+Kurz rausgehackt: Februar 2019

Experimental Rock/Deconstructed Blues/Noise Rock/Prog Metal/Hard Psych: Die Gitarristin Ava Mendoza besetzt mit ihrem Projekt Unnnatural Ways ein ähnliches Feld wie das frühe Caspar Brötzmann Massaker – auf „The Paranoia Party“ (Sleeping Giant Glossolalia / SGG Records, 22.3.) liegt sie mit ihrer Band stilistisch irgendwo zwischen Jazz-Rock, Noise Rock, experimentellem Hardcore und Prog Metal; zwischen Sonny Sharrock, Butthole Surfers, den späten Black Flag und Morbid Angel. Frühere Alben waren bei John Zorns Tzadik Label und bei Atlantis erschienen. Seitdem ist die Musikerin vom kalifornischen Oakland nach New York gezogen, und das Umfeld und die Bandbesetzung haben sich in Richtung Ostküsten-Avantgarde verlagert. Auf der aktuellen Scheibe hat Tim Dahl (Child Abuse, Lydia Lunch’s Retrovirus) den Bass bedient und Sam Ospovat (Enablers) die Drums eingespielt. Hier der Album-Opener „Go back to space“. FFO Caspar Brötzmann Massaker, Assassins of God, Sonny Sharrock, The Messthetics //RRRhund\

+++++

Dancefloor Archiv: Wenn mein Lieblings-Selector im besten Club Süddeutschlands auflegt … so kann man eine Serie starten. Das Robert Johnson hat unter dem Titel „Robert Johnson Archiv“ eine neue Serie von Mitschnitten von Livesets gestartet, die im Offenbacher Kultclub über die Decks gegangen sind und dann im Nachgang ihre Heimat auf Soundcloud finden. Die ehrenvolle Nummer 0001 geht an die fabulöse Lena Willikens, die Ende Januar am Main ein großartiges, wie immer sehr inspirierendes Zweieinhalb-Stunden-Set in die Nacht geschickt hat. Enjoy! //RRRhund\

+++++

Electronic/Industrial Pop: Deutsche Namen scheinen im U.S.-Underground immer noch cool zu sein, bloß ist’s dann mit der Grammatik nicht immer weit her. Holodeck aus Austin haben gerade ein neues Signing bekannt gegeben und so hat Grün Wasser, ein halb-elektronisches Duo aus Chicago, meinen Wahrnehmungshorizont erreicht. Spannend-sperriger Industrial Pop zwischen Depro-Stimmung und atonalen Ausbrüchen: „Saying silence“. Da bin ich ja mal auf den ersten Release bei Holodeck gespannt. //RRRhund\

+++++

Acoustic/Low-Fi/Psych Folk: „Oh deep forces I see“ … Louis Jucker kennen die Meisten eher aus der Welt der harten Gitarren (The Ocean Collective, Coilguns, Kunz et al). Anfang März haut der umtriebige Musiker beim Schweizer DIY-Label Hummus Records die physischen Formate seines neues Soloalbums „Kråkeslottet [The Crow’s Castle]“ raus (1.3.; digital steht die Scheibe schon seit einer Weile zum fairen „pay what you want“-Preis auf bandcamp). Jucker hat das Album komplett auf akustischen Instrumenten in einer norwegischen Fischerhütte am Atlantik geschrieben und eingespielt und dabei Kirchenorgel, Harmonium, Zither, akustische Gitarre, sowie diverse Klaviere genauso zum Einsatz gebracht wie eine Schreibmaschine, einen Eisenofen oder Walknochen. Im Ergebnis ist der vielseitige Schweizer zu seiner ganz eigenen Art von charmanter, psychedelischer LowFi-Hausmusik gekommen. Hier das Video zum Album-Opener „Seagazer“, bei dem das analog-experimentelle, visuelle Konzept perfekt zum akustischen LowFi-Folk-Sound des Songs passt; bei dem das Rauschen im Bild zur optischen Entsprechung des reingedrehten Distortion-Pedals wird. Special. //RRRhund\

+++++

Requiem: Die Nachricht über den Tod des Talk Talk-Sängers hat mich gestern abend erst spät erreicht … und schwer getroffen. Talk Talk war eine Band, die meine persönlichen Pop-Entwicklungsschritte in den 80er- und 90er-Jahren widergespiegelt, in Tonträgern manifestiert hat. Vom Teenie-Synth-Pop der Mittachtziger zu den erlesenen Arrangements von „Spirit Of Eden“ und „The Colour Of Spring“ und dann eben der epochale Schritt Into the Great Wide Open, in den abstrakten Raum, der gleichzeitig das Ende der Band im kommerziellen Kontinuum bedeutete („Ihr Narren!“) … und den Einzug in die Musikgeschichte. Für Mark aber tatsächlich den Abschied auf Raten aus der Musikindustrie, den er medial nur noch spärlich und aus einer Position der kompletten Entfremdung kommentiert hat. Ich habe heute Nacht „Laughing Stock“ gehört und still in mich hinein geweint. Und so ging es Vielen. Mark Hollis ist tot. //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Garage/Noise Rock: Ein schweres Erbe treten Imperial Wax an, und das gilt vorrangig für den Gesang. Es handelt sich bei dieser recht frischen Band nämlich um die neu formierte, langjährige Instrumentalbesetzung von The Fall mit einem neuen Sänger namens Sam Curran. Hier die aktuelle Single „No man’s land“, die ihren Indie Rock-Sound mit einem schönen Garagenvibe voranpeitscht. Der Song wird auf dem ersten Longplayer zu finden sein, der im Mai erscheint („Gastwerk Saboteurs“, 17.5., Saustex Records). //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Art Rock/Post Punk/Live show: Das New Yorker Art Rock-Quintett Bodega ist ja gerade in Europa auf Tour und hat in diesem Zuge auch die Mannheimer Kulturbrücken besucht. Arte war so nett, eine der Europa-Shows beim Route du Rock zu dokumentieren. //RRRhund\

