+Kurz rausgehackt: Juni 2017

Experimental/Post Hardcore/Mathgaze/Trip Kraut: Vor ein paar Jahren hatten wir schon mal diese Australier mit dem ominösen Namen vorgestellt. Letzte Woche haben Barge With An Antenna On It mit „Divided at the Serpent River“ nun ein neues Album veröffentlicht, das durch formale Rigidität, düstere Atmosphäre und trippig-krautige Strukturen glänzt. Das experimentelle Duo aus Brisbane wütet sich sehr diszipliniert durch minimalistische, repetetive, meist langsame, bassig-wuchtige Stücke großer Präzision, die durch den Goth-artigen Flüster-Doom-Gesang von Steven Schnorrer getoppt werden. Die Rhythmusgruppen von Shellac und Raime feiern auf Pilzen ein rituelles Fest in einer dunklen Höhle. Hypnotisierend. Genau wie das Video zu „Geese“. //RRRhund\

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Post Punk/Garage: Garagen-punkig, knackig kurz und halb elektronisch kommt die zweite Single vom neuen Album von Sextile daher – „Who killed six?“ transportiert scheppernde Post Punk-Vibes – catchy, aber mit Ecken und Kanten. Das zweite Album der Hobby-Astrologen aus L.A. erscheint im Juli („Albeit Living“, 14.7., Felte). FFO The Jesus & Mary Chain, Gun Club und kalifornischen Surf-Garagen-Punk. //RRRhund\

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Kategorie: Hot. Oh. Mann. Endlich. Ohne neue Musik kann sich der Erdball nicht bewegen. Nun Neues von unseren RRR-Lieblingen Public Psyche, ehemals bekannt als Rape Blossoms. Am 30. September erscheint das neue Album „No New Violence“ auf Hypertension Records. Das erste Release unter neuer Flagge is lifting the … „Veil“ … sozusagen. Im Zuge des veränderten Bandnamens geht’s auch auf einen sehr spannenden eigenständigen Tonkurs. Dunkel-harmonische Bass-Wendungen, die das Stück mal schleppend, mal treibend voranbringen und schließlich in einen krautigen, wundervollen Resonanzraum mit unverschämt-reichen Gitarrensequenzen / Drums / Synths ufern lassen. Dämmerung, Empathie, komplexer charmanter Krach. Das alles begleitet durch die intensiven Vocals von David Defrenne. Lovely stuff! \K

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Alternative/Electronic Indie: Huch, die Liars sind zurück. Hat nach dem Abgang von Gründungsmitglied Aaron Hemphill ja auch drei Jahre gedauert. Aber jetzt geht’s hurtig vorwärts – neues Album, neuer Track und die Sache kommt natürlich wie immer mit crazy Artwork: „Cred Woes“ („TFCF“, 25.8., Mute). Auf Tour im August, September und Oktober, aber in Reichweite ist nichts zu holen, zumindest bis jetzt. //RRRhund\

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Dreamy Twilight-Skating Post Punk/Nu Wave Dub: Sehr dankbar bin ich Jess Scott (ehemals Sängerin der Indie-Schrabbler Brilliant Colors) und Scott Moore (Gitarrist der queer punks Limp Wrist) aus San Francisico, die ihre gemeinsame Liebe zu Velvet Underground und The Jesus and Mary Chain ausleben wollten als sie Anfang des Jahrzehnts ein kleines Nebenprojekt namens Flesh World ins Leben riefen. Nach einer ersten EP (auf La Vida Es Un Mus) und ein paar 7″es ist Flesh World – längst eine richtige Band – mit dem ersten Album „The Wild Animals in my Life“ (auf Iron Lung erschienen) nämlich ein moderner Genreklassiker gelungen: Eine der schönsten Entdeckungen, die die Post Punk-Welle der letzten zehn Jahre zu bieten hat – die Vermählung des Creation Records-Sounds mit melancholischem Post Punk-Schmerz. Warme Gitarren, verträumter, gleichzeitig seltsam desaturierter Gesang und starkes Songwriting sorgen für einen Grower von einem Album, das auf subtile Art und Weise, durch die Qualitäten, die unter seiner dunkel schimmernden Oberfläche zu finden sind, Langzeitwirkung entfaltet. Erschienen ist die Scheibe 2015. Mittlerweile ist die Band zum Kultlabel Dark Entries Records gewechselt, hat mit Bassist Andrew Luttrell und Schlagzeuger Sam Lefebvre eine neue Rhythmusgruppe am Start und kann sich offensichtlich ein besseres Studio leisten. Kurzum: Für den Herbst wurde den Nachfolger „Into The Shroud“ (8.9.) angekündigt. Erste Single und Albumopener ist ein Cover des Minimal Wave-Kleinods „Destination moon“ (im Original von Solid Space, 1982 – von Miss K. vor einigen Monaten bei „+Blast from the Past“ vorgestellt und auch schon im Hund-Set in der Nachtschwärmerboutique zu finden), das sehr tanzbar daherkommt ohne den verträumten Charakter des Originals zu beschädigen und mit einem kleinen Dub-Intermezzo überrascht. King Tubby, ick hör dir trapsen, oder so. Sehr schön jedenfalls. //RRRhund\

