+Kurz rausgehackt: Januar 2019

Alternative/Songwriter: So ein schottisches Dulcitone hat schon einen schönen Klang. Vor allem, wenn es so clever eingesetzt wird wie bei „My mouth ain’t no bible“, der Single von James Yorkston. Der Song hat für mich ein Bad Seeds-Feeling – auch wenn der harte existenzialistische Vibe fehlt und durch eine eher elegische Instrumentierung ersetzt ist, muss ich ob der epischen Erzählweise die ganze Zeit an das legendäre „The Mercy Seat“ denken. Liegt wohl an der dröhnend-monotonen Arrangementstruktur und am Sprechgesang. Der schottische Songwriter veröffentlicht im Februar sein zweites Album bei Domino („The Road to Harmonium“, 22.2.), das fast ausschließlich in einem kleinen schottischen Fischerdorf mithilfe von Yorkstons opulenter Instrumentensammlung (zu der auch das Dulcitone zählt) – also quasi „old school“ – aufgenommen wurde und dadurch von einem rundum handwerklichen Charme geprägt ist. Zusammen mit dem befreundeten Produzenten David Wrench hat er die Arbeiten an dem Album dann fertiggestellt. Schottische Schwermut, das hat was. //RRRhund\

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Experimental/Lautenromantik meets Drone-Fiebertraum: Sie haben es wieder getan. Der niederländische Lautist Jozef Van Wissem hat zusammen mit Filmregisseur und Experimentalmusiker Jim Jarmusch ein drittes kollaboratives Album namens „An Attempt to Draw Aside the Veil“ aufgenommen, das natürlich wieder bei Sacred Bones Records in New York erscheinen wird (8.2.). Ein Fiebertraum aus Lautenromantik und apokalyptischem Drone: „The two paths“. //RRRhund\

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Post Punk/Art Rock: Ein Meilenstein der 2010er Post Punk-Welle wurde übrigens gerade zum ersten Mal auf Vinyl aufgelegt – die Rede ist von „The Pyramid of Privilege“, dem ersten Album von Total Victory. Die Band aus der Gegend von Manchester hatte ihr rundum gelungenes Debüt 2011 nur als CD-R veröffentlicht, und so ist die Scheibe international einigermaßen in der Versenkung geblieben. Das ändert sich jetzt mit der remasterten Vinylfassung, die in Deutschland gut über X-Mist Records zu kriegen ist. Starke Scheibe, recommended. //RRRhund\

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Post Punk/New Wave: Abteilung nice, kann man machen, und passt zudem mit seinem starken Bezug auf 80er-Helden noch gut zum vorherigen Posting. The Foreign Resort aus Kopenhagen sind zurück und klingen auf ihrer aktuellen Single „Outnumbered“ wie die perfekte Schnittmenge aus The Sound und The Cure in der „Disintegration“-Phase. Post Punk-Retro, der seine Lektionen gelernt hat, einfach ein guter Song („Outnumbered“, 5.4., Artoffact Records) //RRRhund\

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Devo·tion: „Huch, klingt das nicht nach?“ … Ja klar, volle Möhre. Clark + Devo = Clarko. Die 7″ heißt „Medeocre Man“ und ist bei Iron Lungs draußen. Ein mitreißend unterhaltsamer Klon, eine Hommage an die stilbildenden New Wave-Helden aus Akron, Ohio. //RRRhund\

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Instrumental Jams/Post Everything: DC mal anders, im Jam-Modus. The Messthetics sind Anthony Pirog an der Gitarre plus die Fugazi-Rhythmusgruppe, also Joe Lally am Bass und Brendan Canty an der Schießbude. Das selbstbetitelte Debütalbum ist seit ein paar Monaten auf Discord draußen und die Band tourt ab Ende Januar auch extensiv in Europa. Leider ist der Tourplan aber sehr nordlastig geraten: Irland, England, Holland und Belgien – einen Termin in Deutschland sucht man also vergeblich. Dann müssen wir uns doch glatt mit einer Live-in-Studiofassung von „Mythomania“ aus den SofaBurns-Sessions trösten – ein abgehangener Groove von den alten Herren und eine explosive Gitarre, die stilistisch wie eine moderne Mischung aus Casper Brötzmann und Robert Fripp klingt. Nice. //RRRhund\

