+Kurz rausgehackt: Februar 2016



Slow Dark Psych Rock/Shoegaze/Cinematic/Experimental: In einen langsam kreisenden, brodelnden Strudel aus dunklen Gitarrenflächen, Violinen und Orgelsounds ziehen einen Tales of Murder and Dust aus Århus mit „Sisters“ (gibt es auf Soundcloud gerade umsonst zum Download). Der dunkle, Post Rock-beeinflusste Track stammt von „The Flow In Between“, dem zweiten Album der dänischen Psych Rock-Formation, das demnächst beim britischen Psych-Label Fuzz Club Records erscheinen wird. Die Platte ist bereits in der Preorder-Phase. //RRRhund\

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Analog synth dancehall cover: Invada Records ist das britische Label des Portishead-Masterminds Geoff Barrow, Plattform für sein Kraut-Nebenprojekt Beak> sowie einige Psych Rock-Experimentalisten wie die Thought Forms. Zur Unterstützung einer Anti-Aufrüstungsdemo haben die Invada Allstars („who shall remain anonymous“) feat. Anika jetzt eine englischsprachige Coverversion des Nena-Klassikers „99 Luftballons“ eingespielt, die klingt, als habe man Nico und eine Dancehall-Band in ein Studio eingesperrt, das mit lauter Analog-Synths vollgestellt ist … und nur damit. Und dann noch das Cover mit Tony Blairs zerbrochener Pershing oder was auch immer das für eine Rakete ist. 😀 Weird stuff. //RRRhund\

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Indie Rock/Shoegaze: Nothing aus Philadelphia haben ihr neues Album fertiggestellt, das nach dem meisterhaften Erstling „Guilty of everything“ einige Erwartungen wecken dürfte („Tired of tomorrow“, 13.5., Relapse Records). Die erste Single „Vertigo Flowers“ klingt bei typischer Gitarrensoundwand erstmal sehr melodiös. //RRRhund\

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Alternative/Songwriter: Oh. My. God. <3 Nach fast siebenjähriger Pause ist einer meiner all-time favorites, Robin Proper-Sheppard mit seiner Band Sophia, aus der Versenkung aufgetaucht, und hat eine neue Platte samt Tour angekündigt („As We Make Our Way (Unknown Harbours)“, 15.4., The Flower Shop Recordings). Die erste Single ist für Sophia-Verhältnisse eher wuchtig-monumental als subtil und packt den Hörer in einen Breitwandsound ein: „Resisting“. Can not resist. //RRRhund\

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Electro Punk/Uptempo EBM/90s Industrial Electro/Power Electronics: Dem Versuch erlegen, den sensationell guten Erstling einfach zu kopieren, sind Youth Code beim Komponieren des neuen Materials wahrlich nicht – „Transitions“, der erste Track vom neuen Album „Commitment to Complications“ (8.4., DAIS Records) ist zwar wieder in jeder Beziehung sehr, sehr laut, klingt aber auch einfach anders als Material des Vorgängers – setzt gar noch einen drauf. Diesmal stecken noch ein Eck mehr die 90er drin, die Drums schreddern von 0 auf 100 einen 290 BPM-Beat im Stil von Al Jourgensen zur Zeit der harten Ministry- und Lard-Sachen – an Stelle von Gitarrensamples gibt’s aber Breitwand-EBM-Sequencer und sphärische Synth-Flächen. Zur Halbzeit wechselt der Groove dann in den stampfenden Halftime-Modus. Dazu passend liegt darüber wieder der schrille, superaggressive Gesang von Sara Taylor und fertig ist das kompromisslos unverschwurbelte Electro Punk/EBM/90s Industrial-Powerhouse. //RRRhund\

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Alternative Rock: Astairre aus Bottrop haben ihre erste EP „So lange wir noch funktionieren“ eingespielt und im Mannheimer RAMA-Studio bei Meister Bethge mastern lassen (1.4., Unter Schafen Records). Große Klarheit in den Arrangements, geradliniger Abgehsound mit guten deutschen Texten, sympathisches Live-Video mit den ganzen Kumpels im Proberaum (in der Wahlheimat Kölle): „Ich hasse meine Freunde“.