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Electronic/Experimental/New Pop: DWILD ist das Elektronik-Soloprojekt von Raketkanon-Schlagzeuger Pieter De Wilde. „Abstractus“ ist schleppend-wuchtige, eckige, moderne, kühl-maschinelle Groove-Electronica im Spannungsfeld zwischen SloMo-Grime, Post Industrial und Hip Hop. Durch De Wildes Gesangslinie bleibt die Sache dennoch Pop. Pop von 2017. //RRRhund\

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Electronic/Minimal Synth/Wormhole Techno: Der eher unter seinem Künstlernamen Abdulla Rashim bekannte schwedische Elektronik-Produzent Anthony Linell wird im Juli erstmals eine Doppel-LP unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichen („Emerald Fluorescents“, 10.7., Northern Electronics). „Fractal vision“, eine moderne, hypnotische Mischung aus Minimal Synth- und Wormhole Techno-Elementen, ist feinstes Northern Electronics-Material. Kein Wunder, ist Linell doch einer von zwei Betreibern des schwedischen Elektronik-Kultlabels. //RRRhund\

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Digital Mysterious Loops: der charismatische Yves Tumor aka Sean Bowie hat was Neues, Dissonantes. Ziemlich out-of-sync und tendenziell apokalyptisch-narkotisch der jüngst releaste Track. Ritualistisch, computergame-dreckig und klaustrophobisch die passenden urbanen Visuals aus London dazu. \K

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Indie Rock/Nu Kraut: „Metal“, die aktuelle Single der Fews, ist natürlich ein Gary Numan-Cover und war letztes Jahr schon streckenweise in den Livesets der schwedisch-amerikanischen Indie Rock-Formation zu finden. Was das Arrangement angeht, folgt die Band den Pfaden des ersten Longplayers „Means“ vom letzten Jahr – eine motorisch rollende Rhythmusgruppe, über der wellenartige Gitarrencrescendos und sparsamer, sphärischer Gesang liegen. Allein die Gitarren sind im Vergleich etwas noisiger geworden, was der Coverversion mehr Kante verleiht. //RRRhund\

