+Kurz rausgehackt: November 2017

Experimental/Electronic Kraut: Eher ungewohnte Klänge vom Berliner Elektronik-Stall Monkeytown Records. Der Berliner Produzent Gajek hat sich auf seinem neuen Album „17“ einer experimentellen, innovativen Form von Club-Musik verschrieben – Kraut-inspiriert, sagt er selbst. Eigentlich entziehen sich Gajeks Experimente aber der Kategorisierung und erzeugen durch die Art der Konstruktion, durch die Reibung, die durch das Mischen von kratzigen und spaceigen Sounds entsteht, einen eigenartigen Magnetismus. Machen jetzt die Blockflöten oder die Schlangen im Waschbecken mehr Angst? – „Futur Zwei“. //RRRhund\

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Shadowy Synth Pop: Some Ember ist ein Synth Pop-Duo aus Berlin, das auf der aktuellen „Magnetic“-Single vier Tracks mit klassischen Songsstrukturen zu bieten hat. Überwiegend gute Songs wohlgemerkt. „Magnetic“, der Titeltrack, und „The tower“ sind im tanzbaren Sektor angesiedelt, die etwas zu pathetische Popnummer „Human blood“ (vielleicht der einzige Wermutstropfen auf der EP) und das spannende, psychedelische „Aluminum“ eher für die Couch geeignet. Insgesamt sorgt die akkustisch sorgfältig austarierte, schattenhafte Atmosphäre ebenso für Pluspunkte wie die modernen Produktionsmethoden und Sounds, die dem Retro-Genre neues Leben einhauchen. Labour of love, das hört man. Sehr schönes MXRRR-Winter-Material. //RRRhund\

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Electro/Synth Pop/New Wave: Welch’ beglückend-euphorische Entdeckung! Am kommenden Freitag wird das Album „Weighing of the Heart“ (via Ninja Tune) der werten Nibahah Iqbal erscheinen. Alle drei Vorboten sind durchaus als Volltreffer zu verbuchen! Tanzbare Melancholie im New Wave-Gewand inklusive Ohrwurmfaktor. Passend zum Spätherbst und zu allem anderen auch. D/RRR

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Alternative: Eine der ganz wenigen Bands, die mir aktuell im klassischen Alternative-Feld zusagen, sind Hey Elbow aus Malmö. Halbelektronischen Prog-Pop könnte man das nennen, was die drei in der Regel zusammenbasteln. Das gilt auch für die aktuelle Single „Quest“ – die ausgefeilten Arrangements der ausgebildeten Jazzer bleiben dabei jederzeit im Popkontext (as in: gar nicht Jazz) ohne ihre eigenartige Spannung einzubüßen. Eine Kunst für sich. Dazu gibt’s außerweltlichen Silberanzug-Videotanz im Wald, der schön zu dieser schwebenden Nummer passt. Würde mich freuen, wenn die Schweden hierzulande mal ein bisschen mehr wahrgenommen werden. //RRRhund\

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12XU Radio #5: Groschi hat gerade die neueste 4-Stunden-Radiosendung mit feinstem aktuellem Underground-Material aus Punk, Post Punk, Noise Rock, Garage und Artverwandten online gestellt. Außer dem obligatorischen Mixcloud-Upload diesmal auch bei Hear This zu kriegen – in besserer Soundqualität. Dig it!

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Industrial Techno: Im aktuell brachialsten Techno-Genre, das sein Epizentrum in den letzten Jahren eindeutig in der deutschen Hauptstadt hat, ist eine Entwicklung im Gang, die Parallelen zum Hardcore Mitte der 80er Jahre aufweist (Stichwort: s̶̶c̶̶h̶̶n̶̶e̶̶l̶̶l̶̶e̶̶r̶̶. lauter. härter.). Wenn man in diesem Bild bleibt, könnte man behaupten, gerade auf sowas wie die erste Scheibe von Napalm Death gestoßen zu sein. Die Rede ist von „Poison your body“, einen Track von der neuen 12″ („British Steel“, 10.11., Perc Trax) des in Berlin lebenden, britischen Produzenten Ansome. Kein Sound, der nicht kompromisslos auf Krawall gebürstet ist, alles kommt mit Verzerrung, Punch und unwiderstehlicher destruktiver Energie daher. Bruitismus galore, Berlin Dungeon Sound. Ach ja, bin mal gespannt, ob das Cover bei F-Book durchgeht. //RRRhund\

