+Kurz rausgehackt: Februar 2018

Indie Pop/New Wave/No Wave: Das Soloprojekt von B Boys-Bassist Brendon Avalos heißt Gift Wrap und hat skurillen, halbelektronischen, No Wave-inspirierten Indie Pop im Gepäck. Das Debütalbum „Losing Count“ erscheint Anfang März bei Captured Tracks. Hier das Video zum Titeltrack, das dem Protagonisten im CCTV-Stil durch das Labyrinth der New Yorker U-Bahn folgt. //RRRhund\

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Noise Rock: Bei „Wir sind sicher“, der neuen Single von Gewalt, kommt der Existenzialismus in den Texten gepaart mit der Poesie, der Esoterik von Andrei Tarkovsky im Bild. Anschauen solange noch nicht gesperrt. //RRRhund\

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Criminal Body, s/t, 12-inch EP, white vinylPost Punk: Monster-Release aus Münster – die Jungs waren vor einer Weile noch unter dem Namen Jungbluth bekannt und eher im (Post) Hardcore angesiedelt. Mit dem Bock auf einen anderen Sound kam auch der Namenswechsel zu Criminal Body. Und mit This Charming Man-Records, dem Label in der eigenen Stadt, die erste Scheibe. Musikalisch tief im 80er Post Punk-Sound gerootet, sind auch Spurenelemente aus Shoegaze, Country, Pop wahrnehmbar – FFO A Place to Bury Strangers, My Bloody Valentine et al. Insgesamt sehr gut geraten, diese Debüt-12″-EP. Und mit Mannheim-Bezug: Christian Bethge vom RAMA Tonstudio hat gemischt und gemastered. Die Gestaltung kommt in klassischer DIY-Optik. Nice, das Teil. Am 12.5. dann Melting Butter Session im RAMA. Und im Juni auf dem Maifeld Derby. (s/t, 12″ EP, This Charming Man Records, TCM093, 2018). //RRRhund\

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Alternative Rock/Indie Rock: Das ist irgendwie auch Italien, Italien via London, aber aufgenommen in Frankreich. Verwirrend, ich weiß. Wie alle guten aufstrebenden Bands haben die Husky Loops eine KEXP-Session absolviert, die allerdings im Rahmen des Trans Musicales-Festivals in Frankreich mitgeschnitten wurde. Die Tracks der Session sind in den letzten Tagen nach und nach bei YouTube aufgetaucht. Simpel und effektiv: „Tempo“. Bin schon auf das deutsche Live-Debüt der Londoner gespannt, kann nicht mehr lange dauern. Hier gibt’s die komplette Session. //RRRhund\

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Post Punk: Vor ein paar Tagen habe ich die Debüt-EP der Italiener Talk To Her vorgestellt – jetzt gibt es auch ein aufwendiges Video zur treibenden Lead-Single „Zodiac“, das im Lieblingsszenario aller dunklen Post Punk-Bands abgefilmt wurde: Jagdszenen, Rituale, Masken im Wald („Home“ EP, 2.3., Shyrec). //RRRhund\

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Neo Classical/Soundtrack/Ambient: Dave Howell von FatCat Records und 130701 hat für das Crack Magazine einen atemberaubenden Mix mit Musik seines Freundes Jóhann Jóhannsson erstellt, der viele Highlights aus dem Werk des Isländers sowie Interview- und Filmausschnitte enthält – eine Art Requiem. Sehr lesenswert ist auch der Nachruf vom Guardian. Der begnadete Ambient-, Soundtrack- und Neoklassik-Komponist war Anfang des Monats Tod in seiner Wohnung in Berlin aufgefunden worden. //RRRhund\

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Experimental/Twin Peaks-Adaption: Xiu Xiu, eine unserer Lieblings-Weirdo-Bands, sind mit ihrer psychosexuell aufgeladenenen Twin Peaks-Adaption ja schon seit zwei Jahren unterwegs (und an dieser Stelle damit schon längst aufgetaucht). Jetzt hat Tracks von Arte noch ein hübsches kleines Feature aus dem ehemaligen Leichenschauhaus im Berliner Wedding nachgeschossen. Alla hopp, nehmen wir mit. Geht das anschauen wenn sich irgendwo die Gelegenheit bietet … das Konzert vergisst man nicht mehr so schnell. //RRRhund\

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Hyperculte, coverMinimalist Transpop Prekraut Postdisco: So nennt dieses faszinierende Duo aus Genf seinen Stil. Hyperculte arbeiten mit einfachen Mitteln: Schlagzeug, Kontrabass, Loop-Pedal, präparierte Gitarre, zweimal Gesang – mehr ist da nicht. Umso erstaunlicher welche Soundschichtungen Simone Aubert (auch bei Massicot) und Vincent Bertholet (sonst beim Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp zugange) erzeugen, welche Magie die beiden mit ihrer Musik zu entfachen wissen. Die mitreißenden motorischen Beats, die Kontrabass-Loops und der Gesang sind so organisch miteinander verwoben, dass im Grunde genommen gar nicht mehr wichtig ist, wer was macht, und wo was herkommt. Was beim Zuhörer ankommt ist emotional, aus einem Guss – melancholische Tanzmusik direkt aus dem Herzen, die gleichsam archaisch wie avantgardistisch wirkt. Von Tobias Levin und Co. schon vor knapp drei Jahren in den Electric Avenue Studios festgehalten und mittlerweile auch endlich mal meinen Wahrnehmungshorizont erreicht: der Debüt-Longplayer. Ich warte gespannt auf mehr (s/t, Red Wig, 2016). //RRRhund\

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DJ set/Radio show/Electro/Dark Disco/Italo/Nu Wave/Leftfield House: Knaller von Nein Records – die Februar-Ausgabe der hauseigenen Radioshow bietet drei Stunden bestes Leftfield-Material aus den Bereichen Indie Dance, Dark Disco, Italo und Nu Wave. Inklusive einem einstündigen Gastmix von Alejandro Molinari. Viele, viele gute Sachen … //RRRhund\