+++++

Experimental/Minimal/Abstract: Schöne Platte aus der Düsseldorfer Kunstszene. Decha ist das Soloprojekt der Dadistin Viktoria Wehrmeister, die in gut informierten musikalischen Zirkeln als Sängerin der Düsseldorfer postindustriellen Electro-Formation Toresch bekannt ist (die anderen zwei Drittel bestehen aus Tolouse Low Trax und Jan Wagner). Bei „Hielo Boca“ (als Vinyl bei Malka Tuti oder digital auf bandcamp), ihrem Debütalbum im Solomodus, präsentiert Wehrmeister neun sehr persönliche, experimentelle Tracks und setzt dabei vor allem auf ihre Stimme sowie ihre eigentümlichen spanischen Texte. Die Protagonistin gelangt innerhalb dieses luftigen, abstrakt-minimalistischen Set-ups zu erstaunlich kreativen Ergebnissen. Sehr ungewöhnlich, sehr gelungen. //RRRhund\

+++++

Post Synth Wave/Cold Wave/Dark Electro/EBM: Der französische Produzent Mathis Kolkoz – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Blind Delon – hat nach einer Vielzahl von sehr guten EP-Veröffentlichungen auf verschiedenen Labels nun mit „Discipline“ seinen Debüt-Longplayer auf Unknown Pleasures Records parat (25.3.). Die wuchtig-atmosphärische Single „Rule III“ kommt mit dem Gastgesang von Kris Baha und den Synths des Industrial Techno-Shooting Stars I Hate Models – die Sache bleibt also in der Familie. Ansonsten hat der Produzent aus Toulouse wieder mit seinen typischen Stil-Ingredienzien gearbeitet: ein eiskalt pulsierenden Bass-Sequencer, rohe Analog-Synth-Sounds und dunkle Romantik vermengen sich zu Cold-Wave-beeinflusstem Dark Electro mit EBM-Spurenelementen. Im Mai kann man den Mann übrigens endlich mal halbwegs in Reichweite live begutachten, nämlich im wunderschönen Slow Club zu Freiburg (19.5.) – für Liveshows wurde die Besetzung mittlerweile auf Triostärke erweitert und auch an einem visuellen Konzept gearbeitet. Der Besuch sollte sich also lohnen. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Tough New Wave: Gestern ist die neue Diät-Scheibe „Positive Disintegration“ erschienen, die das Zentralgestirn der Berliner Post Punk-Szene wieder im Dong Xuan-Studio in Lichtenberg selbst aufgenommen hat (U.S.-Vinyl bei Iron Lungs; die europäische Vinylvariante kommt einen Monat später, soweit ich informiert bin via Blackest Ever Black; oder ihr checkt eben die digitale Fassung auf bandcamp). Beim Durchhören fällt auf, dass die Band die treibenden Sturm-und-Drang-Tracks der frühen Phase mittlerweile zugunsten von mehr dunklen, atmosphärischen, fast schon poppigen (wenn auch Depro-poppigen) Vibes aufgegeben hat. Ansonsten gibt es wie schon beim Vorgänger „Positive Energy“ von 2015 und den kultigen 7″es davor Monster-Gitarrenlicks um die Ohren, die so schnell nicht wieder aus dem Hirn zu verbannen sind. Und auch inhaltlich hat sich wenig geändert, die Texte beschäftigen sich immer noch mit der Unverträglichkeit des modernen Seins, mit dem unerträglichen Phlegma der Mittelklasse in einer Welt, die mittlerweile wieder in einem braunen Scheißhaufen zu versinken droht. In mehrfacher Hinsicht eine der wichtigsten deutschen Bands, die in der März-Ausgabe unserer Radiosendung eine angemessene Rolle spielen wird, wenn wir die junge, agile Post Punk-Szene Berlins beleuchten. //RRRhund\

+++++

Synth Pop: Frisches von Automelodi. Auch das Synth Pop-Projekt von Xavier Paradis aus Montreal hat ein neues Album fertiggestellt, das insgesamt dritte („Mirages au Futur Verre-Brisé“, 3.5., Holodeck). Der Kanadier versteht es immer wieder, kühle Sounds mit guten Gesangsmelodien zu verknüpfen und so mit Emotionen aufzuladen. Hier der erste Leadtrack „La Poussière“ („Staub“), der mit einem leichten Human League-Vibe daherkommt. //RRRhund\

