+Kurz rausgehackt: September 2017

No Wave Funk/Post Punk: Die sympathischen Ladies und Gents von Shopping aus London haben eine neue Single am Start, die munter verspult vor sich hin funkt und von den tanzbaren No Wavern der 80er inspiriert ist. Inhaltlich sucht man das Gespräch mit den Zuhörern, versucht diese aus den Reserve zu locken. Mit der Idee, die klassische Trennung zwischen aktivem Künstler und passivem Konsumenten zur Diskussion zu stellen, zu überwinden. Was die Füße angeht, klappt das bei mir schon mal ganz gut. Hier ist „The hype“. //RRRhund\

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Bitch Rock: Seid ihr heute auch so schlapp wie ich? Komm’ gerade gar nicht in die Gänge. Da kommt so ein Stück dreckig-keifender, giftiger, schwedischer Arschtret-Rock gerade richtig. „The song is based on the downfall of Charlie Sheen“, sagt die Band. Gemeint ist „Winning“ von Bitch Hawk (heute bei Adrian Recordings raus). //RRRhund\

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Alternative/Shoegaze/Dream Pop: „Summer cult“ heißt diese schöne, sanft schwebende, im Sound der 4AD- und Creation Records-Bands eingespielte Nummer vom aktuellen Album von The Prids. Die Single-Note-Gitarre erinnert dagegen etwas an den ätherischen Sound der Norweger White Birch. Das Video nimmt Bezug auf neo-paganistische Kulte und spiegelt Nicos End-60er Video für „Evening of the light“. //RRRhund\

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Tropical Goth: Schon seit den frühen Tagen meines persönlichen DJ-Revivals Anfang der 2010er Jahre begleitet mich Group Rhoda, das künstlerische Alter Ego von Mara Barenbaum. Das atmosphärische, minimalistische Synth-Projekt steht für einen ausgesprochen individuellen Stilmix – kalte Suicide-Sequenzen treffen auf warme Synthflächen, der Gesang erinnert in seiner distanzierten Affektion etwas an Laurie Anderson. Der eigenständige Charakter wird jetzt zurecht mit einem Release auf dem renommierten San Francisco-Label Dark Entries Records belohnt („Wilderless“, 7.10.). Goth in süß-sauer und feucht-heiß – tropisch eben: die Hörprobe „Sea or be sea“. //RRRhund\

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Alternative/Electronic: Das schön lässig vor sich hin groovende, am Ende aber gespenstische „Staring at zero“ von der tollen aktuellen Liars-Scheibe „TFCF“ hat ein trippiges Video verpasst bekommen, das man kennenlernen sollte. Boat trip gone wrong. //RRRhund\

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Indie Rock/Noise Rock/Post Punk/No Wave: Einfach geile Gitarrenarbeit. Auf den klassischen Noise Rock-Spuren von Sonic Youth und Live Skull wandelt die australische Band No Sister mit „Romantic notion“, der ersten Hörprobe vom zweiten Album „The Second Floor“ (14.11.). Dazu trägt auch der energische Frauengesang bei, der ständig in Verbindung zur Atmosphäre und Dynamik der Gitarren bleibt. Schon die erste Platte war in meinem digitalen Einkaufskorb gelandet. Wird wohl wieder so enden. Tolle Band, gerne auch mal live in Europa. //RRRhund\

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Post Industrial/Post Punk/Lo-Fi Nihilism: Eine ganze Latte an Bands aus der letzten Welle im Gotensektor hängt mir mittlerweile ja schon wieder zum Hals raus. Deja vu galore, läuft sich halt einfach schnell tot, dieses recht enge Genre. Vor allem wenn anstelle der rohen, spannenden, frühen Ansätze die langweiligen, ausgelutschten Schienen wieder aufgekocht werden wie das gerade in der Regel der Fall ist. Ganz anders sieht die Sache aber bei „Suffocating brothers“, der neuen Scheibe von Autumns aus. Hinter dem seit 2013 aktiven Projekt steckt Christian Donaghey aus Derry, Nordirland. Auf dem neuen Werk vermengt er die fiesen, dröhnend-verhallten Flächen der zweiten, okkulten, britischen Industrialfraktion (frühe Current 93 et al) mit ebenso stoischen wie messerscharfen Post Punk-Grooves (frühe Cabaret Voltaire, anybody?) und elektronischen wie gitarrigen Noiseklängen zu einer hübschen schwarzen Giftsuppe – und die dürfte in ihrer kompromisslosen Würze nicht allen bekommen. Darüber liegt dann noch der drängend-verhallte Sprechgesang von Donaghey wie eine Drohung. Aggro Dungeon Sound für die härteren Tage im Winter („Suffocating Brothers“, erschienen beim Glasgower Label Clandestine Records). //RRRhund\

