+Kurz rausgehackt: Juli 2018

Electro/Cyberpop: Die polnische Produzentin Zamilska verfolgen wir nun auch schon eine ganze Weile. Jetzt hat sich die innovative Elektronikspezialistin einen Jugendtraum erfüllt und mit dem bekannten polnischen Popstar Nosowka kollaboriert. Der Remix für „Jeśli wiesz co chcę powiedzieć“ („Wenn du weißt, was ich sagen will“), der für die Telekom Electronic Beats Powroty-Serie erstellt wurde, ist ein Stück wuchtig-magnetischer, postindustrieller Cyber Pop und dürfte für einen ordentlichen Bekanntheitsschub im Heimatland sorgen. Unter anderem, weil auch das gemeinsame Video mit Katarzyna Nosowka ästhetisch ziemlich stimmig geraten ist. //RRRhund\

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Techno aus Mannheim: Der Mannheimer Live-Techno-Act JOIX war in den vergangenen Wochen bereits zum zweiten Mal mit seinen Live Sets in Japan auf Tour. Hier eine komplette Aufnahme der Show zum neunten Jubiäum des Club About in Nagoya am 14. Juli. Ein Leckerbissen. //RRRhund\

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Crack Cloud, s-t, Meat Machine, 2018, RRRsoundZCRACK CLOUD
s/t
LP (eine Compilation der ersten beiden EPs)
Meat Machine
MM 001
2016 / 2017 / 2018

Post Punk/New Wave/No Wave/Minimal Funk Wave: Darf ich euch die wichtigste Band vorstellen, die diesen Herbst auf europäischen Bühnen zu sehen sein wird (z.B. auf zwei der besten europäischen Festivals überhaupt, dem Le Guess Who in Utrecht und dem TransCentury Update in Leipzig)?! Das (überwiegend) kanadische Multimedia-Kollektiv Crack Cloud ist jedenfalls Vieles auf einmal: Der aktuell aktive, siebenköpfige Kern entspringt einem multiethnischen Hintergrund, lebt in verschiedenen Städten und ist in vielfältige audiovisuelle Kunstrichtungen verstrickt. All das wurde auf den ersten beiden EPs aus den Jahren 2016 und 2017 (auf dieser Compilation zusammengefasst) zu einem irre magnetischen, politisch fokussierten, psychosexuell aufgeladenen Wave Funk Stil verwoben, der mich seit Wochen elektrisiert. Stellt euch den polyrhythmisch-disziplinierten Minimalismus der frühen Talking Heads (in der Brian Eno-Phase), die radikal dekonstruierten Gitarreninnovationen von Gang of Four-Halbgott Andy Gill (zu Zeiten der „Solid Gold“) sowie die visuelle Ästhetik des Hip Hop (natürlich Public Enemy oder die Beatnigs, und nicht … ach egal) und einen politischen Gestus vor, der genauso bei Malcolm X wie bei Lydia Lunch anknüpft, und ihr habt eine gute Vorstellung gewonnen, was auf uns zukommt. Ich erwarte jedenfalls Großes und kann den November kaum abwarten. //RRRhund\

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Psychedelic Leftfield Slolectro: Hinter dem Künstlernamen Roe Deers steckt der junge litauische Produzent Liudas Lazauskas. Seine Markenzeichen: organische Basslinien, abgespacte Melodien, abgedrehte Arrangements, inhaltlicher Punch. Zwischen Yello, mittelalten Residents und aktuellem balearischen Leftfield Electro Sound: „You can’t vote for yourself“ (auf einer 12″ für NEIN Records von 2017 zu finden). Bei meinem spanischen Lieblings-Leftfield-Label Rotten City Records ist auch gerade eine ganze neue EP namens „Drunk Like a Cowboy“ in gewohnter Qualität erschienen. //RRRhund\

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Synth Wave/Dark Electro/Instrumental: Neu auf dem Berliner Synth-Label Circonstances Aggravantes ist eine extrem limitierte (50 Stück auf transparentem Vinyl, 13 Picture Discs), liebevoll gestaltete 7″ des französischen Projekts Mode и Gliany (Mode in GliANY), hinter dem der Sound-Tüftler Boris Völt steckt. Klassischer Synth Wave, der mit ein paar Chorus- und Flanger-getränkten Gitarrenparts stimmungsvoll ergänzt wird. Hier das Video zum wunderschönen, melancholischen Instrumentalzuckerli „Les Atömiks“ – die Flipside der Single. //RRRhund\

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Post Punk Kreuzüber: Eine witzige wenn auch vermutlich nicht ganz neue Idee haben Protomartyr und Spray Paint umgesetzt. Die befreundeten Post Punk-Bands haben jeweils eine Instrumentalnummer aufgenommen, und der anderen Band zukommen lassen, damit die eine Gesangsspur beisteuert. Das Ergebnis erscheint nun am 17. August als Split-7″ bei Monofonus Press (mal schauen, wie die Scheibe hier in Europa zu kriegen sein wird). Als Fan beider Bands wäre ich doch ein dankbarer Abnehmer. Hier „Corinthian leather“, der Song, bei dem Joe Casey von Protomartyr über die Musik von Spray Paint singt. Pretty nice. //RRRhund\

