+Kurz rausgehackt: Juni 2019

Avantgarde: Der Multiinstrumentalist und Avantgarde-Magier Charles Hayward (This Heat, Camberwell Now, This is Not This Heat – außerdem Teil unzähliger Kollaborationen) hatte letzte Woche gleich zwei neue Veröffentlichungen am Start – eine Kollaboration mit dem japanischen Kult-Experimentalisten Keiji Haino (bei 33-33 Records erschienen) sowie „Begin Anywhere“, ein neues Soloalbum für Piano und Stimme (Vinyl bei God Unknown / CD bei Klanggalerie). Für jedes der Stücke auf dem Soloalbum haben befreundete Künstler auch Videos entwickelt. Beim faszinierenden, zweiminütigen „Unknown unknowns“, das die bekannte Stimme des Meisters in den Fokus stellt und sich mit der Illusion des Wissens auseinandersetzt, hat Fae Harmer für die visuelle Umsetzung gesorgt. Eine Miniatur als Gesamtkunstwerk. Das Video zu „Safe as houses“ stammt dagegen von Mark Titchner. //RRRhund\

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Electronic/Experimental/Ambient/Post Industrial: Hatte ich irgendwie verpasst. Der niederländische Produzent Stefan Chin-Kon-Sung, besser bekannt unter dem Namen Parrish Smith, hat 2017 ein spannendes, musikarchäologisches Projekt zur niederländischen Kolonialgeschichte abgeschlossen. „Genesis Black“ ist als Kollaboration mit der RE:VIVE-Initiative des Niederländischen Instituts für Ton und Bild, dem Forschungszentrum für materielle Kultur und dem Amsterdamer Tropenmuseum entstanden und enthält prozessierte Fundstücke aus dem enthologischen Musikarchiv des Tropenmuseums, die sich zusammen mit Texten des surinamesischen Widerstandsautoren Anton de Kom zu einer historisch-politischen Reflexion über die niederländische Kolonialgeschichte von Sklaverei und Repression in Surinam fügen. Musikalisch ist so eine dichte, dunkle Form von elektronischer Körpermusik entstanden, die auf die Seele und nicht auf die Tanzbeine zielt und parallel auch eine Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte bedeutet. Mathis Neuhaus hat für das zweikommasieben Magazin #16 ein spannendes Interview mit Parrish Smith über dieses Projekt geführt. Bei The Ransom Note ist ein Walkthrough erschienen, der die Hintergründe jedes einzelnen Tracks erklärt. //RRRhund\

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Drone/Noise: Dieses Projekt ist mir irgendwie durchgerutscht. Hinter dem Projektnamen W/V versteckt sich die Kollaboration der in Norwegen lebenden Bassisten-Urgewalt James Welburn (Bass, Objekte, Effekte) mit der südafrikanischen Sängerin Juliana Venter (Stimmen, Objekte). Das selbstbetitelte Album enthält zwei lange Stücke, die jeweils eine Plattenseite füllen (bereits Ende 2018 bei SIlken Tofu erschienen) und im experimentellen Drone- und Noise-Feld zuhause sind. //RRRhund\

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Post Punk/Wave/Dream Punk: Großartiges Debüt. Schanell sind ein recht neues Frauen-Duo aus Dresden, das gerade die Release Party zur selbstbetitelten Debüt-EP (ein Co-Release von Flennen und dem Leipziger Label Tortellini Records) gefeiert hat. Zu hören gibt es fünf Tracks mit einer Mischung aus Post Punk- und Wave-Anteilen, wobei Lisa (Drums) und Deborah (Gesang und Gitarre) das Kunststück gelingt, gleichzeitig wuchtig, groß und verträumt zu klingen. Ein Sound, der an den ganz frühen Vibe des 4AD-Labels erinnert, gleichzeitig kraftvoll und sinnlich ist. Volltreffer. //RRRhund\

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Dark Wave: Vor längerer Zeit hatte ich bereits einmal Lapis Exilis, das gnostische Dark Wave-Projekt aus Los Angeles vorgestellt. Jetzt ist mit „Nihil“ das zweite Album der kalifornischen Band erschienen, das komplett unter Livebedingungen im Studio eingespielt wurde und exklusiv via bandcamp erhältlich ist – stilistisch erwartet euch Dark Wave-Genre-Klassik mit fantastischer Atmosphäre. //RRRhund\

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Dark Synth: Der wahnsinnig begabte Jason Sloan aus Baltimore ist mit seinem dunklen Synth-Projekt L’Avenir zurück. Mit „Requiem“ ist gerade der vierte Longplayer des US-amerikanischen Produzenten beim spanischen Label Cold Beats Records erschienen und zeigt erneut dessen irre geschmackssicheres Gespür für Sound und Atmosphäre – und das ist bei diesem musikalischen Stil die halbe Miete. Dichte, dunkle, spaceige Klangflächen werden von einer Vielzahl fein austarierter Sequenzerlinien angetrieben, darin schön eingebettet taucht immer wieder Sloans angenehme Stimme auf – ein Sound, um tief einzutauchen, um darin zu versinken. Parallel zum neuen Studiorelease ist auch eine Liveplatte erschienen (schlicht „Live“ benannt), die beweist, dass das Konzept auch auf der Bühne sehr gut trägt. Die Scheiben von L’Avenir kaufe ich wegen der eingebauten Qualitätsgarantie mittlerweile blind. Symptom: akuter Kaufreflex. //RRRhund\