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Synth: Schön, dass die 80er-Underground-Ikone J.G. Thirlwell seit ein paar Jahren in jeder Beziehung wieder auf dem Damm ist – wenn auch in stilistisch ganz anderen Ecken als noch zu Foetus-Zeiten. Film-Soundtracks und futuristische Synthkompositionen sind mittlerweile das Besteck der Wahl. Und zu letzterem zählt das fantastische Science-Fiction-Synth-Album „Neospection“, das er unter dem Projektnamen Xordox für Editions Mego abgeliefert hat. Sehr eleganter, abgespaceter Sound: „Diamonds“. //RRRhund\

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Alternative Rock/Goth Rock/Post Punk: Wenn der Friedhof zum Dancefloor wird. Die Grave Pleasures (Ex-Beastmilk) haben Ende September eine neue Platte am Start („Motherblood“, 29.9, Century Media), Das aktuelle Video zu „Joy through death“ ist für das Genre herrlich selbstironisch. Im Oktober ist die Band auf Tour und dann auch live beim Wir sind die Toten.-Festival in Mannheim zu begutachten. //RRRhund\

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Alternative: Schon lange kein Xiu Xiu mehr bei RRR, Zeit das zu ändern. Im Video zu „Forget“, dem Titeltrack vom aktuellen Album, offenbart sich in einem alptraumhaften Szenario die ganze Verletzbarkeit derjeniger, die sich auf Bühnen offenbaren. //RRRhund\

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Alternative/Electronic/Dub: Die respektierte Produzenten-, Remix-, und DJ-Legende Andrew Weatherall steht nach vielen Jahren wieder vor einer Soloveröffentlichung („Qualia“, 28.9., Höga Nord Records). Zu hören gibt’s „Spreads a haze (and a glory)“: Ein Hauch von 90er Big Beat-Lebensfreude, eine Prise Malcolm McLaren-Humor und als Topping Dubelemente in der Produktion (hat man ja gerade gerne wieder). Fürs Tanzbein, macht Spaß. //RRRhund\

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Psych Rock/Motorik/Kraut/Post Industrial Art Punk: Von denen kann ich echt nie genug kriegen. Äußerst gelungen sind die Fuzz Club Sessions der Eindhovener Band Radar Men From the Moon, die Live-im-Studio-Fassungen von Tracks der letzten beiden Alben zum Besten geben. Hier „Neon“ vom ersten Teil der „Subversive“-Trilogie. Die Niederländer sind übrigens beim hervorragend besetzten „Psych in Bloom“-Festival im Esslinger Komma zu Gast (Psych in Bloom, 6.–7.10.2017, Esslingen, Komma). //RRRhund\

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Alternative/Slo-Mo Post Dub: Die in London lebende, australische Sängerin Carla dal Forno hat im Oktober mit „The Garden“ eine neue EP auf Blackest Ever Black am Start. Der langsame, melancholische Titeltrack – eine Art musikalische Antwort auf den gleichnamigen Einstürzende Neubauten-Song von 1996 – hat einen leichten Dub-Unterton und spiegelt auch im Video das Berliner Original. //RRRhund\

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Experimental/Mystische Elektroakkustik: Auf den Spuren von Pierre Schaeffer, dem „Erfinder“ der elektroakkustischen Musik, wandelt der französische Komponist und Experimentalmusiker Francois Bonnet mit seinem künstlerischen Alter Ego Kassel Jaeger. Auf seiner neuesten Veröffentlichung sind an Dark Ambient angelehnte, mystische Kompositionen von enormer Eleganz und Ästhetik zu hören. Der Hörer wird in eine fein ziselierte, futuristische Klangwelt aus Flächen, Bleeps und Summtönen eingetaucht, die dreidimensional, ganz plastisch wirkt – eine ausgesprochen moderne Fassung des 70 Jahre alten Experimentalgenres. Kopfhörereinsatz empfohlen. „Aster“ ist gerade beim Wiener Label Editions Mego als Doppel-LP und im digitalen Format erschienen. Hier „Rose Poussière“. //RRRhund\

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Alternative: Ein Jahr nach dem Release der letzten, sehr erfolgreichen Trentemøller-Scheibe steht mit „The Science of Fixion“ nun ein knapp einstündiger Dokumentarfilm online, der den immerhin vierjährigen Entstehungsprozess der Platte dokumentiert. Sehenswert. //RRRhund\