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Dark Electro/Post Punk Techno: Huch schon wieder eine Neue. Das Detroiter Post Punk Techno-Duo Adult. feiert dieses Jahr nicht nur sein zwanzigstes Jubiläum, sondern hat außerdem einen frischen Longplayer angekündigt, kaum dass ich den letzten ins CD-Regal einsortiert habe. „This Behaviour“ (Dais Records, 7.9.) wird das siebte Album der schrägen Electro-Spezialisten heißen, wurde letzten Winter in einer abgelegenen Hütte im Norden von Michigan produziert – und zwar ganz minimalistisch, buchstäblich auf dem Küchentisch, mit einer abgespeckten Variante ihres Live Settings. Das erste Video steht jetzt online: Hier ist das eher atmosphärische „Perversions of humankind“ – beim Rest der Scheibe soll es härter zur Sache gehen. //RRRhund\

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Alternative/Deconstructionist Remix: Zwei Künstler, die hier bereits mehrfach vorkamen, in einem Projekt vereint – Xiu Xiu haben für „RRASFC“, eine neue, limitierte 7″ der chinesischen Post Punk- / Math Rock- / Synth-Sensation Re-TROS, einen dekonstruktionistischen Remix des Debütalbum-Tracks „Red Rum Aviv“ angefertigt und auch gleich noch ein Video dazu gedreht. Meine Lieblings-Schrägis aus L.A. haben sich bei ihrer Remixarbeit natürlich nicht mit dem Rumschubsen einzelner Beatelemente aufgehalten, sondern gleich generalsaniert, die innere Gestalt des Songgebäudes frisch arrangiert. Das Ergebnis ist dann wenig überraschend auch deutlich gefährlicher und gebrochener als das Original. //RRRhund\

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Noise Rock/Post Punk: Rot meets Schwarz-Weiß, sieht natürlich geil aus. Ist halt auch der beste Kontrast, der gestalterisch geht. Deswegen ist er auch schon so oft missbraucht worden. Aber nicht hier, das passt einfach. Das neue Video des extranoisigen Londoner Post Punk-Trios Girls In Synthesis für „We might not make tomorrow“ dreht sich so sehr im Kreis, dass man sofort anfängt mit (ab) zu drehen. Großartige Nummer. Es ist soweit, die dürfen jetzt gerne mal für ein paar Shows über den kurzen Teich gehüpft kommen. //RRRhund\

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Russia Today: Die Russen Shortparis hatte ich ja schon zweimal vorgestellt. Nach meiner letzten Begegnung in Frankfurt (as in: live) ist die Band einige Tage später in Amsterdam gelandet und hat dort im selbstverwalteten OCCii mächtig Eindruck hinterlassen. Seht einfach selbst … //RRRhund\

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Garage Rock/Post Punk/Grunge/Psych: Die hatte ich euch bisher vorenthalten, obwohl der zweite Longplayer bereits zweieinhalb Monate auf dem Buckel hat … ist mir einfach durchgerutscht. Mächtig Gas geben Cockpit auf ihrem schlicht „II“ benannten Nachfolger zum rohen, selbstbetitelten Longplayer-Debüt von 2015. Das Quartett aus Bordeaux aus dem Umfeld von J.C. Satan bietet auf seinem zweiten Album straighten, hart rockenden Garagen Rock mit Post Punk- und Psych-Vibes. Einige Stellen (zum Beispiel bei „You hear it first“) erinnern mich an die Gitarrenarrangements alter Mittachtziger Indie-Heroen – genauer gesagt die frühe Phase der Nordiren That Petrol Emotion, andere wieder an die US-Band Polvo (aus den End-90ern). Im Regelfall geht es bei den Franzosen von der Atlantikküste aber kompromisslos straight mit grungigen Gitarren, ordentlich Punch und tollen Gesangs-Hooklines zur Sache – die Psych-Mafia aus Bordeaux rockt hart. FFO Jay Reatard, Destruction Unit oder J.C Satan. //RRRhund\

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Electronic/Experimental/Abstract/Electro: Mit „sichten“ (yup, damit ist genauso der Begriff Sichtweisen wie das Sichten von Material gemeint) startet das Chemnitzer Elektroniklabel Raster im Spätsommer eine spannende neue Serie für Elektronikkompostionen, die sich außerhalb des Wahrnehmungshorizonts der Musikindustrie und -presse befinden – also wie gemacht für uns. Jede Ausgabe wird von einem neuen Kurator zusammengestellt, das zugrunde liegende, inhaltliche Konzept erläutert. Für die erste Ausgabe „sichten 1“ (DoLP / digital, 21.9.) hat der Wahl-Berliner Frank Bretschneider (AG Geige u.v.a., außerdem Mitgründer von Raster) sechs zeitgenössische Künstler zusammengestellt, die zwischen eingängigen und sehr abstrakten Kompositionen mäandern. Die Hörprobe „Joy“ stammt vom ostdeutschen Produzenten Benjamin Brunn und ist im klassischen, kalten Electrobereich anzusiedeln. //RRRhund\