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Electro/Exotica: Die zwei Jungs von Red Axes sind durch die gewonnene Popularität mittlerweile bei Shows in der ganzen Welt unterwegs und nutzen diese Möglichkeit für recht ungewöhnliche Kollaborationen. Bei Terminen In Vietnam haben Dori Sadovnik und Niv Arzi die Gelegenheit genutzt, um mit Co Doi Thuong Ngan (Vocals) und der Viet Rice Band ein paar Tracks einzuspielen. Dieser polyrhythmische Exotica-Sommerhit ist „Hanoi“ gewidmet und kombiniert erfolgreich die Einfachheit des Seins mit spaceig-psychedelischen Sounds aus dem Club-Nachtleben – very charming. //RRRhund\

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Electro/Kraut/Electronic Post Punk: Der französische Produzent Cosmo Vitelli (bürgerlich: Benjamin Boguet) hat einen früheren Teil seines Lebens zwischen Westafrika und Frankreich verbracht. Mittlerweile lebt der Musiker, der früher die Axt in Indie Bands geschwungen hat, anstatt an den Knöpfchen von Sampler und 4-Spur-Maschine zu drehen, aber in Berlin und ist gerade beim Tel Aviver Label Malka Tutti gelandet. Bei den Israelis liefert Boguet unter dem Titel „Holiday in Panikstraße“ gerade zwei 12″es ab, die geschmackvoll zwischen erwachsenem psychedelischen Electro, Kraut- und Post Punk-Elementen oszillieren. Dass Sebastian Lee Philipp von Die Wilde Jagd bei zwei Tracks als Gastmusiker mitwirkt, hat das Blatt nicht unbedingt zum Schlechteren gewendet. Klasse. //RRRhund\

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Post Punk/Punk/Cold Wave: „Ruiny budów (Ruinen des Aufbaus)“ heißt das neue Tape der polnischen Band Ukryte Zalety Systemu (kurz: UZS). Eine Veröffentlichung, die die KEXP-Session von 2015 sowie eine Liveshow im Rozbrat in Posen enthält und die außergewöhnlichen LIveenergien der Polen dokumentiert. //RRRhund\

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Russian Post Punk/Dark Alternative: Wenn die zufällig gefundene Waffe auf einem Friedhof aus einem unbeschwerten Tag mit dem besten Kumpel am Ende ein Drama werden lässt: „Время (Zeit)“ von Лето в городе (Sommer in der Stadt), einem weiteren Motorama-Ableger von Vladislav Parshin im südrussischen Rostov-am-Don. Das Stück wurde bereits 2014 aufgenommen; mittlerweile hat das Projekt die New Wave-Einflüsse zugunsten von mehr atmosphärischer, minimalistischer Elektronik aufgegeben. //RRRhund\

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Electronic/Experimental/Post Industrial: Sie haben es noch ein drittes und letztes Mal getan. Die Industrial-Legenden Chris Carter, Cosey Fanni Tutti (Throbbing Gristle) und Nik Void (von Factory Floor) haben unter dem Namen Carter Tutti Void ein neues Album in Carters und Tuttis Studio47 in Norfolk aufgenommen. Das dritte Album nach „Transverse“ (2012 bei Mute erschienen) und „f(x)“ (2015 bei Industrial Records veröffentlicht) erscheint im August („Triumvirate“, 30.8., Conspiracy International). Hier die Hörprobe „t3.5“, die das Trio gewohnt genial im Feld zwischen elektronischem Experiment und tanzbarem Post-Industrial-Magnetismus zeigt. //RRRhund\

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Experimental/Albient/Piano/Drone: Die Pianistin und Experimentalmusikerin Sarah Davachi hat sich in den letzten durch die experimentelle Nutzung von klassischen wie modernen Instrumenten eine Kult-Anhängerschaft erworben. Auf ihrem neuesten Album „Pale bloom“ kehrt sie überwiegend zu wunderschönen Klavierstudien zurück, bringt aber auch ihre eigene Stimme gespenstisch zum Einsatz – so gespenstisch, dass man fast von Scott Walkers unehelicher Tochter reden mag. //RRRhund\

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Synth Hardcore/Dungeon Techno: Iron Lung mal wieder mit einer sehr eigenartigen, spannenden Veröffentlichung. An einer adrenalingetränkten Schnittstelle zwischen Synth Punk, Industrial, Elektronik und Hardcore; am Fuß einer selbstgeschaffenen Soundlawine, an der Stelle, wo sich der Geist vom Körper trennen möchte, hat sich Cyberplasm angesiedelt. Auf „The Psychic Hologram“ werden brachial polternde Drum Computer-Tracks, infernalische Hardcore-Maelstrom-Gitarren und wütend zischender Gesang ab und an von finsteren, atmosphärischen Dungeon-Techno-Passagen unterbrochen. Pure underground. Heftig, schizo und spannend. //RRRhund\