+++++

Alternative Rock/Post Noise Rock: Achtung, verrückte Belgier! Raketkanon sind zurück und haben fürs dritte Album beim englischen Label Alcopop Records angeheuert (#RKTKN3, 5.4.). Der Sound des Quartetts aus Gent ist noch elektronischer geworden, hat sich noch mehr von der Noise Rock-Klassik weg in Richtung eigenständiger Psychosound entwickelt. A propos Psycho: Im ersten Video zu „Ricky“ hetzt die Band in ihrer Inkarnation als Treibjagd-Gesellschaft einer Backwoods-Irrenanstalt ein Gemüsemonster durch den Wald. Das Ganze abgedreht von Aykan Umut in klaustrophobischem Super-Widescreen. Killer! Die Scheibe ist übrigens bereits in der Preorder-Phase. //RRRhund\

+++++

Dark Alternative/Synth Punk: Gewohnt Spannendes von französischen Label The Turc Mecanique, die mit dem Langspieldebüt des Pariser Duos Bracco einen echten Trumpf im Ärmel haben. Wuchtiger rotierender, elektronischer Dark Alternative-Sound mit Synth Punk-Einflüssen, der wie ein Soundtrack zu den aktuellen Zeiten der Revolte bei unseren westlichen Nachbarn rüberkommt. Hier die erste Hörprobe „Fribourg“ („Grave“, 22.3.). //RRRhund\

+++++

Alternative/Electro: Warum die Goldenen Zitronen immer noch eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands sind? Die Frage beantwortet sich am Beispiel der aktuellen Single „Es nervt“, die zusammen mit Sängerin LaToya Manly-Spain produziert wurde, ziemlich gut von alleine. Während in ausdifferenzierten politischen Facetten gewichtiges Interkulturelles besprochen wird, zerrt am Tanzbein der Electrolurch (das aktuelle Album „More Than A Feeling“ ist bei Buback Tonträger erschienen). Im April ist die Band übrigens auch mal wieder auf Tour (14.4., Heidelberg, Karlstorbahnhof) //RRRhund\

+++++

Alternative/Dark Folk: Auch Dune Messiah folgen mit ihrem neuen Album „Moments of Bliss“ (29.3., Third Coming Records / aufnahme + wiedergabe) dem Kopenhagener Trend der letzten Jahre und wandeln auf den Spuren der Birthday Party- und Bad Seeds-Traditionslinie. Das Ganze im Goth Western-Kontext … da haben die New Yorker Bambara was losgetreten. //RRRhund\

+++++

Dark Rock’n’Roll/Garage: Nach einer kleinen, wohlverdienten Schaffenspause steht ein neues The Underground Youth-Album vor der Tür. „Montage Images Of Lust & Fear“ erscheint Ende März wieder bei Fuzz Club Records (29.3.). Zwei Songs gibt es mittlerweile zu hören. Hier die Single „The death of the author“, die ihre dunkle Spannung niemals aufgibt. Wie immer groß. Am 3. Mai ist die Band dann zusammen mit den Kopenhagenern Dune Messiah im Karlsruher KOHI-Kulturraum zugange. //RRRhund\

+++++

Electronic/Synth Wave/Industrial: Eine weitere Downwards-Veröffentlichung im Jubiläumsjahr – Grebenstein & Seefried servieren auf einer 12″ magnetischen Synth Wave-Electro-Sound mit Industrial-Einflüssen. Der titelgebende Album Opener „Raging tender“ in kinetischen und tanzbar, die anderen drei Tracks auf der EP bewegen sich eher im atmosphärischen Bereich. Dazu serviert Seefried kalten Frauengesang. Genau meine Baustelle, ganz fein. //RRRhund\

+++++

Electronic/Minimal/Industrial: Huch, noch mehr Amor. Diesmal aber nicht die Glasgower Band mit dem Talk Talk meets Dancefloor-Touch, sondern das Minimal Electronik-Projekt des in Berlin ansässigen Spaniers Gabriel Castillo, das in etwa an der gleichen Stelle ansetzt wie das Glasgower Duo The Modern Institute. So weit, so verwirrend – der Rest ist dafür dann aber ganz einfach. Auf dem „Transamorem“-Tape fürs spanische Underground-Label B.F.E. gibt Castillo schweinegeilen, dreckigen Electro zum Besten, der an die Pionierphase der Minimal-Elektronik anknüpft, ohne dort hängen zu bleiben. Die Stücke sind dann auch ganz konsequent nur nach binären Mustern benannt. Die Art von Musik, die niemals sterben wird. FFO The Normal, Suicide, Chris & Cosey, The Modern Institute. //RRRhund\

