+ Kurz rausgehackt: Mai 2020

Dark Punk/Post Punk: L’Appel du Vide sind ein Quartett aus Chemnitz mit vielfältigen Vernetzungen in älteren Bands und existieren daher nur in dieser Personenkombination erst seit Herbst 2019, alles alte Szenehasen. Seit Februar gibt es auf bandcamp ein Demo mit vier Songs (Tape oder digital) zu hören, das man ob seiner Qualitätsdichte und Intensität wohl besser gleich auf schwarze Teerpappe gepresst hätte. Karstens röhrender Bass, Zombers dynamische Drums, Flattys mal Surf-inspirierte, mal ins Noisige driftende Gitarrenarbeit und der unterschwellig brodelnde Gesang sowie die expressiven deutschen Texte von René verdichten sich zu finsterem, dichtem Dark Punk erster Güteklasse. Vielleicht presst’s ja doch noch jemand. //RRRhund\

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Schwarze Szene: Ein frischer Batch an Veröffentlichungen des spanischen Kultlabels Θʀ⊿cu⌊⊕ ʀ⋵cøʀɖs – sie nennen es „references“ – bedeutet immer(!) neue schwarze Fundstücke, aber eben auch Vinyl-Qualitätsware, enorm gute Pressungen bereits anderweitig veröffentlichter Titel: ein DJ-Traum. Dieses Mal bin ich bei den neuen Künstlern auf die lakonischen, minimalistischen LowFi-Recordings von Alone In My Room gestoßen, die aus dem Berg der monatlichen Cold Wave-Veröffentlichungen schon jetzt herausragen wie eine wundersame Insel, die man unbedingt erreichen will. Das liegt an den klaren, gelungenen Songs um die Zweiminutenmarke, die das Trio aus Fresno geschrieben hat, vor allem aber daran, dass es die frischen Arrangementideen der im Moment so erfolgreichen, russischen Cold-Wave-Szene so glänzend adaptiert – vor allem auffällig: die verwendeten Tonleitern bei den Single-Note-Gitarren und die programmierten Fillings des Drumcomputers–, und dann den Sound von Bands wie Molchat Doma, Motorama und Ploho durch den geheimen, depressiven Teil der Californication-Maschine schickt. Natürlich spielen wie bei vielen nordamerikanischen Homerecording-Produktionen des letzten Jahrzehnts auch die frühen Arbeiten des Synth Pop-Genies Black Marble soundtechnisch eine große Rolle („Treble 9’o’ clock, please“). Die Geschlossenheit des Klangbilds und die Qualitätsdichte der Songs sprechen jedenfalls für sich. Durch die Mastering-Allianz mit den deutschen Young & Cold-Studios wird die zehn Miniaturen der limitierten 12″-EP trotzdem in sehr amtlichen Sound über den Plattenspieler rotieren, das ist man von Oraculo schließlich gewohnt. //RRRhund\

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Post Punk/Art Rock/Post Hardcore/Noise Rock: Auch diese Band ist hier in den letzten zwei, drei Jahren bereits häufiger aufgetaucht. Die Art Punks von Ganser aus Chicago haben nach einer ganzen Reihe aus konsistent guten Veröffentlichungen den nächsten Schritt gemacht und veröffentlichen ihren zweiten Longplayer „Just Look At That Sky“ bei Felte Records (31.7.). Die neue Scheibe ist inhaltlich von der globalen Krise geprägt, die die Welt gerade in Atem hält und beobachtet einen Teil der sozialen Folgen, die sich daraus ergeben: wie etwa den noch größeren Hang zur Selbstoptimierung oder das konstante Leben in einer digitalen Parallelwelt, die sich auf das Gesamtgefüge und die kleinsten gesellschaftlichen Einheiten auswirken – die Band reagiert darauf in ihren bissigen Texten meist mit schwarzem Humor. Musikalisch setzt das Quartett wieder auf die bereits ausformulierte musikalische Palette zwischen dem Noise Rock der Ostküsten- und Midwest-Schule (von Jesus Lizard bis Fugazi) sowie auf die Farbtupfer-schaffenden Elemente aus Art Rock und Post Punk. Highlights auf dem neuen Album sind wie immer der dichotome Gesangstemperamente von Keyboarderin Nadia Garofalo und Bassistin Alicia Gaines, die die Farbtemperatur des Bandsounds in Sekundenbruchteilen zwischen Kim Gordonscher Coolness und dem beißenden, schneidenden Spott einer Poly Styrene wechseln lassen können. In den Ganser-Arrangements ist für mich das alles überragende Element aber immer noch die DIscord-ante Gitarrenarbeit von Charlie Landsman, der im Zusammenspiel mit und Gegenspiel zur Rhythmusgruppe für spannende Brüche und Dynamiken sorgt, kurz: das Salz in der Suppe, und so den Bandsound entscheidend prägt. Schön, dass diese musikalische Delikatesse ab August in ausgereifter Form einem noch größeren Publikum bekannt gemacht wird. //RRRhund\

