+Kurz rausgehackt: März 2019

Neoklassik/Ambient: Und noch so ein Schiff von Ambient-Release – ebenfalls im Februar ist bei n5MD das neueste Werk von Brock Van Wey alias bvdub erschienen, für das der Ambient-Produzent vom sommerlichen aber Problem-behafteten Kalifornien in den eisigen Winter von Warschau umgezogen ist. Dort hat er in selbstgewählter Isolation die Tracks zu „Explosions in Slow Motion“ komponiert und aufgenommen, deren schwermütiger Charakter von verschwommenen Erinnerungen an alte Freunde, Geliebte und Feinde geprägt ist. Ein schwer melancholischer Trauerprozess des Abschiednehmens, der im Verlauf des 80-minütigen Werks zum karthatischen, auflösenden Abschluss kommt. //RRRhund\

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Ambient/Neoklassik: Wenn Simon Scott nicht als Drummer der reformierten Slowdive auf der Bühne steht, schnappt der Komponist und Soundökologe sich gerne auch mal ein Aufnahmegerät und geht auf die Suche nach Umgebungsgeräuschen aller Art. Die prägnantesten Funde kombiniert er mit schwebenden Streicher-Arrangements zu wundervollen, modernen Stücken zwischen Neoklassik und Ambient. Im Februar ist mit „Soundings“ bei Touch Scotts neueste Sammlung erschienen. Empfehlenswert. //RRRhund\

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Ambient/Drone/Clicks & Cuts: Fennesz ist zurück. Fünf Jahre nach den letzten Veröffentlichungen „Mahler Remixed“ und „Bécs“ stellt der österreichische Elektronikproduzent, der in der Regel mit Samples selbst eingespielter Gitarrensounds arbeitet, sein neues Album vor. Auf „Agora“ (29.3., Touch) sind vier lange Stücke zu finden, die alle jenseits der 10-Minuten-Marke liegen. Der Aufnahmeprozess war durch den temporären Verlust des angestammten Studios geprägt, durch die Rückkehr in die eigenen Räumlichkeiten – klassisches Homerecording mit minimalistischem Equipment, Soundtüfteln im Schlafzimmer mit Kopfhörer. Der programmatische Album Opener „In my room“ ist durch organisch-warme, epische, Flächen geprägt und gibt das Klangbild für die gesamte Platte vor. Wie auf dem Cover dominiert das Element Wasser auch musikalisch – wellenartige schwellen Drone-Flächen an und ab, wechseln die Klangtexturen. Wie ein meditativer Spaziergang am Meer, bei dem Innen- und Außenwelt zusammengehen. Hier der Album Closer „We trigger the sun“, der nach entspanntem Beginn neue Klangufer erklimmt. //RRRhund\

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Experimental/Female Electronics/Post Industrial: In der Januar-Sendung von RRRsoundZ – die Radiosendung hatten wir die aktuelle, weibliche Elektronik-Avantgarde im Fokus. Im März ist gerade ein neues Highlight aufgetaucht, das wunderbar in diese Sendung gepasst hätte – „Purge“ ist das Debüt-Album der US-amerikanischen, in Berlin residierenden DJane und Produzentin Felicia Chen, die unter dem Künstlernamen Dis Fig agiert (Tape/digital; Mitte März beim kleinen New Yorker-Label PTP erschienen). Eine Veröffentlichung, die vom Kontrast der dynamischen, brutal inszensierten Elektronik zur gequälten Stimme Chens lebt und mit dieser Dramatik, die zuweilen an einen Horror-Soundtrack erinnert, zu einem fantastischen, spannenden Ergebnis kommt. Sehr stark. FFO Puce Mary, Lingua Ignota, Moor Mother //RRRhund\

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Esoteric Chinese Electronica/Psychedelic Underground: Willkommen in der eigenartigen, reichhaltig rhythmischen, esoterischen Klangwelt von Zaliva-D. Das Duo aus Peking tingelt seit Jahren durch die verschiedenen Regionen der Volksrepublik weil das mit dem Musik-Streamen und verbreiten vor Ort bekanntlich nicht ganz komplikationsfrei ist. Zaliva-D besteht aus dem Elektronikspezialsten Li Chao und Aisin-Gioro Yuanjin, der für die abgefahrene visuelle Komponente verantwortlich ist. Das niederländische Label Knekelhuis präsentiert mit „Forsaken“ das vierte Album der chinesischen Formation (zum ersten Mal auch auf Vinyl), das crazy Rhythmusarrangements und geisterhaft-entrückte Vocals bietet, voller fremdartiger asiatischer Klangtexturen steckt und doch eine gewisse Verwandtschaft zum esoterischen europäischen Undergrund in sich trägt. //RRRhund\