+++++

Industrial/Experimental/Electro: Die mysteriösen Errant Monks aus dem Norden Englands haben einen eigenen, sinnlich gut erfassbaren Platz im brachialen Industrial-Genre gefunden. Die aktuelle Lead-Single „Sdvig!“ lief letztens auch schon in betas RAD-Sendung auf Bermuda.funk und stammt vom kommenden Album „The Limit-Experience“ (Maternal Voice, 15.4.). Das auffällige Cover-Artwork sowie die Aufnahmen im Video zeigen Aufnahmen vom Frontalschädellappen des Chefmöchs Joseph Charms, die nach einem Unfall mit Alkoholbeteiligung und Delirium Tremens in Serbien angefertigt wurden. Der Engländer musste daraufhin in Südosteuropa wohl einen unfreiwilligen Aufenthalt in der Geschlossenen hinter sich bringen, und so sind politisch radikale, reformpsychiatrische – in England gibt es eine Organisation namens The Psychoopposition, die an das legendäre SPK in Heidelberg erinnert – gerade Thema beider Veröffentlichungen. Die Lebenssituation selbst scheint sich mittlerweile beruhigt zu haben, denn Charms hat zu Jahresbeginn eine wahre Veröffentlichungsoffensive begonnen. Eine Remixfassung der Single, die Simon Crab von den Industriallegenden Bourbonese Qualk angefertigt hat, ist auf einem weiteren Album zu finden, das heute bei Tesla Tapes, dem Label aus dem GNOD-Umfeld, erschienen ist (s-t, drei längere Tracks) – eine Veröffentlichung, die eher dem krachigen Experimentalgenre zuzuordnen ist. Außerdem hat Charms noch zwei Veröffentlichungen unter seiner neuen Soloinkarnation The Lincolnshire Poacher in petto („The Lincolnshire Poacher: Frequency Disruptor Vol. 1“, ist bereits bei Baba Vanga draußen). Hochproduktiv und spannend, der Mann. //RRRhund\

+++++

Alternative/Art Rock/Post Punk: „God’s House“, die aktuelle Single des kanadischen Art Rock-Kollektivs Red Mass, hat einfach diesen geil magnetischen Vibe, der einen sofort abholt und in die Nummer reinzieht. Das liegt zum einen natürlich an der sexy angekratzten Stimme von Roy Vucino, zum anderen aber an diesem geil magnetischen Goth Rock-Gitarrenlick, der einen am Nasenring durch die ganze Nummer zieht. Gute Single („Kilrush Drive“, 22.3., No Coast / Label Étiquette)

+++++

Streets Punk: Die Idles haben für die Live Lounge von BBC Radio One ein sensationelles Mash-Up aus Songs der Streets eingespielt – so gut, die Jungs. //RRRhund\

+++++

Experimental/Performance/Alien Sounds/Noise: Space is the place, baby. Maurizio und Roberto Opalio sind My Cat is An Alien. Das ungewöhnliche, schamanische Experimental- und Performance-Duo mit der eigenartigen Aura hat letztes Jahr sein 20-jähriges Jubiäum gefeiert. Ein Auftritt in Mailand mit den typischen, selbstgebauten Space Toys der Italiener und einer Intervention von Lee Ranaldo (Sonic Youth). //RRRhund\

+++++

Ambient/Drone: Liam Blackburn ist ein Klangkünstler, der wie ein Schwarz-Weiß-Chamäleon sowohl in der Dark Ambient- als auch in der Industrial Techno-Szene unterwegs ist, und auch alle möglichen Grauschattierungen dazwischen beherrscht. Mittlerweile hat der Engländer, der unter dem Künstlernamen Ancestral Voices produziert, mit The Fifth Kingdom auch sein eigenes Label gegründet. „Navagraha“, das neueste Werk, ist aber trotzdem wieder beim Berliner Label Samurai Horo erschienen.Der Titel des neuen Albums steht im Sanskrit für das System der neun Himmelskörper, also die neun Planeten unseres Sonnensystems. Astrologische Ambient-/Drone-Flächen gravitieren majestätisch durch den akkustischen Raum … eine konzeptionelle Arbeit. //RRRhund\

+++++

Esoteric Body Music/Electro/Acid: Neue EP des kanadischen Duos Derek Evan George und Hollie Hensman, das besser unter dem Namen Brusque Twins bekannt ist und mich jetzt auch schon einige Jährchen in meinen DJ-Sets begleitet. „Obsess.“ bietet hypnotisierenden Fetisch-Electro mit Acid- und EBM-Anteilen – eine psychosexuelle Mischung, die die beiden Esoteric Body Music getauft haben. Scharfer Track, und auch ein bisschen krank: „Angel“. Aber so mögen wir das, oder? //RRRhund\

+++++

Dark Pop/Dark Wave/Electro Pop: Der französische Wohnzimmer-Produzent Sydney Valette feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum zwischen Rave- und Gothic-Szene. Auf seinem fünften Album „How Many Lives“ wandelt der Pariser mit mal straight pulsierenden Beats, mal verhalten brodelnder Rhythmik, kalten Flächen, poppigen Melodien und unterkühltem Gesang auf Pfaden zwischen dem Dark Pop-, Dark Wave-, Minimal- und Post Punk-Terrain. Eine eigentümlich schleppende Sex Pistols-Coverversion im New Wave-Gewand rundet die Scheibe ab. Die Geister der Vergangenheit sprechen – „Anarchy in the UK“, der Song, der für den anarchistischen Revolutionsmythos steht wie kein anderer, wird in der Rückschau mal kurz in Melancholie ertränkt. //RRRhund\