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Was andere schreiben: „Westberlin war wie ein schäbiger, aber lustiger Privatclub“ – ein Interview in der Jungle World mit der großartigen Bettina Köster (DIN A Testbild, Mania D., Malaria!) über den berühmten Szenetreffpunkt Eisengrau, ihre musikalischen Anfänge in der Subkultur und die Solidarität im alten West-Berlin der Mauerzeit. //RRRhund\

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Post Hardcore/Noise Rock/Post Punk: Neues von den Belgiern It It Anita, die wir vor zwei Jahren auf unserem Blog vorgestellt haben. Das energische Quartett aus Lüttich hat mit „Clement“ ein neues Album am Start, das im August beim französischen Label Vicious Circle erscheinen wird (24.8.). Die erste Single „Say no“ rockt gewohnt brachial im noisigen Ostküsten-Post-HC-Stil der 90er nach vorne, an manchen Stellen haben sich beim Groove aber mittlerweile straight treibende Post Punk-Elemente à la Idles mit eingeschlichen – tolle Mischung, ganz schön geile Nummer. //RRRhund\

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Alternative/Electro/Remix: Und noch eine Kollaboration von neu und alt, die fast einer Sensation gleichkommt. Die Synth Wave-Pioniere Soft Cell haben einen Remix für die zeitgenössische Londoner Formation HMLTD erstellt – das erste Mal seit 16 Jahren, dass eine neue Arbeit von Marc Almond und Dave Ball veröffentlicht wird. Hinzu kommt noch, dass diese Fassung von „Proxy love“ ein siebenminütiger Uptempo-Tanzflächenfüller zwischen Electro-Coolness und Trainspotting-Rave-Fieber geworden ist. Knaller, welcome back! //RRRhund\

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Dark Alternative/New Wave/Kult: Im Juni standen zwei Legenden aus unterschiedlichen Musikperioden zusammen in Las Vegas auf der Bühne. Gary Numan hat zusammen mit den Nine Inch Nails eine coole Version von „Metal“ zum Besten gegeben, das Ganze wurde hübsch in Schwarz-Weiß abgefilmt. //RRRhund\

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Alternative/Post Punk: Nach acht Jahren Funkstille haben die wiedervereinigten Daughters aus Providence, Rhode Island, eine neue Single veröffentlicht. „Satan in the wait“ (gerade bei Mike Pattons Ipecac Recordings erschienen) ist ein siebenminütiger Monstertrack, der Alexis Marshall, Nick Sadler, Jon Syverson und Sam Walker in wohl definiertem, neuem Soundgewand zwischen wuchtiger Manie und schwebender Melancholie zeigt. Inhaltlich hat die Band aber ihre gewohnte Schärfe beibehalten, gibt einen guten Kommentar zum aktuellen Zeitgeschehen ab. Ich will mehr, und das kommt auch: Für den Herbst ist ein neuer Longplayer angekündigt. //RRRhund\

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Post Punk/Goth Western: Die mittlerweile zum Quintett angewachsene, in New York ansässige Band Bambara hatte im Frühjahr mit „Shadow on Everything“ einen fantastischen neuen Longplayer rausgehauen. Jetzt hat die Band bei Audiotree vorbeigeschaut und eine großartige 30-minütige Live-Session abgeliefert. Für Fans von Birthday Party, frühem Nick Cave und ähnlichem Sound eine Stern(halb)stunde. //RRRhund\

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Kraut: Die neue Single von Beak>, der Band um Portishead-Produzent- und -Musiker Geoff Barrow, heißt „Brean Down“ und kommt mit klassischem Krautarrangement à la Can, das dann mit Psych- und New Wave-Vibes gepaart wurde. Ziemlich gut. Ein weiterer Ausblick auf den neuen Longplayer, der im Herbst erscheinen wird („>>>“, 21.9., Invada Records UK / Temporary Residence Ltd.). Am 4. Dezember ist das Trio übrigens im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld zu Gast. //RRRhund\

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Experimental Doom Pop: Der atonale, spuckhafte Pop-Sound von Stern aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn klingt auf „Missive: Sister Ships“ ein bisschen so, als habe man David Gahan Downers ins Essen gemischt (hat man wahrscheinlich auch mal! *weglach*) und die anschließenden Aufnahme-Sessions voller depressiver Verstimmung dann auch tatsächlich voll ausgelebt und veröffentlicht. Bedrückend wie faszinierend, der Titeltrack vom kommenden Album (Sleeping Giant Glossolalia / SGG Records, 24.8.), der neben den atmosphärischen Schräglagen von langsamen Tempo und minimaler Orchestrierung geprägt ist. Das Quartett wurde 2008 vom Komponisten und Sänger Chuck Stern (Time of Orchids) ins Leben gerufen und hat bereits diverse Veröffentlichungen bei Cuneiform Records und John Zorns Tzadik-Label vorzuweisen. Die aktuelle Besetzung wird durch drei Musiker von Kayo Dot vervollständigt (Toby Driver, Keith Abrams und Tim Byrnes). //RRRhund\