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Alternative Rock: Von denen habe ich der Tat schon sehr lange nichts mehr gepostet, es gab aus meiner Sicht auch nicht viel zu berichten (AKA schwaches bis durchschnittliches Material auf den letzten Alben). Die Zeiten von „Attack on Memory“ will ich jetzt auch nicht gleich wieder herbeireden. Nichtsdestotrotz ist irgendetwas anders beim Material von „Last Building Burning“, dem Album der Cloud Nothings von 2018 auf Wichita Recordings. Mehr Herzblut, mehr Leidenschaft, und das Gespür für stimmige Arrangements. Das wird auch bei den Audiotree Live-Sessions hörbar, die die Band gerade – passenderweise – in Chicago in einer Boulderhalle aufgenommen hat. Hier die Livefassung von „The echo of the world“. Und hier noch „So right so clean“ aus den gleichen Sessions. //RRRhund\

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Dark Post Punk/Cold Wave: Die Pindrops aus Vilnius haben genau dieses magische, magnetische Moment, das The Soft Moon in ihrer frühen Phase hatten. Auf kalt und mechanisch gedrehte Kraut-Grooves erzeugen einen Strudel, in dem sich die Gitarre verhallt ausbreitet, über dem der Gesang geisterhaft schwebt. Im Gesamten lassen die Litauer einen atmospärischen Sound-Maelstrom entstehen, dem ich mich nur schwer entziehen kann. Perfekt auf den Punkt: „Geist“ („Perfection“ EP, im Mai bei Young & Cold Records). //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk: „In time“ heißt das neueste Video der Chicagoer Band FACS, die vor Kurzem noch in Deutschland auf Tour war, um ihr erstes Album vorzustellen, und jetzt schon wieder mit dem Nächsten an die Tür klopft („Lifelike“, 29.3., Trouble In Mind). Bei der aktuellen Single von Alianna Kalaba (auch bei Cat Power), Noah Leger und Brian Case (Ex-Disappears) legt die Rhythmusgruppe eine spröde, krautig-post-punkige Basis, über der sich Brian Case dann mit Vocals und Gitarrenarbeit immer mehr genüsslich ausbreiten kann. //RRRhund\

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Grunge/Shoegaze: Wash sind ein recht frisches Quartett aus Madison, Winsconsin, und servieren auf ihrer Debüt-EP „Ritual“ ein stimmiges Gebräu aus Grunge und Shoegaze-Sounds (gerade als Tape oder digital bei No Coast erschienen). Bauen kann die Band vor allem auf das sirenenhafte Organ von Sängerin und Gitarristin Alexandria Ortgiesen. Hier der Titeltrack der EP – bin schon auf mehr gespannt. FFO Duster, My Bloody Valentine, Throwing Muses. //RRRhund\

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Low-Fi Synth Punk/No Wave: „Young, Gifted, Black, In Leather“, so fängt die Scheibe an. Wow, die hatte ich verpasst, danke Harry. Special Interest aus New Orleans haben einen kratzigen queeren Charme und enorm ansteckende Energie. Auf „Spiraling“, der Debüt-EP von 2018, präsentiert das Quartett aus den Südstaaten quirlige Synth Punk-Hymnen mit rotierenden Grooves. Die Mitglieder sind sonst auch bei Mystic Inane, Patsy, Psychic Hotline oder TV-MA aktiv. Für das besondere Element sorgt vor allem die schwarze Sängerin Alli Logout mit ihren nihilistischen Texten und Energieausbrüchen. Hier das schrille Video zu „Disco II“. //RRRhund\

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Post Metal/Doom/Industrial Metal/Experimental: Modern Technology sind ein Duo aus dem Osten von London, dass sich aus Frustration über die Entwicklung der postfaktischen Gesellschaft gegründet hat. Entsprechend düster, entfremdet und entmutigt klingt das Ganze auch: kompromissloser, experimenteller Doom-Sound. Sechs rohe Tracks mit wuchtigen Drums und verzerrtem Bass, mit Vocals voller Wut (als Tape oder digital bei Cruel Nature erschienen). //RRRhund\