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Post Metal/Doom/Sludge/Slow Core/Spiritual/Experimental: Als die hierzulande bisher nur Wenigen bekannten Kanadier Big|Brave vor einer Weile im Wiesbadener Schlachthof für Sunn O))) eröffneten, gab die Band mit dem hypnotisierenden Konzert ein musikalisches Versprechen ab. Stilistische Hermetik, disziplinierte Präzision, steile Dynamikstufen, die aus den Wellen des Sounds herausbrechenden Emotionen von Sängerin Robin Wattie … und nicht zuletzt: spirituelle Energie. Langsames, wuchtig-wogendes, musikalisches Material vom nördlichsten Rand des Rockkanons. Nur: Die stärksten dargebotenen Tracks der Show waren damals allesamt neue, noch unveröffentlichte Stücke. Bis jetzt, denn genau diese Tracks sind nun auf der neuen Scheibe „Ardor“ zu finden, die gerade bei Southern Lord erschienen ist. Eingespielt wurde die Scheibe vom Trio aus Montreal im berühmten Hotel2Tango, am Mischpult stand diesmal Radwan Ghazi Moumneh (von Jerusalem In My Heart). Dazu tummeln sich auf der Platte illustre Gastmusiker der experimentierfreudigen Montreal-Szene: Jessica Moss (vom Thee Silver Mt Zion Memorial Orchestra) hat Violinenspuren beigesteuert, Thierry Amar (Godspeed You! Black Emperor) Kontrabass gespielt. Herausgekommen ist ein großartiges Album mit drei laaangen, tief atmenden Tracks weit jenseits der 10-Minuten-Marke, die die Soundwalze aktueller Doom- und Sludge-Götter mit der Dynamik des 90er-Jahre Slow Cores paart. Hinzu kommt etwas Unausgesprochenes, aber Mitschwingendes: Wenn man die Augen schließt, kann man Schamanen in den kanadischen Wäldern visualisieren, die die Rassel zum Takt bewegen, Heilungszeremonien, Kommunikation mit den Spirits des Waldes. Rockriten anno 2017. Ein Fall für die Jahresendliste. //RRRhund\

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Desert Goth/Psycho Beat: „Blood red moon“, die neue Single der Ritual Howls kommt mit der in der US-amerikanischen Schwarzen Szene gerade recht beliebten Mischung aus klassischer Rock’n’Roll-Wüsten-Gitarre und Goth-Atmosphäre („Their Body“, 22.9., Felte). Dazu der Rituals Howls-Klapperschlangen-Beat, diesmal in punktiert und swingend. Nice. //RRRhund\

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Full Technicolor Synth/Synth Wave: „Memory“, die aktuelle Single von der Com Truise-LP „Iteration“ ist instrumentaler, moderner, futuristischer Synth Wave ohne Angst vor irgendwelchen Retrofallen. Full Technicolor Synth. //RRRhund\

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Minimal Wave/Synth: Martial Canterel, das langjährige Analog-Synth-Projekt von Sean McBride (eine Hälfte von Xeno & Oaklander), hat eine neue LP bei Dais Records draußen. Bei der Single „Giving up“ ist alles wir immer – perfekt gewobener Synth Wave mit Melancholiefaktor. //RRRhund\

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Alternative: Im aktuellen Video vom neuen King Krule-Album „The Ooz“ (13.10., True Panther Sounds/XL Recordings) läuft die Band wie eine Horde Ghouls durch die Gegend … oder was auch immer dieser Aufzug darstellen soll (vielleicht handelt es sich auch einfach nur um eine Persiflage auf die neueste englische Crack-Epidemie in der Provinz … halt mal, das war ja auf der anderen Seite des Atlantiks). Coole Nummer auch dieses „Dum surfer“, irgendwo zwischen Kaputtnik-Sound und Alternative-Chique. Kann man machen. Oder zumindestens ein paar Monate spielen. //RRRhund\

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Post Punk/Death Rock/Dark Punk/Goth Rock: Die bereits seit Mitte der 2000er Jahre aktiven Italiener Havah sind mir zum ersten Mal 2015 durch ihre Split-LP mit His Electro Blue Voice über den Weg gelaufen. Am Freitag veröffentlicht die Death Rock-Band aus Ravenna nun ihren dritten Longplayer („Contravveleno“, 15.9., Maple Death Records), ein Konzeptalbum über jugendliche Widerstandskämpfer gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg. Stilistisch zwischen The Cure (circa „Faith“-Ära) und den Wipers: die starke Hörprobe „Al di fuori del male“ („Outside of evil“). //RRRhund\

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Japanese Kraut: Auch im fernen Osten gibt es feine Gerichte mit eingelegtem Gemüse. Minami Deutsch servieren den klassischen Düsseldorfer Kraut-Sound auf die japanische Art. Wie Neu! mit kosmischem japanischen Sprechgesang: „南ドイツ – Futsu Ni Ikirenai“. Die Band hat auch gerade eine ausgedehnte Europa-Tour begonnen (10.10. Würzburg, Cairo). //RRRhund\

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Can, Rockpalast, 1970

+BLAST FROM THE PAST: Anlässlich des Todes von Can-Bassist Holger Czukay hat der Rockpalast seine älteste Aufnahme der Kölner Ausnahme-Band rausgekramt und online gestellt. Can, Soest, 1970.