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DJ set (2): Der holländische DJ- und Electroproduzent Joob Veermann, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Identified Patient, hat letztens ein klasse Set im Berliner Ohm abgeliefert, das jetzt unter dem Titel „Tales from the evil empire“ auf soundcloud zu finden ist, und etliche Perlen enthält. Natürlich spannendes, kantiges Zeug, bei dem die Minimal Wave- und Post Industrial-Roots des Genres immer wieder durchscheinen. //RRRhund\

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DJ set (1): Auf Mixcloud steht gerade ein Set der Electro Wave-Spezialistin Beta Evers mit Material aus ihren verschiedenen Projekten – Strom.ec, Klinik, Damas Prospect, Le Syndicat Electronique, Beta Evers + Heinrich Mueller und noch so einige mehr. Klasse Zeug. //RRRhund\

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Noise Rock/Art Punk: Stuttgart. Not Stuttgart. Mit dem in den letzten Jahren bekannt gewordenen, dunklen Post Punk-Sound der schwäbischen Nicht-Metropole haben Buzz Rodeo nämlich so gut wie nichts gemein. Vielmehr spielt Noise Rock in allen Facetten beim zweiten Longplayer der Band eine entscheidende Rolle („Combine“, seit Mai auf bandcamp zu haben), auf dem das Trio durchgehend auf hochklassigem Niveau agiert. Von den klassischen Chicagoer Bands der 1980er und 1990er Jahre – also Big Black, Shellac und Jesus Lizard – bis zur modernen walisischen Ausformung à la McClusky und Future of the Left sind viele Spielarten des Genres im Sound von Buzz Rodeo hörbar. Für die spezifische Färbung sorgen hauptsächlich das Organ und die Riffs von Gitarrist und Sänger Ralph Schaarschmidt‎, aber auch die Rhythmusgruppe muss sich vor niemandem verstecken. Eigentlich ein Wunder, dass die Band hierzulande nicht schon deutlich bekannter ist – international steht sie nämlich schon länger regelmäßig auf der Bühne. Der Prophet im eigenen Lande und so. //RRRhund\

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Art Punk/Post Punk/Riot Girls: Sofort angetan haben es mir The Tissues aus Los Angeles mit ihrem mal ätherischen, mal kratzigen Post Punk-Sound. Das zu drei Vierteln aus Frauen bestehende Quartett erinnert mich in mancher Hinsicht an die Londoner Formation Shopping: die sehr politische, emanzipatorisch-kämpferische Haltung, der Minimalismus der Arrangements und die Vitalität der Band. Was Klangbild und Stilistik angeht ist die Band aber eher dem Riot Girl- und Art Punk-Sektor zuzuordnen. Die auffällig charismatische Sängerin ist schon die halbe Miete, die solide Rhythmusgruppe und die grandiose Gitarrenarbeit besorgen den Rest. „Red light“ ist die erste Nummer vom Debüt-Longplayer „Veil“, der schon seit ein paar Monaten auf bandcamp zu finden ist. Von denen wird man bald mehr hören, da bin ich mir sicher. //RRRhund\

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New Wave/Post Punk: Die New Yorker Band The Death Of Lovers verwöhnt den Hörer auf ihrem ersten Longplayer „The Acrobat“ (Deathwish Inc.) mit feinbesaiteten The Cure-Vibes gepaart mit beschwingten Electropop-Elementen. Obacht! Der Titelsong mit seinen anregenden, in Zuckerwatte eingepackten Saxophon-Parts zählt durchaus zu den Highlights. Überzeugen darf und sollte man sich gerne beim Anschauen des aktuellen Videos. D/RRR

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Existenzialisten Noise Rock/Melting Butter Session: Das Video zu „Verheimlichung“, ein Track der neuen 7″ von Gewalt, wurde im April im Rahmen einer großartigen Melting Butter Session im Mannheimer RAMA Tonstudio geschossen („Limiter/Verheimlichung“, 1.12., Sounds of Subterrania). Mal gleich hübsch in Hamburg bestellen, falls ihr das nicht bereits gemacht habt … //RRRhund\