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Noise Rock/Psycho-delic: Falls ihr euch den Irrsinn vorstellen könnt wie es klingt, wenn der Gitarrist von Shit & Shine, der Schlagzeuger der Butthole Surfers und der Bassist von Marriage zusammen eine Band aufmachen, könnt ihr euch eure Vorstellungskraft für etwas anderes aufheben. Craig Clouse, King Coffey und Nate Cross haben nämlich tatsächlich eine gemeinsame Band namens USA/Mexico und gerade die zweite LP fertiggestellt. „Matamoros“ (22.3., in Europa bei Riot Season) klingt dann auch in etwa wie man sich das vorstellt: Die Butthole Surfers in der fiesen Mittachtziger-Phase mit ein paar Amrep- und Relapse-Bands gekreuzt und dann noch zum krönenden Abschluss im Studio in einen Topf weißes Rauschen getunkt. Fieses, dreckiges Zeug – hier der Titeltrack und Album Opener. //RRRhund\

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Post Punk/No Wave/Noise Rock: Definitiv zu den sperrigeren wie spannenderen Formationen im Post Punk-Bereich zählt die New Yorker Formation Pill, die auf ihrem zweiten Album „Soft Hell“ (letztes Jahr bei Mexican Summer erschienen) Anflüge von Pop-Appeal gerne in kurzen, heftigen Ausbrüchen mit atonalen No Wave- und dystopischen Noise-Parts kontert. Hier das coole, neue Video zu „Dark glass“, das vom talentierten Animationskünstlerin Bailey Elder gestaltet wurde und sich mit der derzeitigen politischen Realität in den USA auseinandersetzt. //RRRhund\

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Dark Punk/Death Rock/Goth Punk: Diese ungarische Band hat mir Haug im Dezember bei Hinterhof Records aufs Auge gedrückt, und ich hab sie nach einer recht kurzen Hörprobe auch sehr gerne mitgenommen. Die Scheibe lief seither auch einige Male bei mir, aber aus irgendeinem Grund habe ich bisher vergessen, euch von Padkarošda zu erzählen. Das Dark Punk Trio imponiert auf seinem 2016er Album „Tétoval Lelek“ (bei Static Shock erschienen) mit atmosphärischen Death Rock à la frühe Christian Death und mischt diesen Substil mit dem dunklen Glühen des frühen britischen Goth und der Energie von Street Punk. Da das Ganze auch noch mit osteuropäischem Feuer dargeboten wird, ist ein sehr eigenständiger Stilmix entstanden. Entscheidenden Einfluss auf den Sound hat Sänger und Gitarrist Rómeó, dessen Gitarrenarbeit irgendwo zwischen East Bay Ray (Dead Kennedys) und John Alexander McGeoch (Magazine, Siouxsie & the Banshees) zu verorten ist, dessen Gesangsstil aber definitiv zu seinem Iro passt. Eine giftige, neongrüne Dark Punk-Leckerei, ein klasse Album. //RRRhund\

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Post Punk/Cold Wave/Noise Rock: Und dann war da heute noch diese andere Meldung mit TCM-Bezug, und das freut mich richtig! Mein Berliner Lieblings-Trio Pigeon wird Teil der This Charming Man-Records-Labelfamilie. Die aktuelle „Bug“-EP hatte ich euch ja bereits in der digitalen Variante vorgestellt, die Vinylvariante kommt jetzt im März bei den Münsteranern – eine gute Gelegenheit, das nochmal zu posten. Und im Februar kümmere ich mich dann in der Radiosendung beim Bermuda.funk sowieso ausgiebig um die agile Berliner Post Punk-Szene. //RRRhund\