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Electronica/Trip Hop: Und das nächste stylische Knallervideo von der neuen Massive Attack-EP „Ritual Spirit“ – zu „Voodoo in my blood“, das zusammen mit der schottischen Alternative Hip Hop-Crew Young Fathers eingespielt wurde, hat die Band die Oscar-Aspirantin Rosamund Pike eingeladen, und eine Hommage an Zulawskis (R.I.P.) „Possession“ sowie „Phantasm“ kreiert. Sehr. Stark. //RRRhund\

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Cold Wave: Das britische Cold Wave-Duo The KVB hat zur aktuellen Single „In Deep“ ein schickes Video abgedreht, dass Bilder aus der frostigen Wahlheimat Berlin liefert („Of Desire“, 11.3., Invada Records). Der Song an sich ist auch ganz cool. //RRRhund\

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Indie Rock: Mit die beste Scheibe im klassischen Indie Rock-Sektor haben letztes Jahr die Cloud Nothings und die Wavves mit ihrer Kollaborationsscheibe „No Life For Me“ abgeliefert – einfach etliche Songperlen und ein schön roher, ungeschliffener Sound. Der Albumtrack „I find“ ist jetzt nochmal in einem alternativen Take auf Single erschienen, der fast eine Minute mehr Laufzeit hat ohne dass auch nur eine Sekunde davon verschwendet wäre (wie Kollegen von COS gerade passgenau angemerkt haben). Auf der Flip gibt’s dann noch einen Demotake von „No life for me“. //RRRhund\

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Power Electronics/EBM/Industrial: M Ax Noi Mach ist der Künstlername des Power Electronics-Produzenten Robert Francisco aus Philadelphia. „Walking at night“ ist ein dunkles, fieses, nächtliches Biest. Wie das Video auch. //RRRhund\

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„Stuttgart Rising“ – das Arte-Feature …

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Psych Rock/Space Rock/Nu Kraut/Drone: Der Multiinstrumentalist und Produzent Demian Castellanos steht mit seinem Projekt The Oscillation vor der Veröffentlichung des vierten Longplayers („Monographic“, 11.3., Hands In The Dark/All Time Low). Die Scheibe ist wieder unter Beteiligung der begnadeten Schlagzeugerin Valentina Magaletti (Tomaga, Raime, Moin, Shit and Shine) entstanden, die den zu Beginn des Projekts deutlich elektronischeren Sound durch ihr intuitives Schlagzeugspiel erheblich dynamisiert und mit einer unwiderstehlichen, organischen Komponente versehen hat. Im April ist die Band auf Tour zu begutachten (8.4., Köln, King Georg). Hier „Lonely people“. //RRRhund\

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Post Punk/No Wave Funk/Disco Not Disco: Die zu Groovefetischisten mutierten No Wave-Punks Guerilla Toss aus New York haben im März eine neue EP namens „Eraser Stargazer“ am Start (18.3., natürlich bei DFA Records). Zum Track „Doll Face On The Calico Highway“ serviert uns die Band ein wunderbares schrilles LoFi-Video, das an die wilden Anfangszeiten der VHS- und Beta-Videokunst erinnert. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post HC: Hier das neue Video der freakigen Vögel die Erde essen aus Berlin für „Gotischer Sakralbau“ vom aktuellen Album „Besuch von innen“. Die Band ist im März auf Tour und am 13. März in Mannheim zu Gast. Nicht verpassen! //RRRhund\

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Post Wave/Experimental/Semi Electronic/Surf Pop: Einen ziemlich spannenden Stilmix hat Tropical Horses in petto – bei seinen vorangegangenen EPs noch ziemlich auf der punkigen LoFi-Seite des Surf-Lebens zu verorten hat sich der kreative Pariser Einzelkämpfer auf dem Debüt-Longplayer „Mirador“ (23.2., Anywave/Montagne Sacrée Records) zusätzlich psychedelische und elektronische Elemente sowie einen abgespacten Gesangssound zugelegt, die den Gesamtsound zwischen warm und kalt, zwischen Shoegaze, verträumtem Elektro-Pop, und sorgsam eingebetteten noisigeren Passagen meandern lässt. Groovy, dreamy, und spaced out: „Dead Gaze Exorcism“. //RRRhund\

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Post HC: Zur guten „National Park“-Single von den Big Ups – yep, more than just a hint of Slint – gibt’s jetzt auch ein Video, das der alleinerziehenden Mutter des Sängers Joe Galarraga gewidmet ist („Before a Million Universes“, 4.3., Tough Love). //RRRhund\

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Punk Rock: Eins, zwei, drei, vier, Rotten Mind. Euphorisch-melodische, schwedische Old School Punk Rocker, weil der Jörkk mich gerade inspiriert hat. Hier das aktuelle Video zu „Damaged state of mind“ („I’m Alone Even With You“, Lövely Records). //RRRhund\