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Pretty Lightning, The Rhythm of Ooze, cover

Pretty LightningPsych Blues/Kraut/Space-out: Lieber Lama als Lyoner. Sorry, Kalauer mit Regionalbezug. Auf dem Pressebild hat sich die saarländische Formation Pretty Lightning nämlich mit einem Exemplar der südamerikanischen Kamelart ablichten lassen. Das Duo aus Saarbrücken ist schon seit zehn Jahren aktiv und hat Anfang November sein drittes Album „The Rhythm of Ooze“ beim renommierten britischen Psych-Label Fuzz Club Records veröffentlicht. Und dort sind die beiden auch bestens aufgehoben. Irgendwo im weiten Feld zwischen den Oh Sees, den Wooden Shjips und den frühen Black Keys – zwischen Blues, Psych, Kraut und Garagen Rock – verortet, bilden oft rudimentäre Gitarrenlicks aus dem Delta Blues und dem Psych der 1960er Jahre den Backbone der Musik von Christian Berghoff und Sebastian Haas. Bei den ruhigeren Stücken – zum Beispiel beim wunderschönen Album-Opener „Thunder Mountain Return“ – wird durch repetetive Muster, durch sorgsame, sensible Schichtungen aus minimalen, schwebenden Beats, dröhnenden Orgeln, verhalltem Gesang und sorgfältig eingestreuten Kraut-Sounds psychedelische Magie entfacht. Die rockende Seite der Band gibt es aber auch: Dann dominieren scheppernde, rudimentäre Rockstrukturen, ein krachendes Schlagzeug, die garagige Gitarre. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Band auf dem Album – eine gelungene Modernisierung und Neuinterpretation der Genre-Wurzeln. //RRRhund\

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Noise Rock/Post Punk: Ziemlich überzeugend, diese Band aus Leeds – quasi wie ein Ausschlag, den man nicht mehr los wird, meint einer der begeisterten User auf bandcamp. Thank liefern auf der „Sexghost Hellscape“-EP nörgelnden Noise Rock der britischen Sorte, der durchaus auch mal atonal daherkommt – dabei achten die Jungs sehr darauf, dass man das Tanzbein zum nordenglischen Schmutz und Schmodder schwingen kann. Und das machen sie verdammt gut, mit Punch und Magnetismus, kurzum: mit Suchtfaktor. Hotties fürs Jahr 2018, lautet die Prognose. Bin scharf darauf, die möglichst bald live zu sehen. Hier „Puching bag“. //RRRhund\

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Techno Punk: Auch Arte Tracks hat was gutes Niederländisches ausgegraben, lustigerweise ein Projekt aus Utrecht, der Stadt, in der ich letzte Woche gerade wieder zu Gast war. Volition Immanent – das ist der holländische DJ und Produzent Parrish Smith und der Hardcore-Sänger Mark Van De Maat – haben zwar mit ihrem Electro Punk-Sound stilistisch nur wenig Neues zu bieten, dafür stimmt aber definitiv das Energielevel. Würde ich mir bei Gelegenheit glatt anschauen … //RRRhund\

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Experimental/Drone/Kraut/Space Out/Psych Rock: Nicht aus den Niederlanden mitgebracht habe ich das neue Video der Radar Men From The Moon – die Band kannte ich schon vor meiner letzten Stippvisite beim nordwestlichen Nachbarn, und der aktuelle Hinweis kam von Fuzz Club Records, dem britischen Hauslabel des Quartetts. Bei „Black canvas, dark majesty“, dem ersten Video aber letzten Track vom finalen Teil der „Subversive“-Album-Trilogie zeigen sich die Eindhovener von ihrer krautig-experimentellen, dröhnenden Space-Out-Seite – lassen sich dreizehn Minuten Zeit für einen exquisiten, mehrteiligen Build-Up, bevor Heavy Psych-Gitarren in Wellen über den Hörer hereinbrechen. Das Video dazu ist vergleichsweise minimalistisch: Am Dünenstrand spielt eine weiß gewandete Frau mit einem obskuren schwarzen Quader. Wie immer herausragend: RMFTM („Subversive III“, 1.12., Fuzz Club Records). //RRRhund\