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Industrial/Power Electronics: Underground-Sounds aus Chicago – Heather Gabel und Seth Sher von Hide sind nach dem Debüt und einer weiteren Single auf Subpop mit einem zweiten Album bei DAiS Records gelandet („Hell is Here“, 24.8.). Ihrem Themenkomplex sind die beiden treu geblieben. Der Album Opener „Chainsaw“ ist eine derbe Power Electronics-Reflektion über die widerlichen verbalen Anmachen, die Frauen von Männern erdulden müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Nicht selten der Beginn von Schlimmerem. //RRRhund\

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Alternative/Electronic Indie: Der Kopenhagener Produzent Anders Trentemøller hat heute mit „In the garden“ das Video zur zweiten Single von der neuen Platte „Obverse“ online gestellt (erscheint am 27.9. bei hfn music). Ein Werk, das zu Beginn als rein instrumentelles Studioalbum geplant war, um – unbelastet von allen Notwendigkeiten der Liveumsetzung – die Möglichkeiten, die ein Studio bietet, voll auszuschöpfen; im Ergebnis hat das zu einem Spirit, zu einer Denk- und Arbeitsweise geführt, die an die kosmische deutsche Kraut-Szene der 70er Jahre erinnert. Die fertig aufgenommenen Instrumentalstücke wurden dann aber schließlich doch noch an verschiedene Sängerinnen geschickt, und so dürfen wir uns auf dem Album auf Beiträge der langjährigen Trentemøller-Sängerin Lisbet Fritze, auf Gesangsspuren von Rachel Goswell (Slowdive) und jennylee (Warpaint) freuen. Die neue Single „In the garden“ ist wiederum bei der U.S.-Songwriterin Lina Tullgren gelandet, der eine sehr atmosphärische Symbiose zwischen der vorgegebener Instrumentierung und den Vocal Overdubs gelungen ist … einfach schön. //RRRhund\

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Post Punk/Power Pop/Indie Rock: Ich wunder mich ja immer wieder, wie wenige Bands aus dem Post Punk-Revival bisher bei XTC angedockt haben. Bei dieser coolen neuen Band aus den Niederlanden gibt’s (neben den gerade handelsüblichen Wire-Referenzen) )wenigstens Spuren bei der Gitarrenarbeit. Real Farmer haben Mitglieder von Korfbal und Yuko Yuko dabei und fönen ihren Post Punk mit Energie und Finesse aus den Boxen. Irgendwo zwischen Protomartyr und Omni, irgendwo zwischen Power Pop, Sixties-Harmonien und nördlicher Post Punk-Schnauze: die sehr tolle Debüt-EP (natürlich bei Subroutine Records draußen). Und kaum ist die 7″ draußen, hat die Band auch schon einen Besetzungswechsel zu vermelden: Schlagzeugerin Anna ist ausgestiegen und wird ab sofort durch Leon Harms ersetzt, der auch bei Korfbal und Canshaker Pi hinter der Schießbude sitzt. //RRRhund\

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Indie Rock/Post HC/Math Rock: Morgen erscheint mit „Schlagenheim“ der Debüt-Longplayer der seit Monaten hoch gehandelten Indie Rock-Formation Black Midi bei Rough Trade. Heute ist mit „Ducter“ noch eine letzte Single von der Veröffentlichung erschienen, die – wie vom Londoner Quartett gewohnt – im spielerischen Exzess zwischen Math Rock, Post Hardcore und Indie Rock schwingt und sich dabei einer wahnwitzigen Mixtur aus Organisation und Dekonstruktion bedient. Das Video haben die Anthrox Studio generiert und sich dabei an aktuellen digitalen Spiellandschaften orientiert. //RRRhund\

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Indie Rock: Die australischen Indie Rocker Tropical Fuck Storm touren auch In Europa fleißig, seit das Debütalbum („A Laughing Death In Meatspace“, 2018) so eingeschlagen hat. Ich hab’s bis jetzt aber leider noch nicht geschafft, die Damen und Herren zu Gesicht zu bekommen. Dafür gibt’s jetzt eine neue Vorabsingle zum für August angekündigten Zweitling („Braindrops“, 23.8., Flightless Records). Erst wegschwimmend psychedelisch, dann energisch und kratzbürstig rockend (Bürstenhärte: sehr hart): „Paradise“. //RRRhund\

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Heavy Psych/Garage Rock: „I Can Live With It If You Can, Son“ (6.9.) – die Repo Man sind zur Stolen Body-Familie gewechselt und mit einem neuen Album zurück. Auch stilistisch scheint sich einiges verschoben zu haben: War „Minesweeping“ (haben wir 2015 vorgestellt), das letzte Album des Quartetts aus Bristol, noch von atonalen, no wave-artigen Post Punk-Nummern geprägt, die manchmal Richtung Noise Rock wanderten, dominieren jetzt Psychedelic- und Garagenelemente. Die brilliante erste Hörprobe „May I interject“ pendelt diese Charakteristika musikalisch hochwertig, mit spielerischer Leichtigkeit aus und hat als Bonus noch einen genialen Alex Harvey-Vibe (der Sprechgesang!). On my radar. //RRRhund\