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Cold Wave/Post Punk: Aus dem französischen Le Mans stammt das Duo Jeff Park’s, das in dieser Ausrichtung seit 2017 aktiv ist und auf seiner aktuellen EP „Miserable Star“ klassisch-dramatischen, halbelektronischen Cold Wave und Post Punk serviert (bei Manic Depression Records draußen). Fühlt sich definitiv auf einem Tape oder innerhalb einer Radiosendung der neuen Schule wohl – muss dann wohl demnächst mal was aus dem Labelprogramm von Icy Cold und Manic Depression Records zusammenschrauben – so viele gute Veröffentlichungen nacheinander, da kommt locker eine Stunde Musik zusammen. FFO The Soft Moon, Talk To Her, Skeleton Hands, She Passed Away //RRRhund\

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Chamber Pop/Neo Classical: Wunderschönes, introvertiertes Songwriter-Kleinod im neoklassischen Kammermusik-Arrangement – „A window” ein Song von Medicine Boy, dem südafrikanischen Duo, das derzeit in Berlin residiert und an dieser Stelle bereits einmal mit ähnlich phänomenaler, musikalischer Qualität aufgetaucht ist. //RRRhund\

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Post Punk/Wave/Allee der Kosmonauten: Nachdem 2018 bereits ein bockstarkes Demo der Berliner Formation Aus erschienen war, das so eingeschlagen hat, dass es nachträglich auf Vinyl gepresst wurde und dann auch wegging wie warme Semmeln, gibt’s jetzt den selbstbetitelten Longplayer-Nachschlag (nennen wir das Ding einfach „II“), der natürlich von T-Rex im Berliner Szenestudio Allee der Kosmonauten aufgenommen wurde und bei Iffis Static Age-Label und Billo erschienen ist – mehr Berlin-DIY geht nicht – Aus zählen zu den zentralen Bands der neuen Szene. Zu hören gibt es besten, rohen, monotonen Graustufen-Sound in der Mauerstadt-Tradition von Mania D und Malaria. Schon ein Paradoxon: Berlin gilt gemeinhin als eine der offensten, aufregendsten, lebenslustigsten Städte der Welt, und zugleich kriechen aus den Proberäumen in Widerspruch zu all der Oberflächlichigkeit und Profanität des Alltags wieder klaustrophobische Klänge wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Same, same, but different. //RRRhund\

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Minimal Synth Punk: Underground-Track aus unerwarteter Ecke, nämlich aus den Reihen des Leipziger DIY-Electro-Labels Rat Life Records. „Wollt ihr die totale Hygiene“ von Fotzke & Fatzke ist eine spontane Reaktion auf die Covid-Quarantäne-Aktionen und die sozialen Auswirkungen. Simpler, rotziger, experimenteller Synth-Punk, vorgetragen im Geiste der genialen Dilettanten. Zack und raus, geht immer. //RRRhund\

