+Kurz rausgehackt: Juni 2018

Ambient/Drone: Wenn es euch im Moment zu heiß ist, habe ich genau das Richtige – eiskalte, skandinavische Ambient Drone-Klänge von Varg (den hatten wir hier schon mal) und Anna Melina. Natürlich auf Northern Electronics. Wie immer wenn diese elegant-kühlen Klangerzeuger mit bläulicher Färbung auftauchen. Ein melancholisches, musikalisches Eisbad („Welcoming Elegance“, vor Kurzem erschienen). //RRRhund\

+++++

Electronic/Ambient/Sound Design/Electro: Abgesehen von ihren vielfältigen negativen Aspekten hat die neue digitale Welt natürlich auch eine ganze Latte an Vorteilen. Täglich stolpere ich in meiner bandcamp-Filterblase über kleine Projekte, die abseits aller gängigen Vertriebswege meine Ohren vor zwanzig Jahren nur zufällig hätten erreichen können. Und manchmal ist eben etwas wirklich Geniales dabei und wird so an die Oberfläche geschaufelt. So ähnlich ging es wohl auch Gilbert Cohen von Versatile Records mit diesem besonderen Material, das ihm von einem guten russischen Freund in Deutschland vorgestellt wurde. Rex Illusivii war das künstlerische Alter Ego von Mitar Subotić, der im Zeitraum von 1983 bis 1999 ununterbrochen im stillen Kämmerlein geniales Material völlig unterschiedlichen aber doch eindeutig zuordenbaren Charakters produziert hat, das das Licht der Welt erst jetzt, 19 Jahre nach seinem Tod, erblickt. Soundtrack-artige Sounddesigns, dichte Ambient- und Electrostücke, die alle einen bestimmten Geist verströmen – Elektronikexperimente eines unerkannten Genies. //RRRhund\

+++++

Pabst, Clorine, 2018Alternative Rock/Grunge/Desert Rock/Hard Psych: Auch wenn beim Intro zum Album-Opener „Vagabondage“ kurz Easy-Listening-Klänge angetäuscht werden. Grunge-Schredder, Pop-Melodien, Punk-Gestus – aus diesem Dreigestirn speist sich der Debüt-Longplayer von Pabst. Das Power-Trio aus Berlin hatte vor zwei Jahren schon mit der „Skinwalker“-EP und zahlreichen überzeugenden Live-Auftritten für ordentlich Wirbel gesorgt. „Chlorine“ ist aber ein Quantensprung. Ein Quantensprung in Sachen Songwriting, ein Quantensprung in Sachen songorientierter Arrangement-Kreativität und eine erfrischende Gitarren-Soundpeitsche noch dazu (immer druff mit den Zerr-Fußtretern, da gibt’s ja mittlerweile Dutzende). Da schwingt die ganze Seattlenummer der frühen 90er mit, ein Ticken Queens und Blackmail (vor allem bei „Perfume“) als die noch herausragende Songs schrieben, und ab und an auch eine Prise grooviger Rock direkt aus den 70ern. Als Topping goldene Gesangslinien, die mal nach Power Pop, mal nach Hard Psych oder Wüstenrock duften und immer genau mit der richtigen Prise Pop Appeal versehen sind. Einfach ein sehr geiler, attraktiver Mix an Eigenschaften – das perfekte Gitarrenalbum für den Sommer. //RRRhund\

+++++

Radio: Kaum hat man sich umgedreht, hat Groschi nicht eine, sondern bereits zwei neue 12XU Radio Shows rausgehauen – richtig: Wir sind bereits bei der #11. Wie immer gibt’s mehr als drei Stunden lang feine Sachen aus dem Garagen-, Punk, Post Hardcore- und Post Punk-Underground. Dig it. //RRRhund\

+++++

Alternative/Kraut: Exploded View, die Band um die enorm charismatische, deutsch-britische Sängerin Anika, durften wir letztens ja endlich mal live in der Region begutachten – ein magischer Sommerabend im Garten der Frankfurter Milchfabrik. Gerade hat die Band einen neuen Longplayer angekündigt und schickt auch gleich die erste Hörprobe namens „Raven Raven“ ins Rennen, die – ganz typisch für die Band – entspannt groovend ins atmosphärisch Krautige hineinorgelt („Obey“, 28.9., Sacred Bones Records). //RRRhund\

+++++

Essenziell-existenzielle Remixe: Nächste Woche erscheint die erste 12″ von Gewalt, für die Moon Duo, Ensslin Research, Drangsal und Matthias Schaffhäuser am Material von Patrick Wagner und Co. gewaltig Hand angelegt haben. („Manipulation“, Unter Schafen, 6.7.). //RRRhund\

+++++

Alex Zhang Hungtai album srteam at The Wire

Experimental/Sax manipulations: Das neue Album von Alex Zhang Hungtai (Ex-Dirty Beaches) hatten wir vor ein paar Wochen bereits einmal erwähnt. Jetzt gibt es das morgen bei NON Worldwide erscheinende Album bei The Wire samt Interview komplett im Stream. //RRRhund\