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Mitbringsel aus den Niederlanden (2)/Garagen Rock/Fuzz Rock: Korfbal sind ein blutjunges Quartett, eine Art Teenie-Supergroup (mit Mitgliedern von The Homesick, Creepy Karpis, Yuko Yuko und den Rats on Rafts), die klassischen Garagen Fuzz Rock mit Sixties-Einflüssen abrotzt – aber eben mit Raketenantrieb, Talent und gutem Songwriting. Hier das schön trashige Video zu „Scully“. Thx Jasper! //RRRhund\

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Mitbringsel aus den Niederlanden (1)/Experimental Indie Rock/Dark Moon Pop/Noise Rock: Wenn man das Glück hat, beim Le Guess Who-Festival mit einem versierten, niederländischen Freelance-Journalisten in der Bude zu wohnen, lernt man Einiges kennen. Zum Beispiel Blue Crime, ein zu drei Vierteln weibliches Quartett aus Amsterdam, das mit seinem Song „Trigger“ am 90er Indie Rock andockt, aber dann so richtig los lässt – im freien Spielfeld zwischen Früh-Sonic Youth’schen Noisepassagen, spaceig-schwelgerischen Harmonien und entrückten, aufgelösten Jams landet (aber eben nicht in der typischen Musikerfalle: null Rock-Genudel). Viel Spirit, viel Mut zum Experiment, viel Kante. Thx Jasper! //RRRhund\

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Post Industrial/Post Punk: Nochmal Italien – maschinell, reduziert, in Graustufen getaucht, mit pulsierendem, kantigem Industrial-Sound präsentiert sich das Intro von „Ulrich“, der neuen Single des Post Punk-Duos Kill Your Boyfriend, bevor die Nummer ganz zum Schluss durch das einsetzende Schlagzeug und die Gitarrenflächen im Shoegaze-Gewand noch einen organischeren, dunkelblauen Post Punk-Flow bekommt. Zu finden ist der Killer-Track auf einer limitierten 7″, die ausschließlich beim russischen Post Punk-Label Other Voices Records zu kriegen ist – leider ein teurer Spaß. Ein digitaler Release folgt aber, und der ist vermutlich eher zu stemmen. //RRRhund\

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Kraut Punk mit Härtegraden: Bei „Crystal mind“, der zweiten Hörprobe von der neuen His Electro Blue Voice, machen meine italienischen Lieblings-Krautpunker mal richtig einen auf dicke Hose – klingt ein bisschen so, als ob die frühen Hüsker Dü in den falschen Pudertopf gefallen sind. Vielmehr: genau den Richtigen. Ekstatisch brutal, das Vinyl ist natürlich schon längst geordert („Mental Hoop“, 24.11., Maple Death Records). //RRRhund\

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Garagy Post Kraut: Die Post Punks von Spray Paint aus Austin sind immer noch hyperaktiv und haben mit der Garagenlegende Dan Melchior ein neues Projekt am Start, das unter dem Titel Contributors läuft. Soundtechnisch bewegen sich die Jungs hier durch die kontrastreiche Interaktion in einem neuen Feld: Ihr giftig-atonales Post Punk-Gebräu bekommt Luft zum Atmen, gewinnt an Raum, und klingt eher nach noisigem Krautzeux – zusätzlich sorgen Dan Melchiors Gesang und Gitarrenspiel für einen interessanten Kontrapunkt. Und das zündet bei der Hörprobe „It’s a natural low“ erstaunlich gut (s/t, 17.11., Monofonus Press). Spray Paint haben übrigens noch weitere Kollaborationsprojekte angekündigt, deren Ergebnisse bei verschiedenen Labels präsentiert werden sollen. //RRRhund\

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Minimal Wave/Electro: Beim britischen Label Peripheral Minimal ist gerade „The Flood“, eine neue EP von Mitra Mitra erschienen. Beim Wiener Minimal Wave-Duo steuert die Neuseeländerin Violet Candide (Crazy Hospital DJ collective, Anesthetic Hairpins) vor allem den unterkühlten, pflegmatischen Gesang bei, während die britische Synth-Legende Mahk Rumbae (Konstruktivists, Oppenheimer MkII, Codex Empire) für die elektronischen Elemente verantwortlich zeichnet. Hier der Low Sea Remix von „Snakes“. //RRRhund\