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Dark Alternative/Post Noise Rock/Minimal Math Rock: „Die Dinge müssen ausgesprochen werden, weil Schweigen Krebs bedeutet.“ Sagen VORDEMFALL, ein atmosphärisches Duo aus Berlin, das mit seinem Debüt „Gravity Problem“ (3.5., Slowing Records) ein stilistisches Statement abgibt, das hängen bleibt. Die Basis bilden mal minimalistische, mal tribalistische rhythmische Strukturen, die an Noise und Math Rock erinnern und doch die Genre-Klassik deutlich hinter sich lassen – allein schon, weil kaum Gitarre auf dem Album zu hören ist. Darüber liegen die hymnischen Beschwörungen von Songwriterin, Bassistin und Sängerin Monika Saint-Oktobre. Was die prägnante Bassarbeit angeht erinnert mich Saint-Oktobre an den frühen Les Claypool sowie an eine ganze Reihe Prog-Klassiker. Das Ergebnis klingt dadurch an manchen Stellen wie eine dunkel-entfunkte Variante von Primus; als ob die Mannen aus Kalifornien sich entschlossen hätten, eine Platte für 4AD einzuspielen und dabei mit der passenden Sängerin zusammen zu arbeiten. Hier das Butoh-inspirierte Video zu „Smile“, das die Funktion objektivierter Körper in unserem Wirtschaftssystem thematisiert. //RRRhund\

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Weird Post Punk: Das Wild Classical Music Ensemble ist für Belgien in etwa das, was Station 17 für Deutschland ist. Das betrifft aber nur das Konzept, aus (psychischen) (Aus)grenz(ungs)erfahrungen kreative Kraft für eine Band zu schöpfen. Die belgische Fassung speist sich bis auf den Violinenbauer und Profimusiker Damien Magnette allerdings ausschließlich aus Psychiatriepatienten und hat für die Umsetzung eine ziemlich abgedrehte musikalische Route gewählt. Auf dem dritten Album „Tout va bien se passer (Het komt allemaal ruel gold)“ (29.3., Born Bad Records) geben Wim Decoene, Sébastien Faidherbe, Johan Geenens, Damien Magnette, Linh Pham und Wout Wittevrongel auf zum Teil selbstgebauten Instrumenten (irre) experimentellen Post Punk zum Besten – schöpfen in großen Kellen, in voller Intensität aus dem Potenzial des Andersseins. Die Stücke oszillieren irgendwo zwischen gummiartigen Talking Heads und defekten Devo, zwischen Mondpunk und Roboterrock. Da fällt es dann auch gar nicht weiter auf, dass Fabrice von Frustration sich bei einer Nummer als Gastsänger das Mikro geschnappt hat. Da die neueste Platte als die zugänglichste gilt, darf man die Scheibe gerne als Zugangsportal zu einer fremdartigen Welt betrachten, die es zu erforschen gilt. Wild indeed … und großartig. //RRRhund\

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Synth Punk/EBM: Die belgischen Synth Punks von Le Prince Harry sind mit einem neuen Album zurück. „Be Your Own Enemy“ erscheint am Freitag (29.3.) beim Pariser Label Teenage Menopause Records und transportiert den passenden Sound zur postfaktischen Zeit. Hier die erste Hörprobe, der Album-Opener, in dem sich das Trio aus Lüttich recht sarkastisch daran erfreut, „Part of it“ zu sein, und zwar der Gesamt-Gemengelage. //RRRhund\

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Psych Rock/Garage: Das italienische Quartett The Gluts hat nach den Fuzz Club Sessions nun auch sein Debütvideo zu „E. The real punk rocker“ für das Londoner Kultlabel abgeliefert, und das hat es in sich. Der Kontakt mit einem psychoaktiven Frosch führt zu Wahrnehmungen ganz anderer Art und eine schräge Nacht bricht an. Lustig, weil alle Hauptfiguren im Video von den Bandmitgliedern selbst gespielt werden. Musikalisch wird Psych Rock der krachigeren Sorte mit Garagensound serviert – gut das. //RRRhund\

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Indie/Art Pop: Ein relativ frisches Trio aus der New Yorker Indie-Szene sind The Wants, die bei ihrer Debüt-Single „Ape trap“ im minimalistisch arrangierten, tanzbaren Art Pop-Ductus durch das gestylte Video posieren. Eine Schwalbe für einen Frühling (unter Mitwirkung eines Gitarristen von Bodega). //RRRhund\

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Death Rock/Post Punk: Deb, der Gitarrist von Drab Majesty, hat mit VR Sex noch ein zweites, heißes Eisen im Feuer. „Surrender“, die Lead Single zum Debütalbum des Trios aus LA, ist eine klasse Death Rock-Nummer, die musikalisch perfekt zwischen atmosphärischen und aggressiven Elementen jongliert, und sich inhaltlich mit den Fallen, mit den schwindenden sozialen Beziehungen in einer digitalisierten Gesellschaft auseinandersetzt („Human Traffic Jam“, Vinyl/CD/digital, in der Preorder-Phase bei DAiS Records). //RRRhund\

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Post Punk/Indie Rock: Letztens bei BBC 6 aufgeschnappt und für sehr gut befunden – Deliluh (spricht man aus wie die klassische Tom Jones-Nummer mit dem Frauennamen, aber das ist zum Glück auch schon die einzige Gemeinsamkeit) haben klassischen Indie Rock mit Post Punk-Punch für euch im Gepäck – mit dem typisch kanadischen Talent für Understatement, LoFi-Tonalität und die richtigen Vorbilder. Das Quintett aus der DIY-Szene von Toronto hatte 2017 sein Debütalbum „Day Catcher“ veröffentlicht, demnächst folgt mit „Oath Of Intent“ eine neue EP mit fünf Tracks (3.5. in Kanada bei Telephone Explosion, in England bei Tin Angel Records). Hier die Single „Freeloader feast“. //RRRhund\