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Groovy Post Rock/Nu Kraut: Vor zwei Jahren haben wir das deutsch-belgische Trio Go March und seine fantastische Debüt-LP vorgestellt. Jetzt hat die Kraut-infizierte Post Rock-Band mit „Come on momentum“ eine neue kraftvolle Single am Start, die noch ganz unter dem Eindruck des Japan-Besuchs entstanden ist, den die Band vor ein paar Monaten absolviert hat. Eine Wall of Sound aus tuckernden Bass Patterns, spaceigen Synth-Flächen, präzisen batschig-treibenden Beats und einer sich drehenden Psych-Kraut-Gitarre schickt uns in den Tunnel. Maserati meets Fuzz Club Records oder so. Stark. //RRRhund\

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Dark Alternative/Post Industrial: Als Martin Bisi 1979 mit Brian Eno und Bill Laswell in New York sein BC Studio gründete, hatte er wohl nicht die leiseste Ahnung, dass er dieses Jahr sein 35. Jubiläum feiern würde. Genausowenig ahnte er wohl, dass eine gewichtige Anzahl seiner Produktionen – Sonic Youth, Swans, Foetus, Unsane, Afrika Bambaataa, Herbie Hancock, John Zorn, um nur einige wenige zu nennen – Kultstatus erlangen würden. Aus Anlass des herannahenden Jubiläum hat der Produzent Anfang 2016 Künstler aus allen Jahren seines Schaffens ins Studio geholt, um speziell für diesen Anlass Musik einspielen zu lassen – die Ergebnisse erscheinen nun im April auf einem Longplayer. Unter vielen spektakulären Kombinationen stechen Excop heraus, eine Projektname hinter dem sich ehemalige Mitglieder der 90er-Jahre Post-Industrial-Legenden Cop Shoot Cop und Musiker der Swans verbergen. Und so ähnlich wie man sich den Sound dieser Konstellation vorstellt, klingt das dann auch. Experimentell, wuchtig, dunkel: „What a jerk“ („BC35: The 35th Anniversary of Martin Bisi“, 20.4., The Chain). //RRRhund\

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Alternative/Scandinavian Indie: Manchmal wundere ich mich schon, wie schwer es manche Bands trotz offenkundiger Qualität haben, gehört zu werden. Ein gutes Beispiel sind die Schweden Hey Elbow, die mit ihrem ersten Album („Every Other“ von 2015) bei mir für hochgezogene Augenbrauen gesorgt hatten und in der Folge einige Male in Playlists aufgetaucht sind. Eigentlich hatte ich spätestens nach dem Spex-Artikel erwartet, dass der skandinavische Indie-Vibe, das starke Songwriting und die ausdrucksstarken, spannenden Arrangements hierzulande rasch zu einem Aufmerksamkeitssprung führen würden – doch davon ist bisher leider wenig zu sehen. Jetzt steht das Trio aus Malmö mit der zweiten Scheibe in den Startlöchern und es stehen auch zum ersten Mal ein paar Tourdaten mehr in Deutschland an. Dennoch beschleicht mich ob der Verteilung der Shows das Gefühl, als ob die Band von den üblichen Verdächtigen immer noch ignoriert wird – also muss ich wohl einfach immer weitermachen und immer wieder gute Tracks der Band posten. Hier der letzte Appetizer vor dem Album-Release: „Back to reality“ („C0c0c0“, 16.3., Adrian Recordings). //RRRhund\

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Experimental/Electronic/Sound Design/Ambient: Die in Berlin lebende, taiwanesische Produzentin Jing hat auf dem angesagten britischen Avantgarde-Label 6dimensions ein enormes Debütalbum vorgelegt. Spoken Word-Passagen, Aliengesummsel, Sounddesign – die Zutaten kennt man alle, die sind nicht neu. Die Magie der Platte entsteht hauptsächlich durch eine Verkehrung auf der narrativen Ebene: Nicht die Musik zu einem imaginären Film, sondern Musik zu einem abstrakten Stummfilm, der ohne Bilder aus dem physischen Kontinuum auskommt. „Adularescence“ entfaltet sich in einem filigran ausgearbeiteten spirituellen Raum, entspinnt mit verbundenen Augen eine unbewohnte Erzählebene. Die Stimmen kommen aus dem Äther, der Vorstellungswelt. Durch intuitive Abstraktion zu Tiefgang (das Vinyl ist bei 6dimensions erhältlich, digital bei bandcamp und boomkat). //RRRhund\

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Alva Noto & Ryuichi Sakamoto, Glass, transparent vinylExperimental/Ambient/Drone: Auf ungewohnte Pfade hat sich das symbiotische Duo Ryuichi Sakamoto und Alva Noto für die neue Platte „Glass“ begeben. Die „Virus“-Phase mit ihrem Mix aus neoklassischen Piano-Kompositionen und minimalelektronischen Klangexperimenten haben die beiden für dieses Projekt nämlich nicht wieder aufleben lassen. Anstattdessen haben sie ein 1949 von Philip Johnson in New Canaan, Connecticut, gebautes Glashaus mit Kontaktmikrophonen und allerlei gläsern klingenden Percussioninstrumenten ausstaffiert und aus diesem Setting in einer Art Performance Ambient- und Droneklänge geschöpft. Künstlerisch zum ersten Mal der Ansatz, beide Persönlichkeiten übereinander zu legen und eine gemeinsame musikalische Sprache zu entwickeln anstatt sie hör- und distinguierbar nebeneinander zu stellen und dann zu überlagern wie bei den vier berühmten Scheiben aus den 2000er Jahren. Das Album ist auf Noton erschienen; das Label hat sich letztes Jahr vom Schwesterlabel Raster getrennt und dient Carsten Nicolai fortan wieder als Basis für seine diversen Kollaborations- und Soloarbeiten. Wenn die Artworks für die Scheiben dann immer so exquisit und lichtdurchflutet ausfallen wie bei „Glass“ muss ich wohl demnächst nochmal in den Back Catalogue einsteigen („Glass“, Noton, 2018). //RRRhund\