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Post Punk/Stuttgart Sound: Schon bevor Die Nerven waren, war Peter Muffin. Die Rede ist nämlich vom Soloprojekt von Die Nerven-Bassist und -Sänger Julian Knoth, der Peter Muffin bei Auftritten immer wieder gerne mit neuen (und oft doch altbekannten) Gastmusikern (aus der Stuttgarter Szene) auffüllt. Auf der neuen Scheibe hat er allerdings alle Instrumente selbst eingespielt, Nerven-Bandkollege Max Rieger hat produziert, Ralph Milberg, der Meister des Stuttgart-Sounds, hat gemastered. Drei Jahre nach dem letzten Wurf „Nasenbluten gegen Deutschland“ erscheint im November also nun das schalkhaft betitelte Album „Ich und meine 1000 Freunde“ – das erste auf Vinyl (24.11., Butzen/Treibender Teppich Records). Die erste, sehr atmosphärische Hörprobe heißt „Kannte ich dich“ und bietet wenig überraschend den typischen Stuttgart-Sound, nur in etwas rumpeliger und mit Glockenspiel. „Wenn zu perfekt, liebe Gott böse!“ oder so … Im Dezember gibt’s dann drei Livertermine, leider kein Date hier in der Gegend dabei … //RRRhund\

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Lenn Ranaldos Lieblingsplatten bei The Quietus

Was die Kollegen schreiben: Superspannend ist es, Lee Ranaldos Geschichten über seine 13 Lieblingsplatten zu lesen – da steckt jeweils eine Menge Lebenshistorie des Sonic Youth-Gitarristen mit drin. Zu finden beim wie immer exzellenten The Quietus. //RRRhund\

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Experimental Electro/Post Kraut/Post Wave/Slow Swinging Body Music: So hat das am Samstag auf der Tactile Record Store-Party im Offenbacher Robert Johnson beim Auftritt von Toresch ausgesehen. Musikalisch großartig, klasse Publikum, alles in Bewegung, der Raum voller Energie. Und so ging es dann auch später bei den DJ-Sets von Orson Wells und Toulouse Low Trax weiter. Mega Nacht. //RRRhund\

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Dark Electro/Acid/Minimal Synth: Mein nächster Zugang für die Dark Electro-DJ Sets ist DIN, das minimalistische Synth-Projekt von Greg Vand (von den EBM-Wavern High-Functioning Flesh) und Josie Vand (Ex-DVA Damas, Grafikerin von Jealous God). Auf „Real Dirt“ (10.11, DKA Records) präsentiert sich das Duo äußerst fokussiert, mit modern aufbereiteten Wave-Sounds und tighten, tanzbaren, monotonen Electro-Grooves, über denen kalter Sprechgesang liegt. Just my cup of coffee. FFO Factory Floor, Tropic of Cancer, Boy Harsher. Guter Track: „Oil“. //RRRhund\

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Post Punk/Indie Rock: Die Kanadier Ought haben mittlerweile das Label gewechselt und stehen Anfang 2018 von der Veröffentlichung ihres dritten Albums („Room Inside the World”, 16.2., Merge/Royal Mountain). Im Video zur Hörprobe „These 3 things“ wird auf amüsante Art der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen Versuchsanordnung und schnöder Realität untersucht. „Die Referenzhölle ruft Pavement und early Graham Coxon“, erinnert sich Barthaar Kimic. //RRRhund\

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Post Punk Electronica/Breakbeat: Könnte glatt neben den anderen beiden auch schon gespielten Fassungen in einem meiner nächsten Sets landen – der Mike Young-Remix von POW!s „Castle of faith“. Schön verstrahltes Video auch. //RRRhund\