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Experimental/Healing Noise/Drone: Unter dem Künstlernamen C. Lavender veröffentlicht eine New Yorker Künstlerin seit einigen Jahren Noise-Tracks im Cinemascope-Sound, mit denen sie den Hörer heilen will. Das aktuelle Album heißt „Myth of equilibrium“ – eine Erforschung meditativ-physischer Soundrituale mit mächtigem theoretischen Unterbau, denn die binauralen Aufnahmen wurden in einer geodätischen Kuppel in den Catskill Mountains, nördlich von New York gemacht – Stichwort: Buckminster Fuller, einfach mal googeln, wer da tiefer einsteigen will. Natürlich kann man sich allein auf die musikalischen Aspekte, auf die Percussion-Strukturen und die brachialen Drones aus dem modifizierten Bass und den Synths konzentrieren, die den Hörer in eine wabernde, akustische Parallelwelt tauchen – aber letztlich liegt der Kern dieses Projekts im Gesamtkonzept, im Zusammenspiel aus Theorie und Praxis, und man verpasst dann was Spannendes. Kopfhörer empfohlen. („Myth of Equilibrium“, Vinyl oder digital, 15.5., Editions Mego) //RRRhund\

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Alternative Rock/Noise Post Punk: Starten wir die Woche doch mit der zweiten Single, dem neuen Video der Berliner Noise Post Punks HEADS., bei dem Alex Edkins von Metz Hand angelegt hat. „Weather beaten“ passt hier jedenfalls prima zur Wetterlage, aber eigentlich geht es um die Macht der Natur, die immer gewinnt („Push“, 29.5., Glitterhouse Records). //RRRhund\

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Post Metal/Post Rock/Instrumental: Kommt im Moment nur noch selten vor, dass eine Instrumentalband die Kraft hat, mich von der Couch zu schubsen. Darius, eine Schweizer Band aus dem Hummus Records-Universum, hat’s mit der monumentalen neuen Scheibe „Voir“ geschafft – organisch-muskuläre, angeprogte Post Metal- und Post Rock-Strukturen im Cinemascope-Sound. Dringender Verdacht auf Live-Bombe. //RRRhund\

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Psych Rock: Recycling-Aktivitäten des Manchester-Tribes um Adam Stone und die Dead Sea Apes. Ursprünglich als Single oder Grundstock eines neuen gemeinsamen Albums aufgenommen gibt’s die Songs jetzt einfach digital. Drängender Psych Rock, der vor allem über den Gesang von Stone noch einen Post Punk-Kick à la John Lydon kriegt. Favorit: Die A-Seite „21st Century nausea“ //RRRhund\

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John Peel-o-mania: Der Blog Formally Known as the Bollocks hat die gigantische Fleißarbeit geleistet, sämtliche online verfügbaren John Peel-Sessions in einer Liste zu verlinken. Von den 14 Iced Bears von 1986 bis zu den Zones von 1978 – eine unfassbare Schatzkiste für Fans des legendären Radio DJs. Work in progress noch dazu. //RRRhund\
https://davestrickson.blogspot.com

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Goth/Cold Wave/Minimal Synth: Auch in der griechischen schwarzen Szene sind deutsche Namen offensichtlich beliebt. Zuwachs in der New School-Goth-Szene gibt es mit dem Athener Duo Kalte Nacht, das auf seinem Debütalbum (digital bei bandcamp, Vinyl bei Geheimnis Records) durch gelungene rhythmische Arrangements, stimmig austarierte Sounds und die auffällige Stimme von Sängerin Myrto Stylou zu gefallen weiß – einfach gut gemacht. Ein Geheimtipp fürs Kalte Sterne 2022? Würde mich nicht wundern …
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Dark Psych Rock/Psych Noise/Post Punk: Die französische Psych-Noise-Band Servo zählt mit ihrem rohen Stil zwischen hartem Psych Rock, gequältem Post Punk und Feedback-Orgien zu meinen Lieblingszugängen im Labelroster von Fuzz Club Records. Vor ein paar Tagen hat das Trio aus Rouen mit „Alien“ nun das zweite Album auf dem Londoner Kult-Label rausgehauen. Hier das Video zur zweiten Single „Yajña“, bei dem Arthur Pierre, Louis Hebert und Hugo Magontier die Energie ihrer Liveshows in Bildgestalt gepackt haben. //RRRhund\

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Dark Alternative Dancefloor: Tanzflächenknaller mit Adrenalinpegel für alternative Dancefloors auf Black Leather Records – „Disko Park” von Slain Sun fühlt sich neben Tracks der Nine Inch Nails in der Playlist sicher ganz wohl. Und der Dancefloor ist eben aktuell das häusliche Wohnzimmer oder aber das Hausdach: wenn’s mehr Platz braucht. //RRRhund\

