftigt uns schon seit diese Seite existiert. Mittlerweile hat das Duo um Matteo Scarpa auch hierzulande an Bekanntheitsgrad gewonnen. Bei den Songtiteln sind aus Männernamen Frauennamen geworden, sonst hat sich wenig geändert, qualitativ schon mal gar nicht. Das Video zur neuen Single „Elizabeth“ zitiert Giallo-Klassiker (300 Stück auf blutrotem Vinyl). Auf der B-Seite gibt es noch einen Remix vom Preoccupations-Gitarristen Daniel Christiansen. //RRRhund\

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Existenzialistische Avantgarde/Noise Rock: Gewalt. Das kompromisslose Berliner Trio um Noise Rock-Veteran Patrick Wagner, das gerne in bester Steve Albini-Tradition auf seiner Besetzungsliste den Drumcomputer als erstes Mitglied aufführt, hat mit neuer Bassistin Jasmin Rilke seine achte Single eingespielt und an Nikolaus via This Charming Man Records veröffentlicht. Das Video zu „Deutsch“ sprengt Seelen-Löcher, ist Psychogramm einer in Zeitlupe abkippenden Gesellschaft, die in ekelhaft selbstgefälliger Manier sehenden Auges geradewegs auf einen neuen Faschismus zuwankt. Die Band kommt diesmal ganz ohne musikalisches Schwarzpulver aus. Vielmehr lässt sich beim neuen Song eine gewisse formale Strenge attestieren, die die Dimension des Themas widerspiegelt. Das Video von Johannes Finke und der Text von Wagner bieten ja auch bereits genug Sprengkraft. Essenziell. Ein paar Vinyl-Restexemplare sind beim Label noch erhältlich. Unsere Empfehlung: Bestellen Sie in kackbraun. //RRRhund\

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Post Punk/Art Punk/New Wave: Die hatte ich im Frühjahr irgendwie verpasst, aber da ich wegen der nächsten Ausgabe von der Radiosendung gerade sensibilisiert bin (Thema am 27. Dezember: „Australien (1) – die Szene von Melbourne“), bin ich auch für alles aus der südaustralischen Metropole aufgeschlossen. Die Jungs von U-Bahn sind eine ziemlich coole, queere Art-Punk-Formation, die von Bands wie Devo und Oingo Boingo inspiriert ist, und haben im Frühjahr beim französischen Label Future Folklore Records ihre selbstbetitelte Debüt-LP veröffentlicht. I can’t get no U-Bahn: das Video zur Single „Beta boys“, das toxische Maskulinität aufs Korn nimmt. Im Frühjahr ist die Band übrigens zum ersten Mal in Europa auf Tour und schaut dabei auch in der Region vorbei (11.2., Mainz, Schon schön). //RRRhund\

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Electronic/Experimental: Von Nostilevo habe ich auch schon eine ganze Weile nichts mehr vorgestellt, dabei zählt das Label aus Los Angeles mit seinem Faible für Industrial-inspirierte, elektronische Experimentalmusik definitiv zu den konsistentesten Vertretern des U.S.-amerikanischen Undergrounds in diesem Jahrzehnt. Aus dem neuesten Batch an Veröffentlichungen hat es mir vor allem „All Dried Up“, das Doppel-Tape von Granite Mask (N° 105) angetan, weil viele der ausgebrannten Schwarz-Weiß-Tracks in einem seltsamen Zwischenzustand zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Kopf und Beinen, zwischen Dancefloor und Couch-Rezeption verharren. Perfekte Musik für die ersten Stunden in dunklen Leftfield-Clubs, klasse Teil. //RRRhund\

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Avantgarde Pop: Das Material der zum Quintett geschrumpften Londoner Formation HMLTD hinterlässt bei mir oft eindeutige Reaktionen, entweder finde ich die Nummer klasse, oder das Gegenteil ist der Fall – Zwischentöne sind da eher selten. Die aktuelle Single „Why?“ zählt zur ersten Kategorie – ein ungewöhnlicher Avant Pop-Song, der mit seinem Helium-Gesangseffekt und dem fremdartigen, fernöstlichen Exotica-Vibe zuerst an die frühe Phase der Residents erinnert, dann den Abflug in eine theatralische Welt voller Pathos macht, um schließlich mit introvertierten Chords von der Akustikklampfe auszuklingen. Schräges Teil, aber ein Treffer. Da passt das apokalyptische Manga-Video von Collectif 99 ziemlich gut – eine Allegorie auf die Dekadenz des zerstörerischen Spätkapitalismus („West of Eden“, 7.2., Lucky Number). //RRRhund\