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+BLAST FROM THE PAST: Irgendwann 1983. 15 Jahre alt. Dieses neue Medium, Musikvideos. Faszinierend. Da gab es diese eine wöchentliche Sendung, die in der ganzen Klasse rasch zum Pflichtprogramm ausgerufen worden war. „Hast du gestern das Video von Soundso gesehen? Waaas … hastenichtgesehen?!“ Und dann der Tag, an dem mir beim Formel Eins-Schauen die Kinnlade runterklappte. Dieser eckige, an allen Enden groovende Instrumentaltrack, diese schräge Keyboard-Melodie, diese irren Scratch-Geräusche. Ungehört. Dieses schräge Video. Ungesehen. Schon gut, schon gut … das Pathos runterdimmen. Auch in der Kult-Musiksendung des Bayerischen Rundfunks schallte natürlich in aller Regel Belangloses oder sogar Unerträgliches vom Bildschirm. Dennoch machten sich zu dieser Zeit meine Kauwerkzeuge in fast jeder Folge bei einem Track selbstständig – so war das halt im Universum von Peter Illmann (und später Ingolf Lück). Zum ersten Mal Yello, zum ersten Mal Frankie Goes To Hollywood, zum ersten Mal Talk Talk. Die Welt war voller visueller wie musikalischer Wunder. Und eben zum ersten Mal diese sensationelle Instrumentalnummer mit der unwiderstehlichen Hookline. Natürlich wusste ich zu dieser Zeit nicht, dass diese über den Bildschirm flimmernde Keyboarder-Gestalt schon seit Jahrzehnten eine Ikone der schwarzen Musik war, die bereits in ihre dritte musikalische Transformationsphase ging: Herbie Hancock hatte sich in den 60er Jahren einen legendären Status als Jazzmusiker erarbeitet (vom Blue Note-Jazz von „Cantaloupe Island“ bis zum Freejazz des Miles Davis-Quintetts), Ende der 60er und in den frühen 70er trat Hancock – vor allem mit den Headhunter-Platten – eine beispiellose Welle an Fusion-Funk-Platten los. Und in den frühen 80er Jahren traf der immer schon abenteuerlustige und Technik-affine Musiker dann in Gestalt von Bill Laswell auf die Avantgarde aus New York – und tadaaa … flimmerte bei mir über den Bildschirm. Ein zeitloser Klassiker, der typisch für die Überlappungen von Hip Hop- und Electro-Szene in dieser Zeit ist und allein schon wegen dem extensiven Einsatz der Scratching-Technik innerhalb einer Popnummer zu den Meilensteinen der Musikgeschichte zählt: „Rock it!“ //RRRhund\

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Alternative/Happy Noir: Auf dem Maifeld Derby wegen einer Terminkollision leider verpasst habe ich White Wine aus Leipzig, die neue Band von Joe Haege (Ex-Tu Fawning), die mit ihrer eigenartigen, übergreifenden Stilmischung – immer mehrere Gemütszustände gleichzeitig – noch am ehesten an die Kanadier Timber Timbre erinnern. Hier das Video zu „Killer Brillance“, Titelsong des neuen gleichnamigen neuen Doppelalbums (29.9, Altin Village & Mine). //RRRhund\

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Alternative/Gothic Folk/Doom Rock: „16 Psyche“, die neue Single von Chelsea Wolfe, zeigt die Gothic Folk-Musikerin und Band in gewohnt dynamischer, wuchtiger Facon – ein Exorzismus der eigenen, persönlichen Geschichte („Hiss Spun“, 22.9., Sargent House). //RRRhund\

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Arte-Streams fürs Maifeld Derby 2017

Maifeld Derby 2017: Da Arte dieses Jahr zum ersten Mal auf dem beliebten Mannheimer Open Air zugange war, gibt’s ebendort nun etliche Leckerlis in der Mediathek. Wir empfehlen die Shows von Kate Tempest, Thurston Moore Group und King Khan and the Shrines. Einige andere empfehlenswerte Shows durfte der Sender leider nicht übertragen oder mitschneiden, weil die Bands das nicht wollten (etwa King Gizzard & the Lizard Wizard) oder weil von dieser Bühne nicht übertragen wurde (Gewalt, Lytics, Wand, Friends of Gas, Heim). Schade, aber immerhin ein Anfang … #maifeld17 #arte //RRRhund\

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Gospel meets Black Metal: Eine der überaus überzeugenden Bands auf dem diesjährigen Maifeld Derby waren Zeal & Ardor aus der Schweiz, die mit ihrer energetischen Mischung aus Gospel- und Black Metal-Sounds einen grandiosen Auftritt im Palastzelt hinlegten. Auf Amps verzichtet die Band im Live-Setting übrigens tatsächlich – anscheinend spielen alle Saiteninstrumentalisten direkt über Effekte ins Pult. Einen guten Eindruck wie das klang, bietet die Session in den Off The Road Studios, Leipzig. #maifeld17 #zealandardor //RRRhund\

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Post Punk/No Wave: Die britischen Housewives zählen zur spröden, experimentellen Szene der anarchischen Post Punk-Bands, die folkloristische Vibes mit No Wave, Post-Punk-Gesang und Politik paaren – also beste europäischer Underground-Tradition (siehe The Ex, Dog-Faced Hermans et al). Hier das aktuelle Video zu „Exc. 281016“, das auf einer Split-Single mit der Schweizer Band Massicot zu finden ist. Oder eben auf bandcamp. //RRRhund\