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Doom/Post Hardcore: Im Februar schicken sich die BLCKWVS an, endgültig den deutschen Doom-Thron zu besteigen. Die Aufnahmesessions für ihr Magnus Opus, das monumentale Konzeptalbum „0160“, haben auch deshalb vier Jahre gedauert, weil jede der Nummern auf dem Album einmal als Instrumentalstück und einmal mit jeweils einem anderen Gastsänger aufgenommen wurde – in der illustren Gästeliste der neun Vokalversionen finden sich unter anderem Ed Fraser von den Heads., Siggi von Space Chaser, Lupus von Kadavar sowie Milo von Rhonda. Im Zuge der Aufnahmesessions hat das Quartett seinen gewaltigen Trademark-Sound voll zur Reife gebracht und liefert – wie man sich das bei diesem Genre erhofft – ein massives Breitband-Brett, in das sich der Hörer regelrecht reinlegen kann. Hier die Hörprobe „0165“ in der Version mit Gesang von Sarah (Black Vulpine). Und ich kann euch verraten, dass ich die anderen Tracks auf der Scheibe sogar noch besser fand. Volltreffer, ganz dickes Ding, dürfte in dem Genre einer der Platten des Jahres werden („0160“, 22.2., This Charming Man Records). //RRRhund\

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Indie Rock: In Deutschland sind ja gerade mal wieder Bandnamen mit Plural-Artikel sehr in Mode (Die Nerven, Die Türen etc. – ist das Die verspätete Antwort auf die britische „The“-Welle in den 00er Jahren?) – jetzt also Die Wände. Das Trio aus Berlin serviert klassischen Indie Rock mit leichten Slow Core- und Noise Rock-Einsprengseln sowie deutschen Texten. Da die drei Jungs das auch ganz gut machen, präsentiere ich euch die Debüt-Single „Im Park und im Café“ (bei Späti Palace draußen). //RRRhund\

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Garage Rock/Surf Punk: In der Garagen-Szene der Westküste zählen die Flat Worms gerade zu den spannendsten und zugleich auch produktivsten Bands. Nach dem Kurzspieler-Debüt auf Volar Records, dem vielbeachteten Debüt-Longplayer auf John Dwyers Kultlabel Castle Face Records sowie einer weiteren 7″ für Famous Class Records – alles kratzig-Adrenalin-durchtränktes Zeug von 2017 und 2018, das in meinem Regal gelandet ist – ist für Februar mit der „Into the Iris“ 12″ EP (8.2., God? Records / Drag City) bereits der Nachschlag angekündigt worden. Zu hören gibt es das straighte „Shouting at the wall“, ein echter Hit, der in der besten, twistig treibenden Tradition des kalifornischen Surf Punks steht. Das Trio aus Los Angeles steht auch auf meiner Live-Wunschliste mittlerweile ganz weit oben. //RRRhund\

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Indie Rock/Math Rock: Haben gerade auf dem Eurosonic in Groningen einen guten Eindruck hinterlassen, also dachte ich, da höre ich mal rein. Black Midi sind ein Indie Rock-Quartett aus Süd-London, das seine rhythmisch komplexen Tracks mit jeder Menge Arrangementüberraschungen anreichert, und auch handwerklich äußerst souverän umsetzt. Die Band hat – abgesehen von einer frühen Kollaboration mit Damo Suzuki von Can – bis jetzt erst eine 7″ draußen, die trotz Repress schon lange ausverkauft ist und auf discogs ab 50 Euro gehandelt wird. Ist das noch Hype oder schon Hysterie? Macht euch selbst ein Bild, hier eine kurze Livesession aus den Flesh & Bone-Studios vom vergangenen Jahr. Safe to say: Von denen wird man auch hierzulande bald mehr hören. //RRRhund\

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Alternative/Weird Electronic/Post Industrial: Auch ich hatte gedacht, dass Jamie Stewart und Angela Seo mit „Angel Guts / Red Classroom“ (von 2014) die Spitze ihres persönlichen Eisbergs erreicht hatten was schräges Verstörendes angeht. Ich habe mich getäuscht – wie viele. Das Video zu „Pumpkin attack on Mommy and Daddy“, der zweiten Single vom neuen Xiu Xiu-Album „Girl With Basket of Fruit“ (8.2., in Europa bei Altin Village & Mine) ist ganz schön krank geraten, startet irgendwo zwischen Jodorowsky und Urban Underground und hebt dann erst richtig in den psychosexuellen Bereich ab. Der Sound ist dabei irgendwo zwischen weirder Elektronik und Post Industrial-Experimenten zu verorten. Geiles Ding, Leute, das wird eine irre, irre Scheibe. //RRRhund\