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Experimental/Psychotronica: Unter dem Namen Ka Baird hat die Elektronikproduzentin Kathleen Baird gerade bei RVNG Intl. ihr zweites Album namens „Respires“ veröffentlicht, das äußerst gelungen zwischen psychedelischen Tribal-Elementen, Body Music und den Vokalkünsten der New Yorkerin changiert. Flüssige Sounds von Holzbläsern, Percussion und die vielfälftige Vokalakrobatik von Baird entwickeln dabei mithilfe von subtilem elektronischen Processing weitreichende psychedelische Effekte. Erstklassige Psychonautennahrung, die sich im Düsseldorfer Salon des Amateurs oder im Offenbacher Robert Johnson sehr wohlfühlen würde. //RRRhund\

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Indie Rock/Noise Rock: Die niederländische Indie Rock-Formation Neighbours Burning Neighbours hatte ich im Sommer im Rahmen ihrer ersten Europa-Tour im Radio vorgestellt (in einer Sendung von bermuda.music special auf Bermuda.funk). Damals konnte man das Quartett aus Rotterdam noch ausschließlich live begutachten. Das ändert sich jetzt mit der Debüt-7″ „Softly / Grace“, die gerade beim holländischen DIY-Liebhaberlabel Subroutine Records erschienen ist. Die Band präsentiert ihren atmosphärischen Indie Rock mit dem Mut zum Experiment, schenkt sich (und uns) Raum zur Entwicklung. Irrungen und Wirrungen sind im organischen Entwicklungsprozess der Arrangements konzeptioneller Bestandteil, werden als Voraussetzung gesehen, um neue Formen entwickeln zu können. Die Hörprobe „Grace“ erinnert mich etwas an die schwelgerische End-Achtziger-Phase der Noise Rock-Heroen Sonic Youth – also nur die besten Einflüsse noch dazu. Von denen werden wir noch einiges hören. //RRRhund\

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Alternative Rock/Heavy Space Rock/Stoner Rock: Zack, jetzt ist es passsiert, endlich gibt’s was auf Vinyl von den supertalentierten Dense aus Leeds, und das dürfte erst der Anfang sein. Der Nikolaus bringt nämlich eine Split-7″ mit den Sea Legs auf Come Play With Me, aber ist hoffentlich erfahren genug mit schwarzen Teerpappen, um das Teil nicht am frühen Morgen in den Stiefel zu quetschen. Zu hören gibt es „Fever Dream“, einem superheavy Take auf den Space Rock-Sound, den Hawkwind mal bekannt gemacht hat. Ein fetter, wuchtiger Halftime Groove, die massive Gitarre mit Maschinengewehr-Effekten und ein mega abgespaceter Gesang werden im Verlauf ins Rauschhafte gesteigert. Was ein Track – Lemmy wäre stolz auf die Jungs. //RRRhund\

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Post Punk/Dark Sonic Tidal Wave: Das französische Label Icy Cold Records ist auf meinem Post Punk-Menü im Moment ganz weit oben zu finden. Das liegt eindeutig am A&R-Riecher des Label-Betreibers, der im Moment bei seinen Releases einen Treffer nach dem anderen abliefert. Aber auch die Kooperation mit den Szenelabels Manic Depression Records und Swiss Dark Nights, die schon ein paar Monate mehr auf dem Buckel haben, sorgt dafür, dass der Bekanntheitsgrad des Labels gerade konstant nach oben geht. Neuestes Beispiel ist die finnische Formation [di: unru:], die diese Woche mit „Misophonia“ ihr Debüt für das Pariser Label abliefert (ein Co-Release mit Plastic Bomb Records, Erwin Brockovich und Occult Whispers Records). Die Hörprobe „Downward spiral“ erinnert ein bisschen an den Stil von Killing Joke, also giftig rockender Post Punk aus dem Doom & Gloom-Feld mit leichten Death Rock-Einflüssen. Cooler Song. //RRRhund\