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Atonal Australian Low-Fi Post Punk: Neues Frauen-Trio aus der Underground-Szene von Sydney. Worm Cafe bedienen sich einfachster Mittel, um das Gleichgewicht in euren Gehörgängen durcheinander zu bringen. Über der schleppend-rumpeligen, unterproduziert-depressiven Post Punk-Rhythmusgruppe liegt eine Single-Note-Gitarre, die grundsätzlich im atonalen Verhältnis gegen die Grundharmonien der Bassistin arbeitet. Amaya Lang (auch bei Mope City), Kate Lowrie und Julia Wylie verbreiten so jede Menge Unbehagen, vertreiben euch aus der musikalischen Komfortzone (s/t EP, 14.6., Tenth Court). //RRRhund\

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Post Punk/Indie Rock: Huch, die hatte ich ehrlich gesagt gar nicht mehr auf dem Zettel. Als 2014 der Debüt-Longplayer von AHRM aus Malmö erschien, zählte die Band für mich zur Speerspitze der skandinavischen Post Punk-Szene. Die folgenden Veröffentlichungen konnten das Level auch aufgrund wenig gelungener stilistischer Exerimente nicht immer halten, was dafür sorgte, dass die Band bei mir wieder aus dem Fokus glitt. Vor wenigen Tagen ist nach drei Jahren kompletter Funkstille mit „The Perils of Summer“ eine neue EP erschienen, die das schwedische Trio wieder in besserer Form zeigt. Der Opener „White knuckles“ ist eine veritable Post Punk-Hymne, bei den anderen vier Tracks sind auch mal Noise Rock-Einflüsse à la Sonic Youth oder spaceige Vocoder-Experimente zu hören. Mal schauen als wie verkaufsförderlich sich pinker Text auf pinkem Hintergrund erweist. Mich tricksen die aber nicht aus … welcome back! //RRRhund\

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Experimental/Electronic/Leftfield/Post-apocalyptic Balearic/Psychedelic Underground: Fantastisches zweites Album von Radiante Pourpre für das Pariser Experimentallabel Antinote. Auf „II“ geben sich Alex und Leopold vom französischen Simple Music Experience-Kollektiv dichten, assoziativen Soundcollagen hin, die in bester Tradition des Psychedelic Underground stehen. Das akkustische Szenario suggeriert eine eigentümliche, exotische, post-apokalyptische Welt, in der nur noch Stacheldrähte, ramponierte Radiosender sowie verlassene Ölplattformen existieren, die als Rückzugsorte der wenigen Überlebenden dienen. Ein Mix aus prozessierten Field Recordings, Lo Fi-Electronica und entrückten Stimmen bestimmt das magnetische Klangbild, das den Zuhörer tief in die künstliche Welt des Duos zieht. Ein musikalischer Planet für sich. FFO Residents, :zoviet*france: //RRRhund\

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Electro Pop: Vor ein paar Wochen hatte ich schon mal das Chicagoer Electro-Duo Grün Wasser vorgestellt, das bei Holodeck gelandet ist. Beim texanischen Genrespezialisten erscheint im Oktober mit „Not OK With Things“ nun der Debüt-Longplayer von Keely Dowd (Vocals) und Essej Pollock (Elektronik). Das arty Video zur Leadsingle „Stranger’s mouth“ zeigt die Affinität des Duos zu Videokunst und Performance-Elementen und kommt mit expressionistischem Fritz Lang-Zitat. //RRRhund\

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70s Soul/Psych Pop: Das kanadische Badge Époque Ensemble um Maximilian „Twig“ Turnbull ist ein funky Meister-Sextett der organischen, abgehangenen 70er Jahre-Grooves. Genau an der Schnittstelle zwischen sexy sensorisch und reflexiv zerebral: das abgefahrene Vintage-Video zu „Undressed In Solitude“, das mit dem Gastgesang von James Bailey kommt, wenn man erstmal fast zwei Minuten in den Groove reingefallen ist. Ach ja: 5 Ocken in die Querflöten-Kasse, aber aus irgendeinem Grund verkrafte ich das an dieser Stelle (Altersmilde?); es gibt ja auch noch Congas, Bass, Schlagzeug, Gitarre und Clavinet … (s/t, bei Telephone Explosion erschienen). //RRRhund\

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Indie Rock: Ziemlich gute Single der sympathischen, neuseeländischen Indie Rock-Formation The Beths, die ich bisher übersehen hatte. „Little death“ stammt vom Album „Future Me Hates Me“, das bereits 2018 bei Carpark Records erschienen ist. Das charmante Video tut sein übriges. Und dann stellt sich auch noch raus, dass die Band am 20. August auf der Open Air-Bühne am EINRAUMHAUS C/O / Alter zu Gast sein wird. Very nice. //RRRhund\