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Ambient/Drone/Electro Accoustic: Von 2018 und erst jetzt richtig wahrgenommen – „Hypodermic Letters“, das aktuelle Album des schwedischen Experimentalkünstlers Mats Erlandsson ist ein gewaltiges Drone-Werk. Majestätische, komplett analog eingespielte und dann elektronisch prozessierte Flächen und feine Texturen ziehen an einem vorbei wie vertonte Lichtstrahlen in Cinemascope, die im Begriff sind sich aufzulösen. Die fünf langen Tracks des Albums stecken voller Spannung, erzeugen einen gewaltigen emotionalen Sog, dem sich der Hörer kaum entziehen kann – bin mal gespannt welcher Science Fiction-Auteur diese visionäre Scheibe als Soundtrack aufgreifen wird („Hypodermic Letters“ ist Ende September bei Portals Editions erschienen). //RRRhund\

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Post Punk: Im März erscheint mit „Downer Edn“ (15.3., in Europa bei Alter) das zweite Album der Post Punk-Band Low Life, die so ziemlich aus der gleichen australischen Grube gekrochen kommt wie Total Control oder Royal Headache aber eher nach einer Mischung aus The Fall, Merchandise und den Ohio-Legenden V.3 klingt. Der Albumopener „The Pitts“ kommt zunächst dreckig-swampy und dreht zwischendurch dann ganz punkig an der Temposchraube – glatt sind die schon mal nicht AKA das kann man sich glatt anhören. //RRRhund\

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Noise Rock/Post Hardcore: Auch in der jungen, sehr agilen Moskauer Szene finden sich großartige Bands aus dem DIY-Gitarrensegment. Eeva haben 2017 mit „Шоссейный синдром“ [„Autobahn-Syndrom“] eine tolle EP veröffentlicht, die stilistisch irgendwo zwischen dem Noise Rock und dem Post Hardcore der 90er, zwischen dem DC- und Chicago-Sound, verortbar ist, diese Einflüsse aber mit der Frische einer lebendigen Szene und der Melancholie des Ostens verarbeitet. Klasse Band. //RRRhund\

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Shoegaze/Noise Rock/Dark Psych Rock: Auch die New Yorker Kult-Band A Place to Bury Strangers hat mittlerweile eine der legendären Fuzz Club-Sessions absolviert, und dazu das Lovebuzz-Studio fast in Dunkelheit getaucht. Hier ist der Song „Punch back“, bei dem die neue Drummerin Lia Simone Braswell singt. Pretty cool (nur auf Vinyl am 15.2. bei Fuzz Club Records). //RRRhund\

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Indie/Kraut/Psych: Neues Video von Toy. Das Psych-Quartett aus Brighton steht gerade vor der Veröffentlichung seines dritten Albums „Happy in the Hollow“ und hat mit „Mechanism“ eine neue Vorabsingle rausgehauen, die den beliebten Düsseldorf-Sound der Mitt-70er mit Psychedelic-Elementen sowie typisch britischem Indie Pop paart. //RRRhund\

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Indie Pop: Furchtbar gute Laune verbreiten die Cheerbleederz (yup, die hatten wir schon mal) bei ihrer neuesten Single „Staying up late“. Einfache wie charmante Pop-Freuden mit Drive (bei Alcopop draußen). //RRRhund\

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Alternative Rock/Shoegaze/Noise Pop/Dream Pop: All Sparks Burn Out aus Sydney scheinen sich zwar nach einer Editors-Textzeile benannt zu haben, sind mit ihrem Werk aber stilistisch eher von den 90ern inspiriert. Eine gut funktionierende Mischung aus meist wuchtig rollenden Halftime-Beats, Noise Pop-, Shoegaze- und Dream-Pop-Elementen, die einen im Winter hübsch warm einpackt. Das australische Quartett um die Gebrüder The hat eine Compilation namens „Ceremonies for the Lost“ mit Songs aus den Jahren 2012 bis 2018 online – eine Reise in eine dichte, kongruente Gitarren-Soundwolke schickt. Pretty nice. //RRRhund\