+++++

Dreamy Synth Pop: Fragrance. ist das Soloprojekt des französischen Synth-Spezialisten Matthieu Roche. Auf „Now That I’m Real“, seinem Debüt-Longplayer für Synth Religion (erscheint nächste Woche) serviert der Pariser Produzent elegant austarierten, schillernd-kalten Synth Pop zwischen New Wave-Roots, 90er-Unterspielarten und aktuellem Sounddesign. Da auch noch zwei prominente Szene-Damen in der Produktion involviert waren, dürfte der Scheibe wohlverdiente Aufmerksamkeit zukommen: Hélène de Thoury (AKA Hante., auch bei Minuit Machine) hat den Mastering-Prozess erledigt sowei bei einem Track auch Gast Vocals beigesteuert. Die Kanadierin Maya Postepski (eine Hälfte von TR/ST, außerdem die Drummerin von Austra) hat ein paar Tracks mitproduziert und ebenfalls bei einer Nummer gesungen. Hier aber das Video zu „So typical“, einer Nummer, bei der Roche selbst singt. Richtig gut. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Nu Kraut: Die Londoner Snapped Ankles stehen mit dem zweiten Album vor dem endgültigen Durchbruch, darauf deuten gerade einige Hinweise. Unter anderem auch das super Video zur zweiten Single „Rechargeable“, in dem die verstrahlten Waldwesen durch den urbanen Dschungel Londons irren und allerlei Begegnungen mit den Agenten der Gentrifizierung haben. Geiles Teil („Stunning Luxury“, 1.3.). //RRRhund\

+++++

Kraut: Mal wieder ein Genrekracher auf Bureau B. Der Gitarrist Günter Schickert ist 1975 mit dem Echo-Gitarrenstil auf seinem Debüt „Samtvogel“ zur Krautlegende geworden. Über 40 Jahre nach diesem Album hat er nun mit Andreas Spechtl von Ja, Panik nochmal ein Album eingespielt, dass diesen klassischen Stil in Schichtungen verarbeitet und mit modernen Produktionsideen verknüpft („Nachtfalter“, heute erschienen). Das groovende „Ceiling“ transportiert wie viele guten Krautstücke genauso die Klangwelt der Großstadt-Maschinerie wie urwüchsige Tribal-Vibes – und auch das Video fügt sich da prächtig ins Bild. //RRRhund\

+++++

Experimental/Electronic/Post Industrial: Vor längerer Zeit hatte ich mal das Projekt JH1.FS3 vorgestellt, hinter dem Frederikke Hoffmeier (Puce Mary lief ja auch in der letzten RRRsoundZ-Radiosendung, mittlerweile nachzuhören auf Mixcloud) und Jesse Sanes (Liebestod) stecken. Bei DAIS Records ist gerade mit „Trials & Tribulations“ das zweite Album der beiden Experimentalkünstler erschienen, dass die emotionale Erforschung von Klang zum Thema hat. Hier das Video zu „Pipe talk“. //RRRhund\

+++++

Drone your valentine: Thom Wasluck hat eine alte Tradition seines Projekts Planning for Burial neu aufleben lassen und zum Valentinstag eine Drone-Single rausgehauen. Wobei, Single ist schon deutlich untertrieben, EP trifft’s schon viel eher. „(continued)“ besteht aus zwei langen Tracks jenseits der 10-Minuten-Marke und liefert liebevoll gestaltete Sounds aus rohem Gitarren-Noise und flächig stehenden Loops, um euer Valentine warm einzupacken. Darin eingebettet auch immer wieder kurz die melancholische Stimme des Meisters. Wie immer ein sehr emotionales, stimmiges Gesamtergebnis. Recommended. //RRRhund\

+++++

Cover: Ja doch, très charmant. Das klingt nach einem genialen Sommerabend mit Lieblingsmenschen und einem Glas Wein in der Hand. Auch 15 Jahre nach dem Debüt tun Nouvelle Vague, was Nouvelle Vague tun, und covern klassische 80er-Hits. Diesmal hat sich die französische Formation den hinreißenden Mittachtziger-Schmachtfetzen von New Order vorgenommen, und der ist mit seinem Kanon-artigen Gesang für den akkustischen Shoop-Shoop-Stil des Trios wie gemacht. //RRRhund\

+++++

Post Punk: Die Franzosen Frustration gibt’s jetzt ja auch schon länger, das Quintett aus Paris zählt zu den Pionieren der neuen europäischen Post Punk-Szene. Auch die aktuelle 7″ ist wieder gut geraten („The Drawback“, Blind Records, heute erschienen); hier die gleichnamige A-Seite, die New Wave-Vibes, vor allem aber jede Menge Post Punk-Punch hat. Tolle Live-Band übrigens, und demnächst auch mal wieder in Reichweite zu sehen (1.6., Frankfurt, Nachtleben zusammen mit den grandiosen Italienern Kill Your Boyfriend). //RRRhund\