+++++

College Rock/Emo/Pop Punk/Shoegaze: Da haben Tiny Engines aber mal einen richtig guten Fang an der Westküste gemacht. Alien Boy kommen aus Portland wie man bei diesem Namen mit Wipers-Referenz auch gleich vermuten würde, haben mit dem typischen Post Punk-Sound der Stadt aber zumindest bei „Somewhere without you“, der ersten Hörprobe vom Debüt-Longplayer „Sleeping Lessons“ (31.8.), nur wenig gemein. Vielmehr transportiert die erste Single einen episch-schwelgerischen Herzschmerz-Vibe, hat einen deutlichen 90er-College Rock-Einschlag, hängt stilistisch angenehm und geschmackssicher zwischen Shoegaze-, Emo- und Pop Punk-Elementen. Ein grandioser, sommerlich-melancholischer Song, der stark von den warmen, dichten Gitarrenflächen und den Gesangskünsten von Sonia Weber und Konsorten lebt. FFO Jimmy Eat World, Joyce Manor, Alkaline Trio //RRRhund\

+++++

Alternative/Songwriter: Noch ein weiterer U.S.-Songwriter-Stern hat ein neues Album angekündigt. Marissa Nadler aus Boston, Massachusetts, veröffentlicht schon seit Jahren fragil-introvertiertes Songmaterial und zählt damit zu den Kronjuwelen des Captured Tracks-Universums. Für ihr achtes(!) Album hat sie eine illustre Schar an Gastmusikerinnen versammelt: So kriegt man bei manchen Tracks die Gesangsharmonien von Angel Olsen, Sharon Van Etten und Kristin Kontrol zu hören, das Cellospiel von Janel Leppin sowie experimentelle Harfenklänge von Mary Lattimore und Basslicks von Eva Gardner. Der Saxophonist Dana Colley von Morphine hat die Ehre, als einziger männlicher Musiker auf dem Album aufzutauchen. Das Coverartwork stammt von Nadler selbst, die neben ihren musikalischen Aktivitäten auch schon seit vielen Jahren als Bildende Künstlerin aktiv ist. Als erste Hörprobe hat man uns den Titeltrack und Album Opener „For My Crimes“ serviert. Wohl bekomm’s. („For My Crimes“, 28.9., Bella Union / Captured Tracks). //RRRhund\

+++++

Alternative/Songwriter/Goth Folk: Die Solokarriere von Emma Ruth Rundle (Nocturnes, Red Sparowes, Marriages) hat mittlerweile ordentlich Fahrt aufgenommen. Die Songwriterin aus Lousville, Kentucky, konnte die Shows ihrer aktuellen Europatour in den angesagten Clubs buchen lassen (am 9. Juli ist sie Support für Chelsea Wolfe im Jubez in Karlsruhe, am 13. Juli spielt sie eine spezielle Show im Museum in Wiesbaden). Wie passend, dass die Gitarristin und Sängerin dafür auch auch neues Material am Start hat, im September erscheint nämlich ihr dritter Longplayer. Erste Hörprobe, Album Opener, Ohrenschmaus: „Fever dreams“ („On Dark Horses“, 14.9., Sargent House). //RRRhund\

+++++

Electro: Elena Sizova gilt in Minsk als bester DJ – für die zweimonatliche Mix-Serie des Berliner Underground-Electro-Labels Unknown Precept (bei dem ich mich selbst auch recht häufig bediene) hat sie ein knapp einstündiges Electro-Set aufgenommen, das schön abgespaced vor sich hin orgelt und mich gerade durch den Tag trägt. //RRRhund\

+++++

Weird Electronica: „The UFO is waiting. Come on, let’s go.“ Otto von Schirach heißt dieser weirde Electronica-Spezialist aus Miami auf dem Berliner Monkeytown Records-Imperium. Die neueste Single „The UFO is waiting“ ist visuell genauso kreativ wie die Tonspur. Geiles, durchgeknalltes Zeug (auf der „Draculo“ EP zu finden). //RRRhund\

+++++

Experimental/Futurism/Human-Machine Interface: Der Afrofuturist Onyx Ashanti nutzt im 3-D-Drucker erzeugte Apparaturen als Mensch-Maschinen-Schnittstelle zur experimentellen, kinesthetischen Klangerzeugung. Warum er sich dabei in der Tradition radikaler, historischer Jazzstile sieht, weshalb er sich bei seinen Experimenten entschieden außerhalb der Musikindustrie bewegt und wieso das alles eine Form von neurologischer Reprogrammierung ist, verrät er in der Dokumentation von Far Off Sounds. //RRRhund\

+++++

Ceremony, East Coast, LP, 2018Garage Rock/Shoegaze/Hard Psych/Noise: „Fuck you sunshine“ – damit kann ich definitiv etwas anfangen, die Sonnenbrille werde ich tragen. Aber es kommt ja noch besser: Sixties-Harmonien, ekstatische Garagenrock-Riffs und infernalisches Feedback – man muss diese Underground-Gitarren einfach lieben. Nach einer längeren Schaffenpause hat der zeitweilige A Place to Bury Strangers-Tourgitarrist John Fedowitz für seine langjährige Band Ceremony mal wieder ein neues Album aufgenommen. Dabei hat er fast alles selbst eingespielt – das Schlagzeug jedoch bedient natürlich Sandra Fedowitz. Der Albumtitel speist sich aus dem Zusatz, den die Shoegaze-Band von der Ostküste in den sozialen Medien nutzt, um sich von der Westküsten-HC-Band gleichen Namens abzugrenzen. Die Songs dagegen unterscheiden sich stilistisch gar nicht mal so sehr vom Material der letzten Veröffentlichungen; transportieren diese dunkle, melancholische Romantik, die in ohrenzerfetzende Stacheldrahtgitarren eingerollt wird – aber das ist ja auch genau, was die Fedowitzs so gut machen. Und das ist auch, was das (notgedrungen) schnörkellose Album-Artwork mit seinem No-budget DIY-Vibe suggeriert: Es geht nur um die energetische Musik, die klassischen Songs. //RRRhund\