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Electronic/Post Industrial: Geodetic ist das Elektronik-Projekt von Claudio Rocchetti und Jukka Reverberi (Giardini di Mirò, Crimea X). Auf der aktuellen EP „Cold lights“ gelingt es dem italienischen Duo, warme, tanzbare, organische Beats perfekt mit den kalten Maschinensounds des Industrial zu paaren. Eine gelungene Überführung ins konkrete Jetzt, typischer Atonal-Sound. Ob man die 2018 wohl im Kraftwerk bewundern darf? (gerade beim Berliner Label Instruments of Discipline erschienen) //RRRhund\

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Experimental Electronica: Pernille Zidore Nygaard ist Panxing. Die Kopenhagenerin schafft auf ihrem Debüt „Anti gone“ aus dekonstruierten Techno-Elementen, experimenteller elektronischer Musik und Piano-Miniaturen eine ebenso formlose wie rasiermesserscharf gezeichnete, musikalische Landschaft, die man so noch nicht gehört hat und völlig für sich steht. Spannend. //RRRhund\

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Alternative: Seit dem Great Escape-Festival in Brighton steht bei mir die chameleonartige Londoner Formation HTMLD unter konstanter Beobachtung. Und das lohnt sich, denn jede Single hat einen komplett anderen Vibe. Neuestes Beispiel ist „Satan, Luella and I“, ein Song, der sich zuerst ans Nick Cave-Universum anlehnt um dann in einen queeren, bunten, pathetischen Knallbonbon von Alternative-Pop Song mit 80er Vibe (Marc Almond oder so) zu münden. //RRRhund\

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Electronic Indie/Post Dubstep: Auch wenn mir auf dem aktuellen Album der ehemaligen Post Dubstep-Minimalisten Mount Kimbie einige Tracks gar nicht gefallen, enthält es auf der anderen Seite doch einige echte Perlen. Bestes Beispiel ist vielleicht „Blue Train Lines“, der Track mit dem Gastgesang von King Krule („Love what survives“, gerade bei Warp Records erschienen). //RRRhund\

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Experimental/Drone Metal: Einen frischen, organischen Twist entlockt „Study For A Monument“, das neue Album des Schweden Johan Zetterquist, dem mittlerweile doch recht abgenutzten Drone Metal-Genre. Die mit einer Gibson SG live eingespielten, längeren Tracks leben von ihrer Spannung, von den hart herausgearbeiteten Kontrasten, dem grellen Glühen der Feedbacks wie von Momenten komplentativer Ruhe. Sehr gelungen (bei iDeal Recordings in Gothenburg erschienen). FFO Stephen O’Malley, Maryanne Amacher. //RRRhund\

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Retro Psych Rock/Proto Prog: Ja ist denn wieder 1969? Eine ganz anachronistische Band, auf die ich da beim Durchforsten meiner bandcamp-Filterblase gestoßen bin. Pinky Pinky, das sind drei 17-jährige Girls aus Los Angeles, die so klingen, als ob Jefferson Airplane Ende der 60er eine andere Abzweigung Richtung Proto Prog genommen hätten. Eine Debüt-EP im kompletten Retrosound, musikalisch stark dargeboten und mit hervorragendem Songmaterial. Passen mit ihrem klassischen Sound – obwohl stilistisch schon an einer deutlich anderen Ecke unterwegs – gut zur rollenden Power Pop-Welle. Vermutlich weil sie gute Laune verbreiten. //RRRhund\

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Psych Rock: Black Floyd oder Pink Sabbath? Sucht’s euch aus. Wie eine Mischung aus den frühen Pink Floyd der Syd Barrett-Ära und einer relaxteren Nummer von Black Sabbath klingt „A man in the sand“, die aktuelle Single der Briten Orb. Witziges, psychedelisch-verschobenes Drogenvideo auch. //RRRhund\

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Electro: Die französische Electro-Formation Zombie Zombie hat für Oktober das erste reguläre Album seit fünf Jahren angekündigt („Livity“, 20.10., Versatile Records). Treibend, hypnotisierend, vielschichtig: der Titeltrack und Album-Opener. //RRRhund\