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Experimental/Imaginary Soundtrack/Improvisation/Space/Kraut/Jazz Noir/Psych/Dystopic Noise Rock: Der in Bristol lebende Schlagzeuger Jesse Webb hat im Herbst 2015 das Improvisationsprojekt The Final Age ins Leben gerufen, um mit destruktiven Tendenzen in seinem Dasein klarzukommen. Konzipiert wie der Soundtrack zu einem – ziemlich düsteren – imaginären Film zählte von Anfang an zu Webbs Idee, mit einer ganzen Latte ihm unbekannter Musikern aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen zu arbeiten. Am Album mitgewirkt haben so unter anderem der Gitarrist Paul Allen (The Heads, Anthroprophh), der Saxophonist Dave McLean (Gnod), die Sängerin Annette Berlin (Big Joan) und der Trompeter Pete Judge. Ein risikobehafteter Ansatz, bei dem ein Scheitern wahrscheinlicher als ein brauchbares Ergebnis scheint. Das genaue Gegenteil ist aber der Fall: Ein Experimental-Album wie „The Final Age“ ist mit dieser dystopischen Dichte, diesem verzehrenden Schlund und mit dieser enormen stilistischen Vielfalt schon lange nicht mehr gelungen. Im Zentrum der Platte steht tatsächlich die Percussionarbeit. Webbs spannende, rotierende Schlagzeugpatterns dienen dem vielbeinigen Improvisationsgefüge als Zentrum und Motor. Außenrum entspinnt sich aber ein faszinierender Malstrom an Experimentalsounds, der mal lyrisch Drone-artig, mal spaceig-krautig, mal progressiv psychedelisch (far out, King Crimson in der experimentellsten Phase), mal schwarz-weiß, ganz Jazz Noir, mal Fusion-artig und dann auch mal im vollen, noisigen Galopp eines proto-punkigen Experimental-Garagen-Ensembles daherkommt. Ab und an überraschen eingestreute Field Recording-Elemente. Jazz taucht nur temporär, als Funktionsprinzip (und nicht als Stil) auf. Wenn die menschliche Stimme in Form von Annette Berlins Sprechgesang oder Webbs Organ eingesetzt wird, sorgt sie für Erdung im Improvisationsstrudel. Am meisten verblüfft hat mich aber, wie sich ob dieser Entstehungsgeschichte im Verlauf des Albums alles zusammenfügt, eine Art narrativer Strang wahrnehmbar, eine Geschichte in Musikform erzählt wird. Großartige Scheibe aus dem Experimentalsektor, Kult-Klassiker to come. //RRRhund\

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Post Punk/Punk Rock: Das ist ja mal ein cooles Teil, eine australisch-deutsche Split-7″. Die Tracks von PUFF aus Berlin gibt es jetzt bereits zum fairen Pay-what-you-want-Preis digital auf bandcamp zum schnappen, mal schauen wie das die Ausmuteants aus Melbourne das handhaben. Das Vinyl kriegt man auch bei Static Shock in Berlin, dann spart man sich die eklatanten Portokosten aus Australien. Zu hören gibt’s schnittigen End-70er-Sound im L.A.-Stil (Screamers und Co.) an der Schnittstelle zwischen Punk und dem Post-Gedöns, also auf jeden Fall noch mit Drive und Schmutz und im Fall von PUFF natürlich auch mit dadaistischen Vibes, Devo-Anteil und schrägen Keyboard-Licks. Das Artwork stammt von Anton von PUFF und das sieht man auch sofort, wenn man schon mal einen Release der Band in der Hand hatte. Hier die Ausmuteants-Nummer „Horny world“ als Hörprobe. //RRRhund\

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Post Punk: Wer seinen Post Punk gerne mit einer geballten Ladung Swamp Blues goutiert, wer auf Bands wie Marching Church oder Klassiker wie Birthday Party und die Swans steht, ist hier genau richtig. Bambara aus New York haben ihr drittes Album am Start („Shadow On Everything“, 6.4., Wharf Cat Records) – eine Art Western Goth-Konzeptarbeit. Die erste Single „José tries to leave“ stellt im Vergleich zu den Vorgängern den Gesang von Reid Bateh mehr in den Vordergrund, was dem Bandsound richtig guttut. Und Songs können die sowieso schreiben, schön die Nummer. //RRRhund\

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Noise Rock/Shoegaze/Post Punk: A Place to Bury Strangers sind mit neuer Schlagzeugerin zurück. Lia Simone Braswell ersetzt den alten Drummer Robi Gonzalez, der sich in Zukunft auf die Post Rock-Band This Will Destroy You konzentriert. In dieser neuen Besetzung hat das Noisegaze-Trio aus New York im April mit „Pinned“ (13.4., Dead Oceans) das fünfte Album am Start. Das Schwarz-Weiß-Video zur ersten Single „Never coming back“ bietet alptraumartige, geisterhafte Spannung – musikalisch kommt der Song mit allen Ingredienzien, die man von dieser Ausnahme-Band kennt: Paranoia, psychedelische Noise-Wände und süße Melodien. //RRRhund\

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Post Punk/Kraut Pop: Die Preoccupations arbeiten derweil weiter an Gegengiften zu klassischen Arrangements und dekonstruieren in diesem Zug ihren eigenen Post Punk-Stil immer mehr. Die aktuelle Single besteht hauptsächlich aus einem rotierenden Rhythmus-Pattern und blubbernden Synth-Flächen, der Gesang hält alles zusammen. Mehr frühe Simple Minds als Viet Cong: „Antidote“ („New Material“, 23.3., Jagjaguwar). //RRRhund\

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Uptempo Shoegaze: Mit auffällig quirligem Schlagzeug und wegdriftenden Dissonanzen kommt „Reach“, die neue Single von Kraus, daher. Die Uptempo-Shoegaze-Nummer zieht vor allem Kraft aus der Unruhe, die durch den Kontrast zwischen flächigen und bewegten Elementen im Arrangement entsteht. Oben drüber liegt der verhuscht-verträumt dargebotene, aber Glitch-artig produzierte Gesang von Will Kraus. Noch ein Gegensatz, der Spannung produziert – im Ergebnis ein guter Ansatz der Genre-Innovation, pretty special. Der Longplayer dazu erscheint im März („Path“, 9.3., Terrible Records). //RRRhund\