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Punk Rock: Die Spermbirds – deutsche Punk Rock-Legenden erster Güte – sind acht Jahren nach dem letzten Wurf mit einem neuen Album zurück. „Go to Hell Then Turn Left“ erscheint im September bei Rookie Records (13.9.). Die erste Single ist der Titeltrack, der gewohnt kraftvoll voran geht. Eins, zwei, drei, vier … //RRRhund\

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Noise Punk: Und zwar aus Belgien. Das Erste, was einem bei Pink Room aus Ghent buchstäblich ins Gesicht springt, ist der enorm energische Gesang von Bassist Bart Cocquyt, der instrumental von einer lauuuten, schwer verzerrten, klassischen Power Trio-Einheit unterfüttert wird. Das Trio hat seit Anfang 2018 jede Menge Gigs beim westlichen Nachbarn gespielt und sich so mittlerweile einen mehr als soliden Life-Ruf erarbeitet. Und das hört man bei der ersten Veröffentlichung auch. Auf „Zum Kotzen“ (im März beim kleinen Antwerpener DIY-Label Belly Button Records erschienen), dem Debütalbum, präsentieren sich die flämischen Noise Maniacs stilistisch recht abwechslungsreich – von rhythmisch vercheckten Nummern mit primitivem Math Rock-Vibe über den Schweinerock-Galopp bis hin zu wuchtigen Stoner-Anleihen und bruitistischen Lärmpassagen ist so einiges geboten. Resümee: gar nicht zum Kotzen, sondern eher ziemlich beeindruckend – die würde ich mir vor allem live gerne anschauen, und das soll im Oktober möglich sein. //RRRhund\

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Darkgaze/Cold Wave: Von den drei Soloprojekten des Alexander Leonard Donat, Head Honcho von Blackjack Illuminist Records, ist Vlimmer schon länger das Bekannteste und auch das Aktivste. Im September hatte ich über eine neue Standalone-EP („Angststand“), im Dezember über eine Doppelveröffentlichung im Rahmen der 18-teiligen EP-Serie geschrieben („XI“ / „XII“,), die das konzeptionelle Projekt – Donat lässt sich vom Alltag mit seinen heranwachsenden Töchtern inspirieren, versucht sich in die Perspektive kindlicher Sorgen und Ängste zu begeben – definiert. Im gleichen Ductus, in der gleichen Veröffentlichungsdichte geht es auch 2019 weiter: Vier Tracks der „Gonisten EP“ (im April beim schwarzen New Yorker Underground-Label hexx 9 erschienen) haben eigentlich schon mehr als drei Jahre auf dem Buckel, hätten bereits 2016 erscheinen sollen. Doch auch mit einen neuen Song von 2018 vervollständigt, transportieren die fünf Tracks sehr kohärent den dystopischen, verträumt-zwischenweltlichen Vibe des „alten“ Vlimmer. Der EP-Opener „Zwieteil“ war ursprünglich mal für eine griechische Compilation zu Ehren von H.R. Giger geplant, wurde dann aber als zu gut befunden und zum Aufmacher dieser Veröffentlichung befördert. Der Text ist von der Storyline in David Finchers „Alien 3“ inspiriert, beschäftigt sich mit der Verzweiflung von Ripley, die die heranwachsende Alien-Königin in sich spürt. Seriously. Spooky. Einen deutlichen stilistischen Kontrast bildet die neueste Doppelveröffentlichkeit im Rahmen der 18-teiligen EP-Serie: „XIII / XIIII“ (Blackjack Illuminist Records, 21.6.) knüpft wohl an die dichotome Struktur, die stilistische Spreizung der letzten beiden EPs an: Während die erste Hörprobe „Gesellschaftsrücken“ (von „XIII“) den typisch alptraumhaften Schemen des Vlimmer-Sounds Dream Pop-Luft zufächelt, hymnischen-ätherischen Raum schenkt, knüpft „Stecknadenkopf“ eher an Arrangementgedanken auf der EP „XII“ an und versieht die Donat’sche Nachtmahr mit Spuren von Cold-Wave-Klassik. Hier noch „Vertiko“ und das Video zu „Kontakt“. Nur noch zehn Tage … //RRRhund\

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Cold Wave: Das kleine, französische DIY-Label Solange endormie Records aus Toulouse existiert erst seit Februar 2018, hat sich beliebten Stilrichtungen der schwarzen Szene (Cold Wave, Synth-Pop, Minimal, Shoegaze, Darkwave) verschrieben und heute gerade die dritte Veröffentlichung gefeiert. Nach der Debüt-EP der Cold Wave-/Shoegaze-Formation Candélabre und dem Debüt-Longlayer der begabten Post Punk-Youngster Lobby hat Label-Betreiber Renaud Batisse mit „Crawling“ gerade den Longplayer von Meager Benefits auf bandcamp gestellt. Das Cold Wave-Soloprojekt von Théo Parlier aus Lyon erinnert zwar an alte und moderne Klassiker des Genres (Cocteau Twins, The Cure, Bauhaus sowie den südrussischen Motorama-Ableger Утро) – es wirkt aber alles ein bisschen wie hinter einer Dunstglocke, als sei man nach 36 Jahren aus dem Koma aufgewacht und würde gerade zum ersten Mal wieder Musik hören. Die Aufnahmen hat Parlier komplett im Alleingang im grauen Winter 2018 in einer Einzimmerwohnung im romantischen, alten Teil von Lyon mit geschenkten und geliehenen Instrumenten zusammengeschraubt und sich dabei von der Atmosphäre der Außenwelt wie vom Flow des Aufnahmeprozesses leiten lassen: fast alle Songs wurden am Stück eingespielt, die Tracks übereinander geschichtet bis der Song fertig war. Das Ergebnis ist bemerkenswert atmosphärisch und fügt sich geschmeidig ins hochklassige, bisherige Label-Programm ein. Hier das Video zur Lead Single „No regrets“. Und hier das ganze Album auf bandcamp. //RRRhund\