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Ambient/Poetry: Es drängt mich, euch mit einer absoluten Perle in die Nacht zu entlassen. Auf „Whities029“ der neuen 12″ von Lord of the Isles wurde ein Gedicht der schottischen Poetin Ellen Renton sensibel in dunkle Ambient-Sounds eingehüllt … und ein magischer Raum entsteht. Erinnert ein bisschen an die beste Phase der Neo Folk-Könige Current 93. Den Rest der 12″ braucht man übrigens nicht, weil nicht mal halb so gut und doch eher seicht. //RRRhund\

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Electronic/EBM: HIV+ ist einer der Künstlernamen des in Spanien geborenen, aber in Frankreich lebenden EBM-DJs und -Produzenten Pedro, der auch Betreiber des Labels Unknown Pleasures ist. Aktuell gibt es unter dem Namen „Spanish Electronic Body Music“ eine ziemlich gute und umfängliche Zusammenstellung an Remixen, die HIV+ und Friends – Produzenten wie The Hacker, Dave Inox, Ushersan oder Millimetric, aber auch alte Szenehasen wie Neon Electronics (früher: Neon Judgement) – zusammengeknallt haben. Auffällig ist der distinguiert andere Stil, den die französische Szene im Vergleich mit modernen deutschen oder skandinavischen Genre-Vertretern hat – ein Stil, den ich im Moment ziemlich attraktiv finde. Übrigens: Pay what you want. //RRRhund\

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Experimental/Electronici/Multimedia Avantgarde: „Blur the fringes, wipe the corresponding space, breathe into the light and divide.“ Vom innovativen Londoner Label Diagonal, das für radikale, dreckige, moderne Elektronik mit Ecken, Kanten und Widerhaken steht und jetzt bereits neun Jahre auf dem Buckel hat, habe ich schon sehr lange nicht mehr berichtet. Was Labelchef Powell in den letzten zwei Jahren unter dem Namen „a ƒolder“ mit der norwegischen Multimedia-Künstlerin Marte Eknæs und dem Schweizer Filmemacher und Animationskünstler Michael Amstad konzipiert und umgesetzt hat, verdient in jedem Fall Beachtung. Powell selbst beschreibt das Projekt als polyphonen Organismus, der sich zusammenzieht und ausweitet, geradezu ein- und auszuatmen scheint. Die radikal dekonstruierte Elektronik von Powell findet in den collagierten Elementen von Eknæs und Amstaf einen congenialen, visuellen Partner. Und wie immer bei Diagonal steckt bei allem radikalen künstlerischen Ansatz auch eine Menge Humor drin. Ihr sucht die Avantgarde von 2020? Gönnt euch mal 18 Minuten. „aƒ2 ➜ multi-mendy 1-3, recombined.➜ H!-sensitive film“ – unter dem Titel haben die Drei die kombinierten Werke ins Netz gestellt. //RRRhund\

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Dark Wave/EBM: Bestes aus Portland, Oregon. Der Komponist und Produzent Dancing Plague ist mit dem dritten Album („null“, 5.5.) zurück und hat uns die erste Single „Titus“ gleich mit ziemlich blümerantem Video kredenzt. Die fast schon fröhliche Synthlinie der Hookline wird vom dramatischen Gesang –.näher war an Kirk Brando von Theatre of Hate in den letzten Jahrzehnten niemand mehr dran – kontrastiert, der natürlich vom Meister selbst stammt. Wieder sehr cool geworden, bin schon auf den Rest des Albums gespannt. //RRRhund\

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Alternative/Experimental Pop: Meine Lieblingsband aus Malmö ist zurück. Die filigranen Experimental-Pop-Geheimtipps Hey Elbow haben ihr drittes Album angekündigt und die Single „Missit“ gleich online gestellt. Wie immer glänzt das Trio mit subtil brodelnden Arrangements in ungewöhnlicher Instrumentierung, mit großartigem Songwriting und der Stimme von Julia Ringsdahl. Das sanft rotierende Drum Pattern von Liam wird nach und nach mit einem spannungsvollen, zweistimmigen Stimm-Sample (I guess) befüllt, bevor das tiefe Horn die Harmonie vorgibt, afrikanische Holzpercussion vibriert und der ätherische Gesang sowie noch mehr sanfte Bläserklänge alles zum abheben bringen und das Stück sanft entschwebt. Einfach zur großartig. Talk Talk für 2020.//RRRhund \