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Ambient/Moderne Klassik: Schon im November ist „Polish Night Music“, eine Kollaboration des Regisseurs David Lynch mit dem polnischen Pianisten und Komponisten Marek Zebrowski erschienen. Die beiden hatten sich während der Dreharbeiten zu „Inland Empire“ in Lodz kennengelernt und dann zu Experimenten in Lynchs Studio in L.A. zusammengefunden, deren Ergebis nun mit dieser Scheibe vorliegt. Superdüstere Ambient-Synth-Texturen dienen als Projektionsflächen für Zebrowskis sich konstant in der polnischen Nacht verlierende Pianolinien. Dark and bleak %#8211; ein bisschen wie Bohren & the Club of Gore im Soundtrack- und Neoklassik-Kontext. //RRRhund\

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HappyValentinesday

Happy Valentine’s Day, not: Powell & Loke Rahbek von Posh Isolation haben ein kleines, akkustisches Valentinstag-Präsent für die Person parat, die euer Herz gebrochen hat. „To hear it and send anonymously.“ //RRRhund\

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Garagen Rock: Ty Seagall and the Muggers haben letztens in der Colbert Show einen abgefahren-manischen Auftritt in bester Alice Cooper-Horror-Tradition hingelegt. Süßigkeiten verteilen und dann einfach umfallen: „Candy Sam“. //RRRhund\

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Cabaret Noire Indie: Ziemliche Charme-Bombe, dieses leicht surreale Kammer-Pop-Trio aus Leipzig – White Wine bestehen aus Joe Haege (von Tu Fawning), Produzent Fritz Brückner und Christian Kühr (von Zentralheizung Of Death des Todes) und liefern bei „Where Is My Line?“ eine gekonnte Mischung aus kleinen billigen Sounds, Text-Drive und Groove, das Ganze zu einer eigenartigen Cabaret Noire-haften Atmosphäre verschmolzen („Who cares what the laser says“, This Charming Man Records, März 2016). Pretty noice. //RRRhund\

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Garage Punk: Scharfe neue Band, die Mischa vom Popklub da gepostet hat. Yak aus London sind ein erfrischendes Garagen-Powertrio mit unbändiger Energie, bei dem der Pop Appeal dennoch nicht auf der Strecke bleibt. Auf diesem Qualitätslevel ist aus dieser Ecke schon länger nichts mehr aufgetaucht. Also wird man von den Jungs auch bald mehr hören, da bin ich mir sicher. Hier die aktuelle Single „Victorious“ („Alas Salvation“, 13.5.). //RRRhund\

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Coldgaze/Cold Wave: Wie die gemeinsamen italienischen Cousins von The KVB und The Soft Moon und in den letzten Monaten immer bei mir im Set zu finden: Schonwald. //RRRhund\

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Indie Rock/90s Alternative/Garage Pop/Songs: Im Januar beim „The Sound of Young Holland“-Programm in Groningen entdeckt, stehen die Slow Worries aus Amsterdam nun von der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten Debüt-EP (Graanrepubliek Records, April 2016). Jetzt schon zu hören gibt’s den ersten Track „Hide out“: melodischer Garage Pop im Stil der 90er mit klasse Gitarrenarrangements und Gesang. //RRRhund\

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Doom: Dass diese Band einmal ihren dreißigsten Geburtstag feiern würde, hätte ich mir nicht vorstellen können, damals, in den 90ern, bei der Intensität, mit der diese fünf Kalifornier („Ausgerechnet! Kalifornier! Und dieser Sound?!“) gebrannt haben. Etliche Shows sind in mein Gedächtnis eingraviert: Natürlich die erste Begegnung, 1993, „Souls at Zero“-Tour, im winzigen Keller der Steffi in Karlsruhe, bei der sie trotz ausgesprochen spartanischer Technikausstattung schon mit einem gewaltigen Sound mein Gehirn weggepustet haben. Oder 1995 dieser legendäre Auftritt im Kölner Rhenania, wo aus einem Bühnenunfall mit fatalen Folgen zuerst eine spontane experimentelle Session und schlussendlich ein infernalisches Finale erwuchs. Oder eben diese 96er-Show im heimischen Schwimmbad Musik Club in Heidelberg – irgendwo im Szenario dieses Videos bewege ich meinen Dread-verhangenen Kopf zu „Locust Star“ bis meine Augen völlig verdreht sind und ich irgendwann vergessen habe, wo ich bin, mein Ich völlig ausgeschaltet … Auch wenn die Band seit Ende der 90er Jahre ihren kreativen Peak hinter sich hat, und ich mich nur noch selten um neue Veröffentlichungen gekümmert habe – meinen Respekt vor dem Gesamtwerk habe ich immer bewahrt. Liebe RRR-Freunde: Die großen Neurosis sind heute 30 geworden. //RRRhund\