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Minimal Synth/Synth Pop: Neue Single von Xeno & Oaklander. Sean McBride und Liz Wendelbo zählten bereits Mitte der 2000er zu den ersten Akteuren der neuen Synth Wave-Welle. Drei Jahre nach dem letzten Longplayer hat das Duo von der amerikanischen Ostküste gerade die erste Hörprobe vom neuen Album „Hypnos“ vorgestellt, das im März bei DAIS Records erscheinen wird (8.3.). Musikalisch bilden elegante, mehrschichtige Synth-Strukturen die Basis für den charmanten Gesang von Liz Wendelbo, bei dem meist die europäischen Wurzeln durchscheinen. Wenn französischer Pop aus den 60ern, Minimal Wave aus den 80ern und aktueller Synth Pop ein Tänzchen wagen: das blümerante „Angélique“ //RRRhund\

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Alternative/Slow Psych: Paul Webb war vor vielen, vielen Jahren der Bassist von Talk Talk, den geschmackssicheren Pop-Legenden der 80er Jahren. Seit Ende der 90er Jahre ist Webb unter dem Künstlernamen Rustin Man unterwegs und hat 2002 ein fantastisches Album mit der Portishead-Sängerin Beth Gibbons veröffentlicht. Seitdem ist der Brite mit dem Aufbau seines außergewöhnlichen Studio- und Wohngebäude im ländlichen Essex County beschäftigt gewesen, hat eine Familie gegründet und am Nachfolger von „Out of season“ gearbeitet. „Drift Code“ (1.2., Domino) ist ein introvertiertes, tiefgründiges und detailverliebtes Album geworden, das den Ausnahmemusiker als klassischen musikalischen Auteur ausweist. Der intime Sound des Zweitwerks ist durch eine ausgeklügelte Aufnahmetechnik entstanden, bei der mit immer neuen Mikrophonplatzierungen, ein vielschichtiges, organisches-warmes Gesamtbild erzeugt wurde. Hier das aktuelle Video zum schwer melancholischen Albumopener „Vanishing sky“, der einen ordentlichen 60s-Vibe transportiert – einfach schön. Und schon ist die nächste Single samt Video am Start: „Judgement train“ //RRRhund\

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90s Rave/Big Beat/Acid/EBM: Frisch und schön funky ist die aktuelle Single der Chemical Brothers geraten. „MAH.“ wird auf dem neuen Album „No Geography“ zu finden sein, das noch im Frühjahr bei Astralwerks erscheint. Das coole Video wurde von Marcus Lyall bei einer Liveshow in London abgedreht. //RRRhund\

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Deutschpunk: Haben kein Peutschdunk-Problem … die Jungs von Pogendroblem. Auf so Namen kam ich im adoleszenten Vollrausch auch immer. Ich sage schon seit Jahren: „Wenn ich mal eine Deutschpunk-Band gründen sollte, heißt die Potzkorno.“ Bämmmm. Eine ähnlich clevere Idee hatte das Trio aus Bergisch Gladbach also auch, und die haben’s dann einfach durchgezogen. Das Longplayer-Debüt „Erziehung zur Müdigkeit“ (Vinyl via In a Car; digital auf bandcamp) wird gerade an einigen Ecken abgefeiert, und wenn man auf so traditionellen Sound steht, kann man das auch machen, denke ich. Eines der Highlights, auch textlich: „Hambacher Forst > Hambacher Fest“. //RRRhund\

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Post Punk: Vor ein paar Wochen hatte ich Die Gruppe König vorgestellt. Jetzt hat das Post Punk-Trio aus Rostock sein erstes, sehr gelungenes Video zu „Keine Zeit“ abgedreht, das vom bekannten Team Von Anfang Anders (Feine Sahne Fischfilet et al) konzipiert und produziert wurde. „Irgendwo im [Mecklenburger] Niemandsland zwischen alten Sportwagen, Plattenbauten und entschleunigender Tristesse“, bringt das Presseinfo die eingefangene bedrückende Depression so schön treffend auf den Punkt. //RRRhund\