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Nu Kraut/Post Punk: Neuer Track von den Kopenhagenern Lød – „Så Blå“ ist ein neunminütiges Nu Kraut-Monster, das von motorischen Beats angetrieben wird. Richtig geil sind aber die leidenschaftlichen, dänischen Vocals von Sänger Gade, die erst nach viermütigem Instrumentalflow einsetzen und die Nummer nochmal ganz woanders hinführen und krönen. Warte schon gespannt auf die Debüt-EP. („Folder“, 30.6., Tough Love). //RRRhund\

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Alternative Rock/Post Punk: Die australischen Post Punks von Gold Glass haben mich letztens auf dem Great Escape-Festival in Brighton mit dem Material vom ersten Album „It’s you“ nicht nur komplett überzeugt, sondern auch emotional mitgerissen. Diese Rhythmusgruppe, dieser Gitarrist, dieser Wahnsinnssänger. Einfach eine klasse Band. Zwei Jahre nach dem grandiosen Debüt steht nun mit „Twist in the dark“ das erste Video vom zweiten Album online und es ist in Sachen Intensität und Songwriting-Qualität alles beim Alten: die stoisch rollende Rhythmusgruppe, die emotionalen Ausbrüche der Gitarre, der seelenvolle Gesang. Freu mich schon sehr auf die Scheibe … („Drum“, 18.8., Felte) //RRRhund\

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Analog Synth/Drone: Ein minimalistisches, bewusstseinserweiterndes, bleepiges Synth-Meisterwerk der höchsten Ordnung hat die in Berlin lebende, italienische Synth-Künstlerin Caterina Barbieri mit „This causes consciousness to fracture“ komponiert (auf „Pattern of Conciousness“ zu finden, bei IMPREC erschienen). Das knapp 15-minütige Stück offenbart die ungewöhnliche Fähigkeit Barbieris, mittels Synthese und substraktivem Kontrapunkt geometrische Strukturen in Raum und Zeit zu beschreiben. Außerordentlich. Gut. //RRRhund\

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Experimental/Noise: Die letzten Monate hat die Kopenhagener Noise-Künstlern Friederikke Hoffmeier AKA Puce Mary wohl in L.A. verbracht. Musikalisch ist dabei eine faszinierende Kollaboration mit Jesse Sanes herausgekommen, die unter dem Pseudonym JH1.FS3 läuft. Das Debütalbum „Loyalty“ (im April bei iDEAL Recordings erschienen) enthält auch „Visions of a scene“ – ein absoluter Ausnahmetrack, bei dem eine Handlungssequenz cineastischer Qualität akkustisch abgebildet wird. Great stuff. //RRRhund\

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Nu Kraut/Nu Disco: Kühl und tanzbar präsentiert sich „Sex music“, die neue Single von Beak> – noch ein Track, der dem Nu Kraut-Universum Nu Disco-Beine macht. Kommt mit hübsch verstrahltem Animationsvideo. //RRRhund\

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Synth Pop/Nu Wave/Nu Disco: Das magische „Looking for love“, ein bereits zwei Jahre alter Song der Amerikaner Chromatics, der jüngst auf dem Soundtrack zu „Yves Saint Laurent“ und damit in meinen Fokus gelangt ist, wandelt ebenso geschickt wie mit kühler Eleganz den Pfad zwischen Nu Wave und Nu Disco – der Gesang aber liefert genau das Gegenteil: eine Art ätherische Wärme. Aus diesem Kontrast entwickelt sich ein toller Track. FFO HTRK, The KVB und den ganzen New Wave-Klassikern (danke Andreas!) //RRRhund\

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Electro/Remix: Der „Andrew Weatherall Reactor Remix“ lässt Yellos „Frautonium“ ziemlich nach Kraftwerk in der „Computerwelt“-Phase klingen und das tut der Nummer gut. Der Track wird demnächst mit drei weiteren Fassungen auf einer 12″ zu finden sein. Neat stuff, läuft demnächst bei mir im Electro-Set. //RRRhund\