+++++

Post Punk/Electro Punk: Woaaaa, Überraschung. Da sind zwei Zentralgestirne der deutschen Underground-Landschaft kollidiert und haben aus der entstehenden Supernova ein neues, gieriges Baby geboren. Maulgruppe, das ist die Schwarzwald-Gang, aus der auch Kurt, Ten Volt Shock und Yass hervorgegangen sind, gepaart mit Jens Rachut, Hamburger Punkadel personally (Angeschissen, Das Moor, Blumen am Arsch der Hölle, Oma Hanns … die ganze Ahnengalerie aufzuzählen würde jetzt den Rahmen sprengen). Das Ergebnis sind angewavte, wuchtig wie stoisch stampfende Electro Punk-Songs mit viel Echo- und Halleffekten – die Experimente von Yass auf klassische Song-Arrangements getrimmt. Darin eingebettet der paranoide Alarm-Vibe, die Stimme von Rachut, die großartigen Texte des Hamburgers. Platte kommt Ende März („Tiere in Tschernobyl“, Major Label), getourt wird im Sommer. Hier ist „Tinder-Baby“. A propos Angeschissen. Der Nachlass der ersten prägenden Rachut-Band ist mittlerweile – ebenfalls beim Major Label – mit einer schönen, umfassenden Veröffentlichung gewürdigt worden. Was die Rachut-Gang so mit den Wipers angestellt hat … punk as fuck. //RRRhund\

+++++

Ambient Electro/Esoteric Electronica/Downtempo: Beim Esoterik-Tag wäre ich früher mit Sicherheit schreiend weggerannt. Aber keine Sorge, wir sind keineswegs im New Age County unterwegs. Ich folge nur den Hinweisen, die Pedro Vian zu seinem neuen, selbstbetitelten Album gibt. Der früher in Barcelona und nun in Amsterdam ansässige Produzent serviert uns auf seinem zweiten Longplayer in tiefblaue Wolken getunkte, melancholisch-atmosphärische Elektronikstücke, die vor Emotionen aller Art nur so triefen ohne jemals in den Kitsch abzudriften. Tief Eintauchen in eine perfekt inszenierte Klanglandschaft – ein wahrer Meister seines Fachs (gerade bei Modern Obscure Music, seinem eigenen Label, erschienen – 12″-Vinyl oder digital). //RRRhund\

+++++

Experimental: Piotr Kurek läuft in der aktuellen instrumentalen Experimentalszene unter dem Radar. Das liegt vermutlich am spezifischen Sound des Polen, der nicht so recht ins experimentelle Look and Feel der 2010er Jahre passen will, der in der aktuellen Zeit seltsam anachronistisch wirkt. Dabei zählt der Warschauer Künstler mit seiner distinguierten Stilistik seit geraumer Zeit zu den Audio-Auteurs mit Wiedererkennungswert. Hands in the Dark schicken sich an, diesen Missverhältnis mit dem aktuellen Album-Release wieder gerade zu rücken. „Polygome“ führt den Hörer auf einen hypnotisierenden Rundkurs durch die musikalische Welt von Kurek, präsentiert kreative, mysteriöse Tracks zwischen architektonisch anmutender Konstruktion und farbenfrohem, musikalischem Humor. Eine Scheibe mit Alleinstellungsmerkmalen. //RRRhund\

+++++

Experimental/Electro Acoustic/Industrial Noise: Alpinen Naturgewalten hat die Französin Annabelle Playe ihr drittes Album „Geyser“ gewidmet, das Anfang Februar erschienen ist (1.2., DAC Records). Zwei kraftvolle lange Tracks, die zwischen eisigen Flächen, elektroakkustischen Abrasionen und episch-noisigen Industrial-Passagen oszillieren – sich zwischen ambientesker Landschaftsbeschreibung und gewaltigen Naturprozessen entwickeln. Episch. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Dark Alternative: Neues von All Your Sisters. Ursprünglich das Soloprojekt von Jordan Morrison ist die Formation nunmehr in San Francisco ansässig, zum Quartett angewachsen und hat das dritte Album fertiggestellt, das dramatische Erlebnisse verarbeitet und mit hörbar mehr Punch daherkommt („Trust Ruins“, 15.4., The Flenser). Eine Vermischung von 80er Post Punk- und 90er Dark Alternative-Sounds à la Nine Inch Nails: die erste Hörprobe „Dividing lines“. //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Post Punk: Zack, da ist das Video zu „Big“, der ersten, heiß erwarteten Single vom Debütalbum der irischen Shooting Stars Fontaines D.C. – schön treibender, songorientierter Post Punk-Sound mit irischem Schnodder („Dogrel“, 12.4., Partisan Records). Im Video führt uns ein Kid durch die Moore Street in Dublin. Die Iren sind demnächst in England auf Tour und müssen ständig Venue-Upgrades verkünden, weil die Ticketverkäufe für die ursprünglich geplanten Läden durch die Decke gehen – und das mit ein paar Singles, die draußen sind. Yep, ein Hype, aber einer mit vernünftigem musikalischen Fundament, ein Hype, den die Band sich durch ihre Livequalitäten erspielt hat. //RRRhund\

+++++

Electro Wave: Die Shad Shadows, das elektronischere Alter Ego der italienischen Darkgaze-Band Schonwald, hatten wir hier auch schon mal. Jetzt ist der zweite Longplayer draußen und mit „Under valium“ auf das erste Video unterwegs – ein schön treibender, tanzbarer Sound („Nocturnal“, digital bei bandcamp oder ab 1.5. als Vinyl bei Young & Cold Records). //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Post Punk: Und dann hätten wir noch das neue Video der Fews zu „More than ever“. Hat einen tollen krautigen Flow, diese Post Punk-Hymne, dabei ist das Thema der Nummer Apathie. Da haben wir jetzt aber bereits schon einige gute Singles vom neuen Album gehört … zack, ab auf die Shopping-Liste für Anfang März („Into Red“, 1.3., PIAS). //RRRhund\