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Post Punk/Cold Wave: Warsaw Pact, das Post Punk-Projekt aus L.A., das Ivan Delint mit geschmackssicherem Gespür für Atmosphäre vorantreibt, hatte ich Anfang 2018 aus Anlass der Debüt-Single „Day by day“ vorgestellt. Mittlerweile sind noch ein paar Singles dazu gekommen, die auf der Debüt-EP „Extended Play“ schön mit Intro-Tracks und Interludes gebunden werden. Das Projekt hat durch einige Compilation-Beiträge in der Zwischenzeit auch hierzulande an Bekanntheitsgrad in der Schwarzen Szene gewonnen und steuert jetzt mit der EP-Veröffentlichung auf den nächsten Meilenstein zu. //RRRhund\

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Russian Post Punk: Kleiner Nachtrag zum post-sowjetischen Post Punk-Feature von RRRsoundZ – die Radiosendung auf bermuda.funk – erwähnt hatte ich ja unter anderem das wichtige russische Szene-Label Sierpien Records (gleichzeitig auch Vertrieb und Mailorder), das von Артём Бурцев (Artem Burtsev) kuratiert wird und als Homebase vieler Bands der Sendung dient. Burtsev ist außerdem auch Sänger der Moskauer Goth- und Post Punk-Band Sierpien. Die aktuelle Single „Не Исправить (Can’t fix)“ verarbeitet den männlichen Midlife Crisis-Vibe (Kostprobe: „der Bauch hängt“ … „viel zu spät für den Club 27“) und sollte Fans von The Sound, Kino oder Molchat Doma gut reinlaufen (und letztere beide kennt ihr nach der Sendung jetzt ja auch). Im Herbst soll dann ein Longplayer erscheinen. //RRRhund\

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Experimental/Poetry: Der Experimentalmusiker und Produzent Rupert Clervaux hat mit „After Masterpieces“ (bei Whities erschienen) ein außergewöhnliches Solo-Debüt zwischen musikalischen Experimenten und moderner Großstadt-Lyrik vorgelegt. Der Künstler, der vor allem durch seine Kollaborationen mit Beatrice Dillon zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gelangt ist, präsentiert auf dem Doppelalbum seine eigene Lyrik, die mal von hypnotisierenden Ambientstrukturen und verhuschten Pianosequenzen, mal von Breakbeat-Grooves oder Free Jazz unterlegt ist, und trotz dieser stilistischen Spreizung in einem eigentümlichen, traumartigen Zustand verbleibt. Gastmusiker wie Eben Bull (Saxophon und Trompete) und Sänger Sian Ahern sorgen für buntere Klangfarben – das gilt aber vor allem für die Stimme der renommierten Experimentalmusikerin Anna Homler (AKA Breadwoman), die dem ersten und letzten Stück des Albums einen unnachahmlichen Stempel aufdrückt. //RRRhund\

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Experimental/Post Industrial/Electro Accoustic: „Walls, Corridors, Baffles“, so heißt das neue Werk von S S S S (Präsens Editionen, Vinyl / digital, 28.6.). Hinter dem Künstlernamen steckt Samuel Savenberg, der eine Zeitlang auch Teil der Electro Waver Die Selektion war (oder gar noch ist?) und hier nach einigen Veröffentlichungen auf Haunter Records, aufnahme+wiedergabe, LUX und Hallow Ground ein neues Album vorlegt. Die acht Tracks auf dem Werk verzichten überwiegend auf den symbolischen oder konzeptionellen Gehalt von Sound, setzen ganz auf nüchterne, manchmal gar brutale physische Präsenz – Vollkontakt-Elektronik. Über minimalistischen wie wuchtigen Percussion-Sounds wird ein ebenso sparsames wie präzises Elektroakkustik-Vokabular ausgebreitet, das den Hörer berührt, aber selten in fertig ausdefinierten Emotionen mündet. So entsteht ein konstantes Spannungsverhältnis im Klangraum, rituelle Musik neuen Typs. Hier der Titeltrack. //RRRhund\