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Hambo EBM/Body Dub: „Hambo“, das ist eine Art schwedische Polka, die zu Beginn des 20. Jahrhundert vor allem in der Arbeiterklasse populär war und im Dreiviertel-Takt getanzt wurde. „Hambo“ ist aber auch der Titel des nächsten Longplayers der eigentümlichen schwedischen EBM-Humoristen von Vanligt Folk. „Was wäre passiert, wenn DAF nicht von Mute Records, sondern von Trojan Records [für die Uneingeweihten: dem Kult-Ska-Label der 60er und 70er Jahre] gesigned worden wären“ – dieser Einstieg zum Pressetext des neuen Albums gewährt einen guten Einblick in die schräge Welt der Formation aus Gothenburg, in der Sozialrealismus unkommentiert neben dadaistischen Absurditäten stehen bleiben darf. Und dann eben Vergleiche zwischen der Hambo-Kultur von vor 100 Jahren und der aktuellen Rave-Kultur gezogen werden – das ist der rote Faden des neuen Albums. Schön durchgeknallt, ich mag die. Erste Hörprobe: „TKO“ („Hambo“, 24.9., Kess Kill/Veleno Viola) //RRRhund\

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Alternative/Psych/Cold Wave: Eine eigentümliche, atmosphärisch durchhängende wie surreal-atonale Form von deutschsprachigem Psych mit Cold Wave-Vibes haben International Music auf ihrem Debütalbum „Die besten Jahre“ im Gepäck. „Ein melancholisches Vorstadtepos“, wie die Spex schreibt – hier das Video zu „Pfeffer“. Im Herbst (wie passend) sind die Ruhrpottler auf groß angelegter Tour und schauen dabei auch im Karlsruher KOHI-Kulturraum vorbei (22.11.). //RRRhund\

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Sauerstofff, braucht jeder, Teerpappe, 2018, RRRsoundZSAUERSTOFFF
„braucht jeder“
12″ Mini LP
Teerpappen / Hafenschlamm
TEER002 / HR 018
2018

Experimental/Cowboy Kraut Wave: Es gilt über Großartiges aus dem Hamburger Underground zu berichten. Als Wosto – unter anderem beim Industrial Techno-Duo Fallbeil aktiv – Ende 2017 die Jungs von Nostalgie Éternelle in sein Hamburger Studio einlud, um ein paar Tracks für den Dancefloor zu produzieren, sollten sich die Aufnahmesessions bald als so ungewöhnlich und gut herausstellen, dass man beschloss, daraus gleich eine Band namens Sauerstofff zu machen (ein ‚f‘ für jeden beteiligten Freak). Jetzt ist gerade das Debüt-Mini-Album „braucht jeder“ erschienen, auf dem Inox Kapell (Bass, Gitarre, Gesang), Dieter Mauson (Bass, Gesang, Synth) und Wosto (Drum Computer, Synth, Effekte) fünf lange, ungeschliffene Tracks abliefern, die von Techno, Electro, Post Punk, Proto EBM, Jazz und Krautrock beeinflusst sind. Eine wilde, ungezügelte, völlig angstfreie Reise, die im allerbesten Sinne an die Experimente der frühesten deutschen Post Punks erinnert (auch an die Hamburger Geisterfahrer, nachdem ich letztens gerade in meiner Bandcamp-Blase über eine Wiederveröffentlichung des ersten Demo-Tapes von 1979 gestolpert bin). Erschienen ist die Scheibe bei Wostos noch sehr frischem Label Teerpappen – nach der Veröffentlichung darf man doch sehr gespannt sein, was da als Nächstes kommt. Braucht also jeder, indeed. //RRRhund\

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+++BLAST FROM THE PAST: „Popera Cosmic“ war Jahrzehnte lang eine hart gesuchte Rarität, weil die Scheibe als das erste echte, französische Psychedelic-Album gilt. Und bei unseren gallischen Nachbarn in den frühen 1970er Jahren zusätzlich noch eine ganze Welle an Konzeptalben losgetreten hat (von Serge Gainsbourgs „Histoire De Melody Nelson“ bis Gérard Mansets „La Mort D’Orion“). Auch die am Album beteiligten Personen haben es in sich: Komponiert haben das Material François Wertheimer (Songwriter für Vangelis) und Guy Skornik (später dann Jodorowskys Soundtrack-Genie), das Konzept hat ein jugendlicher Jean Michel-Jarre entwickelt. An den Einspielungen waren Mitglieder von Space Art, William Sheller (Lux Aeterna, Eriotissimo) und Arrangeur Paul Piot (Jean Rollin), der Sitar-Spieler Serge Franklin und die Rhythmusgruppe der späteren Prog Rock-Stars Alice beteiligt. Das Ergebnis klingt dann etwa wie eine Rockoper, in der die Besetzung von Mister Freedom am Fuß von The Holy Mountain Clash Of The Titans spielt. Die Platte wurde gleich nach ihrem Erscheinen im Jahr 1969 wieder von der Plattenfirma gestrichen und wurde so bei ambitionierten Sammlern zum gesuchten Kultobjekt. Wahrlich eine intergalaktische französische Supergroup der End-60er – Finder’s Keepers sorgen jetzt wieder für wohlverdiente Verbreitung (7.9., Finder’s Keepers Records). //RRRhund\