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RRRiotgrrrl/Prog HC: Eine Art Manifest für das politische Potenzial von Klang – so beschreiben die Petrol Girls ihr aktuelle Single „The Sound“ und kündigen gleichzeitig ihr neues Album an („Cut & Stitch“, 24.5., Hassle Records), das von Patchwork-Arbeiten, vom Akt des Herausschneidens und neu Zusammenstellens inspiriert ist (wie das Cover der Scheibe auch gut illustriert). Was sich gut neu zusammensetzt, geht irgendwann aber auch ordentlich nach vorne. Am 12. Juni übrigens zusammen mit War on Women im Wiesbadener Schlachthof zu Gast. //RRRhund\

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Alternative/Drone Folk: Das New Yorker Kultlabel Sacred Bones Records hat vor einigen Monaten unter dem Namen Sacred Bones Alliance eine neue Serie kollaborativer Alben gestartet. „Droneflower“ heißt der Beitrag, den die Songwriterin Marissa Nadler und Stephen Brodsky (von Cave-In und Mutoid Man) zu dieser Serie leisten. Epischer Drone Folk, bei dem die Kräfte des Lichts und der Dunkelheit ständig miteinander im Clinch liegen, die ätherische Stimme von Nadler ständig im Konflikt mit Brodskys droenigen Gitarren ist und so für eine ungeheure Spannung sorgt („Droneflower“, 26.4., Sacred Bones Records). //RRRhund\

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Post Rock/Doom Jazz/Surf: Die Wiesbadener Radare bleiben auf „Der Endless Dream“ (verschiedene Vinylvarianten, 29.3., Golden Antenna Records), ihrem dritten Album, ihrer Entwicklungsgeschichte treu („die Bohren & the Club of Gore des Post Rock“), haben aber neue Klangfarben und Grauschattierungen in den Bandsound integriert. Langsame, unheimlich atmosphärische, mysteriöse Instrumentalstücke mit Morricone-Gitarren, geschickt eingesetzte Elektronikpassagen saugen einen in die magnetische Klangwelt der Wiesbadener ein. Ein Konzeptalbum über die Irrungen und Wirrungen jugendlicher Sehnsüchte. Kopfkino pur: „Eternal love“. //RRRhund\

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Post Punk/Post Industrial: Der Dark Places Kult hat bei bandcamp gerade eine hervorragende Single veröffentlicht („God / On The Edge Of Nothing“). Dreieinhalb Jahre nach Erscheinen der Debüt-EP „Enemy“ hat sich das enorm talentierte, schwedische Duo von den The Soft Moon-Einflüssen spürbar gelöst und serviert zwei hervorragende, manische Post Punk-Tracks. Während die Formation aus Göteborg sich bei „Gold“ nach einem atmosphärischen Intro mit Synthi-Loops und -flächen dynamisch in einem perkussiv wuchtigen, tribalistischen Rausch dreht, geht es bei „On The Edge Of Nothing“ gleich frontal nach vorne. Der Sound ist generell roh und angezerrt, der Gesang offensiv – kraftvoller, inspirierter Post Punk, der einengende Genregrenzen mit Leichtigkeit hinter sich lässt. Hier das Video zur A-Seite. //RRRhund\

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Post Punk/Paranoia Rock/No Wave/Post Industrial: „Insect Döner“, lautet einer der Songtitel, soso – aber ihr könnt euch damit schon vorstellen, wohin die Reise geht. Metro Crowd sind noch eine dieser sperrigen, giftgrünen Bands aus der Underground-Szene von Ost-Rom. Der Cartoonist Vic Sinex, Gabor von Holiday Inn, Ludovico T von Sect Mark und Toni Cutrone von Mai Mai Mai haben auf ihrem Zweitwerk „Planning:“ ihrem schrägen, Industrial-beeinflussten Post Punk-Sound durchgehend einen paranoiden Anstrich verpasst: die Gitarre mit Tschernobyl-Flanger (wie die Band selbst sagt), der Gesang schwer mit Effekten beladen in den Alien-Bereich entrückt – mehr als ein Element weist auf die grandiosen Endsiebziger- und Früh-Achtziger-Klassiker von Chrome hin. Inhaltlich geht die Reise woanders hin, direkt hinein in die U-Bahn-Tunnel der italienischen Hauptstadt, in den anonymen, morgendlichen Commuter-Verkehr mit seinen Entfremdungstendenzen, zu den neurotischen, sozial Geschädigten. Wer mit der Holiday Inn letztes Jahr gut konnte, wird auch hier Gefallen finden. Grobes, lohnendes Zeug (gerade bei Maple Death erschienen). //RRRhund\

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Post Punk: Institute sind mit dem dritten Album zurück („Readjusting the Locks“, 17.5., Sacred Bones Records). Auch dass zwei der Bandmitglieder mittlerweile von Austin nach New York gezogen sind, ändert nichts am Bandsound. Herrlich straighter Post Punk mit den besten Crisis-Genen: die erste Hörprobe „Dazzle paint“. //RRRhund\