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Experimental/Ambient/Psychedelic Underground: Eine fabelhafte, ätherische-entrückte, Ambient-artige Debüt-EP hat Laura Kilty, eine Produzentin aus Dublin, unter dem Projektnamen Lair via Eotrax veröffentlicht. Prozessierte, schamanistische Oberton-Gesänge heben einen sanft in fremdartige Dimensionen. Bei einem grandiosen Remix, den Rrose beigesteuert hat, kommen sanft pulsierende Beats dazu, die den psychedelischen Charakter des Klangapparats noch unterstützen. Die EP ist digital auf bandcamp erhältlich. Tipp! //RRRhund\

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Electronic/Afrofuturist Nu Kraut/Post Rave: Neu auf Alien Transistor draußen ist „Post Europe“, das zweite Album des Münchner Indietronics-Duos 1115. Die stilistische Spannweite des Albums reicht von 90er-inspiriertem Post Rave bis hin zu afrofuturistischer Nu Kraut-Electronica. Die Leadsingle „People get ready“ kommt mit coolem Freakvideo und hat mit dem Curtis Mayfield-Klassiker nur recht wenig gemein. //RRRhund\

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Indie Rock/Garage Punk: Thee Oh Sees – letztens noch mit einer fulminanten Show im Frankfurter Zoom – sind nicht mehr … das gilt aber lediglich für den Namen, Mr. Dwyer hat nämlich beschlossen, dass die Band in Zukunft nur noch Oh Sees heißen soll und in diesem Zuge gleich mal „Orc“, das sage und schreibe 19. Album der Bandgeschichte, angekündigt. Soundtechnisch bleibt aber alles beim Alten – „The Static God“, die erste Hörprobe, ist furioser Garagen-Punk, der enorm Spaß macht. //RRRhund\

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Für einen psychedelischen Start in den Samstag: Vanishing Twin, verschwundene Zwillinge mit schöner Stimme, feiner Gitarrenklampfe und Krötenkraulen. Muss ich dazu mehr sagen? Nö. Mal-Anhören. \K

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Alternative/Nu Kraut/Psych Rock/Shoegaze/Synth: Gerade bei Sonic Cathedral entdeckt, die am Montag in London eine Show der Band organisieren – eine faszinierende Stilmischung haben die Gnoomes, ein Trio aus dem russischem Perm, im Gepäck. Krautige Synths, motorische Beats und shoegazige Gitarren treiben einen vitalen, infektiösen Psych Rock an, der sommerlich und magnetisch daherkommt. Die Band selbst nennt den Mix „Stargaze“. Hier ein Livemitschnitt aus dem Salty Dog-Club mit „Severokamsk“ und „Myriads of bees“, zwei Tracks vom aktuellen Album „Tschak!“ (im März beim britischen Label Rocket Recordings erschienen). Und hier noch „Cascais“, ein famoser Studiotrack vom aktuellen Album. Ich frage mich gerade wie ich die Jungs bisher übersehen konnte … //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk: Die zweite Scheibe der B Boys aus New York („Dada“, 16.6., Captured Tracks) wird ohrenscheinlich ein richtiger Knaller, darauf deutet sowohl die Songwriting-Qualität als auch der Gang of Four-Vibe der neuesten Single „Discipline“ hin. Und die beiden Singles davor waren ja auch schon großartig. Könnte glatt die Captured Tracks-Scheibe des Jahres werden. //RRRhund\

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Alternative/Nu Kraut: Weniger post-punkig als Kraut-poppig präsentiert sich das Londoner Trio The Bomber Jackets auf „Art Brussels“, der Leadsingle zum zweiten Album „Kudos To The Bomber Jackets“ (Alter, 14.7.). Das Video dokumentiert den Alltag im Overground der Londoner U-Bahn-Stationen … //RRRhund\

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Electronic Body Music/Electro Funk: Sehr klassisch zwischen Cabaret Voltaire und Front–242, aber auch sehr gut, tanzbar und demnächst bei mir im Set – „Talk about“, die neue Single der amerikanischen EBM-Formation High-Functioning Flesh, die auch gerade live auf dem WGT in Leipzig zu sehen war. //RRRhund\