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Großartige Sonntagslektüre: Von „Laundrette“ zu „Private Army“ und die Phase bei den Flying Lizards – ein faszinierendes wie aufschlussreiches Interview mit Journalistin, Musikerin und Punk-Professorin Vivien Goldman beim The Quietus. //RRRhund\

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Experimental/Synth/Lyrical Drone: Kopenhagen kommt hier als Musikstadt im Moment gar nicht mehr so oft vor wie noch vor drei Jahren. Zum einen beeindrucken mich die Releases des Kultlabels Posh Isolation zur Zeit recht wenig, sind mir zu abgehoben, erreichen mich vor allem emotional nicht mehr wirklich. Und auch aus der Mayhem-Szene, dem Pool an Bands im Proberaum-Bunker der dänischen Hauptstadt, die mal Perlen wie Iceage, Lower und Communions hervorgebracht hat, vernehme ich seltener etwas wirklich Interessantes. Umso schöner, dass die aktuelle Single von Soho Rezanejad mich gerade abgeholt hat. Abgesehen von der Beteiligung an Lust for Youth hat sich die veritable Electro Pop-Königin (mit euphorisch-dunklem Unterton, checkt mal „Idolatry“) nun aber schon länger experimentelleren Synth-Gefilden zugewandt und ist auch flügge geworden – hat mit Silicone Records ihr eigenes Label gegründet und dort Anfang des Jahres ihren Debüt-Longplayer „Six Archetypes“ veröffentlicht. Die aktuelle Single „World Breathes People“ (erscheint am 22.7. als Tape und digital) besteht aus zwei längeren Tracks, die harmonisch auf monochromatischen, wallenden Drone-Sounds fußen, die hauptsächlich mittels der lyrischen Dynamik und der Stimmgewalt der Dänin zum Leben erweckt werden. Das Funktionsprinzip lautet „all tension, no release“. Schon die Titel der Tracks – „I wasn’t made to swallow the tide“ und „While the world breathes people in and out“ – klingen nach Konzeptarbeit, weisen die inhaltliche Richtung der Kompositionen aus: Es geht um die Kreisläufe der Natur und des Menschen, die unser alltägliches Leben bestimmen. In Wellen. Wie diese beiden Tracks. //RRRhund\

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Synth Pop/Nu Wave/Nu Disco: Penelope Trappes und Stephen Hindman sind Fans der elektronischen New Wave-Szene mit ihrem Stilmix aus Electro-, Nu Disco- und Minimal Wave-Elementen besser unter dem Namen The Golden Filter bekannt und zählen in diesem Subsystem mittlerweile zu den Veteranen. Hier „Talk talk talk“, die aktuelle Single der in London ansässigen Formation. Sounds good on the dancefloor. //RRRhund\

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Experimental/Dark/Noise: Die Noise-Ikone Merzbow und das esoterische Noise-Duo HEXA (also Jamie Stewart von Xiu Xiu und Lawrence English) haben eine kollaboratives Album aufgenommen, auf dem sich die Drei sich mit architektonisches Strukturen auseinandersetzen. Typische Merzbow-Frequenzen werden mit dem Puls von HEXA umgesetzt. Hier die Hörprobe „Merzhex Part 2“ („Achromatic“, 27.7., DAIS Records). //RRRhund\

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Garage Rock/Dirty Boogie/New Weird Britain: „Romance is just one click away“, meint die Band. Emmm … nicht ganz. Im neuen Warmduscher-Video zu „I got friends“ haben die Weirdos aus London wieder einiges in petto. Einmal anschnallen, bitte. //RRRhund\

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Indie Rock/Garage: Die Viagra Boys aus Stockholm haben eine neue Single am Start und fönen uns mit der Parodie „Sports“ klassisches, garagiges Indie Rock-Material in die Ohren. Und dann noch so ein absurdes Video dazu. Kann man ganz prima nach „Birth, School, Work, Death“ von den Godfathers spielen. Quasi als Ergänzung. Eine neue Scheibe kommt im September übrigens auch, produziert von Daniel Fagerström (Skull Defekts, Chronic Heist) und Pelle Gunnerfeldt (Fireside, The Hives) – Sweden’s finest („Street Worms“, 28.9., YEAR0001). //RRRhund\

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Cyber Punk/Industrial Metal: Das Revolver-Magazin hat ein bisschen gedreht, während die New Yorker Neu-Industrial-Freaks von Uniform zum ersten Mal in Triobesetzung ihr neues Album „The Long Walk“ eingespielt haben. Schwarz-Weiß, Graustufen, Rauschen, Charles Bukowski. Reicht doch, oder? //RRRhund\

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Dream Punk/Shoegaze/Garage: Sehr sommerlich, verschwurbelt und dynamisch-euphorisch, was die Fir Cone Children auf ihrem vierten Longplayer „The Straight & The Curly“ anzubieten haben. Uptempo Grooves bis hin zu (aus dem Extreme-Metal) bekannten Blast Beats sorgen für frischen Wind und stilistische Innovation auf Pfaden, die sonst häufig ausgetreten sind. Hinzu kommen klasse Songs, die auch von den Gasteinlagen von Krissy Vanderwoude (Whimsicals) profitieren. Ich mag es! („The Straight & The Curly“, Tape/CD/digital, 13.7., Blackjack Illuminist Records) //RRRhund\