+++++

Electronic/Experimental: Die New Yorker Künstlerin Alexandra Drewchin produziert seit einigen Jahren unter dem Pseudonym Eartheater moderne Electronica mittels klassischer Kompositionsarbeit, ungewöhnlich detaillierter Arrangments und futuristischem Sounddesign. Eine besondere Qualität erwächst der Musik durch die drei Oktaven umfassende Stimme der Musikerin aus Queens sowie die kraftvolle, furchtlose Art, wie sie die eigene Person in das Projekt einbringt, sich dem Zuhörer darbietet. Das musikalische Ergebnis ist ebenso romantisch wie konzeptionell kalkuliert. Der dritte Longplayer ist gerade erschienen und sowohl auf Vinyl als auch digital erhältlich („IRISIRI“, bei PAN erschienen). //RRRhund\

+++++

Post Punk: Unter dem Namen Crack Cloud agiert dieses schräge kanadische Kollektiv mit Künstlerinnen und Künstlern völlig unterschiedlicher Herkunft. Bisher wurden zwei EPs veröffentlicht (s/t und „Anchoring Point“, beide wurden gerade auf einer selbstbetitelten LP kompiliert), musikalisch zieht das Septett dabei seinen Saft aus den Quellen Fela Kuti, Talking Heads und Gang of Four. Angefunkter Post Punk mit vielen Brüchen und überraschenden Wendungen. Der Vibe beim neuen Video zu „Uncanny valley“, einem bisher noch unveröffentlichten Track, ist dagegen schon eher Virgin Prunes meets Fun Boy Three: Gender bender, psychosexuell. Sehr verschickerte und spannende Band. //RRRhund\

+++++

Alternative/Post Rock/Nu Kraut: Die neue Single der Belgier Go March hackt gut rein – das neunminütige „Chop chop“ ist ein instrumentales, krautig-loopiges Groovemonster wie wir es vom Trio aus Antwerpen gewohnt sind. Der Sound der Belgier kommt übrigens auch in Asien gut an, die drei waren gerade wieder in Japan auf Tour. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Death Rock/Goth: Neu auf Swiss Dark Nights ist das britische Post Punk-Duo Lost On Me, das stark von der sehr geilen Bass-Stimme des Sängers sowie dem Leeds-Vibe in den Arrangements der Saiteninstrumente lebt. FFO Red Lorry Yellow Lorry et al („Decade“, 15.7.). //RRRhund\

+++++

Dark Wave/Post Punk: Bei „Into those woods“ haben die Niederländer Bragolin über die enorm memorable, orientalisch angehauchte Gitarren-Hookline einen speziellen Touch in ihrem poppigem, luftig-schwarzen Uptempo-Post Punk verbaut. Irgendwo zwischen a-ha und Motorama (auf „I Saw Nothing Good So I Left“ zu finden, bei Young & Cold Records erschienen). //RRRhund\

+++++

Dystopian Industrial Cyber Punk: Aus zwei mach drei. Und nein, das ist keine The Cure-Coverversion. Um mal die drängendsten Fragen zu klären. Uniform aus New York haben seit Neuestem einen Schlagzeuger im Line-Up, und zwar nicht irgendeinen, sondern gleich eine Koryphäe: Greg Fox von Liturgy und Zs hat für das neue Album auf die Kiste eingeprügelt. In dieser Besetzung hat das Cyber Punk-Trio mit dem Industrial Metal-Sound nun eine neue Single namens „The walk“ veröffentlicht. Das verstörende Video dazu beleuchtet anhand von YouTube-Failures einige Krankheiten unserer Zeit – und davon gibt es ja bekanntlich reichlich. Musikalisch hat sich durch das neue Bandmitglied das Stilgebilde noch mehr in Richtung harter 90er-Sound verschoben, erinnert ein wenig an legendäre Alternative Tentacles-Veröffentlichungen wie etwa die Kollaboration von Jello Biafra mit D.O.A. – ist aber natürlich nochmal ’ne Kante derber. „The Long Walk“ wurde im Frühjahr 2018 eingespielt und erscheint schon im August (17.8., Sacred Bones Records). //RRRhund\

+++++

Psych Magic Meets Jam Rock Flow: Motorpsycho haben das Video einer knapp dreizehnminütigen Livefassung des „Blissard“-Klassikers „Manmower“ online gestellt. Diese Version wurde im Oktober 2017 beim Gig im Casino-Club im belgischen Sint Niklaas mit der aktuellen Bandbesetzung aufgenommen und ist auf dem neuesten Livealbum „Roadworks Vol. 5“ (ein Triple-LP-Set!) zu finden. Stickman Records hat zusammen mit der Band übrigens alle Alben der langjährigen, legendären Live-Serie, die die stilistische Breite und die Entwicklungsphasen der norwegischen Rock-Legenden abbildet, gerade wieder auf Vinyl aufgelegt. Einige Varianten erscheinen sogar zum ersten Mal in diesem Format. Release day: heute – ein Festtag für die internationale Psychonaut-Community. //RRRhund\