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Nu Kraut/Post Punk: Nachdem mich die stilistischen Wandlungen auf dem neuen Longplayer „Mu!“ (dieses Jahr bei Rocket Recordings erschienen) insgesamt nicht so recht mitgerissen haben, darf ich verkünden, dass wenigstens „Irma“, die aktuelle Auskopplung des russischen Quartetts Gnoomes ein sehr eigenständiger, futuristischer Nu Kraut-Knaller mit treibendem Post Punk-Overdrive ist. Während das sphärische Weihnachtsgesäusel des zweiten Tracks „Xmas decay“ auch durch die spät einsetzende Brian Eno-Gitarre nicht mehr gerettet werden kann, weiß der Radiooff-Remix des Titeltracks mit seinem spaceigen Electro Kraut-Tanzflow wieder sehr zu gefallen. Ich mag es zu zwei Dritteln sehr, so ließe sich die Sache zusammenfassen. //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk: Neue Single von Voodoo Beach beim Berliner Label Späti Palace. Die Band punktet bei „Angst“ mit ihrem Post Punk-inspiriertem, swampy Indie Rock und einprägsamem, deutschsprachigen Frauengesang. Gelungenes Appetithäppchen für einen Longplayer, der nächstes Jahr folgen soll. //RRRhund\

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The Quietus, Albums of the Year 2019

Jahresendlisten I: Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen zum Sinn und Unsinn von Jahresendlisten und Rating-Systemen wie immer eine unglaubliche Fundgrube an spannender Musik – die Top 100 von The Quietus für 2019. //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk/Garage/Psych: Noch so ein gelungener Start, diesmal aus der schottischen Hemisphere. Darf ich vorstellen … John Meme und Paul Meme. Die Memes sind ein Laptop-Rock-Duo aus Glasgow, existieren gerade mal neun Monate, und haben auf ihrer grandiosen Debüt-E.P. den rotzigen Sound des Nordens im Gepäck. Auf „Blah Blah Blah“ (gerade beim französischen Label Six Tonnes de Chair erschienen) finden sich vier mitreißend frische Tracks zwischen rollendem Post Punk-Groove und dem Sprechgesangstil à la Sleaford Mods, Idles oder Fontaines D.C., der hier aber auch noch durch ein Megaphon geschickt wird. Tatsächlich herausragend und anders sind die vielschichtigen Gitarrenarrangements, die für Abwechslungsreichtum wie Bandidentität, für eine harmonische und stilistische Spreizung zwischen Garagen Rock, Post Punk, Noise Rock, 80er-Indie Rock-Klassik und Psych sorgen. Das Songwriting stammt aus dem besten Regal, die drei Originalkompositionen sind sehr catchy. Abgerundet wird die E.P. durch den sehr gelungenen Kid Grenade-Remix des Titeltracks, der Rave-inspiriert den Indie-Dancefloor ansteuert. Hammer-Debüt, von denen wird man noch hören! //RRRhund\

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Experimental/Electronic/Psychoactive Live Improvisation: Arno Bruil, Johann Mazé und Manuel Duval sind France Sauvage, ein französisches Trio, das mithilfe selbstgebauter elektronischer Instrumente psychoaktive, metaphysische Improvisationen entwickelt, die den Hörer in eine dichte, verspielte, surreale, süchtig machende Klangwelt ziehen. Auch das aktuelle Album „L’homme à Zéro“ (bei In Paradisum erschienen) ist von diesem Charakter geprägt, trotz aller Improvisationen ist im Hintergrund aber wie ein roter Faden eine narrative Linie wahrnehmbar. Eine eigentümliche Erzählwelt, die in einer seltsamen Hippie-Landkommune verortet zu sein scheint, die regelmäßig auf die Avantgarde aus der Großstadt trifft – moderne Nomadenmusik für den psychedelischen Adepten. FFO :zoviet*france:, Residents, Coil, TOPY //RRRhund\

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Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ
 
 
 
 
 

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