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Electronic/Synth/Minimal Wave: Unter dem Künstlernamen Stacian bereichert die Elektronikproduzentin Dania Luck schon seit vielen Jahren die kalifornische Minimal Wave-Szene. Ihr neues Album „Person L“ erscheint demnächst beim Glasgower Underground-Label Nightschool Records und klingt eher nach der Geräuschkulisse einer Arcade-Spielhölle als nach einem verhallten Verlies. Dementprechend ist auch das von Laura Callier abgedrehte Video zu „Telephonix“ eher ironisch als düster. (9.9., Nightschool Records) //RRRhund\

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Electronic/Acid EBM Pop: Zwei meiner elektronischen Lieblingskünstler der letzten Jahre haben sich zusammengetan und eine klasse Single produziert. Gerade draußen von Not Waving (der Projektname von Alessio Natalizia) mit Gesang von Marie Davidson: der Acid EBM-Track „Where are we“ (digital bei Diagonal erschienen). Gefällt. //RRRhund\

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Electronic/Desaturated Post-­Apocalyptic Alternative: „Check my profile“ ist die erste Single vom neuen Odonis Odonis-Album „No Pop“. Und nonem est omen: Der Song ist so desaturiert, ins Schwarz-Weiß getaucht, dass die Stilmischung aus 90er Dark Alternative Sound à la Nine Inch Nails und Früh 00er-Jahre Dark Pop ins Geisterhafte abdriftet („No Pop“, Oktober 2017, Felte). //RRRhund\

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Wenn Metal Heads Death Rock spielen: So muss man sich das wohl vorstellen. Denn Rope Sect haben auf „Personae Ingratae“ harmonische Strukturen wie Arrangementideen aus diversen Metalsparten in ihren Dunkel-Rock integriert – bleiben soundtechnisch aber immer im Death Rock-Territorium –, was zu einer einzigartigen, so bisher selten gehörten Atmosphäre führt, die gleichsam surreal, romantisch wie misanthropisch daherkommt. Ein bisschen Giftschrank in bekömmlichen Dosierungen. //RRRhund\

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Gqom/Tribal EDM: Neue Single von Citizen Boy SA aus Durban, Südafrika. Obwohl zu einhundert Prozent im Gqom-Ductus produziert strotzt „iZulu“ mit seiner Synthi-Hookline nur so vor Pop Appeal und könnte die erste fettere Chartpositionierung für Citizen Boy SA und das bisher noch recht undergroundige Zulu-EDM-Genre bedeuten. Auf soundcloud übrigens gerade als Umsonst-Download zu kriegen. //RRRhund\

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Post Punk/Dub Noir: In letzter Zeit gab es wieder einige sehr gelungene Experimente mit Dub-Elementen innerhalb des Post Punk-Genres. Neuestes Beispiel ist „Cold fever“, die Leadsingle vom Debütalbum von Matias Aguayo & The Desdemonas aus Berlin („Sofarnopolis“, 13.10., Crammed Discs). Schön ausgebrannt und gleichzeitig erdig-wuchtig. Das Animationsvideo von Céline Keller basiert auf Zeichnungen von Aguayo und ist ein echtes Highlight. //RRRhund\

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Experimental/Psychedelic Underground/Nu Kraut: Als der niederländische Wissenschaftler und Psychedelic-Pionier Bart Huges sich 1965 mit einem elektrischen Zahnarztbohrer ein Loch in den Schädel bohrte, verfolgte er die Vorstellung, dass diese Trepanation zu massiv erhöhten Mentalkräften führen sollte, und dadurch zu einem Dauer-High-Zustand führen würde. Das ganze Extrem-Experiment hat er in seinem Buch „The Mechanics Of Brain Blood Volume (BBV)“ festgehalten. 51 Jahre später diente diese Geschichte letztes Jahr als Inspirationsquelle und Namensgeber für eine Kollaboration zwischen dem experimentellen Psychedelic-Kollektiv Gnod aus dem britischen Salford und den niederländischen Kraut-Aficionados Radar Men From the Moon. Die vier Tracks auf Temple Of BBV, so der Name des Projekts, wurden in nur vier Tagen geschrieben und eingespielt – im Zentrum stand dabei die Schaffung von psychedelischen Soundstrukturen und -landschaften. Das Vinyl ist bei Fuzz Club Records zu kriegen, die digitale Fassung auf bandcamp – zu einer Live-Aufführung wird es auf dem nächsten Roadburn Festival in Tilburg kommen, das auch von Gnod kuratiert wird. //RRRhund\

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