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Alternative/Post Punk/Psych/Semi Electronic: Ein fantastisches Album von 2018, das ich verspätet entdeckt und euch damit vorenthalten habe. Shiny Darkly sind vermutlich die psychedelischste, mit Sicherheit aber die ungewöhnlichste, abwechslungsreichste und bunteste Post Punk-Band Kopenhagens. Auf „Bronze“ treffen elegant austarierte Drum Computer-Grooves auf New Wave, 90er Post Industrial und 60s Psych. Ab und an sind sogar ein paar Prog-, Freak Jazz-Passagen oder auch mal ein Pseudo-Reggae-Groove eingebaut ohne dass die Atmosphäre der Songs dabei flöten geht. Die Kompositionen changieren zwischen Nick Cave-, Nine Inch Nails- und Iceage-Vibes, schillern durch die Arrangementvielfalt und stilistische Spreizung wie Chamäleons in der Morgensonne, wechseln mit der aufsteigenden Sonne, mit jedem neuen Winkel der Lichteinstrahlung in neue, fremdartige Farben. Eine eigenartige, eine spannende wie wundervolle Platte. Jetzt gibt es zum Hit „Perfect“ auch ein cooles Video, das ich euch nicht vorenthalten wollte („Bronze“, 15.2., Crunchy Frog). //RRRhund\

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Kraut/Tribal/Afrobeat/Experimental: The Germans sind mit einem stilistischen Sound-Update zurück. Die belgische Band hat gerade die Premiere für die erste Single vom neuen Album „Sexuality“ gefeiert (1.3., Unday Records). „William“ ist dem legendären nigerianischen Funk-Gott William Onyeabor gewidmet, der in den 70er und 80er Jahren aktiv war, im Westen aber erst vor ein paar Jahren – posthum – zu Ruhm gelangt ist. Ein mitreißender, perkussiver, fiebrig-tribalartiger Track mit Afrika-Vibe, fauchender Orgel, Space Synths und funky Single Note-Gitarre, der einen gewissen psychedelischen Jodorowsky-Surrealismus transportiert. Sexy indeed. Der Rest des Albums soll übrigens recht experimentell sein. //RRRhund\

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Post Punk/Goth: Diesen New York-Resident hatten wir auch schon zwei Mal. „124/144“ heißt die neue EP von Traumatológia. Das düstere Post Punk-Projekt von Zoltán Sindhu verarbeitet seine dunklen Soundanteile diesmal im Vergleich zu den Vorgängern weniger experimentell sondern eher klassisch – in Songstrukturen mit straighter Rhythmik, im Flow und im 3-D-Binaural-Sound. Gute moderne Goth-Soundwand. //RRRhund\

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Asian Hardcore Miniatures: Hiroshi Nagata und Ryu Shinomiya sind ni. Das japanische Hardcore-Duo hat das eigentümliche Hobby, ausschießlich Miniaturen zu komponieren. Auf „nOBLE iMPULSE. + nORMAL iNSANITY.“ regiert die reine Raserei, die 23 Tracks haben eine maximale Länge von 38 Sekunden. Hier ist innerhalb von Sekunden alles gesagt, ein ungewöhnlich kurzweiliger Spaß (gerade beim thailändischen Label tenzenmen erschienen). //RRRhund\

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Post Hardcore: Der 8. Mannheimer Winteraward ist ja auch schon bald. Eines der Highlights dürfte definitiv der Auftritt der Münsteraner Wire Love werden. Das Quartett ist aus der Asche der fulminanten New Hardcore-Formation Orbit the Earth hervorgegangen und hat mit „Leave the Bones“ ein superfettes Debütalbum eingespielt, das vor ein paar Wochen bei This Charming Man Records erschienen ist. Äußerst kompetent vorgetragener, wuchtig rotierender Post Hardcore im Stil von Bands wie These Arms Are Snakes und Botch, der genug Luft für Atmosphäre lässt. Hier die aktuelle Single „Luminance fever“. //RRRhund\

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Math Rock/Prog/J Pop: Hochkarätiger Besuch – im Februar sind die japanischen Math Rock-Superstars Sokoninaru (そこに鳴る) in Europa, und machen dabei auch im Weinheimer Café Central Halt (15.2.). Das Trio aus Osaka vereint völlig kranke Math Rock-Kapriolen mit proggiger J Pop-Euphorie. Die aberwitzige Single „Te No Hira De Odoru (「掌で踊る」)“ ist in Fernost ein Superhit, das YouTube-Video wurde bereits mehr als eine Million Mal angeklickt. Auf sowas habe ich mal wieder Bock. Wisst ihr was?! Die schaue ich mir an … //RRRhund\