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Dark Electro/Minimal Wave/Experimental/Post Industrial: Ob ihr’s glaubt oder nicht – der nordniederländische Elektronik-Underground zählt im Moment zu den spannendsten Genrefeldern überhaupt. Das liegt zum einen an Underground-Labels wie Enfant Terrible, zum anderen aber auch an ebenso stilsicheren wie unberechenbaren Produzenten wie Roberto Auser sowie einem bemerkenswerten Flow an neuen, hochklassigen Veröffentlichungen. Perfektes Beispiel: dieses Tape von Bardar. Der Produzent, der es vorzieht anonym zu bleiben, hat mit „The Golden Gate“ (bei Pinkman erschienen) eine dichte dunkle EP mit fünf Tracks veröffentlicht, die – „part anarchic poetry, part exotica“ – zwischen post-industriellen Minimal Wave-Fragmenten und finsteren, fremdartigen Soundscape-Experimenten oszillieren. Streckenweise meint man, dass die frühen Residents in einem Verlies angekettet wurden, um die Aliens aus der Menschenhülle zu locken. Terrific. //RRRhund\

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Experimental Electronix: Und wieder ein spannender Release auf dem australischen Underground-Label Urban Cowboy Records. Die „Demos“ von John m. Skelington & r. Lovejoy sind ein irrwitzig kreativer Ritt durch diverse experimentelle Elektronik-Spielarten, wirken streckenweise wie der Soundtrack zu einem Horrorfilm, der in einer unheimlichen, wie von von Geisterhand gesteuerten Spielzeuglandschaft spielt (den Film würde ich gerne sehen!). Die dominierenden Leitprinzipien Sampling, Wiederholung, Rhythmik werden absichtsvoll an der Schnittkante zwischen humanem Fehlerpotenzial und maschineller Perfektion in Klang gegossen – unfertige elektronische Sketches, die so Menschlichkeit bewahren. Wer hinter dem Pseudonym John m. Skelington steckt, scheint unklar zu sein. r. Lovejoy ist dagegen der neue Künstlername von Ryan Baxter (früher: Nuclear Family), der mit dieser Veröffentlichung bereits den dritten Release in den letzten eineinhalb Jahren raushaut. //RRRhund\

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Hard Psych/Noisegaze/Garage Rock/Post Stoner: Im März hatte ich euch „Displaced faces“, die fantastische Single der Psych-Garagen-Rocker Dense aus Leeds, vorgestellt. Jetzt gibt es ein geniales Video, das dem musikalischen Niveau des Songs in nichts nachsteht und von Sarah Oglesby konzipiert und umgesetzt wurde. Eine gute Gelegenheit den Song nochmal zu posten. //RRRhund\

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Indie/College Rock/Sludge Pop/Slop Rock: Charmeattacke galore von Haybaby – das Trio aus New York veröffentlicht heute via Tiny Engines seinen zweiten Longplayer „They Get There“. Die Sammlung grandios abgehangener Slacker-Indiehymnen lebt vom guten Songwriting sowie der einnehmenden Stimme von Leslie Hong. Die minimalistischen, bittersüßen Arrangements haben manchmal etwas von einer sehr amerikanischen Fassung des Notwist-Vibes, andere Songs klingen wie der College Rock-Update für 2019. Dürfte eine der Sommer-Pop-Scheiben des Jahres werden. //RRRhund\

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Indie Rock/Shoegaze/Dream Pop: Nette Single aus dem Berliner Späti Palace-Kontinuum. „Uncomfy“ ist die ziemlich schnuffige Vorabsingle zu ersten EP der Berliner Band I Drew Blank, die mit genau der richtigen Mischung aus Fuzz Rock-Kante und Shoegaze-Verträumtheit kommt. Mag ich, wird bei Gelegenheit im Radio Gassi geführt. //RRRhund\

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Punk Rock: Auf Französisch singen sie jetzt, die Muttersprache hat wohl nochmal Extraschub gegeben. Nur ein paar Monate nach dem schon ziemlich formidablen Longplayer-Debüt („Taking Trains“, 2018 bei Destructure / Donnez-Moi Du Feu erschienen) und einem Besetzungswechsel kommen Better Off Dead auf der „Sans Issues“-7″ für das Bremer DIY-Label Sabotage Records mit fantastisch mitreißendem, melodischen Vollgas-Punk Rock um die Ecke. Drive, Schub, Emotion und tolle Songs – damit ist zum Sound von Kroquette, Nico und Nanar eigentlich schon alles gesagt. Geht gut ab. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post HC: Die Beschreibung „Musik, die in Bikerkneipen gespielt werden will“ hat mich ja eher abgeschreckt; ist normalerweise kein gutes Zeichen, wenn so ein Satz im Info auftaucht. Beim selbstbetitelten Debüt-Longplayer der Death Cults (28.6., Arctic Rodeo Recordings) verhält sich das aber eher so, dass ich in die Bikerkneipe, in der diese Scheibe läuft, wohl auch gehen würde. Ja, es gibt bei diesem Projekt von Pilot To Gunner, I Hate Our Freedom und Primitive Weapons-Leuten auch einen mächtigen, dreckigen Biker Rock-Schub, aber der treibt meist ein Post HC-Gefährt à la At the Drive-In an und ist somit äußerst verträglich. Die Scheibe wurde von DC-Legende J. Robbins (Jawbox, Burning Airlines) in Baltimore produziert, das mag noch als zusätzliches Qualitätsmerkmal dienen. Vor allem aber sind die Songs ziemlich gut, klasse Scheibe. Hier die Vorab-Single „Resurrection“. //RRRhund\