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Post Punk/Indie Rock: Dass Die Nerven sich anschicken, im April ein neues Album zu veröffentlichen, habt ihr sicher schon mitgekriegt („Fake“, 20.4., Glitterhouse Records). Die zwei sehr guten Vorabsingles könnt ihr beim Spex hören gehen. Am meisten freut mich im Moment, dass wir die Jungs bald wieder auf der Bühne zu sehen kriegen. //RRRhund\

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Experimental Techno/Post Industrial: Neue skandinavische Supergroup, die sich dem brutalen Sound des Berliner Underground-Nachtlebens widmet – The Empire Line besteht aus Posh Isolation-Labelbetreiber Christian Stadgaard (Damien Dubrovnik, Vanity Productions), Jonas Rönnberg (Varg) und Isak Hansen (Iron Sight) und liefert beim Debüt-Vinyl eine kranke Mischung aus Techno, Noise und anderen elektronischen Experimenten ab. No easy listening: „Herrensauna“ (der Partyreihe gleichen Namens im Tresor gewidmet, demnächst zu finden auf „Rave“, 19.2., Northern Electronics). //RRRhund\

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Ambient/Dark Pop: Den U.S.-amerikanischen Ambient-Künstler Tor Lundvall hatte ich vor ein paar Monaten schon mal anlässlich einer CD-Box seines Labels DAIS Records vorgestellt. Jetzt gibt’s eine neue Scheibe, die im typischen, dunkel-verträumten, esoterischen Ductus des Malers aus Jersey kommt. Eine Besonderheit auf „A Dark Place“ (23.3., DAIS Records) ist, dass Lundvall nach einer ganzen Latte instrumentaler Alben seine Stimme wiedergefunden hat, was den Sound des Amerikaners mehr in Richtung Dark Pop rückt. So auch bei der wunderschönen Hörprobe „Quiet room“. //RRRhund\

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Alternative/Psych Pop/Proggy Art Rock/Fusion: Ziemlich schräges Zeug aus Frankreich. Forever Pavot ist das Soloprojekt von Emile Sornin, das mittlerweile stark von der französischen Filmmusik der 1970er beeinflusst ist. Die aktuelle Single „Le Beefteak“ ist herausragender, smooth groovender, proggiger, gallischer Art Rock mit Psych Pop-Hooks und Fusion Vibes. Bei den surreal inszenierten Klon-Anteilen im Video kann man sich streckenweise gar nicht entscheiden, ob man’s jetzt witzig oder gruselig finden soll – durchgeknallte Sache („Le Pantoufle“, bei Born Bad Records erschienen). //RRRhund\

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Red Axes 12-inch for Dark EntriesIsraelian Beach Goths go to California: Klasse 12″ von den weltoffenen Electro-Shooting Stars Red Axes aus Tel Aviv für Dark Entries. Zwei Tracks von Dori + Niv mit illustren Gästen (C.A.R. und Gina X) plus zwei essenzielle Remixe von Kultklassikern aus dem Dark Entries-Katalog (Solid Space und X-Ray Pop; „Nyx Tape“ EP. 12″, bei Dark Entries Records erschienen). //RRRhund\

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Post Punk/Garage Psych: Iceage sind zurück. Die Kopenhagener Kultband um Elias Bender Rønnenfelt hat einen neuen Song online gestellt und auch Tourdates veröffentlicht. Auch „Catch it“ bietet keinerlei Anzeichen, dass die Band ihrer Swamp Blues-Phase à la Birthday Party demnächst entsagen wird, allerdings mengen sich gegen Ende auch Stooges-artige Schweinerock- und Garagen-Elemente und schließlich leichte Velvet-Underground-Anleihen ins Arrangement. Bei den Tourdates ist hierzulande nur in Berlin was zu holen, ein Großteil der Dates ist in den USA gebucht. //RRRhund\

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Punk Rock/Melodic Punk: Obwohl eigentlich aus Tübingen mittlerweile fast schon local heroes – das dritte Album von Hysterese steht bei This Charming Man-Records in den Startlöchern (s/t, ab heute in der Preorder-Phase), und zur Feier des Tages gibt es die Melting Butter Session von „Echo“ auf die Ohren, die Ende Dezember eingespielt wurde – wie immer im Mannheimer RAMA Tonstudio. Eine fluffige, treibende Punk-Hymne. //RRRhund\

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Power Electronics/Post Industrial: Sigfried Burroughs zählt ohne Zweifel zu den umtriebigen Protagonisten der belgischen Underground-Szene. Ob als Drummer bei The K. (die hatten wir mal vorgestellt) und Kapitan Korsakow oder als Sänger bei Onmens (zu Deutsch Unmensch): Burroughs mag die kantigeren Sachen. Im April erscheint eine neue Scheibe des dreckigen Electronik-Duos aus Ghent, das Burroughs seit etlichen Jahren mit dem Gitarristen Kasper Van Esbroeck am Start hat. Jetzt gibt es bereits das erste Video zu „Blue blood“, dessen kranky Animationsstyle sich hervorragend zu den Klängen des Vorabtracks fügt. Musikalisch befinden wir uns in einer härteren Abzweigungen des Elektronik-Dschungels, stilistisch bei einer eigenständigen Positionierung (an den Knöpfen drehen übrigens beide). Dazu kommen explizite Texte und live eine unberechenbare In Your Face-Attitüde – „Fetish Beat“ nennen Onmens das. Fiese, dreckig-verbaute Post-Industrial-Electronica mit atonaler Gitarrenarbeit. Belgian edge, me likey. („Doopgrond“, April 2018) //RRRhund\

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Film Score/Dark Folk: Der englische Komponist Harry Escott hat sich bei der Vertonung des Thrillers „Dark River“ für einen Track PJ Harvey ans Mikro geholt. Dabei ist diese schmerzhaft schöne Version des englischen Folk-Klassikers „An acre of land“ entstanden, die neben dem seelenvollen Gesang von Polly Jean auch vom ausgesprochen feinfühligen Arrangement des britischen Produzenten profitiert: zum wegschmelzen. Der Soundtrack erscheint demnächst beim neuen Neo-Klassik-Label Cognitive Shift Recordings, der Film kommt Ende Februar in die Kinos. Gute Nacht. //RRRhund\