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Noise Rock/Dark Noisegaze: Ihre extreme Abstraktionsphase haben die englischen Noise-Kraftpakete Spectres bei der neuen 12″ für das französische Label Cranes Records wohl hinter sich gelassen (25.3.). Bei der aktuellen Single „Choucoune asphyxiate repeat“ agiert das Quartett aus Bristol im Vergleich zum sehr verspulten Zweitwerk „Dead“ (2016 bei Sonic Cathedal erschienen) und den folgenden EPs wieder deutlich straighter. Der Sound landet dann irgendwo zwischen den extremen, dunklen Ausbrüchen des Debüts und atmosphärischen Art Rock-igen Arrangementideen. Heftiges musikalisches Poltern – eine meiner Lieblingsbands dieses Jahrzehnts steht wieder voll im Saft, und ein drittes Album soll demnächst folgen. //RRRhund\

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Industrial Punk/Sludge: Die franzöisch-belgische Band [p.u.t] hatte ich bisher auch nicht auf dem Schirm, dabei veröffentlicht das Trio der Beyet-Brüder im April bereits sein sechstes Album („We are (br)others“, 20.4., Cursed Monk Records). Zu hören gibt es halb-elektronischen, Sludge-igen Industrial Punk, der an den fiesen Underground der 90er erinnert und aktuell, im Sound des Hier und Jetzt herrlich anachronistisch, geradezu frisch wirkt. Minimalistische Drum Computer-Patterns dienen als Basis für massive Gitarren- und Bass-Berge, die dunkle Stimme von Lionel bellt mit Effekten in den Sound hinein. //RRRhund\

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Alternative/Post Disco/Pre Kraut: Hoppla! Die Genfer Hyperculte sind mit dem zweiten Album zurück. „Massif Occidental“ erscheint im April bei Les Disques Bongo Joe (26.4.) und wurde im Hamburger Studio produziert, in dem unter anderem auch Felix Kubin, To Rococo Rot und Faust zugange sind und mit einer Spur Electro Pop versehen. Ansonsten geht das Duo aber wieder seinem magischen Werk nach, mischt tanzbare Elemente mit der hypnotischen Formel von Kraut, Kontrabass-Loops und treibende Beats mit den charmanten Gesangskünsten von Simone (von Massicot) und Vincent (vom Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp). Hier die erste Hörprobe „Temps mort“, die auch wunderbar in mein Feature über moderne Kraut-Bands auf Bermuda.funk gepasst hätte. Toll. //RRRhund\

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Post Punk: Einer ganz archaischen Art von Post Punk sind die Oranges aus Dublin auf ihrem Debüt-Tape „Hey Zeus“ (5.4., Art for Blind) zugeneigt. Minimalismus, Grauschattierungen, Existenzialismus und Garagensound bestimmen das Bild. Einfach und gut. //RRRhund\

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Psych Punk/Garage Punk/Power Pop/Surf: Auch wenn die Sonne sich erst ein paar Tage so richtig vor die Tür getraut hat, haben wir hier das erste Brett für die warme Jahreszeit. „The Calming Room“, das neue Album von Blaha, ist ein sich schüttelndes Monstrum aus bösem Psych Punk, knallendem Garage Punk, mitreißendem Power Pop und leichten Surfanteilen. Die Band von Mike Blaha aus Minneapolis (ehemals Kopf von The Blind Shake mit Veröffentlichungen auf Castle Face Records) ist mittlerweile zum Quartett angewachsen, und darf den Arsch auch gerne mal über den großen Teich bewegen, um auf dem alten Kontinent ein paar Shows zu spielen (erscheint zum Record Store Day am 13.4. in England bei God Unknown Records). //RRRhund\

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Indie Rock/Art Punk: „In einer Welt, in der Dissidenten unter Hausarrest stehen, Kommunisten Rolex tragen, und Trump sich mit einem Kühlschrank voller Blutkonserven durch die Weltgeschichte bewegt, füllen wir die Rolle des Hofnarrs gerne aus.“ Die Australier Tropical Fuck Storm haben nach dem sensationell starken Debüt vom letzten Jahr bereits den Nachfolger angekündigt (kommt später im Jahr bei Joyful Noise Recordings). Die Leadsingle „The planet of straw men“ kommt diesmal bunt-tropisch, in schillernden Rockschattierungen, mit Art Punk-Vibe daher. //RRRhund\

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Ambient: Eine ganz ungewöhnliche Veröffentlichung ist gerade beim Washingtoner Label Infinite Fog Productions erschienen. Valery war ein russischer Einsiedler, der sich vor mehr als dreißig Jahren, nach mehr als 15 Jahren des Nomadentums alleine in Zamulta, einem abgelegenen Teil des asiatischen Altai-Gebiets (im Grenzdreieck zwischen Russland, Kirgisien und der Mongolei) niedergelassen und dort den Rest seiner Tage verbracht hat. Ein Ort, den man nur im Sommer oder Herbst mit einem Geländewagen erreichen kann. Von dieser Geschichte hätten wir nie erfahren, hätte der alte Bienenzüchter nicht eine Vorliebe für Ambient-Aufnahmen mit selbstgebauten Instrumenten entwickelt, um seinem kargen, harten Alltag in unerbittlicher Natur künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Zu hören gibt es neben den Instrumenten Alltagsgeräusche aus dem ländlichen, einsamen Haushalt, die ab und an vom verkratzten Organ des Russen durchbrochen werden, der selbstgeschriebene Lyrik oder Verse von chinesischen und japanischen Dichtern zum Besten gibt. Eigenartig magnetische, entspannende, ländliche Ambientmusik, hörbar Dokument und Audruck eines ungewöhnlichen Lebenswegs (Valera Hip: „Mountain of Fugitives“, DoCD oder digital). //RRRhund\