+++++

Kraut: Beak> sind zurück. Das Kraut-infizierte Trio um Portishead-Produzent Geoff Barrow hat nach einer einjährigen Schaffenspause ein neues Video online gestellt, in dem eine Vintage-Live-Session in the Invada-Studios symbiotisch mit symbolhaft aufgeladener Vintage-Filmkunst von John Minton (Portishead, Savages) überblendet wird. „Allé sauvage“, so der Name des Instrumentaltracks, ist Vorbote eines neuen Albums, das im Herbst erscheinen wird (bei Invada/Temporary Residence). Für England und die USA wurden bereits Livetermine angekündigt, vielleicht ist ja auch auf dem alten Kontinent demnächst mal wieder was drin. //RRRhund\

+++++

Psych Rock/Space Rock: Black Helium heißt das neueste Pferd im Stall von Riot Season Records – ein klassisches Psych-Rock-Quartett mit spaceigem Breitwandsound. Hier „Curtains at the mausoleum“, die Hörprobe stammt vom Debüt-Longplayer „Primitive F*ck“ (20.7.) und kommt mit genretypischem Verschwurbelungsvideo … viele Farben und so. FFO Hawkwind, 35007, Motorpsycho (AADAP-Phase). //RRRhund\

+++++

Boy Azooga, One, Two, Kung-Fu, LP, 2018Indie/Alternative/Pop: Erstaunlich reifes Debüt des Indie-Quartetts Boy Azooga, dessen Mastermind Davey Newington die Platte zu großen Teilen alleine geschrieben und eingespielt hat, um im Nachhinein drei Freunde ins Line-up zu integrieren (anfänglich nur, damit Live-Shows möglich sind). Der Waliser serviert auf seinem ersten Longplayer makellose, anspruchsvolle Kompositionen – einige der Songs imponieren mit starken Hooklines, „Loner Boogie“ ist ein waschechter Hit. Der hervorragend ausgebildete Multiinstrumentalist hat die Tracks in enorm vielseitige, in ihrem Mix dann durchaus aufregende Arrangements verpackt: vom tanzbaren Indie-/Garagenrock der 00er Jahre, über Funk- und Soulelemente bis hin zu elegant instrumentierter Psychedelia ist hier alles geboten. Erstaunlicherweise ist hier dennoch ein weitgehend konsistentes Popalbum entstanden, das Musikliebhabern verschiedenster Couleur gut gefallen dürfte. //RRRhund\

+++++

Grunge/Garage Rock/Noise Pop: Auch die hatten wir schon ein paar Mal (und demnächst gibt’s auch noch mehr) – das 90er-infizierte Power-Trio Pabst mit dem Video zur neuen Single „Shake the disease“. Da es sehr unterhaltsam und aufschlussreich ist, was die drei Berliner zum poppigsten Song vom neuen Album zu sagen haben, spare ich mir doch mal die Arbeit: „‚Shake the disease‘ is our pop song, not only because the title is borrowed off of a Depeche Mode single. It’s got that super gooey, sticky chorus – innocent, although soaked in a little discord. And floating amid this sugary goo are these slogans, bold and simple, that wanna tell you: ‚It’s too late to fix it. Stop playing along! The only way is to end it all. Let’s go back to the stoneage.‘“ Das großartige Langspieldebüt der Berliner Steinzeit-Könige erscheint im Juli („Chlorine“, 13.7., Crazysane Records). //RRRhund\

+++++

Alternative: Die Berliner Formation Hope hatte ich vor ein paar Monden schon einmal vorgestellt. Nun gibt es ein neues, in dramatischem Schwarz-Weiß abgefilmtes Video zu „Drop your knives“, das gerade international für wohlverdiente Aufmerksamkeit sorgt. Das Quartett hat übrigens einen ganz ausgezeichneten Liveruf, steht für einen direkten, unmittelbaren Energiefluss auf der Bühne. Das werde ich bei nächster Gelegenheit verifizieren. //RRRhund\

+++++

Electronica/Dark Dub/Post Industrial/Drone: Hinter dem Projektnamen Fake Skies steckt die Kollaboration der Experimentalmusiker James Welburn (Bass, Objekte, Samples, Effekte & Gesang) und Carsten Aniksdal (Synthesizers, Drumcomputer, Effekte & Samples), die im Rahmen der Bek Studio Session eine einwöchige Residenz am Bergen Centre for Electronic Arts zur Produktion zweier dichter, intensiv-futuristischer, achtminütiger Tracks zwischen Dark Dub-Groove, Drone und postindustriellem Sound Design genutzt haben. Geiles Zeug, Welburn halt; der in Lillehammer und Berlin lebende Engländer hat für das laufende Jahr weitere Kollaborationsveröffentlichungen angekündigt – ich bin schon sehr gespannt („Distinct Howl“, beim italienischen Label Subsidence als Tape und digital erschienen). //RRRhund\