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Indie Rock/Post Zeug: Self Defense Family (die hießen Anfang der 2000er noch End of a Year) haben auf ihrem sechsten Longplayer introvertierten, warmen, sphärischen, sich organisch drehenden Indie Rock im Gepäck, der sich aus allerlei Stilrichtungen mit „Post“ im Namen speist, bleiben dabei aber trotz aller aufgelöster Arrangements dem Songformat treu. Ziemlich schön. FFO 90 Day Men et al („Have You Considered Punk Music“, Ende Juni erschienen, das Vinyl gibt’s via Run for Cover). //RRRhund\

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Experimental/Post Industrial: Der japanische Audiokünstler Sugai Ken hat hat in den letzten Jahren einen faszinierenden Stilmix aus Industrial Sounds, gesampleten Naturklängen, vibrierender Percussion in Cinemascope, Bastard-Jazz-Elementen, stark gemorphten Vocals und den Brunftgeräuschen außerirdischer Tiere entwickelt. Der Experimentalkünstler aus Kanagawa erzeugt damit eine einzigartige Soundökologie, eine Psycho-Dramatik, die sich jedem Zuhörer auf seine ganz eigene, individuelle Weise darbietet. Nachzuhören auf „Sugai Ken meets G禁禁禁禁: 岩石考 (yOrUkOrU)“, dem aktuellen Tape für das italienische Label Yerevan Tapes. //RRRhund\

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Alternative/Slow Desconstructed Dark R’n’B: Mein Herz hat gerade einen kleinen Sprung gemacht … HTRK sind zurück. Das australische Duo beschäftigt sind nach einer längeren Pause, einer Phase der Instabilität, auf seiner neuen Single „Drama“ (gerade bei Ghostly International erschienen) mit dem Mangel an Intimität im Zeitalter der sozialen Medien (bei „Mentions“) und der Situation mit einem Partner, der aufgegeben hat („More to enjoy“). Stilistisch liefern die beiden wie immer herzzerreißenden, dunklen, dekonstruierten, langsamen R’n’B. Jonnine Standish und Nigel Yang haben die Tracks zuhause bei Standish in den Dandenong Ranges bei Melbourne eingespielt; ein neuer Longplayer ist ebenfalls gerade in der Mache. //RRRhund\

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Experimental/Post Punk/Broken Pop: Das Debüt-Tape von ex-rental ist auch das Debüt von Urban Cowboy Records, einem neuen Label aus dem australischen Sydney. Das Soloprojekt von Jack De Lacy (Concrete Lawn, Dual Citizen) trägt seine Brüchigkeit von Anfang an, schon mit den ersten Tönen, vor sich her, konfrontiert den Zuhörer mit fundamentalen Identitätsproblemen. Schräger Post Punk, schräger Experimentalsound, irgendwo zwischen Swell Maps und Virgin Prunes. //RRRhund\

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Electro/Synth Wave: Alejandro Molinari und Ignacio Itriago haben ein neues, songorientiertes Electro-Projekt namens Fugitiv gestartet. Die erste Single „Compoforest“ klingt nach einer Mischung aus aktuellen Electro-Sounds und typisch kaltem Synth Wave aus den 80ern und erscheint beim Berliner Electro-Imperium Nein Records (am 13.7.). Hier der Pardon Moi-Remix, hinter dem der Brite James Brook und der deutsche Produzent Thomas Freudenthal stecken (von der Premiere beim Sinchi Collective geklaut). //RRRhund\

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Electro Wave/Minimal/Cold Wave: Die hatten wir hier auch schon – neuer Langspieler von mitra mitra. Das Duo aus Wien mit seinem klassischem Minimal Wave-Sound erfreut sich mittlerweile in der Szene großer Beliebtheit, die Kleinauflage vom Vinyl von „Marionettes“ war jedenfalls ruckzuck ausverkauft. Aber den digitalen Kanal gibt’s ja auch noch … //RRRhund\

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Psych/Space Rock: The Choppy Bumpy Peaches (kurz auch The Peaches) sind eine recht junge Psych-Band aus dem benachbarten Luxemburg, die gerade ihr Debütalbum veröffentlicht hat („Sgt. Konfuzius & the Flowers of Venus“, beim italienischen Label The Explorer Records erschienen) und zum ersten Mal in England getourt ist. Das genretypische Stop-Motion-Video zur Leadsingle ist ziemlich hübsch geworden – irgendwo zwischen Space Out und indischem Sommer: „Darjeeling“. //RRRhund\

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Psych Folk/Kosmische Acid Folk: „Enter the stream“ klingt tatsächlich, als ob es von einer lang verloren geglaubten, wieder ausgegrabenen, mystischen Scheibe aus den frühen 70ern stammt – der Psych Folk von Prana Crafter ist aber ganz aktuell („Enter the Stream“, 31.7., Cardinal Fuzz Records). Hinter dem Pseudonym steckt William Sol, der seit etlichen Jahren diesen spirituell aufgeladenen Sound in die Welt verströmt, um Inhalte zu verbreiten, die sich nicht durch Symbole oder Zeichen transportieren lassen (wie er selbst sagt). Legt das Stirnband jetzt wieder ab, der //RRRhund\