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Experimental/Instrumental/Noise Rock/Sludge: Das gewaltige Orchestra of Constant Distress hat eine neue Scheibe via Riot Season Records angekündigt. „Cognitive Dissonance“ erscheint im April beim britischen Underground-Label (19.4.) und führt den Pfad den fulminanten Erstlings kongruent weiter. Brachialer, experimenteller, instrumentaler Sludge-Sound, um euren Tag niederzuwalzen – die erste Hörprobe „Discomfort“. Die Scheibe ist übrigens schon in der Preorder-Phase. //RRRhund\

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Hard Psych/Noisegaze/Garage Rock/Post Stoner: Mal wieder alte Bekannte auf dem Blog. Dense, die jungen, rohen Psych Garagen-Rocker aus Leeds sind hier schon ein paar Mal aufgeschlagen. Heute ist mit „Displaced faces“ eine neue Single der Jungs erschienen, und die hat mich ordentlich beeindruckt. Nach einem ausgebrannten, brummig-dronenden, schleppenden Psychedelic-Intro bricht der der Song plötzlich aus, geht in den Adrenalinmodus und giftet gleich mal umwerfend mit Noisegitarren-Wand und Schreigesang. Der Song bleibt ab jetzt im Aggressionsmodus, das Arrangement wird aber nun verspielter. Rhythmisch wechselt die Nummer jetzt zwischen uptempo Jam-Rock und einem brachialem Halftime-Part à la Monster Magnet. Doch die Band setzt zusätzlich noch ständig clevere stilistische und rhythmische Akzente – hat vielseitige Breaks mit Prog-, Garage Rock-, Noisegaze-, versprengten Stoner-Elementen eingearbeitet … und trotzdem bleibt alles im rohen Flow. Ein ganz schöner Hammertrack. Hinweis an meine Labelfreunde: kaum zu glauben, aber die haben gerade keins. //RRRhund\

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Alternative: Die Snow Ghosts sind mit dem dritten Album zurück, das zwei Jahre in der Mache war und als thematischen Schwerpunkt Trauerarbeit hat („A Quiet Ritual“, 3.5., Houndstooth). Entsprechend düster und schmerzerfüllt ist auch die aktuelle Single „Ray“ geraten, die von einer Zusammenstellung klassischer und moderner Instrumentierung, vor allem aber von den Klängen eines Carnyx – ein keltisches Horn aus der Eisenzeit mit Schweinekopf – geprägt wird. Das Horn hat man übrigens in einem Moor im schottischen Deskford gefunden. Die Schneegeister haben zu diesem Zweck John Kenny als Gastmusiker verpflichtet – einer der Wenigen, die das faszinierende historische Instrument überhaupt spielen können. //RRRhund\

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Deep Techno/Experimental Techno: Der Mannheimer Produzent und Live Performer joix hat im Februar seit drittes Album veröffentlicht, das wieder auf auf Basis von modularen Synthesizern, Drum Machines, Effektgeräten, eigener Lyrik sowie Didgeridoo-Einspielungen im eigenen Tonstudio enstanden ist. „Trinity“ ist durch einen Trance-artigen Vibe sowie die Neigung zu freigeistigen Soundexperimenten geprägt, diesmal aber vor allem durch eine recht durchgängig dunkle Atmosphäre. Die Scheibe ist beim Mannheimer Label Sounds of Jericho erschienen (digital, CD oder limitierter USB-Stick). Joix feiert diesen Monat übrigens auch sein 10-jähriges Jubiläum als Produzent. Aus diesem Anlass wird es am kommenden Sonntag von 16 bis 18 Uhr im Bermuda Funk eine 2-stündige Sondersendung geben, die die musikalische Entwicklung des Mannheimer Ausnahme-Elektronikers dokumentiert. //RRRhund\

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New Wave/Post Punk: Das neue Album des polnischen Goth-Projekts Undertheskin kommt beim spanischen Label Θʀ⊿cu⌊⊕ ʀ⋵cøʀɖs („N E G A T I V E“, 15.4.). „Drown“, die erste Hörprobe, ist ein luftiges, schwebendes New Wave-Stück mit Shoegaze-Elementen, das mit jeder Menge Pop Appeal und 80s-Vibes kommt – perfekt für den Frühling, der schon an die Tür klopft. Schon jetzt ein heißer Anwärter auf die Best of ’19-Compilation im Schwarzen Sektor. //RRRhund\

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Post Punk Electronics/EBM/Post Industrial: Michael Keenan ist CRT (die Abkürzung für Cathode Ray Tube, auf deutsch Braunsche Röhre, das Teil das etwa in den alten Röhrenfernsehern verbaut ist). Mit seinem Soloprojekt spuckt der Produzent aus der Underground-Szene von Atlanta seit fast einem Jahrzehnt beinharte Tracks zwischen Industrial Techno und EBM aus – generell einfach hart funkende Electronica mit Punk-Punch. Frisch draußen ist „CS2“, ein klasse Tape auf DKA Records – hier das Video zu „Blister pack“, eine Hommage an die klassischen Target-Videos. FFO Severed Heads, Headhunter, Screamers, Nervous Gender //RRRhund\