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Suzanne Ciani, Liberator, 7-inch, colored vinyl+BLAST FROM THE PAST: Wer sich mit der Geschichte elektronischer Musik beschäftigt, wird irgendwann bei der italienisch-amerikanischen Pionierin Suzanne Ciani landen. Die studierte Pianistin, Komponistin und Sounddesignerin kam in den frühen 1970er Jahren in Berkeley, Kalifornien, mit dem Synthentwickler Don Buchla in Kontakt, erwarb sehr früh einen Buchla Analog Modular Synthesizer und gründete bereits 1974 mit Ciani/Musica ihre eigene Produktionsfirma für elektronische Musik. Bekannt wurde sie hauptsächlich durch die Entwicklung von Soundeffekten für die Filmindustrie (etwa für Star Wars) und durch Trailer und Jingles für die Industrie und Medienwelt. Diese wunderschöne 7″ von 2014 enthält die Langfassung eines Jingles, den Ciani 1982 für das Atari-Spiel „Liberator“ komponiert hat (für die Nachgeborenen: eines dieser frühen Arcade-Games mit super cheapo Grafikqualität, die auf den großen Spielhallen-Konsolen gezockt wurden). Echter 80er-Boogie-Knaller für jede Electro-Party mit kultigem Vocoder-Einsatz. Suzanne Cianis eigene Kompositionen jenseits der Auftragsarbeiten haben dann leider erst in den letzten Jahren Beachtung gefunden. //RRRhund\

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Psych Rock/Garage: Hunter S. Thompson hält völlig zugedröhnt vor dem Luxus-Hotel in Vegas an und dann geht der Spaß erst los. So ein ähnliches Gefühl beschleicht einen im Video zu „Broad daylight“ auch, bloß wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt. Und The Blind Shake laufen halt ins Football-Stadion rein. „Voll Wahnsinn hier, Alter!“ „Heehee, ist das grell hier … gib mal noch ’n bisschen.“ „Die lila Pappen oder das Weiße?“ „Ach … gib mal beides.“ „Sach’ mal, was haben denn die anderen hier für krasses Material?“ „Keiiiiiine Ahnung.“ [irres Gelächter] … Wie die Butthole Surfers in ihrer härtesten Phase – anders kann ich mir die Text-Bild-Musik-Schere in diesem Gesamtkunstwerk nicht schönreden. Schon … stimmungsvoll. Völlig verdrogter Garagen Psych Rock. Auf einer Split-7″ mit The Hipshakes zu finden, bei God Unknown Records erschienen. //RRRhund\

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Kris Baha, 12-inch colored vinylElectro/EBM/From Rotterdam with love: Das niederländische Elektroniklabel Pinkman zählt aktuell zu den spannendsten Labels im Techno- und Elektronikbereich weil bei den letzten Releases immer wieder die Genregrenzen zugunsten von Experimenten aller Art durchbrochen werden. Wenn man dann noch ein Produzenten-Zugpferd wie Kris Baha im Label-Stall hat und solche wunderschön gestalteten 12″es veröffentlicht, kann schon nichts mehr schief gehen. //RRRhund\

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Futurist Dream Pop/Psychedelic Synth Pop/Trance: Interessante interkontinentale Kollaboration. Jasamine White-Gluz, die Sängerin und Songwriterin von No Joy aus Montreal hatte nach dem letzten Album erstmal genug vom Rockband-Kontext, und begab sich auf die Suche nach neuen Formen und Mitstreitern. Gefunden hat sie beides in Portugal, wo die Spaceman 3-Legende Peter Kember AKA Sonic Boom seit geraumer Zeit lebt. Die beiden haben eine ganze Weile Songs, Ideen und Arrangements über den großen Teich hin und her geschickt und sind als Ergebnis schließlich bei ungewöhnlichen dekonstruktivistischen Arrangements und psychedelischen elektronischen Klängen gelandet, die zwischen dem Dream Pop- und Synth-Genre liegen. Bemerkenswert: Bereits der Radio Edit der Hörprobe „Obsession“ hat mehr als sechs Minuten und lange Instrumentalpassagen, die ins Trance-Genre herübergleiten. Der Album-Edit setzt mit einer Länge jenseits der 10-Minuten-Marke dann nochmal einen drauf. Ausgesprochen sehenswert ist auch das Video mit seinen schrillen psychedelischen Farben (wenn auch sicherlich nichts für Epileptiker). Der Song ist auf einer EP zu finden, die im März erscheinen wird („No Joy/Sonic Boom“, 30.3., Joyful Noise Recordings). //RRRhund\

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Alternative/Nu Kraut/Prog/Kosmische Sounds: Vorbei ist es mit der minimalistischen Disziplin des Vorgänger-Albums „Hold/Still“. Die Suuns haben bei der Leadsingle für das neue Album „Felt“ (2.3., Secretly Canadian) deutlich am Stilkarussel gedreht, „Watch you, watch me“ rotiert in einem tumultartigen Strudel durch ein spaceiges Sounduniversum, das in seinem innersten Kern deutlich von den kosmischen deutschen Kraut-Sounds der 70er Jahre beeinflusst ist: Amon Düül II, Klaus Schulze, Tangerine Dream lauten hier die musikalischen Buzzwords. Aber die Suuns wären nicht die Suuns, würde hier nicht alles nach der abgedrehten Logik von 2018 ablaufen. Anspruchsvoll aber erfüllend. //RRRhund\

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Electronic/Avantgarde: Hahaha, beste Aphex Twin-Vibes im Video, habe ich gerade am Schluss gelacht … im Dezember hatte ich den Avantgarde-Meilenstein „Walzerzyklus“ von Atom™ & Lisokot gefeatured. Hier das würdige Video zum Cover von Gene Vincents Klassiker „Be bop a lula“, das den männlichen Blick sehr lange am Nasenring durch die Manege führt. //RRRhund\