+++++

Alternative/Dark Pop: SONOIO ist das eher straighte, Pop-orientierte Solo-Projekt des Synth-Spezialisten Alessandro Cortini (Nine Inch Nails), mit dem er in den frühen 2010er-Jahren bereits zwei Alben veröffentlich hat. Das dritte und letzte erscheint nun im Juli („Fine“, 27.7., DAIS Records). Im coolen Video zur opulenten Leadsingle „Thanks for calling“ mündet ein Beziehungsstreit in ein klassisches Backwoods-Szenario. Doch wie so oft ist nichts wie es scheint. //RRRhund\

+++++

Russian Indie/Post Punk/New Wave: Wer eine Ladung atmosphärischen, Post Punk-infizierten, russischen Indie Sound à la Motorama gebrauchen kann, ist bei „Holy Places“, dem aktuellen Longplayer der Moskauer Formation Brandenburg, ziemlich gut aufgehoben. Uptempo-Anspieltipp und bei mir demnächst im Set: „No feelings“. //RRRhund\

+++++

Indie/Alternative: Mal wieder neu erfunden haben sich Low. Die spirituellen Indie-Veteranen aus Duluth, Minnesota, haben ein bemerkenswertes, fast 15-minütiges Video-Triptychon zur ihrer neuen Scheibe („Double Negative“, 14.9.) ins Netz gestellt – enthalten sind die ersten drei Songs des Albums („Quorum“, „Dancing and blood“ und „Fly“). Eine traumartige, künstlerisch wertvolle Sequenz in Schwarz-Weiß mit reduziert experimentellem, melancholischem SloMo-Sound. //RRRhund\

+++++

+++BLAST FROM THE PAST: Es werden immer noch Juwelen aus der Pionierzeit der elektronischen Popmusik ausgegraben. Neuestes Exempel ist das Material, das der Synth-Guru Bruce Haack in den frühen 1970er Jahren auf selbstgebauten Synthesizern produziert hat und das vor ein paar Jahren in die Hände der kanadischen Telephone Explosion-Macher geraten ist. Bereits 2016 sind zwei komplette Alben erschienen, nun steht mit den „Preservation Tapes“ ein Best-Of aus dem unveröffentlichten Archivmaterial mit umfangreichem Booklet vor der Veröffentlichung (10.8.). Hier die Hörprobe „When Mothers Of Salem“ – ein grandioser Psych-Out aus dem frühen Elektronikuniversum. //RRRhund\

+++++

Alternative/Songwriter: Sacred Bones Records haben ihrem ohnehin schon erlesenem Roster an Solokünstlerinnen einen weiteren Edelstein hinzugefügt. Hillary Woods liegt stilistisch irgendwo zwischen Marissa Nadler, Grouper und Julee Cruise und damit natürlich exakt im Fadenkreuz des New Yorker Kultlabels. Ihren delikaten, introvertierten Songs hat die Irin allein zuhause aufgenommen. „Prodigal dog“ stammt vom Debüt-Longplayer „Colt“ (vor Kurzem erschienen). //RRRhund\

+++++

Indie/Political College Rock: „Pressure“ ist einfach ein guter Song. Gitarre, Bass, Schlagzeug, dreimal Gesang – klassisch, tight, ein cleveres Arrangement. Hinter der Nummer steckt das Washington D.C.-Trio Flasher um den ehemaligen Priests-Bassisten Taylor Multiz, das auf seinem Longplayer-Debüt „Constant Image“ (bei Domino erschienen) eine songorientierte Mischung aus dem College Rock der 90er und klassischen Indie-Elementen à la B-52s serviert. In bester D.C.-Tradition sind die Texte zwar sehr persönlich gehalten, aber bei genauerem Hinsehen von politischen Tönen geprägt – ganz nach dem Motto dass eben auch das Private politisch ist. The new generation in D.C. //RRRhund\

+++++

Synth/Ambient/Electro/Sound Design: Auf Sapiens, dem breitgefächerten Label der französischen Techno-Lichtgestalt Agoria, erscheint im Oktober das selbstbetitelte Longplayer-Debüt von Stefan Smith (s/t, 12.10., Sapiens). Der musikalisch voll ausgebildetete Produzent aus Los Angeles versammelt auf seiner ersten Veröffentlichung einen reichen Schatz an instrumentalen, sensibel-delikaten Synth-Kompositionen, die mit einem enormen Gespür für Texturen, Prozesse und Sound Design zusammengestellt wurden und weniger für den Club als für die Couch im Wohnzimmer oder den Kopfhörer gedacht sind. Hier die Hörprobe „Mirror“, die auch auf der gleichnamigen, vorab erscheinenden EP zu kriegen ist. //RRRhund\

+++++

Alternative Rock: Yup, sowohl Band als auch Song hatten wir schon, aber eben nicht mit diesem Video. Die bekannten Tänzer Rankin und Sergei haben sich „Tempo“ von den Husky Loops als Soundtrack für ihre neueste Choreographie ausgesucht – das passt alles ganz wunderbar zusammen … //RRRhund\