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Electronic Kraut/Groove: Der in Berlin residierende Produzent Rudolf Abramov veröffentlicht im April beim schwedischen Kraut- und Psych Label Höga Nord-Records eine EP mit fünf Tracks („Krass Kontrast“, 26.4.). „King Kong“ ist zuerst ein perkussiver, dann heiß boppernder, funky Electro-Krautfeger, der jedes Tanzparkett füllt und durch den dunklen Gesang dennoch einen angenehmen Kontrapunkt findet. Guter Track, bin schon auf den Rest gespannt. //RRRhund\

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Ambient/Post Industrial: Zwei hochgeschätzte niederländische Produzenten zusammen in einem heiß erwarteten Projekt – Silver Age People ist die Kollaboration von Enfant Terrible-Labelboss M. und Roberto Auser. Die angekündigte 7″ ist schon auf meiner Preorder-Liste seit ich von diesem gemeinsamen Projekt erfahren habe. Mittlerweile gibt es einen kompletten Track zu hören: „Shadow and mask“ ist ein magisch aufgeladenes, tribalistisches, postindustrielles, abstraktes Ambient-Stück in der besten Tradition der grandiosen :zoviet*france: Wunderbar. //RRRhund\

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Experimental: Damit wäre dieses Geheimnis auch gelüftet – als ich mit Anfang des Jahrzehnts für die neue Post Punk-Szene zu interessieren begann, war eine der mysteriösesten, experimentellsten und stärksten Veröffentlichungen die 12″-EP von Blood Music auf Diagonal Records (von 2013). Es ließ sich damals aber gar nicht so recht herausfinden, wer hinter dem Projekt steckt. Das klärt sich tatsächlich jetzt erst mit der Veröffentlichung des „GPS Poetry“-Longplayers (beim kleinen englischen Experimentallabel The Tapeworm erschienen). HInter Blood Music steckt also der in London lebende irische Produzent Simon Pomery, der Name ist ein Versuch das japanische Wort „Kodo“ zu übersetzen: Kunst mit dem Bauch und nicht mit dem Kopf wahrnehmen. Das aktuelle Werk ist in den letzten beiden Jahre aus Improvisationen mit Drum Computern, Gitarrensspuren, Drones, Interview-Samples eher zufällig entstanden und mit den Veröffentlichungen auf Diagonal kaum zu vergleichen. Beeinflusst ist die Scheibe von Pomerys Forschungen zu Poesie und Ethik. Von Fred Motens Texten über Poesie, von Joan Retallacks Schriften über Gertrude Stein, von John Cages Theorien zur ausgewürfelten Komposition, von Édouard Glissants „Poetics of Relation“. Im Ergebnis sind Free Form-Improvisationen entstanden, die sich weniger um den Kern der Komposition als um die Beziehungen der musikalischen Elemente zueinander scheren. Relationale Poesie in Musikform. //RRRhund\

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Dark Alternative/Electronic/Post Industrial: Das kanadische Trio Odonis Odonis hat ein Jahr nach Erscheinen des letzten Longplayers („No Pop“, das Motto passt mehr denn je) eine neue EP parat („Reaction“, 12.4., Felte). Bei „Collector“, der ersten Hörprobe, treibt ein wuchtiger Halftime-Beat dunkel-kantige Post Industrial-Synth-Flächen an – im Ergebnis ein formidables Soundbrett, das die Tanzflächen zum vibrieren bringen dürfte. Die Inspirationsquelle des Songs ist offensichtlich der Dark Alternative-Sound der frühen 90er (Nine Inch Nails et al), der Sound jedoch ist dermaßen 2019. Wieder eine sichere Bank, die Mannen aus Toronto. //RRRhund\

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Post Punk/Dark Psych/Noise Rock: Einen tribalistisch-animalischen, an die frühen Killing Joke erinnernden Vibe hat „Dark connections“, der erste Track auf dem Tape der mysteriösen Noise Rocker We Wild Blood. Im weiteren Verlauf nimmt der Sechseinhalb-Minuten-Trümmer eine Abzweigung in einen Psycho-Drone-Part ohne Rhythmus, um gegen Ende wieder manisch nach vorne zu preschen und sogar noch eine Schippe drauf zu legen („Blood/Money“, 1.5., Hominid Sounds). Stark. Ein Hingucker ist auch das Psycho-T****-Cover, mittlerweile braucht man nicht mal mehr die Frisur … es reicht auch schon die Raffel und das Doppelkinn, so weit ist es schon. Bin schon sehr auf den Rest der Scheibe gespannt, die erste Hörprobe kann jedenfalls was. //RRRhund\

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Techno/Dark Electro: Weltraubtiertag bei RRRsoundZ. Gar nicht lieb und nett, sondern mit genervter, misanthropischer Ader und einer schweinegeilen Melange aus bösem Berlin-Techno und Dark Electro kommt Romance Disaster auf der „Girls-Guns EP“ (hatten wir schon mal letzten Sommer mit einer Veröffentlichung auf Circonstances Aggravantes). Die Analog-Elektronik-Spezialistin Aga Wilk serviert mit ihrem Projekt auf der 12″ für das noch sehr junge Berlin-Label åtåmåtån zwei originale Tracks plus jeweils einen Remix von Millimetric und Ethan Fawkes. Das hat scharfe Zähne und schiebt ohne prollig zu sein. Schon wieder ein Volltreffer – was Aga anfasst wird einfach Ohrengold. //RRRhund\