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Kraut Electronica/Post Industrial: Zu meiner Schande bisher völlig an mir vorbei gegangen sind Toresch aus Düsseldorf. Das Post-Industrial meets Kraut-Electronica-Projekt mit den Beats von Club des Amateurs-Resident Detlef Weinrich (AKA Toulouse Low Trax, außerdem bei Kreidler aktiv) und dem Fantasie-Gesang von Viktoria Wehrmeister (vormals bei Klaus Dingers La! Neu? und auch sonst als bildende Künstlerin aktiv) wird in der Livesituation visuell von Jan Wagner, Direktor der Filmwerkstatt in Düsseldorf, unterstützt. Immer noch heißer Scheiß ist „Essen für alle“, das Debütalbum von 2016, das sich aus 40 Jahren experimenteller wie tanzbarer Düsseldorfer Elektronikgeschichte von Kraut bis New Wave speist – und diese Stilelemente mit großem Magnetismus in die Moderne überführt. Ganz aktuell ist dagegen eine selbstbetitelte 12″, die im Oktober bei Offen Music erschienen ist. Hier „Guayabame“. Ziemlich geil. Und am Samstag bei der Geburtstagsfeier des empfehlenswerten Frankfurter Plattenladens Tactile Records live im Robert Johnson in Offenbach zu besichtigen. //RRRhund\

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Gewalt 7inch

Existenzialisten Noise Rock: Mir war klar, da würde etwas passieren, wenn Gregor auf diese Band trifft. Vier Leute, die mit ganzem Herzblut ihre Sache machen, eine Vision und eine Mission haben. Und so kommt es auch. Anfang Dezember erscheint eine wunderschön gestaltete Gewalt-7″ auf Sounds of Subterrania in vier verschiedenen Artwork-Fassungen. Darauf zu finden sein werden die Songs „Limiter“ und „Verheimlichung“, und letzterer Song wurde im RAMA Tonstudio in Mannheim eingespielt. Ich stand bei den Aufnahmesessions nämlich draußen vor der Tür, habe an meinem stillen Wasser genuckelt und mich dabei zum wogenden Rhythmus bewegt. Vier Nägel für mich, der DM1 gehört dazu. //RRRhund\

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Post Punk/Proto Punk: Und wo wir gerade bei Blank Editions waren, muss ich noch auf eine tolle, neue Band mit Magnetismus und Pop Appeal hinweisen. Die Rede ist von Aathens (yep, zweimal „a“, kein Schreibfehler), ein Quartett aus dem Label-Hometurf Hackney, das nächste Woche auf dem Londoner Label sein Longplayer-Vinyl-Debüt veröffentlicht: „Virtue Signal“ ist grob dem melodischeren Post Punk-Genre zuzuordnen und wird von Arrangements, von Gitarrensounds getragen, die zwischen Kalt- und Warmzuständen meandern – mal an Thurston Moores und Lee Ranaldos Experimente bei Sonic Youth wie an die Single-Note-Arbeit der Labelmates Housewives erinnern – dann wieder den lyrischen Ton von Television aufgreifen. Darüber liegt der Sprechgesang von Marcus Browne, der das Leben in der britischen Hauptstadt mit einem gewissen 70s New York-Vibe reflektiert. Und Songs können die schreiben – hört euch mal „Icewater“ an, bereits mein fünfter Durchlauf, ich bin verliebt. //RRRhund\

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DIY/Experimental/Post Punk: Veröffentlichungen von Blank Edition sind an dieser Stelle schon mehrfach aufgetaucht. Das DIY-Label aus dem Londoner Bezirk Hackney hat sich zum Ziel gesetzt, als Plattform für befreundete, experimentelle Bands aus dem Großraum der Metropole zu dienen. Dabei wird eine ordentliche stilistische Breite abgedeckt: Von der Kraut-beeinflussten Free Form Improvisation von Tomaga, über den spröden, No Wave beeinflussten Post Punk der Housewives bis hin zur effektvollen, monoton-grauen Elektronik der ADSL Camels ist alles Mögliche geboten. Mittlerweile hat Blank Edition auch einen digitalen Stützpunkt auf bandcamp eingerichtet; dort steht mit „Only The Dawn Was Left Behind By The Storm“ mittlerweile eine Label-Compilation online, die umsonst heruntergeladen werden darf. Checkt das mal aus, ein sehr interessantes Label. //RRRhund\

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