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Alternative/Dream Pop/Psych/Shoegaze: Ein Song über den Flow von gesprochener Sprache, und was das mit einem selbst anstellt. Wow, was eine schöne Single von Mint Field für Felte Records. „Natural“, genauso sind die traumhaft gewobenen, subtil-vielschichtigen Arrangements der Band aus Mexico City, die Estrella del Sols glasklare, betörende Stimme unterlegen und nach vorne schieben, um schließlich zum lyrisch-Shoegaze-igem Psych Rock-Song anzuwachsen, dessen Gitarrenarbeit jedem Motorpsycho-Album in den Mitt-90ern Ehre gemacht hätte. Verantwortlich dafür Callum Brown von Ulrika Spacek sein, der im vergangenen Herbst zur Band gestoßen ist. Außerdem neu in der Instrumentierung sind Streichinstrumente und Saxophon, die viel zum bunten Klangbild beitragen, das sich im weiteren Verlauf des Songs entwickelt. Da darf man auf den nächsten Longplayer doch sehr gespannt sein. //RRRhund\

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Punk/Post Punk: Über die vielen Schattierungen des „Wir“ sinnieren die West-Punks von Pogendroblem in ihrem neuem Video – die meiste Zeit ganz frei, streckenweise aber auch mit deutlichem Unbehagen. Die Crew aus Bergisch-Gladbach hat mit „Ich – Wir“ (3.7., This Charaming Man Records) gerade eine neue EP fertiggestellt und bleibt dabei ihrer Linie treu. West-Schmutz, Hamburger Texte und Stuttgarter Feuer führen zum erwartet schmackhaften Gesamtresultat. //RRRhund\

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Minimal/EBM/Rhythm & Noise/Industrial: Eine eiskalte, puristische Mischung aus diesen klassischen Underground-Elektronik-Elementen hat der schwedische Produzent Conny Fornbäck alias Majestoluxe auf „Secondary Sanctions“, seinem zweiten Wurf für Kess Kill, zusammengebraut. Einsam vor sich hin rotierende EBM-Sequenzer werden von hinzuprogrammierten Rhythm & Noise-Patterns zu skelettartigen, magnetischen Industrial-Loops aufgebaut. Darüber liegt der eiskalte Sprechgesang des Meisters (Broken English Club, anybody?). //RRRhund\

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Dark Wave/Post Punk: Zur neuen PAAR-Scheibe „Notwendigkeit der Notwendigkeit“ gibt’s jetzt auch ein cool gestaltetes Video, das Typokunst im Hintergrund nutzt, um die Lyrics von „Modern“, einer der stärksten Nummern des Albums, zu präsentieren. //RRRhund\

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Experimental/Electronic/Conceptual: Der Konzeptkünstler Jacob Samuel hat „New Americas“ 2018 für eine Multikanal-Installation im Somerset House in London komponiert und dafür ganz unterschiedliche statistische Daten wie Geburten, Todesfälle, Heiraten, Immigration und Fruchtbarkeitsquoten in musikalische Motive überführt. An der Stelle beginnt das Kunstprojekt: Basierend auf schwachsinnigen Relationen des Datenmaterials wie sie aus den untersten Niederungen der anglofonen Tabloid-Presse kennt, entstehen zusammen mit Minecraft-inspirierten, menschenleeren Videos eigentümliche, surreale Multimedia-Fahrten voller gespenstisch ineinander verschwimmender musikalischer Motive – aber ohne jeglichen menschlichen Bezug, und enttarnen so das ganze Schlamassel („New Americas“ ist bei Blank Editions in London erschienen). //RRRhund\