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Electro/Electro Cold Wave/Sexy Slow Mo EBM: „I know I heard your voice. Like a phantom frequency wrapped in the news of a dying world.“ Unter dem Pseudonym Borusiade fungiert die zwischen Bukarest und Berlin oszillierende Elektronik-Produzentin Miruna Boruzescu. Die Dame produziert extrem hypnotisierenden, sexy Electro zwischen EBM, elektronischem Cold Wave sowie Früh-70er-Space-Synth-Eskapaden und hat gerade eine Debüt-12″ veröffentlicht, die aufhorchen lässt („Jeopardy“, vor einer Woche bei Cómeme erschienen). Der fantastische Track „Jeopardy“ beispielsweise fühlt sich neben Lena Willikens, Marie Davidson und Boy Harsher sehr wohl … //RRRhund\

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Metzlive_TheScene

Noise Rock: Da hat jemand nach Rock’n’Roll gefragt, ich hab’s deutlich gehört – „Eraser“ vom aktuellen Metz-Album in der Live-Inkarnation bei The Scene. Knallt richtig, ganz starke Liveband. Und ja, die sind ordentlich laut. //RRRhund\

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Post Industrial Rock/Post Punk: Die unartig-Crew hat mal wieder ein gieriges Konzert abgefilmt ̵ Ben Greenbergs und Michael Berdans Post Industrial-Projekt Uniform am vergangenen Freitag im Alphaville, New York. Gerne auch mal mit europäischen Tourdates bitteschön. //RRRhund\

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Martin Bisi: The Unknown Story About the Latino Engineer.

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Nu Kraut/Experimental/Electronic: „Ancient Guided Lasers Ritual“ ist zum einen ein echter Ms. K-Fund zum anderen ein experimenteller Nu Kraut-Voll-Freakout des abgespacten Schweden Ultra El!, der auf Gone Beyond Records im vergangenen September seine Debüt-EP veröffentlicht hat. //RRRhund\

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Alternative/Psych Pop/Electronic Freak Folk: „Good Word’s Gone“ ist ein Ausblick auf das neue Album der Pariser Psych-Formation Yeti Lane, („L’aurore“, 4.3., Sonic Cathedral). Die eigentümliche Stilmischung klingt ein bisschen, als ob Tame Impala ihre Songs mit Gary Numan als Arrangeur umsetzen würden und dennoch nicht auf wüste Psych-Gitarren verzichten wollten. //RRRhund\

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Space Rock/Instrumental Rock: Schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber sehr geil und ich habe gerade Bock drauf – „Echo forever“, der Opener vom gleichnamigen, zweiten Album des Eindhovener Instrumental-Space-Rock-Trios Radar Men From the Moon. Freunde von Hawkwind und dem 1996er bis 1998er Livesound von Motorpsycho werden hier ihr wahre Freude haben. Be blown away. //RRRhund\

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Dark Punk/Post Hardcore/Post Punk: Neues vom Malmö-Trio AHRM, die auf der „Bad Blood“-EP eine Schippe düsteren, spröden Dreck draufgepackt haben – let’s say: atmosphärisch wie eine Post Hardcore-Variante von Rudimentary Peni (aus der Crass Records Dunkel-Punk-Ecke). //RRRhund\

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Trip Hop: Die Trip Hop-Urgesteine Massive Attack haben gerade eine starke, neue EP namens „Ritual Spirit“ rausgehauen, die Kollaborationen mit Roots Manuva, Azekel, den Young Fathers und Tricky enthält – hier das Video zu „Take it there“. Zu den anderen Tracks wird’s weitere Videos geben. //RRRhund\

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Nu Wave/80s Retro Pop/C86: Die EP „Red Scare ’15“ von The Guests aus Philadelphia trägt ihren Namen nicht ganz zu Unrecht – ideologisch gesehen sind die Jungs ziemlich rot. Musikalisch dagegen bewegt man sich zwischen Ausformungen des 80er Nu Wave Pop und dem C86-Sound. Drei der Nummern klingen instrumental sehr nach The Smiths ohne dass der Sänger gesanglich ganz so stark leidet, „Sick of it all“ geht eher in Richtung mittlere Comsat Angels oder Chameleons. Nice. //RRRhund\

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