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Punk: No Problem aus Kanada verfolge ich jetzt auch schon das halbe Jahrzehnt. Einfach weil die Jungs aus Alberta diesen originären HC-Vibe der Mitt-80er mit der typisch kanadischen Note zu verstehen wissen. Das nagelneue dritte Album trägt den Namen „Let God Sort’Em Out“ und dürfte doch glatt das beste, ambitionierteste bisher sein – ich häng’ seit einer Viertelstunde unterm Kopfhörer und hab’s bis jetzt nur geile Nummern gehört. Schreit nach dem großen, schwarzen Format (gerade bei Deranged Records erschienen). //RRRhund\

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Jazz Punk/No Wave: Mal ganz anderer Sound aus Kopenhagen – für die angejazzte No Wave-Ecke waren Mitglieder des Mayhem-Kollektivs jedenfalls bisher nicht so bekannt. Die Pardans klingen auf „Spit And Image“ jedenfalls als ob die großen Birthday Party in den großen New York-Topf der End-70er gefallen wären, als ob sie in einer Session mit John Lurie und den ganzen anderen Nasen dem Bachus frönen würden. Die Energie stimmt definitiv. Die Scheibe kommt im September (14.9., Third Coming Records). //RRRhund\

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Semiotics Department of Heteronyms, s-t, Avant! Records, 2018SEMIOTICS DEPARTMENT OF HETERONYMS
s/t
LP
Avant! Records
AV!056
2018

Dark Electro/Synth Wave/EBM: Andrea Latorre und Sergi Algiz aus Barcelona sind recht umtriebig. Die beiden stecken nicht nur hinter dem Cønjuntø Vacíø-Label, sondern sind auch Bestandteil der Post Punk-Band Wind Atlas (checkt mal das „An Edible Body“ Album). Ihre beste Scheibe bis jetzt ist aber das Debüt des elektronischen Pop-Projekts Semiotics Department Of Heteronyms (oder kurz SDH). Eine brutal gute Suite mit dunklen, magnetischen Synth Pop-Hymnen mit EBM-Anteilen, die auch Fans des Boy Harsher-Sounds gut munden dürfte, aber mit besserem Songwriting und einem reichen Bouquet an kreativen Arrangements daherkommt. //RRRhund\

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EBM Techno: Und nochmal beinharter, mitreißender Sound aus der Berliner Szene – in diesem Fall aber via Prag. Das Duo Fractions besteht aus Nikita Korobeynik und Artem Folov. Auf ihrer Debüt-EP präsentieren die beiden EBM-Techno vom Feinsten – hier der Titeltrack, ein echter Floorfüller („Control“ erscheint am Freitag bei Fleisch Records). //RRRhund\

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EBM Techno: Neue 12″ vom Berliner Kult-EBM-Duo Schwefelgelb, das den um die Berliner Dark Techno-Kiste aktualisierten Genre-Sound wie keine andere Formation mit Magnetismus aufzuladen weiß. Zu hören gibt es „Obwohl es so aussieht“ („Aus den Falten“, 8.7., aufnahme + wiedergabe). //RRRhund\

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Protomartyr, Consolation E.P., Domnino, 2018PROTOMARTYR
„Consolation E.P.“
12″-EP auf gelbem und weißen Starbust-Vinyl
Domino Records
RUG914T
2018

Indie Rock/Post Punk/Art Rock: Über etablierte Künstler schreibe ich ja normalerweise eher weniger, und das auch mit Absicht. Zum einen ist es mir eher ein Anliegen, bisher unerkannte Perlen bekannter machen. Und zum anderen hat der Blog an dieser Stelle, in dieser Position, ob des geballten Medienaufkommens dann zu wenig Stimmgewalt, als dass die Musiker noch von der dreiundachtzigsten Rezension profitieren würden. Aber bei der B-Seite der „Consolation E.P.“ von Protomartyr musste ich eine Ausnahme machen, die hat einfach was … Neues. Tatsächlich liegt das am Beitrag, den die illustren Gastmusiker – hauptsächlich beim epischen „Wheels of fortune“ – zum Bandsound leisten. Oder sollte ich besser sagen: wie diese Beiträge den Vibe der Band fundamental verändern. Während thematisch alles im ernsten Sektor bleibt, die Band dunkle Ecken der Gesellschaft ausleuchtet, wird der wohlbekannte, dynamisch-monochrome Bandsound zur Basis für eine tropische Sounderweiterung. Kelley Deal von den Breeders singt beim besten Track der EP nicht nur, sondern hat die Nummer auch mit geschrieben. Das epische Arrangement wird von den Beiträgen von Jocelyn Hatch (Viola), Evan Ziporyn (Bassklarinette), Lori Goldston (Cello) und Mike Montgomery erheblich belebt, Letzterer hat auch die Aufnahmen im eigenen Studio besorgt. Das Ergebnis ist dann ähnlich farbenfroh wie die letzten Veröffentlichungen von Iceage. Lang lebe die Post Punk-Bohème aus Detroit (Detroit und Bohème, die beiden Worte nebeneinander). //RRRhund\