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Post Punk: Schon lange nichts mehr von den kultigen Video-Bootleggern von Unartig gepostet … schon viel zu lange nicht mehr. Hier ein geniales Dokument von 2010: Deerhoof und Xiu Xiu covern die klassische „Unknown Pleasures“ von Joy Division. Einfach wunderbar, gute Nacht. //RRRhund\

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Crossover/Punk/Jazzcore/Noise Rock/No Wave/Post Punk: Wenn es auf dem Great Escape Festival in Brighton im Gitarrensektor einen Mini-Trend zu beobachten gab, dann war es wahrscheinlich, dass sich einige Bands wieder getraut haben, Crossover-Sounds in ihre Bandstilistik aufzunehmen – allerdings meist mit ungenießbarem Ergebnis. Eine Band, die in Brighton gar nicht zugegen war, aber tatsächlich an den rohen, undergroundigen, ursprünglich mal aufregend kreativen Spirit des Kreuzüber-Genres anzuschließen weiß, ist Show Me The Body aus New York – eine Band, die im vergangenen Jahr mit ihrem Debütalbum „Body War“ völlig zurecht für Furore gesorgt hatte. Roher Sound, punky Vibes, Vocals zwischen Rap und No Wave-Sprechgesang und ein inspiriertes musikalisches Alles-aus-New-York-geht – No Wave, Noise, Avantgarde à la Knitting Factory und Hip Hop. Und nächste Woche dann live in Wiesbaden (12.6., Schlachthof). //RRRhund\

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Alternative/Dark Electronic Pop: Gut zum letzten Post passt auch „Exhumed“, die Leadsingle vom neuen Zola Jesus-Album „Okovi“, das nach langer, dreijähriger Pause im Herbst wieder bei Nika Roza Danilovas Heimatlabel Sacred Bones Records erscheinen wird (8.9.) – dunkler, karthatischer Elektronik-Pop, der sich mit den Themen Verlust und Tod auseinandersetzt. //RRRhund\

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Electronic/Experimental/Ambient/Future Folk: Neues Meisterwerk aus dem Bereich der Post-Club Electronica, ein Feld, das in den letzten Monaten viele Höhepunkte zu bieten hat. Lovozero ist das Pseudonym, unter dem die russische Produzentin und Sängerin Anastasia Tolchneva (sonst bei Moa Pillar zugange) ihre Soloaktivitäten entfaltet. Auf dem Debütalbum „Moroka“ entspinnen sich hochklassige, episch-verträumte Ambientlandschaften, eine Art elektronischer Future Folk mit osteuropäischer Klangidentität – und jetzt schon ein Anwärter für die Jahresendliste im elektronischen Experimentalbereich. //RRRhund\

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Alternative/Rock’n’Roll Noir: Der Strom an herausragender Musik, die in der aktuellen Staffel von Twin Peaks auftaucht, reißt nicht ab. In der fünften Episode etwa war zur allgemeinen Verblüffung Alex Zhang Hungtai (Dirty Beaches/Last Lizard) auf der Bühne des Roadhouse zu sehen. Als Mitglied der Band Trouble hat er in einer Formation mit David Lynchs Sohn Riley und einem Langzeit-Kollaborateur des Regisseurs, Dean Hurley, sein Saxophon bedient. „Snake eyes“ und einen weiteren Track im Rock’n’Roll Noir-Stil gibt’s nicht nur auf YouTube zu hören, sondern auch auf bandcamp zu kaufen. //RRRhund\

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Electronic: Der AFX-Gig vom gestrigen NTS-Field-Day ist noch online zu finden! #championgedaddel via NTS Radio De:tuned |/\p

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Alternative/Nu Wave Pop: Eine neue Trentemøller-Single und ich kann mal wieder nicht widerstehen – wahrscheinlich auch weil jennylee, die Bassistin von Warpaint, bei „Hands down“ als Gastsängerin aktiv ist. Musikalisch ist der Track im Duktus des letzten Longplayers „Fixion“ zu verorten: Poppiger minimalelektronischer Alternative-Sound – allerdings getönt in kobaltblau, weil Gitarre und Bass mit melancholischem Nu Wave-Anteil als Gegengewicht agieren. //RRRhund\

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