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Alternative Rock/Weird Mix/Noise Rock: Der walisische Noise Rock-Barde Andrew Falkous (Sänger von Future of the Left und McClusky) veröffentlicht schneller Soloalben, als seine Bandmates sich am Rücken kratzen können. Das neueste Werk heißt „You Are the Ambulance“ und ist bereits die sechste Scheibe unter dem Namen Christian Fitness. Das Ergebnis ist wieder durchaus umwerfend – der Mann ist eine nie versiegende Kreativquelle. Diesmal hat Falkous seine Noise Rock-Roots mit einer eigenartigen Mischung aus Zirkusmusik, 70er Glam Rock und Post Punk à la Idles gepaart. Eine Bank. //RRRhund\

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Post Punk/Noise Punk: Die Noughts aus Melbourne gibt’s noch gar nicht so lange. Der erste selbstbetitelte Release des australischen Trios ist im Oktober ’18 erschienen – und das ist ja bekanntlicherweise erst ein halbes Jahr her. Vor Kurzem ist mit „Content“ bereits die zweite EP der Drei erschienen, die im Vergleich zum bereits ziemlich netten Debüt in Sachen Kompaktheit, Punch und Songwriting einen gewaltigen qualitativen Sprung macht: Der giftige Noise Punk der Australier hat noch ein paar drahtige Post Punk-Elemente mehr, nörgelnden Sprechgesang britischen Typs und jede Menge Frische verpasst bekommen und grinst einem jetzt aufdringlich wie sympathisch ins Gesicht. Da grinse ich glatt zurück. //RRRhund\

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Alternative Rock: Schon seit 2007 exisitiert die niederländische Formation De Staat, die auf dem diesjährigen Maifeld Derby auf der Fackelbühne zu sehen sein wird, um ihr sechstes Album „Bubble Gum“ vorzustellen. Hier das aktuelle Video zu „Kitty Kitty“, das mit dem typischen Vibe von Mastermind und Sänger Torre Florim kommt. Hier noch das Video zu „Witch doctor“, einem der älteren Hits. //RRRhund\

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Alternative Rock: Die DC-Legenden Jawbox haben Ende Mai in Baltimore vor begeistertem Publikum und bei großer medialer Aufmerksamkeit ihre erste Reunion-Show gespielt und sind jetzt in den USA auf Tour. Ich bete zu den Post Hardcore-Göttern, dass das Quartett aus Washington es seinen kalifornischen Kollegen mit „Jaw“ im Namen gleichtut, und demnächst mal einen Abstecher nach Europa macht. Passend zu diesen News hat Band-Mastermind und Hauptsongwriter J. Robbins gerade sein erstes Soloalbum namens „Un-becoming“ veröffentlicht, das als Appetitzügler herhalten muss, bis meine Wünsche Realität werden. Hier die Single „Soldier on“ (natürlich auf Discord erschienen). J. Robbins ist übrigens auch jüngst bei bandcamp daily aufgetaucht. //RRRhund\

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Neoklassik/Minimal Art: Eine wunderbare Arbeit zwischen Neoklassik und Minimal Art hat der englische Komponist und Produzent Thomas William Hill mit „Grains of Space“ abgeliefert (beim englischen Digitallabel Village Green Recordings erschienen). Hill hat das kompositorische Material auf dem Album ursprünglich aus der Life-Arbeit mit sich überlagerten Loops entwickelt und schließlich polyphon wie bunt mit gestrichenen Metallophonen, Gongs, tibetanischen Klangschalen, afrikanischen Kalimbas und Steel Tongue Drums, mit Drumcomputern und analogen Synthesizern instrumentiert. Bewegt und bewegend. //RRRhund\

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Experimental/Persian Folk/Electroacoustic Manipulation: Eine ungewöhnliche Veröffentlichung selbst für Diagonal-Verhältnisse – beim Londoner Underground Electro-Label ist Ende April ein Album von Sote (bürgerlich Ata Ebtekar) erschienen, das dem prominenten Elektronik-Avantgardisten aus der gerade hoch gehandelten iranischen Szene mehr Gehör in westlichen Ohren verschaffen sollte. Auf „Parallel Persia“ folgt Ebtekar seiner Überzeugung, dass Regeln und Formeln dazu da sind, um dekonstruiert und neu gedacht zu werden. In der musikalischen Welt von Sote werden so aus den Klängen der traditionellen Instrumente Santour und Tar lebendige, hyperreale synthetische Landschaften … für eine meta-persische Erfahrung. //RRRhund\

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+++BLAST FROM THE PAST: Crazy Shit aus der Tapeszene der frühen 90er von Tom Smith, der unter dem Künstlernamen To Live and Shave in L.A. abgedrehte, noisige, experimentelle Glam Punk-Kollagen mit seinem Gesang on Top versah, und so zu Ergebnissen kam, die heute noch radikal wirken (25.6., Hanson Records; die Hälfte der Tracks gibt’s ausschließlich in der Vinylfassung).

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