+++++

Dark Dub: Bisher haben sich ja tendenziell eher Leute aus der Industrial- und Dark Ambient-Szene an diesen dunklen Dub-Experimenten versucht. Bei der neuen Scheibe von Jay Glass Dubs verhält sich das anders – der griechsche Produzent Dimitris Papadatos stammt eher aus der modernen Electro-Dub-Szene und hat auf seinem neuen Werk „Epitaph“ fein austarierte Grooves mit dunklen Sounds zu einem groovig-dystopischen Goth Dub-Futurismus verwoben. Das Ergebnis klingt nach einer Mischung aus This Mortail Coil, Dungeon Synth und Dub. //RRRhund\

+++++

Dark Alternative: Downwards Records, das von Karl O’Connor (Regis) und Female gegründete, britische Label für Elektronik, Techno und allerlei dunkles, experimentelles Zeug, feiert dieses Jahr sein 25. Jubiläum und hat sich aus diesem Anlass wohl eine ganze Latte cooler Veröffentlichungen vorgenommen. Erste Überraschung: Die neue Scheibe des australischen Experimentaltrios My Disco kommt beim Label aus Birmingham („Environment“, Termin tba). Kraftvoller Minimalismus: „Rival colour“. //RRRhund\

+++++

Electronic/Experimental: Der britische Produzent Thighpaulsandra hat sich seine musikalischen Meriten bei so legendären Bands wie Coil und Spiritualized verdient. Jetzt steht mit „Practical Electronics With …“ (1.3., Editions Mego) das achte Album des Meisters vor der Veröffentlichung. Zu hören gibt es spirituell aufgeladene Electronica – lange Stücke voll dunkler Atmosphäre, bei denen der Meister ausnahmsweise auf jegliche Gastmusiker verzichtet hat – also Elektronik und Gesang pur. //RRRhund\

+++++

Dark Wave/EBM: Neues von Qual. William Maybelline (Lebanon Hanover) fährt mit seinem Soloprojekt auch bei der neuen Single wie gewohnt im härteren Sektor der Schwarzen Szene durch die dunklen Straßen. Ziemlich überzeugend (finde ich, seit ich ihn mal live gesehen habe) und … you may pardon the pun … gequält von den Effekten des Computerzeitalters („Cyber Care“, 15.2., Avant! Records). //RRRhund\

+++++

Alternative/No Wave: Hui, das ist schräg, das neue Video der Housewives – bei „SmttnKttns“ spielt die schöne neue digitale Welt eine entscheidende Rolle. Der Track ist auf dem zweiten Album der (Ex-)Londoner zu finden, die im März bei Blank Editions erscheinen wird („Twilight Splendour“, 22.3.). Für die Aufnahmesessions haben die Musiker ihre Klampfen verkauft und sich anstattdessen mit MIDI-Equipment eingedeckt. Im Ergebnis eine wilde Genre-Mischung, eine synthetische Collage, die diesmal auf die Möglichkeiten elektronischer Sounds setzt. Anstelle der No Wave-Helden der End-70er sind jetzt Oneohtrix Point Never, Animal Collective und die Battles die Vorbilder. Aber auch die vercheckten Arrangements der Suuns meine ich im neuen minimalitisch-abstrahierten Sound der Band ein bisschen durchzuhören. Im Mai ist die Londoner Band dann auch zum ersten Mal auf ausgedehnter Tour auf dem ollen Kontinent. //RRRhund

+++++

Post Punk/New Wave/Polit Funk: NOV3L ist eine Band aus dem Umfeld von Crack Cloud, und wir hatten vor ein paar Wochen auch schon mal einen Track vorgestellt. Das Sextett aus Vancouver veröffentlicht nun im Februar seine unbetitelte Debüt-EP mit ebenso lebensbejahendem wie abseitigem, rhythmisch scharfkantigem, funky New Wave. Hier das aktuelle Video zum Opener „To whom it may concern“ (s/t EP, Flemish Eye / Meat Machine Records, 15.2.). FFO Wire, Devo, Foals. //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Post Punk/Punk’n’Roll: „There’s something really hypnotic about this strange combination between lots of effort and zero fucks given“, ist der beste Kommentar eines YouTube-Users. Alle, die gestern im Cafe Central zu Weinheim dem Gastspiel der fantastisch rollenden Viagra Boys beigewohnt haben, wissen dass wir mehr Shrimps in unserem Leben brauchen. Genauer gesagt die „Shrimps Sessions“, die das Stockholmer Sextett in einer Industriehalle voller teilnahmsloser Arbeiter eingespielt haben und eine starke Annäherung an das Live-Set der Band darstellen (bloß für die Zuschaustellung schlechter Tattoos bei freiem Oberkörper war’s wohl zu kalt). Abgefilmt in gritty VHS, oder was auch immer das ist – enjoy! //RRRhund\