+++++

Post Punk/Noise Rock: Schön LoFi, die Melting Butter-Session der Lokalmatadoren Euternase. Natürlich wurde die Live-Fassung des Album-Openers „Guenstig“ im RAMA-Tonstudio in Mannheim abgefilmt und mitgeschnitten. Am Samstag dann live im Brückenaward-Zelt auf dem Maifeld Derby. //RRRhund\

+++++

Electronic/EBM/Dark Electro/Industrial Techno: Heieiei, da kommt ja im September wieder ein fantastisches Brett auf Kess Kill. Mit Violet Poison und Bakunin Commando, zwei Projekten aus dem immer noch fruchtbaren Berliner Underground, die beileibe keine Unbekannten mehr sind, es damit aber endgültig an die Oberfläche der hybriden Dark Techno-Szene in der Elektronik-Hauptstadt spülen wird. Fünf Treffer, flawless. Hier Soundschnipsel aus allen fünf Tracks. //RRRhund\

+++++

Post Punk: Jetzt ist auch der Hase aus dem Bau – das nächste Karies-Album wird „Alice“ heißen und kommt im Herbst bei This Charming Man-Records (12.10.). Hier die Leadsingle „Nebenstraßen“, die am Anfang mit der Sprachrhythmik eines Kinderreims daherkommt, dann mächtig Fahrt aufnimmt … und schließlich wuchtig mit giftend-atonalen Noise Rock-Gitarren verendet. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Goth Punk/Space: Dass das Mannheimer DIY-Label Erste Theke Tonträger einen Underground-Knaller nach dem anderen raushaut, habe ich ja schon ein paar Mal erwähnt. Eines der neuesten U-Boote im Hafen von Haug sind Dark Web aus den USA. Die Band präsentiert sich auf ihrer „Clone Age“-LP mit einem theatralischen, spaceigen MIx aus Goth und Punk. Als Startpunkt kann man sich eine The Damned-Phase denken, die es so nie gegeben hat – nach der „Machine Gun Etiquette“ in Richtung Goth anstatt in Richtung Pop abgebogen ohne den Punk-Vibe auszusortieren. Dann kommt aber eben noch ein prägnanter, hauptsächlich vom Gesang transportierter Space-Vibe dazu, der die Band ins All geschossen hat (von welchem Planeten aus kann ich allerdings nicht sagen). Serviert wird der Mix mit deftigen Gitarren und Songs voller Hooklines – quasi Aliens, die Hits schreiben. (Für die Locals: Platten von Erste Theke Tonträger kann man natürlich ganz prima bei Hinterhof Records, der Homebase im Jungbusch, einsammeln gehen.) //RRRhund\

+++++

Electronic/Elektronischer Minimalismus/Experimental Techno: Eine großartige EP hat Sissel Wincent aus Stockholm mit „Inspirational Quotes“ für Peder Mannerfelt Productions abgeliefert. Gabber-Bassdrums treffen auf hypnotische, elektronische Dunkelloops – ein Sound voller mysteriöser Details und störrischer Arrangements. Techno auf die bockige Art: „Yellow Lines“. Nicht gerade etwas für den Four-to-the-floor-Mainstream … aber damit genau das Richtige für mich. //RRRhund\

+++++

Alternative/Psych/Twisted Folk Rock: Abteilung „Alte Säcke hat’s wieder gepackt“, oder auch „Musikalisch den Raum gewechselt“ – hinter dem Projekt A Room in the Wood stecken Paul Cavanagh und Dave Jackson, die in den 80ern noch zusammen in der Post Punk-Band The Room (sic!) aktiv waren. Die Liverpooler Legende hatte damals schon einen 60s-Touch. „Magical Thinking“, die erste Single von A Room in the Wood, ist stilistisch ebenfalls ans Jahrzehnt der Hippies angelehnt, aber in diesem Zusammenhang eher dem folkigen Rock-Territorium zuzuordnen. Wenn da nicht diese kalte Stimme wäre und der Okkultismus-Vibe, der jede Gänseblümchen-Stimmung rasch verscheucht. Eher Aleister Crowley als Donovan, wenn auch mit einem Augenzwinkern („Magical Thinking“ EP, im April bei A Turntable Friend Records erschienen; der selbstbetitelte, erste Longplayer ist vor ein paar Tagen erschienen). //RRRhund\

+++++

Holiday Inn, Torbido, 2018Electronic/Synth Punk/Minimal/Acid/Industrial: Die experimentelle, französisch-italienische Synth Punk- / Acid- / Minimal-Formation Holiday Inn war schon eine ganze Weile aktiv bevor sie ihr Debüt eingespielt hat. Gabor (Aktion, Metro Crowd) ist bei diesem Duo für den Gesang zuständig, der Franzose Bob Junior (Trans Upper Egypt, Bobsleigh Baby, Hiss) bedient Synthesizer und Drumcomputer – zusammen haben sie in der Underground-Szene von Rom mit ihren Auftritten regelmäßig für Furore gesorgt. Wenn die Scheibe läuft, wird ziemlich schnell klar, dass die Band die In-Your-Face-Attitüde des Sängers und die Vintage-Noise-Attacken des Elektronikspezialisten wunderbar auf Band bannen konnten. Immer wieder sind herrliche Martin Rev-Vibes durchzuhören. Das Ergebnis ist ein entfernter Verwandter des Goth-Industrial-Techno-Crossover-Sounds, der in den europäischen Metropolen gerade so populär ist, trägt aber genug Eigenständigkeit in sich, um als Subsystem durchzugehen. //RRRhund\