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Experimental/Post Industrial: Wetware heißt dieses Duo aus Brooklyn, das – ganz in der Subkultur-Historie der eigenen Stadt geerdet – maschinell rotierende Metallpercussion-Grooves mit kühlem Frauensprechgesang paart. „Fuck them all“ stammt von einer 12″ für Bank Records, der Debüt-Longplayer „Automatic Writing“ kommt im Februar bei DAIS Records (9.2.). Hier gibt’s „Automatic Drawing“ zum Reinhören. Klonkkkk. //RRRhund\

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Noise Punk/Noise Rock: Die Death Pedals, seit fast zehn Jahren Teil der noisigen Londoner DIY-Szene, haben vor ein paar Monaten beschlossen, sich im Februar aufzulösen. Die Band ist daraufhin extensiv auf Abschiedstour gegangen, und hat – für die Situation doch recht ungewöhnlich – live auch einiges neues Material getestet. Das hat dann wohl so viel Spaß gemacht, dass die Jungs Studiozeit gebucht haben, um ein akkustisches Abschluss-Statement abzuliefern. Das resultierende selbstbetitelte Album ist qualitativ eine echte Überraschung. Die Tracks rauchen aus allen Schloten, kommen mit einer sehr bissigen, abenteuerlustigen Noise Punk-Kante daher, erinnern mal an die manische Energie von Meat Wave, dann wird die 90er Post Core-Keule gezückt oder kleine Kontrapunkte aus der 90er Indie Rock-Kiste von Slint bis Shellac gesetzt. Die Platte ist sehr abwechslungsreich, jeder Song klingt anders – dennoch entsteht ein kompaktes Ganzes, weil die Erfahrungen von der letzten Tour in die Produktion eingebracht wurden: Die Platte ist allen vielen Stellen gemischt wie eine Live Show, viele Tracks gehen fließend ineinander über. Rundum gelungen – die dritte und letzte Veröffentlichung wird als der Höhepunkt der Bandgeschichte in Erinnerung bleiben. //RRRhund\

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Indie Rock/Proto Punk/New York Sound: Nachlassverwaltung à la The Vacant Lots – nachdem die Band bei diesem Track sowieso eine Kollaboration mit Alan Vega geplant hatte, zu deren Vollendung es wegen des verfrühten Ablebens des Suicide-Sängers dann nicht mehr kam, haben die New Yorker Indie Rock-Jungs die Erlaubnis erhalten sich durch den Nachlass der Underground-Ikone zu wühlen. Und sind dann tatsächlich auf einen Vocal-Track gestoßen, der perfekt zur Komposition passt. So here goes: „Suicide note“ – klassischer New York-Underground-Sound, irgendwo zwischen dem Proto Punk-Schrabbel von Velvet Underground und dem unterkühlten Electro-Rock’n’Roll von Suicide. Und genauso ist das wohl auch gewollt. //RRRhund\

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Post Punk/Nu Wave/Nu Kraut: Ob die Vier sich nach dem bekannten Streifen von Pedro Almodóvar benannt haben, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber dass die italienische Formation Talk To Her sich gerade anschickt, ein enorm gutes Kurzspieler-Debüt abzuliefern, rieche ich schon seit ein paar Wochen … seit ein paar Liveschnipsel, Videoausschnitte von ihrer Facebook-Seite zu mir durchgedrungen sind. Die EP kommt auf Shyrec (Mutterschiff von Kill Your Boyfriend und Wora Wora Washington, um meine Lieblingsbands auf dem Label zu nennen) – allein das ist schon ein guter Hinweis in Sachen Post Punk-Qualität. Nachdem mich das Label freundlicherweise mit dem Objekt meines Begehrs ausgestattet hat, läuft die Scheibe hier jetzt schon eine Weile rauf und runter. Und der Riecher hat gestimmt. Das erst seit knapp über zwei Jahren aktive Quartett aus Padova präsentiert auf seiner ersten EP vier grandiose, treibende Pop Songs, die von großer Klarheit und Geradlinigkeit im Songwriting geprägt sind – und auch in gleicher Form arrangiert und produziert wurden. Als Grundgerüst nutzt die Band oft sexy Sequencerfiguren zwischen John Carpenter, Knight Rider und Post Punk-Kontext, auf denen die Rhythmusgruppe ebenso tight wie minimalistisch nach vorne rollt. Die simpel-effektive Gitarre schwebt darüber, liefert Hookline um Hookline zwischen Single-Note-New Wave-Klassik, 2000er Disco Punk-Universum und dezenten Post Rock-Anleihen. Der seelenvolle Gesang widerum liegt irgendwo zwischen der besten Phase der Editors Mitte der 2000er Jahre – also zu einer Zeit, als das noch ein Kompliment war – und der Sensibilität, dem Feuer von Adrian Borland (The Sound). Im Zentrum bleiben aber die Songs von internationalem Format. Zu hören kriegt ihr den Opener „Zodiac“ – ein hochgradig tanzbarer Hammertrack. Den Rest gibt’s dann im März, und ich sag euch: Das Zeug ist keinen Millimeter schlechter. Wäre die Band aus den hippen Vierteln von London anstatt aus Padova würden wir wahrscheinlich über eine Single of the Week im NME und Premieren bei BBC6 reden. So wie die Dinge aber tatsächlich stehen, muss ich die frohe Kunde in die Welt hinauskrähen. („Home“ EP, 2.3., Shyrec). //RRRhund\

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Experimental/Sonic Alchemism/Psychedelic Underground: Neue Platte von Baldruin, dem Experimentalprojekt von Johannes Schebler. „Eine Reise, um längst vergessene Träume wiederzuentdecken“ so beschreibt der Wiesbadener das inhaltliche Leitbild des neuen Albums – eine fantastische Reise, die in der Innenwelt stattfindet. Das wie immer von Schebler auch visuell liebevoll gestaltete Werk erscheint im Februar beim finnischen Label Ikuisuus und hat im Vergleich zum Vorgänger einen weniger düsteren, eher spaceigen Anstrich. Die Arbeitsweise ist aber ähnlich geblieben: Sowohl elektronische Elemente als auch akkustisches Instrumenatrium sowie Field Recordings bestimmen das außergewöhnliche musikalische Klangbild. Musikalisch wie visuell ein konstant morphender Ausnahmekünstler mit dem besonderem Etwas – ein komplett eigener Planet. Hier das eher elektronische „Nachricht von morgen“ („Vergessene Träume“, Ikuisuus). //RRRhund\