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Art Punk/Post Punk/Indie Rock: Aus Genf kommen The Staches ursprünglich, haben ihren Wirkungskreis aber mittlerweile ins magnetische Leipzig verlegt (man sagt ja schon länger: das neue Berlin). Auf „This Lake Is Pointless“ (gerade bei Les Disques Bongo Joe erschienen) präsentiert sich das gemischte Quartett in vitaler, spielfreudiger Laune. Die 13 Tracks auf der Scheibe kommen stilistisch abwechslungsreich zwischen Art School, (gerne auch mal leicht atonalem) Post Punk und klassischem Indie Rock mit leichten Psych-Einschlägen; mit mal treibenden, mal gelassen vor sich hintrabenden Beats, meist cleanen Gitarren, freakigen Elektronikzusätzen und mit den launigen Vocals von Sängerin und Bassistin Charlotte. Eingespielt wurde das Album im eigenen Proberaum, und zwar immer dann, wenn die Metalheads aus den angrenzenden Krach-Arealen ihren Rausch ausgeschlafen haben. So arbeitet die New School. //RRRhund\

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Alternative/Post Pop: Das ist ein Musikvideo, das aufgrund seiner Relevanz so schnell nicht vergessen werden wird. Die Schweizer Songwriterin Gina Été war vor ein paar Monaten mit ihrer Band in San Francisco, um mit John Vanderslice (Death Cab For Cutie, Sophie Hunger) vier Singles zu produzieren. Von den kalifornischen Verhältnissen war sie dabei so beeindruckt, von den aktuellen Vorgängen in den USA so betroffen, dass der Videobeitrag zur ersten Single „Mauern“ gleichzeitig zur Dokumentation der Zustände in den Grenzregionen wie zur Anklage der menschenverachtenden Politik der U.S.-Regierung geraten ist. Und dann ist „Mauern“ halt auch noch ein herausragender Pop-Song zwischen atmosphärischem Wüstensound à la Calexico und spannenden Prog Rock-Elementen. Die Band ist im März übrigens auch live zu begutachten, der Termin in Karlsruhe böte sich an (30.3., Karlsruhe, KOHI-Kulturraum). //RRRhund\

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Art Punk/Disco Punk/No Wave/Noise Pop: Wenn es hierzulande gerade eine (formal weniger strenge) Analogie zu den tanzbaren Art Punk-Einflüssen der Kanadier Crack Cloud gibt, dann sind es die Groove- meets No-Wave-Songs der Noseholes aus Hamburg und der tics aus Köln. Wie praktisch, dass beide Bands jetzt beziehungsweise demnächst neue Scheiben am Start haben (Tics: „Agnostic Funk“, gerade bei Tomatenplatten erschienen; Noseholes: „Ant And End“, 17.5.) und auch noch am kommenden Samstag eine gemeinsame Show im Klapperfeld zu Frankfurt schmeißen (9.3.). Infektiös, da fliegen sicher die Tanzbeine. FFO Gang of Four, Devo, B-52s, Talking Heads, No New York, Crack Cloud //RRRhund\

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Indie Pop/Noise Pop: Die sind als Band noch ganz ganz jung, die gibt’s erst seit 2018, und trotzdem klingen Petrov was die Skills angeht schon ausgebufft, wie alte Hasen. Das gilt zum Glück aber nicht für den Energiepegel, der ist jugendlich frisch. Die Songs des Quintetts haben ein bisschen was vom angekratzten Charme der frühen Desperate Journalist und auffällige, geschickt verwobene C86- und Noise Pop-Gitarren. Der klare Gesang von Mary Grace McKusick kommt dabei angenehm zwischen Post Wave-Melancholie und Indie Pop-Lakonie. Das klingt alles erstmal recht britisch, aber das Quintett stammt tatsächlich aus den USA, genauer gesagt vom Rande des Bible Belts, aus Charlotte, North Carolina, und an der Handschrift der Rhythmusgruppe hört man das dann auch ein bisschen (wenn man’s denn weiß … und wenn die Jungs Gas geben). Noch diesen Monat erscheint die Debüt-EP beim kleinen DIY-Label Self Aware Records („Sleep Year“, 15.3.). Die physischen Formate werden jedoch auf dieser Seite des großen Teichs schwierig zu kriegen sein (also digital auf bandcamp abgreifen). Gute Band, gute Songs. //RRRhund\