+++++

Experimental Hip Hop/Noise: Hui, clipping. sind gerade durch meine Gehörgänge gerauscht wie ein japanischer Shinkansen. Lichtgeschwindigkeitsflow und Noise. Falls ihr gedacht habt, in dem Genre wäre gerade wieder wenig zu holen: think twice. Hier gibt’s mit einer Radikalität auf die Nase, die ich nicht zu erträumen gewagt hatte. Alles auf rot. //RRRhund\

+++++

Post Punk/New Wave/Glam/60s influences: Auch die hatte ich irgendwie verpasst. Bereits ein dreiviertel Jahr hat „Multitask“, das zweite Album von Omni, auf dem Buckel, auf dem ineinander verwobene, cleane Gitarren dominieren. Stilistisch mischen sich hier 60ties-Einflüsse, poppige New Wave-Sachen aus den frühen Achtzigern mit einem Ticken Post-Roxy Music-Glam und No Wave-Minimalismus. Hinter der Band stecken Frankie Broyles (Deerhunter), der die Gitarre spielt, und Philip Frobos (Carnivores), der hinterm Mikro steht und auch den Bass bedient. FFO Scritti Politti, XTC, Devo, Television, Women //RRRhund\

+++++

Indie Rock/Noise Pop: „Hello, it’s me again.“ Hella Comet sind mit einem luftigen, cool groovendem Stück Noise Pop zurück – die aktuelle Single „Turf“ erscheint im Rahmen des Noise Appeal 15th Anniversary Singles Club als Split mit zwei neuen Songs von Flowers in Concrete. Wer das Vinyl will, sollte sich sputen – es gibt genau 45 Stück. //RRRhund\

+++++

Positive Punk/Post Punk: Die Idles haben durch ihren starken Erstling und viele, viele sympathische Auftritte hierzulande massiv an Popularität gewonnen und befinden sich bereits im Hechtsprung zum zweiten Album. Hier die aktuelle Single „Danny Nedelko“ mit der Kernaussage „My blood brother is an Immigrant“ („Joy As An Act Of Resistance“, 31.8.). //RRRhund\

+++++

Wax Chattels, LP, 2018Post Punk/Garage Rock/Noise Rock/Math Rock/Psych/Kraut: Gidday (wie man da unten sagt). Die Wax Chattels haben seit ein paar Wochen ihren Debüt-Longplayer auf Flying Nun Records / Captured Tracks draußen. Die Scheibe geht ab wie Schmidts Katze – und das komplett ohne Gitarren. Das erledigen schon Peter Ruddells kratzige, verzerrte Keyboard-Sounds, Amanda Chengs energetisches, mal erdiges, mal brutales Bassspiel und die unglaublich lebendige, kompetente Schlagzeugarbeit von Tom Leggett – ein Megadrummer. Was die stilistische Einordnung angeht, ist das Power Trio aus Auckland schwer festzunageln. Ja, auch hier haben wir es mit einer Art von Post Punk zu tun, aber die Platte hat viele, viele Überraschungen zu bieten, sie ist voller abwechslungreicher, spannender Arrangements: von klassischen Garagenpunk-Strukturen, die organisch bis ins Ekstatische gesteigert werden, über krautige Strukturexperimente bis hin zu sphärisch-psychedelischen Sounds ist hier einiges geboten. Auch Math Rock-Elemente sind wahrnehmbar und an einigen Stellen erinnern die drei sogar etwas an die Freeform-Noise-Experimente von Lightning Bolt. Die Zutaten sind also wohlbekannt, dennoch klingt keine Band wie die Wax Chattels, die sich eine starke Soundidentität geschaffen haben – es ist zu jedem Zeitpunkt klar, wessen Platte gerade läuft. Diese Kiwis haben in einer wilden, aufregenden Musiklandschaft ihre Possum-Fahne gehisst und sind bereit, eure wehrlosen Gehörgänge zu entern. Ein Anwärter für die Jahresendliste. Verdammt gut. //RRRhund\

+++++

Post Punk/No Wave: Das zweite Album der Lithics ist eine genauso groovig-tanzbare wie schräg-reduzierte Geschichte. Das sympathische Quartett aus Portland präsentiert sich mit atonalen, ineinander verschränkten Single Note-No Wave-Gitarren, straighten New Wave-Grooves und vor allem mit deutlich verbesserten Songwriting, das mit giftig-sarkastischen, absurden Texten daherkommt. Ein Volltreffer für Fans von Captain Beefheart, Contortions, The Fall, Red Crayola, B-52s. Hier das Video zu „Specs“ („Mating Surfaces“ ist bei Kill Rock Stars erschienen). //RRRhund\

+++++

Experimental/Sound Sculpture/Post Industrial: Bernd Kastner und Siegfried Michail Syniuga arbeiten seit knapp vierzig Jahren unter dem Künstlernamen Strafe für Rebellion – kurz Strafe F. R. – an ihrer Vision von radikaler, avantgardistischer Konzept-Musik. Dabei setzen die beiden mit ungewöhnlicher Mikrophonierung erstellte, prozessierte Field Recordings und Gesangsspuren sowie manipulierte und selbstgebaute Instrumente ein. Das Schöne ist: Trotz einer längeren Schaffenspause scheinen die beiden nichts an Frische und Radikalität eingebüßt zu haben – das legt zumindest der grandiose neue Longplayer „The Bird Was Stolen“ (bei Touch erschienen) nahe. Hier „Anophelis“. //RRRhund\