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Punk Rock/Melodic Punk: Noch so ein Trend des Jahres 2017 war, dass im Punk Rock-Bereich die straighten, melodischen Elemente wieder auf dem Vormarsch sind. Neuestes Beispiel: Die kanadisch-U.S.-amerikanische Band Chiller, die uns auf ihrem selbstbetitelten Langspieler 1A Songs um die Löffel streichelt, die man innerhalb kurzer Zeit voller Inbrunst mitsingt. FFO Feral Trash, Masshysteri, Hysterese, Allvaret. //RRRhund\

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Instrumental Experimental Cinematic Doom: Fast als ob man den Soundtrack eines Horrorstreifens verlangsamt rückwärts laufen lässt … so klingen die Flächen, auf denen Insect Ark auf ihrem neuen Album „Marrow Hymns“ ihren verstörenden cineastischen Doom-Klangteppich ausbreiten. In quälenden, psychotischen, instrumentalen Schleifen überlagert das Duo aus Brooklyn dann diese Flächen. Besonderes Merkmal: Diana Schechter (Angels Of Light, Bee and Flower, Zeal & Ardor, Gnaw, Gifthorse) verzichtet auf die Nutzung herkömmlicher E-Gitarren, anstatt kommen ein Bass und eine Lap Steel-Gitarre zum Einsatz. Die Schlagzeugerin Ashley Spungin fügt nebenbei via selbstgebauter, analoger Noise Pads immer wieder verstörende Sounds zu. Vielleicht erklärt es sich so, dass dem Zuhörer beim Lauschen des aktuellen Albums ständig der akkustische Boden unter den Füßen weggezogen wird. Ein einzigartiger, beeindruckender Sound, den die beiden da fabrizieren (23.2., Profound Lore Records). //RRRhund\

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Indie Rock/Garage Rock: Ziemlich straighter Rocker von Thurston Moore auf einer neuen 7″ für die Londoner Nachbarn von Blank Editions. „MX Liberty“ hat ordentlich Fuzz Vibes und angepunkten Garagen Sound – die anderen Instrumente werden von Deb Googe (My Bloody Valentine), James Sedwards (Nøught) und Jem Doulton (Dead Days Beyond Help) bedient. Entsprechend schiebt das Ganze auch. Die Single ist Teil der Solo Series des Labels, ist jetzt in der Preorder-Phase und und erscheint dann Mitte Februar. //RRRhund\

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Indie Rock/Shoegaze: Weil’s so schön zum letzten Posting passt – auch die haben ihre Popmelodien intus. Neu auf Sonic Cathedral sind die schwedischen Echo Ladies, die ihre kratzigen Fuzzgitarren genretypisch mit süsslichen Melodeien paaren. Irgendwo zwischen A Place to Bury Strangers, The Jesus & Mary Chain und Blondie: „Nothing ever lasts“ (s/t, 23.3., Sonic Cathedral). //RRRhund\

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Garage Rock/Hardgaze/Noisegaze: Nachdem die Garagenband Ceremony letztes Jahr nach vielen Jahren endlich wieder in Europa auf Tour war – unter anderem mit einem schlecht besuchten, aber großartigen Konzert an der Uni in Offenbach – ist jetzt auch der neue Longplayer samt Lead Single in den Startlöchern. „Closer“ trägt alle typischen Charakteristika von John Fedowitzs Band in sich: Süße Pop-Melodien werden in rotzigem Fuzz Bass und Stacheldraht-Gitarre gewälzt und auf einem rollend-polternden Groove fortbewegt – gutes Songwriting mit scharfen Zähnen. Ein Stil, der an die klassische Phase des Indie Rocks Mitte der 80er Jahre erinnert … und natürlich an die Garagenbands der End-60er. Die neue Scheibe erscheint im Mai. FFO frühe JAMC, A Place to Bury Strangers. //RRRhund\

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Instrumental Rock/Jam Rock: Im Alter überfällt einen urplötzlich die Langeweile. Dachten sich wohl Brendan Canty und Joe Lally, die Rhythmusgruppe der sich im Ruhestand befindlichen Post Hardcore-Legenden Fugazi, und haben ein paar instrumentale Jam Sessions mit dem experimentellen Jazzgitarristen Anthony Pirog arrangiert und auch gleich live mitgeschnitten. Der Mix stellt die Gitarrenarbeit – völlig zurecht – sehr in den Vordergrund, die Ergebnisse erscheinen im März unter dem Namen The Messthetics natürlich bei Dischord Records in Washington D.C. Mehr Caspar Brötzmann Massaker als Discord-Klassikprogramm, vor allem aber ziemlich gut: „Serpent tongue“. //RRRhund\

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Experimental/Fractal Pop/Post Knitting Factory/Deconstructivist Psychedelia: Ein assoziativer Stunner ist dieses akkustische Dokument aus dem Artist Residency-Projekt von Deerhoof in San Francisco, das 2017 entstanden ist. Fraktale, dekonstruktivistische, genauso lichtdurchflutete wie schräge, psychedelische Experimente zwischen Avantgarde und Pop; ätherisch, verspielt, surreal und außerweltlich. An den Früchten der End-60er und 70er Kraut-Avantgarde (Can, Faust, Amon Düül II) ansetzend, kleine Umwege über Vangelis, den No Wave-Post Jazz der Knitting Factory-Szene und japanischen Naiv-Pop nehmend, steht die Musik von Murmurer mit ihrem eigentümlichen Mix, ihrem kompromislosen Ansatz doch ganz für sich im Hier und Jetzt. Die Musik wurde von John Dieterich und Sam Owens (von Celestial Shore und Sam Evian) sowie Ches Smith (John Zorn/Marc Ribot/Secret Chiefs usw.) eingespielt, Gast-Gesangseinlagen steuern Satomi Matsuzaki (Deerhoof) und Cassandra Jenkins bei. Die Aufnahmen sind als Teil eines recht teuren Split-Albums mit Oneone auf Vinyl zu kriegen, aber eben mittlerweile auch digital via JoyfulNoise Recordings auf bandcamp erhältlich. //RRRhund\