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Indie Rock/Post Punk: Die hatte ich vor ein paar Wochen schon mal mit einer Single vorgestellt, aber nachdem das diese Woche erscheinende Longplayer-Debüt konsistent stark, richtig gut ist, komme ich nicht umhin euch die Scheibe auch vorzustellen. Die Rede ist vom Trio Die Wände aus Berlin, dass es auf „Im Flausch“ (erscheint am Freitag bei Späti Palace) fertiggebracht hat, den Mitt-90er Indie Rock von Pavement und Motorpsycho – von offenen, psychedelischen Schönklang-Chords über Jam-Rockanteile bis hin zu Garagen Punk-Ausbrüchen – mit Elementen aus dem deutschsprachigen Post Punk der neuen Schule zu verknüpfen. Besonders gut gefällt mir die instrumentale Arbeit. Die variable Gitarre ist meist im Vordergrund, treibt mal, bratzt mal oder arbeitet zurückhaltend atmosphärisch; die Rhythmusgruppe macht innerhalb der vielschichtigen musikalischen Strukturen dagegen die notwendige Basisarbeit, sorgt für das rollende Element und die harmonische Struktur: Power Trio-Klassik. Auf der Waage zwischen Song-orientierten Arrangements und kleinen Jam-Rock-Ausflügen gelingt dem Trio eine sehr hohe Trefferquote, das Album ist gleichzeitig stimmig und abwechslungsreich geraten, eine Kunst für sich. Und auch Anleihen bei der (ehemaligen) Stuttgart-Fraktion sind eher selten und werden vor allem in den eigenen Bandsound integriert (und nicht umgekehrt). Wenn es überhaupt Schwächen auszumachen gibt, sind die eventuell beim manchmal etwas krächzigen Gesang zu verorten – aber irgendwo muss beim Erstling ja auch noch Luft nach oben bleiben, sonst brauche ich die nächste Scheibe ja gar nicht mehr anzufassen … und die guten Texte nehme ich von dieser Kritik sowieso aus. Mega-Debüt. //RRRhund\

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Neue Klassik: Beth Gibbons spricht weder polnisch noch hat sie eine klassische Ausbildung. Dennoch hat sich die Portishead-Sängerin in einer intensiven Vorbereitungsphase akribisch alle notwendigen Fähigkeiten angeeignet, um an einer beeindruckenden Einspielung von Henryk Góreckis dritter Sinfonie in Warschau mitwirken zu können (Henryk Górecki: Symphony No. 3 [Symphony of Sorrowful Songs] performed the Polish National Radio Symphony Orchestra, conducted by Krzysztof Penderecki, Domino, 29.3.). Diese besondere Kooperation wurde natürlich auch in bildlicher Form dokumentiert, Michał Merczyński führte beim 50-minütigen Konzertfilm Regie. Die Premieren des Films werden jetzt in Berlin, Paris und London gebührend gefeiert – unter Teilnahme von Jason Hazely, dem musikalischen Direktor des Projektes, und eben Beth Gibbons höchstpersönlich. Das Berliner Event steigt am 31.03.2019 um 19 Uhr im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, die Einführung übernimmt Jason Hazely. Und für alle anderen, die nicht im März in der Hauptstadt rumspringen, bleibt die Deluxe-Ausgabe von Domino – die enthält den Konzertfilm als DVD. //RRRhund\

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Experimental/Electronic Shoegaze/Dark Ambient/Spoken Word/Drone/Musique Concrète: Ich würde mal sagen … nicht gerade eine Platte, die für ernsthafte Lebenskrisen geeignet ist, sonst wird’s bei den meisten Leuten wohl eher kritisch. „Solitude“ ist das neue Album von King Midas Sound, dem Kollaborationsprojekt von Kevin Martin (AKA The Bug) und Roger Robinson – eine pechschwarz-zehrende Meditation über die Innereien einer zerbrechenden Liebesbeziehung. Die deutlich nach vorne gemischten Spoken Word-Reflektionen von Robertson liegen über den oft erdrückenden Instrumental-Arrangements von Martin, die zwischen elektronischem Shoegaze, Drone-Passagen und Musique Concrète-Versatzstücken mäandern. Ein finstrer Koloss mit Kult-Potenzial (als DoLP/CD/digital bei Cosmo Rhythmatic, dem Experimental-Sublabel von Repitch Recordings in Berlin erschienen). //RRRhund\

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+++BLAST FROM THE PAST: Mal ganz was anderes. Außergewöhnliche Aufnahmen hat das kleine Londoner Label Death is Not the End aus dem Japan der frühen 1930er Jahre ausgegraben. Die Geisha Kouta Katsutaro war in der frühesten Phase der japanischen Musikindustrie eine der bekanntesten Vertreterinnen des sogenannten Ryūkōka-Stils, eine Vermengung von Jazz- und Blues-Einflüssen mit der klassischen japanischen Min’yō-Folklore und sollte so die sogenannte „Katsu-Ichi“-Ära entscheidend mitprägen. Was soll ich sagen – die Stimme der Frau ist einfach nur außergewöhnlich und betörend. Was ein Fund. //RRRhund\

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Alternative Rock/Heavy Psych Rock: Die Mannen von Hey Colossus sind bereits seit 2003 am Start, haben sich in dieser Zeit einen richtig guten Liveruf erworben und gerade ihr zwölftes(!) Album fertiggestellt. „Four Bibles“ erscheint im Mai bei Alter und ist ein ganz dickes Ding geworden (17.5.). Darauf lässt jedenfalls die wuchtige Lead Single „Memory gore“ schließen, die mit einem ganz dichten 90er Jahre Alternative Rock-Vibe daherkommt und das Quintett aus London in bestechender Form präsentiert. Bei einigen anderen Songs auf der Scheibe hat Daniel O’Sullivan von Grumbling Fur und This is not This Heat Elektronik und Piano beigesteuert oder die Violine geschwungen. Außerdem hat es wohl mal wieder kleinere Besetzungswechsel gegeben. Ich bin schon sehr gespannt wie sich das bei den anderen Songs auf den heavy Bandsound mit drei Gitarren auswirkt. Im Sommer ist die Band dann wieder auf dem Kontinent auf Tour, aber der Tourkalender ist mal wieder recht nordlastig geraten. //RRRhund\

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