+Kurz rausgehackt: Mai 2016



Indie Rock/Noise Rock/Post Punk: Die Trust Punks tragen einen irreführenden Namen – die klassische stilistische Bandbreite des Punk wird von dem neuseeländischen Quintett auf seiner zweiten Platte „Double Bind“ (Faux Discx, 22.7.) nämlich ständig aus den Angeln gehoben. Bei „Paradise/angel-wire“, dem gelungenen Albumopener, ist Atmosphäre Trumpf: Mid-Tempo Indie Rock wird mit subtilen disharmonischen Noise Rock-, Kraut- und Post Punk-Anteilen versetzt, die sich dem Hörer via Gehörgang unter die Haut schieben und so schnell nicht mehr zu entfernen sind. //RRRhund\

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Dreampop/Shoegaze: Die texanische Band Pale Dīan knüpft mit ihrer Mischung aus Dreampop und Shoegaze an den Sound von 4AD und Creation Records an. Die aktuelle Single heißt „Evan Evan“ und ist beim wiederbelebten Manifesto-Label aus San Francisco erschienen. Der Longplayer kommt dann im Juni. //RRRhund\

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Experimental Hip Hop/Drill’n’Bass: Die neue Death Grips-Single hat Les Claypool von Primus am Bass und rummst ordentlich kantig: „More than the fairy“. Enough said. //RRRhund\

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Hardcore Punk: Die Cult Values sind eine dieser neueren Berliner Bands mit Musikern aus aller Herren Länder und stehen kurz vor der Veröffentlichung ihreres Debüt-Longplayers, der beim vorgelegten Tempo keine 20 Minuten Gesamtspielzeit erreichen dürfte (s/t, Sabotage Records, Juli 2016). Besonderheit Nr. 1: Stilistik und Punch der Band erinnern an die seligen Articles of Faith, die klassische Boston-Hardcore-Band um Vic Bondi. Besonderheit Nr. 2: Das Video mit der Zeitraffer-Anfertigung einer irre akribischen, doomigen Strichzeichnung – offensichtlich eine Beilage der Vinyl-Ausgabe – erinnert an die markante Coverart der seligen Crass Records-Band Rudimentary Peni und stammt von Anthony Christopher aus Chicago. Zweimal Old school-Seligkeit in 1:16: „Nothing Here But Ghosts“. //RRRhund\

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Indie Rock/Pop Punk: Und noch eine Single vom neuen Album („A Youthful Dream“, 10.6., Fat Possum Records) der arschtretenden Dänen Yung, und was für eine – „Commercial“ hat absolute Hitqualitäten und hängt stilistisch zwischen dem Indie Rock von Dinosaur Jr. und rauem Pop Punk der frühen Lemonheads (beide aus der End-80er-Phase). So klingt der Sommer. Herrlich. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen … //RRRhund\

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Electronic/Dark Disco: Die zweite EP der in Berlin ansässigen Produzentin Borusiade steht vor der Tür – „Feelings of Entropy“ erscheint in Kürze bei Correspondant. Hier der Titeltrack, eine weitere kühle Dark Disco-Sternstunde der Rumänin. //RRRhund\

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Electronic/Post Wave/Dub: Kaum dass die Kopenhagener Post Punk-Band Lower ihre Auflösung bekannt gegeben hat, erscheinen auch schon erste Veröffentlichungen von Projekten der ehemaligen Bandmitglieder. Richtig gut ist Yen Towers, das Elektronik-Projekt von Gitarrist Simon Formann – die neue 12″ heißt „Bidders Must Justify Their Prices“ und erscheint natürlich bei Posh Isolation. Kalt, präzise, aber dennoch lebendig: „BID l (Bug)“. //RRRhund\

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Indie/Post Punk Groovezeux: Seit die bei Epitaph sind, werden die Anzüge auf der Bühne immer schicker – und das Publikum singt mittlerweile den ganzen Text mit. The Garden mit „All smiles over here“, live. //RRRhund\

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Documentary/Malmö Post Punk: Fabian Sigurd hat bei der letzten Release-Party der südschwedischen Post Punks RA einen kurzen Dokumentarfilm über die Band gedreht, der jetzt auch auf vimeo steht und damit in Deutschland gesehen werden kann: „Malmö Mentality“. //RRRhund\

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Uptempo Indie Pop/Janglepop: Und da wir gerade bei Uptempo sind, gehen wir doch kurz noch in gutgelaunte, sommerliche, poppige Gefilde. Die Flipside der aktuellen Single der Mercury Girls aus Philadelphia ist nämlich viel besser als die A-Seite („Ariana“ draußen bei Slumberland Records). Die Single ist auch bei bandcamp zu kriegen. „All that heaven allows“. //RRRhund\

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Uptempo Indie Rock: Gar nicht schnuffig ist „Irrational friend“, die neueste Single der sympathischen, katalonischen Teenie-Schnuffis von Mourn – in gerade mal 1:26 wird der Song energiereich durchgepeitscht, klasse. Und natürlich Vorbote der zweiten Platte, die dann Anfang Juni kommt („Ha, Ha, He“, 3.6., Captured Tracks). //RRRhund\

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Indie Rock: Kurz nachdem bekannt wurde, dass im August ein neues Album von Dinosaur Jr. erscheint („Give a Glimpse of What Yer Not“, 5.8., Jagjaguwar), war die Band gestern abend in der Late Show with Jools Holland zu Gast und hat mit „Tiny“ einen der neuen Songs vom Album zum Besten gegeben. In zwei Wochen dann live auf dem Maifeld Derby. <3 //RRRhund\ +++++