+++++

Electronic/Synth Pop: Wenn sich im Plural des Bandnamens die Vielfältigkeit aber auch die Zerissenheit der eigenen Persönlichkeit widerspiegelt. Das äußerst talentierte, französische Ein-Mann-Projekt We Are The Line hat heute seine zweite EP auf dem eigenen Label veröffentlicht („Songs of Light & Darkness“, La Ligne). Erstaunlich dichte, hochklassige Songs aus dem dunklen Synth Pop-Universum, die in einer noch erstaunlicheren, wahrhaft fetten Home-Produktion entstanden sind. Arrangements, Sounds, Atmosphäre, Stimme – hier passt alles zusammen. Highlight ist die Leadsingle „Darkness above“ mit ihren kinetischen Sequencersounds und ihrem vorwärts bobberndem Groove. Ganz schön gut, vor allem wenn man bedenkt, dass fast alles im DIY-Modus auf die Beine gestellt wurde. Zu kaufen gibt’s die EP auch auf bandcamp. Hier noch das sehr stimmige Video zu „A cold place“ von der ersten EP „Through the Crack“. FFO Depeche Mode, VNV Nation, NiN. //RRRhund\

+++++

Post Punk/Shoegaze: Da berichte ich jahrelang im Vorfeld über fast jede Veröffentlichung von Felte, und ausgerechnet die rutscht mir durch. „Goodbye“ ist das Debüt von Numb.er aus Los Angeles. Die Werkzeuge der Band des Künstlers und Fotografen Jeff Fribourg sind wohlbekannt, Analog Synths und Gitarrenflächen überlagern den Herzschlag der straighten Rhythmusgruppe, darüber liegt der Sprechgesang von Fribourg und Bassistin Laena Geronimo. Stilistisch lässt sich die Band allerdings nicht so leicht festnageln: Die Scheibe ist abwechslungsreich – Elemente aus Shoegaze, Post Punk und Dark Wave tauchen in immer wieder neuen Kombinationen auf. Am meisten beeindrucken aber das gute Songwriting und die klaren, an architektonische Strukturen erinnernden Arrangements. Einfach eine gute Platte („Goodbye“ ist vor ein paar Tagen bei Felte erschienen). //RRRhund\

+++++

Pigeon, LP, 2018Punk Wave/Noisy Post Punk/Noise Rock: „Hat Megatonnen Gift in sich“ ist eine Compilation aus Berlin, die den Underground der Hauptstadt in den 90ern dokumentiert. Pigeon waren zu dieser Zeit noch lange nicht aktiv und hätten vermutlich auch die Mehrzahl der vertretenen Bands in Grund und Boden gespielt, aber dennoch klingelt etwas in Bezug auf die Band, wenn ich an den Titel denke. Pigeon sind einfach nicht diese 08/15-Post Punk Kapelle wie man sie heute vielerorts zu hören bekommt. Der dunkle existenzialistische Vibe, die glühende, brennende Noise-Gitarre (immer hart an der Grenze zum Feedback und manchmal auch darüber hinaus), der verzerrte Bass und jede Menge Schub verdichten sich zu einem giftigen, krachigen Wave-Punk-Stil, der hierzulande Mitte der 80er mal ein paar Jahre zu hören war (vor allem aus Hamburg und Berlin), seitdem aber nur noch selten anzutreffen ist. Ab und an sind auch mal ein paar eher atmosphärische Elemente zu hören, die an die amerikanische Noise Rock-Szene erinnern (man denke an Live Skull). Aber die meiste Zeit ist das Trio aus Berlin der beste Sturm und Drang, der einem 2018 über den Weg laufen kann. Ein brillantes Debütalbum. //RRRhund\

+++++

Garage Punk/Punk’n’Roll: Letzter Teil der kleinen Nachbereitung mit Tipps vom diesjährigen Great Escape Festival. Die Australier Amyl And the Sniffers haben sich mit ihrem rock’n’rolligen Garagen Punk als wahrhafte Live-Monster erwiesen und den Saal in Brighton zum kochen gebracht. So schnell wird man Support auf der aktuellen King Gizzard-Tour. Hier das aktuelle Video zu „Cup Of Destiny“. //RRRhund\

+++++

Alternative/Bipolar Glam Goth: The Love Coffin heißt diese songorientierte Formation aus Kopenhagen um Jonatan K. Magnussen, die gutes, hochemotionales Material und dynamische, organische Arrangements ohne Angst vorm Pathos im Gepäck hat. Nach einer großartigen, energiegeladenen Debüt-EP im Jahr 2016 („Buffalo Thunder“) folgte letztes Jahr mit der 7″ „Take Good Care of Me“ ein würdiger Nachfolger. Dieses Jahr folgt nun der erste Longplayer, hier die Leadsingle „Pure“ („Cloudlands“, 28.8., Bad Afro Records/Third Coming Records). //RRRhund\

+++++
+++++
+++++

Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ

Kommentare geschlossen