+++++

Post Hardcore/Math Rock: Jaja, ich weiß, die hatte ich gerade erst vorgestellt. Aber bevor dieses phänomenale Liveset der Londoner Black Midi für KEXP Iceland einfach so in meinen Kommentaren untergeht, muss das einfach nochmal. Als ob die Elite der End-70er Avantgarde (This Heat) mit den besten Post Hardcore-Jüngern der 90er (Polvo, Slint et al) eine heiße Nacht verbracht hätte. Einfach wow. //RRRhund\

+++++

+++BLAST FROM THE PAST: Diese Kategorie war mangels Inspiration für ein paar Monate stillgelegt, aber nachdem jüngst ein echter Meilenstein der Computermusik wiederveröffentlicht wurde und mich gerade nachhaltig begeistert, kann ich gerade gar nicht anders, als darüber zu berichten. Die Rede ist von Laurie Spiegels Pionierarbeit „The Expanding Universe“ von 1980, die gerade in opulenten Varianten (3xLP mit 14 Bonustracks, 2 x CD mit 19 Bonus-Tracks, digital auf badcamp) von Unseen Worlds wieder in Umlauf gebracht wird. Warum ist das so bedeutsam? Weil sich dieses klassische Werk so stark ins Unterbewusstsein elektronischer Musik eingepflanzt hat wie kaum ein anderes. Projekte wie Emeralds, Oneohtrix Point Never oder Rene Hell wären ohne Spiegels Vorarbeit kaum vorstellbar. Produziert hat die Komponistin Ende der 70er Jahre auf GROOVE, einer interaktiven Software der Firma Bell, und das Ergebnis war damals ein ungeahnter futuristischer Meilenstein, und das hört man der Aura dieser Musik auch bis heute an … der Zeit einfach um Jahrzehnte voraus. Unheimlich gut zu hören, und zugleich von klassischer kompositorischer Tiefe – vermutlich ist es diese Mischung von Eigenschaften, dass es ein Track von „The Expanding Universe“ auf die berühmte Goldene Platte der Voyager-Mission geschafft hat. Als Nachricht an Außerirdische – zur Aufklärung über die schönen Seiten der menschlichen Natur. //RRRhund\

+++++

Noise Rock/Sludge/Post Hardcore: JARS sind eine russische Band auf dem französischen Label P.O.G.O. Records … und bei denen hat Labelbetreiber Lionel mal wieder einen richtig guten Riecher bewiesen. Denn der Noise Rock des Moskowiter Trios ist intens und hochklassig, in der perfekten Waage zwischem giftigem spannungsvollen Aufbau und den folgenden Ausbrüchen. Zwar lassen sich durchaus Anklänge an Genreklassiker vernehmen, die Band verarbeitet diese aber fernab vom Klon-Terrain, versprüht eine eigenständige Energie. Klasse („ДЖРС II“, P.O.G.O. Records). //RRRhund\

+++++

Weirdo Noise Rock/Trance Kraut: Rémy Venant, der Drummer von La Jungle, hat wohl in seiner Jugend häufig den belgischen Kultfilm „Ex Drummer“ gesehen. Oder zumindest den Soundtrack von Lightning Bolt zu oft gehört. Das legt jedenfalls das neue Projekt All Caps nahe, das er zusammen mit dem Bassisten Pierre de Mont-Doré unterhält, und ziemlich genau eine Kreuzung zwischen dem Trance Kraut goes Hardcore-Sound von La Jungle und dem Free Form-Noise Rock-Irrsinn von Lightning Bolt darstellt. Ziemlich geil, wohl bekomm’s! („All’s Well That End’s Well“-Debüt-EP, als Picturedisk oder digital, beides auf bandcamp) //RRRhund\

+++++

Slacker Garage/Weird Nerd Rock’n’Roll: Benutzen gerne mal Alleinunterhalter-Presets aus dem Billig-Keyboard als Rhythmusunterlegung; der Bassist sieht wie die Hauptfigur eines Surf-Movies aus, der in Tschernobyl gedreht wurde; Stooges? Der Gitarrist bevorzugt cheesy Thai-Mucke; der australische Sänger ist auch nur in der Band, weil er ohne Papiere in Frankreich gestrandet ist. Schon eine eigenartige Truppe, diese Le Villejuif Underground aus der Nähe von Paris. Das konnte man auch vor ein paar Monaten feststellen, als das Quartett beim brandherd im Alten Volksbad zu Gast war und ein begeistertes Publikum zurückgelassen hat. Seit Dezember ist nun mit „When will the Flies in Dauville drop ?“ ein neues Album bei Born Bad Records draußen, das mit dem typisch skurillen Sound der Garagen-Slacker aufwartet. Darauf hat ihr doch gewartet, oder?! //RRRhund\

+++++

Thaichedelic/Kraut: Die Kult-Reihe des RAMA Tonstudios macht ihrem Ruf mal wieder alle Ehre – die Melting Butter Sessions der holländischen Formation YĪN YĪN sind sensationell gut geraten. War anschließend bei dem enorm guten und charmanten Konzert vor Ort, das von den Analog-Visuals von Keith Pearson verzaubert wurde. Psychedelische Tropicalia und Kraut-Grooves vom Feinsten: Hier „The rabbit that hunts tigers“. //RRRhund\

+++++
+++++
+++++

Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ

Kommentare geschlossen