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Synth Punk: Direkt bei Groschi aus dem 12XU-Radiostream gekrallt habe ich gerade diesen Knallertrack von Mind Spiders, der Band von Mark Ryan (The Marked Men, High Tension Wires, Radioactivity), Peter Salisbury (Baptist Generals) und Mike Throneberry (Marked Men) aus Houston. Trotz der Ahnenfolge ist hier mit Garagensound nicht viel los – „Never like that“ ist ein grandioses Stück furioser Synth Punk in der perfekten Waage zwischen heiß und kalt, mit Drive, Dissonanz und Pop Appeal. Was ein Underground-Hit! (auf „Furies“ zu finden, das Album ist gerade bei Dirtnap Records erschienen) //RRRhund\

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On the radio: Groschi hat wieder zugeschlagen – 12XU Radio #7 ist online. Vier Stunden aktuelles Undergroundmaterial überwiegend aus dem Gitarrensektor auf die Ohren. Den Stream gibt’s sowohl auf Mixcloud als auch auf Hear This. Your choice radio series. //RRRhund\

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Doom HC/Dark Post HC: Beim Winteraward im Januar hat der Auftritt der Berliner Dark Hardcore-Formation Chambers mächtig Eindruck hinterlassen. Das ist aber nicht die einzige Verbindungslinie nach Mannheim, wurde die sechs Tracks des neuen Longplayer doch vergangenen Oktober von Christian Bethge – AKA der deutsche Steve Albini – im Mannheimer RAMA Tonstudio aufgenommen, gemischt und gemastert. Da wundert es dann nicht, dass die erste Hörprobe „End transmission“ einen monumentalen Sound voller Tiefgang hat, der von den episch-winterlichen Naturbildern im Video von Michael Schauer gespiegelt wird. Ach ja, das soll übrgens der lyrischste Track auf der Scheibe sein (erscheint im Sommer bei Holy Goat Records). //RRRhund\

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Post Punk/Cold Wave: Im März kommt mit Утро (gesprochen: Utro) zum ersten Mal der dunkle Motorama-Ableger von Vladislav Parshin auf deutsche Bühnen (21.3., Wiesbaden, Schlachthof; 22.3., Esslingen, Komma) – das Post Punk-Trio aus Rostov-On-Don ist deutlich kratziger und auch spannender als die Mutterkapelle, obwohl mittlerweile grundsätzlich auf Gitarren verzichtet wird. Anstattdessen gibt es den simpel-lakonischen Cold Wave-Bass, ein minimalistisch peitschendes Post Punk-Schlagzeug, Synthflächen und effektgeladenen Gesang. Die Band orientiert sich stilistisch dabei genauso an alten britischen wie an alten russischen Post Punk-Bands. Nice. //RRRhund\

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Dark Wave/Dark Pop: Die italienische Formation Dark Door lebt auf dem aktuellen Longplayer „Inferno“ weniger von stilistischer Innovation als vom guten Songwriting, dem produktionstechnischem Gespür für stimmig austarierten, genrespezifischen Dark Wave-Sound und dem prägnanten, tiefen Gesang von Mario D’Aniello. Da fügt sich alles auf hohem Niveau zusammen. Die beiden Neapolitaner wird man vermutlich demnächst häufiger auf europäischen Bühnen antreffen können. Die Scheibe ist im Dezember bei Synth Religion in Paris erschienen. //RRRhund\

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Punk as Fuck: Während sich der Blog der Band wegen der angespannten politischen Lage in Cottbus und Afrin zum Informationsmedium für politische Aktivisten wandelt („Indymedia Nordost quasi“), haben die Punks von Pisse aus Hoyerswerda auf bandcamp gerade mal nebenbei eine neue EP rausgehauen, bei der man sich nicht mal die Zeit genommen hat, das Template von bandcamp („album name“) zu überschreiben oder gar ein Cover zu kreieren. Es gibt einfach gerade wichtigere Dinge zu tun. Wer jetzt glaubt, dass die fünf Nummern auf dem Kurzspieler deswegen zu vernachlässigen sind, liegt komplett verkehrt. Angeführt wird das Quintett von der Razzia-Coverversion „Nacht im Ghetto“, die im dekonstruierten Electro-Synth Punk-Sound daher kommt, und damit die Erwartungshaltung bricht. Das spannungsgeladene Intro von „Dunkle Straße“ hat auch noch den Düster-Vibe von „Ausflug mit Franziska“. Danach gibt’s aber viermal auf die Fresse. Meine Güte, und wie … bis zum kurzen elektronischen Absturz. Essenziell und relevant. 7.2., Esslingen, Komma – enough said. //RRRhund\

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Electro/EBM/Acid: Gewohnt Hartes vom Elektronik-Veteranen Anders Karlsson AKA Celldöd. Bei „Flodvåg“, dem Opener von der neuen 12″ auf Kess Kill („KESS07“, erscheint im Februar), mischen sich hippe Industrial Acid-Elemente in den typisch grantelig-wuchtigen EBM-Sound des Schweden. Knallt, hat Ecken und Kanten, macht RRR. //RRRhund\

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Psych Rock: Einen garagigen, teils sogar krachigen LowFi-Sound hat das japanische Psych Rock-Quintett Kikagaku Moyo (幾何学模様) auf „Stone Garden“, einer EP für das Amsterdamer Label Guruguru Brain. Die sehr gelungenen Aufnahmen auf dem Kurzspieler leben von ihrer Hippie-haften, ekstatischen Sessionqualität, die wohl durch einen überlangen Aufnahmeprozess zustande kam, und zeigen die Formation eher von ihrer improvisierenden Seite. Hatten wohl eine gute Zeit im Prager Studio, die Jungs, denn die Tracks ziehen den Hörer durchgehend in einen Sog, sind aus einem Guss. Excellence from the psychedelic underground. //RRRhund\

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Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ

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