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Shoegaze/Dreamgaze/Teenage Angst: Heute ist klassischer Pop-Tag, zumindest für RRR-Verhältnisse. Das schwedische Trio Echo Ladies hat mit seinem verträumten, 4AD-inspirierten Shoegaze-Sound gerade ziemlich Erfolg, die Vinylfassung des Debüt-Longplayers „Pink Noise“ (bei Sonic Cathedral erschienen) war jedenfalls schon in der Preorder-Phase in Nullkommanichts ausverkauft, bei der selbstbetitelten Debüt-EP lief’s nicht viel anders. Der für Debütanten außergewöhnliche Erfolg ist abgesehen vom Radio-Airplay bei der BBC auf der musikalischen Ebene wohl den sehr eingängigen Gesangsmelodien zuzuschreiben – besonders wenn Matilda Bogren am Mikro steht, wird Teenage Angst in Zuckerwatte verpackt. Hier das aktuelle Video zu „Apart“, das in ein ungewöhnliches Karaoke-Setting mündet. //RRRhund\

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Indie Rock: Kleine, simple Rock’n’Roll-Freuden gefällig? Na dann mal los mit „Hey Heartbreaker“ vom Debütalbum von Dream Wife (s/t, im Januar bei Lucky Number erschienen). Die Nummer kommt mit herrlichem Anime-Video, in dem drei Roboter … ach, seht einfach selbst. Das isländisch-britische Trio ist übrigens im November in Mainz zu Gast (3.11., Schon schön). //RRRhund\

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Experimental/Psychedelic Underground: Der Engländer John T. Gast ist hier auch schon ein paar Mal aufgetaucht, meist mit Leftfield-Electronica. Nach diversen Veröffentlichungen auf Blackest Ever Black, Planet Mu und einigen anderen Labels hat der innovative Produzent seit ein paar Jahren mit 5 Gate Temple auch noch ein eigenes Label am Start, auf dem er unter verschiedenen Projektnamen und Konstellationen konzeptionelles, experimentelles Material veröffentlicht. Gossiwor ist der Name des neuesten Projektes, dass er mit dem interdisziplinären, dänischen Künstler Asger Hartvig (MC Boli, Boli Group) auf die Beine gestellt hat. „Sommersonnenwenden-Musik für entspannte Holzbläser“ – mit diesem Untertitel haben die beiden dieses Material jüngst termingerecht im Roten Salon in Berlin live aufgeführt. Zu hören gibt es fantastisches, entrücktes, magisch-esoterisches Folkmaterial mit einer eigenartigen, hypnotisierenden Atmosphäre, das sich in bester Tradition des Psychedelic Underground befindet. FFO Dirty Three, Coil et al //RRRhund\

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Nu Wave/Synth Pop/Synth Wave: „Surveillance“ heißt die neue EP von Marble Slave, einem elektronischen New Wave-Projekt aus Paris. Hier das Video zum Titeltrack, eine Nummer, die trotz der eher ernsten Thematik recht klassische, elegante Art Pop-Vibes à la Japan transportiert (digital / CD / Tape via Synth Religion). //RRRhund\

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Experimental/Associative Electro Accoustic: In Turku, Finland, webt der Experimentalkünstler Marja Ahti unter dem Künstlernamen Tsembla an seiner Vision von Experimentalmusik. Lebendige, assoziative Kompositionen, eine Narration aus Klang und Rhythmus, bei der Elektronik und manipulierte Samples von akkustischen Instrumenten, Objekten, Stimmen, Feedback und Umgebungsgeräuschen zum Einsatz kommen, in ein Spannungsverhältnis gesetzt werden, psychoakkustische Gravitation entsteht („The Hole in the Landscape“, bei nna tapes erschienen). //RRRhund\

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Psych: The Myrrors aus Arizona gelten aktuell als eine der besten Psych-Formationen. Als die Trance-induzierenden Wüstenrocker im Frühjahr in England auf Tour waren, haben Fuzz Club Records die Gelegenheit genutzt, um die Band für eine der berühmten Fuzz Club-Sessions ins Londoner The Pool Studio einzuladen – die resultierenden Aufnahmen erscheinen nun im Juli. Hier eine magische, siebenminütige Livefassung von „Juanito Laguna Duerme Con Los Grillos“. Ein Track vom 2015er Album „Arena Negra“, der durch den (recht neuen) Violinisten im Line-up zu einer ganz anderen Qualität gelangt. (The Myrrors / Fuzz Club Session, 27.7., Fuzz Club Records). //RRRhund\

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Introvert Indie/Minimal/Ambient Pop: A Lily ist das Soloprojekt von James Vella (Gründungsmitglied von yndi halda). Auf „Id-Dar Tal_Misiier“ (maltesisch für „Das Haus des Vaters“) präsentiert sich der Musiker aus Brighton mit delikatem feingliedrigen Ambient Pop, bei dem Gitarre und Gesang ganz klassisch den Kern der Kompositionen bilden, welcher dann aber von einer Vielzahl an (zum Teil exotischen) Instrumenten mit minimalen Klangflächen äußerst geschmackvoll umhüllt wird. Einfach schön: die Hörprobe „Paint me with your blood again“ (31.8., Blank Editions). //RRRhund\

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