Garage/Post HC/Post Punk: Hach, die machen halt einfach richtig Spaß, die Jungs von Yung – hier Liveversionen von „God“ und „Blanket“. //RRRhund\

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College Electro Pop/Nu Wave: Liberation ist das Electro-Alter Ego des Australiers David West, der eher durch sein Mitwirken bei schraddeligen Gitarrenbands wie Rank/Xerox, Rat Columns und Total Control bekannt geworden ist. Bei Liberation frönt West aber eher seiner Vorliebe für College Electro Pop und nächtlichen Old school-Nu Wave in bester Fad Gadget/Frank Tovey-Tradition. Sein selbstbetiteltes Debütalbum erscheint im Juni beim schottischen Liebhaberlabel Night School (10.6., jetzt in der Preorder-Phase). Hier das LowFi-Video zu „Looking for a lover“. //RRRhund\

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Modern Mexican Nu Kraut jams/Nico-style vocals: Anika, die britische, in Berlin ansässige Sängerin mit dem starken Nico-Vibe ist sonst meist im Umfeld von Invada Records, dem Label von Portisheads Produzenten Geoff Barrow, zu finden (wie zum Beispiel letztens mit dem Lead-Gesang bei der Nena-Agitprop-Coverversion der Invada Allstars Band). Diesmal alles anders: Beim New Yorker Label Sacred Bones Records erscheint unter dem Namen Exploded View im August das Ergebnis einer Aufnahmesession mit den mexikanischen Musikern Martin Thulin, Hugo Quezada und Amon Melgarejo – alles in Mexico City eingespielte Live-Jams (First Takes, keine Overdubs), die auf einer ständig mitlaufenden Tascam-8-Spur-Maschine eingefangen wurden und die ungewöhnlich leichtfüßige, lichtdurchtränkte Chemie dieser Konstellation offenbaren. Verorgelt, spaceig, frisch: „No more parties in the attic“. //RRRhund\

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Alternative/Indie Rock/Noise Pop: Und auch „If things go on like this“, die neueste Vorab-Single der schwedisch-amerikanischen Noise-Pop-Formation Fews schlägt in die gleiche Kerbe wie die drei Vorgänger: motorisch treibende Beats, wegfliegende Gitarren und vor allem ein guter Song – offensichtlich steht ein konsistent herausragendes Debütalbum („Means“, 20.5., PIAS) ins Haus. Am Samstag dann live auf dem Great Escape in Brighton – ich bin sehr gespannt. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post HC/Noise Rock: Die Greys aus Toronto haben ja mittlerweile ihr schmuckes zweites Album draußen („Outer Heaven“, End April bei Carpark erschienen), das im Vergleich zum Erstling neben den Band-typischen, punkigen Noiseattacken doch auch immer wieder eingängigere Passagen enthält und in puncto Songwriting ordentlich einen draufgelegt hat. Für das kanadische Webzine Exclaim! haben sich die Jungs jetzt in ihrer eigenen Hood auf die Straße gestellt und ein paar Stücke zum Besten gegeben, unter anderem das tolle „No star“. //RRRhund\

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Indie Rock/Nu Kraut/Dub: Aladdin ist (bisher) eher ein Projekt als eine Band – dahinter stecken der Sänger und Chaospoet Nicolas Ker sowie Gilbert Cohen, der Inhaber von Versatile Records, bei dessen Label die „Girls in Uniform“-EP auch erschienen ist. An den Aufnahmen waren außerdem der Kraut-Drummer Mark Kerr, der Bassist Juan de Guillebon sowie der Percussionist Francesco Lopez beteiligt, was auf dem Kurzspieler zu einer kurzweiligen Mischung aus Indie Rock-, Dub-, und Kraut-Elementen führt. Während die Originalversion ein motorisch treibender Kraut-Indie-Tanzflächenkracher ist, der durch eine verträumte Märchenpassage unterbrochen wird, sind die Remixe von Trevor Jackson (On U-Sound) und Gilb’R zwei recht unterschiedlichen, ordentlich verorgelten Dub-Universen entsprungen. Feine Sache mit großer musikalischer Spreizung, im Moment genau meine Tasse Tee. //RRRhund\

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Indie Rock/Psych: Die schau ich mir demnächst in Brighton an, die britische Psych-Rock-Formation Ulrika Spacek. Hier eine Live-Session aus London vom April mit dem besten Song vom Debütalbum: „She’s a cult“. //RRRhund\

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Alternative: WTF, just made my day – was ein abgedrehtes Video von White Fang zu „Drugs I’ve Taken“ (via PtNotR). Beste Butthole Surfers-Vibes, Pflichtprogramm. //RRRhund\

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Dark Wave/Synth: Die Shad Shadows sind das starke Synth-Seitenprojekt der italienischen Darkgazer Schonwald – hier das aktuelle Video zu „Minor blues“, dem tanzbaren, Kraut-inspirierten Titeltrack des insgesamt sehr gelungenen Debütalbums. //RRRhund\

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Electronic/EBM/Post Industrial/Post Techno: Ziemlich geiles neues Video zur demnächst erscheinenden 7″-Version von „Myths of steel and concrete“ von Oliver Hos Projekt Broken English Club. //RRRhund\

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Synth Wave: Aus dem monoton-minimalistischen historischen Lunapark, neu aufgelegt von Dark Entries Records (DE-113). Gefangene Vögel singen am schönsten … im Mai. \K

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Alternative/Post Rock/Psychedelic Rock: Neues aus der Schweiz! Neo Noire legen mit „Walkers“ ihre erste, famose Singleauskopplung vom kommenden, noch unbetitelten Album vor, welches auf „Czar Of Crickets“ erscheinen wird. Frühlingsgefühle auf Anschlag! D/RRR

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