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Cold Wave/EBM/Minimal Synth/Power Electronics: Mit „Seperate Dimension“ kommt Ende Januar beim Berliner Kult-Label aufnahme+wiedergabe die fünfte LP von The Horrorist raus (digital oder 2 LP, 20.1.). Der Mega-Hit „Programmed“ war ja letztes Jahr schon mit drei grandiosen Remixen als 12″ erschienen. Nun gibt’s also den Longplayer-Nachschlag von Oliver Chesler und auch die zweite Hörprobe „The hell you live“ kommt mit dem EBM-lastigen Post Industrial meets Cold Wave-Sound des US-amerikanischen Produzenten. Die erste Highlight-Veröffentlichung in der schwarzen Szene dieses Jahr. Und ein Tag später ganz frisch draußen: das Video zur neuen Single „The hell you live“. //RRRhund\

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Synth: „Wie Tangerine Dream auf Stereoiden“ – griffiger als das Label kann man die Scheibe eigentlich nicht beschreiben. Black Merlin mit einem eigentümlich chemisch glitzernden Synth-Werk, das schwer nach vielen Stunden mit einem Modular-Setup klingt. Zu finden ist „Mod“ auf dem „Void“-Album, das im Dezember bei Berceuse Heroique erschienen ist. //RRRhund\

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Electro/Post Industrial: „Théorème“ heißt die neue EP von Franck Vigroux. Der experimentelle, französische Produzent lässt eine kalte, dystopische Klanglandschaft entstehen, in der Mensch und Natur die materielle Welt bekämpfen. Spannung regiert. Harte Loops, doomiger Drone und kalte, technoide Sounds aus der Industrial-Welt: „TT“ („Théorème“ EP, DAC Records, 8.2.). //RRRhund\

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Dirty Slolectro: Thomas Von Party war lange beim Multi Culti-Label und hat dort für die spannenderen Töne gesorgt. Jetzt hat er mit Party Central ein eigenes Label gestartet, das sich auf „the unpolished, the rugged, the raw and the real“ konzentrieren wird. Falls dieses Unpolished Real häufiger so klingt wie der erste Release von Drugface, werde ich bald Stammkunde sein. Die anonyme Internet-Supergroup liefert jedenfalls beim Debüt-Release „Just a Game“ genau die Art von nihilistisch-verorgeltem dreckig groovenden Sound, den ich gerne in meinem Slolectro-Sets verbaue. Lieblingstrack: der Siaubas-Remix von „Wake-up call“. //RRRhund\

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Post Punk/Shoegaze/Kraut: Die schwedisch-amerikanische Band Fews hat im März den zweiten Longplayer am Start („Into Red“, 1.3., PIAS). Die erste Single „Paradiso“ ist schon seit geraumer Zeit unterwegs, und aus irgendeinem Grund habe ich euch dieses schleppende, angekrautete Post Punk-Monster bis jetzt vorenthalten. Also ab dafür, nehmen wir doch die Studio Sickan Session-Version. Und auch zu „Business Man“ gibt es mittlerweile ein Live-in-Studio-Video. //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk: „Is it too real for ya?“ Mit Punch, klassischem Inselschnodder und Garagenpunk-Harmonien zelebrieren die irischen Fontaines D.C. ihren Indie Rock. Die Livequalitäten passen schon mal wie eine komplette KEXP-Livesession belegt. Vermutlich liegt es aber hauptsächlich an der aktuellen Killer-Single „Too real“, an der Spannung, die Gitarre und Gesang aufbauen, dass die Band gerade ganz schön gehypt wird und demnächst gefühlt überall spielt. Das Album kommt dieses Jahr noch, ich bin sehr gespannt. //RRRhund\

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Indie Rock: Neues Spiel, neues Glück. Nachdem mich diese EP gerade so wunderschön sachte in den ersten Arbeitsmorgen des Jahres reingeschoben hat, wollte ich euch diese Momente auch zukommen lassen. Klassischer Herzschmerz-Indie mit erlesenen Harmonien: die „etc.“-EP von Strange Ranger aus Portland, Orgeon. //RRRhund\

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Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ

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