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Post Punk/Weird Punk/Australien: Vor ein paar Wochen noch im Rahmen unserer zweiten Australien-Sendung genannt, jetzt mit frischer 7″ beim Szeneplatzhirsch Anti Fade („Reader“, 5.6.). Hinter der Abkürzung R.M.F.C. (Rock Music Fan Club) steckt der 18-jährige Buz Clatworthy, der in seinem Schlafzimmer, irgendwo im Südosten von New South Wales, alle Songs komponiert, einspielt und einsingt. Nach zwei Tapes („Hive Vol. I“, 2018 und „Hive Vol. II“), die Haug vom Mannheimer Label Erste Theke Tonträger hübsch auf eine LP kompiliert hatte, gibt es offensichtlich mittlerweile auch eine Livebesetzung. Die aktuelle Single wiederum zeigt Clatworthys Projekt von einer neuen Seite: der Titeltrack ist etwas dunkler als gewohnt, wirkt im Arrangement aufgeräumt und im Songwriting fokussiert – das alles ohne sich von den lieb gewonnenen Boshaftigkeiten zu trennen. Ich mag’s. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post Hardcore/Indie Rock: Ungewöhnlicher Stilquadrant für DAiS Records – ein Label, das sich sonst exklusiv wie geschmackssicher um die kontemporäre Post Punk-Szene und Artverwandtes kümmert. Geschmackssicher war aber ganz sicher auch das Signing von Spice, auch wenn sich die fünf Kalifornier auf ihrem Debütalbum (s/t, 17.7.) musikalisch in ganz anderen Gefilden bewegen, klassischen, songorientierten Bay Area-Post Hardcore und Indie Rock servieren. Seit 2018 arbeiten Ross Farrar (Gesang), Jake Casarotti (Drums) – beide auch bei Ceremony (von der Westküste) – zusammen mit Cody Sullivan (Bass), Ian Simpson (Gitarre) und Victoria Skudlarek (Violine) an der Entwicklung eines eigenen Bandsounds und haben nach und nach ihre eigene Verbindung aus melodiösen Hooklines und Hymnencharakter gefunden, die durch kleine eingespielte Field Recordings aus dem Alltag der Bandmitglieder zusätzlich Haftkraft entwickelt. Hier das Video zur Single „First feeling“. //RRRhund\

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Alternative Rock/Post Hardcore: Alter Verwalter, ist die Hitdichte bei den ersten drei Hörproben hoch. Die Schweden Division of Laura Lee sind zurück („Apartment“, 21.8.) und feuern dabei sowohl im Bereich Songwriting als auch in Sachen Vibe und Arrangements aus allen Rohren. Bester Alternative Rock im Geist der 90er Jahre, der auch immer wieder Spurenelemente von DC-Post Hardcore durchblitzen lässt. Viktor Lager, Håkan Johansson. Per Stålberg und Jonas Gustafsson aus Göteborg machen nicht nur wieder zusammen Musik, sie scheinen auch noch in der Form ihres Lebens zu sein – welcome back Division of Laura Lee! //RRRhund\

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Art Punk/No Wave: Die New Fries zählen zu den bestgehüteten Geheimnissen der Szene von Toronto. Die No-Wave inspirierte Art Punk-Band ist immer wieder für Überraschungen gut, wechselt den Sound Chamäleon-artig und steht für fulminante Live-Shows. Für August steht mit „The Idea of Us“ nun aber eine neue LP an (7.8., Telephone Explosion), die den aktuellen Sound dokumentiert. Hier das Video zur ersten Single „Ploce“, das von Amy Lockhart animiert wurde und dem verschiedenen Hausfisch gewidmet ist. Musikalisch werden im Song die Faktoren Repetition und Zwischenraum genauer unter die Lupe genommen. //RRRhund\

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Post Punk: Protomartyr haben heute noch fix das Video zur dritten Single „Michigan hammers“ rausgehauen („Ultimate Success Today“, 17.7., Domino). Eine Art Robocop-Geschichte mit einem ganz eigenen Twist, abgedreht von Yoonha Park. //RRRhund\

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Aussie Indie Rock/Power Pop: „Nets“ heißt das aktuelle Album der australischen Indie Rock-Formation Sachet (bei Tenth Court draußen). Klassisches Songmaterial mit mal verspielt-schrubbeligen, mal Fuzz Rock-igen LowFi-Gitarren, die vom charmanten Gesang von Lani Crooks wundervoll kontrastiert werden. Schöne Platte mit Hooks, hooks, hooks aus Sydney. //RRRhund\

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Monatliche Zusammenfassung der Kurztipps auf facebook.com/RRRsoundZ

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